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Unregelmäßige Verben im Neugriechischen

Unregelmäßige Verben im Neugriechischen sind Verben, die entweder hinsichtlich ihrer Stämme oder ihrer Endungen Besonderheiten aufweisen und nicht nach den …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Unregelmäßige Stämme
  3. 3. Unregelmäßige Formen
  4. 4. Defektive Verben

Grundidee und Einordnung

Unregelmäßige Verben im Neugriechischen sind Verben, die bei ihren Stämmen oder Endungen Besonderheiten zeigen und deshalb nicht nach den üblichen neugriechischen Konjugationsregeln flektiert werden. Dazu gehören auch defektive Verben, also Verben, die nicht alle Formen bilden, zum Beispiel nur einen Präsensstamm, aber keinen Aoriststamm.

Das neugriechische Verbalsystem ist sehr vielfältig. Das wissenschaftliche Lexikon von Anna Iordanidou umfasst 4500 Verben mit 235 verschiedenen Konjugationsschemata. Da nur ein Teil dieser Schemata als regelmäßig gilt, ist die Zahl der unregelmäßigen Verben groß. Die im Artikel behandelte Liste enthält ohne die defektiven Verben etwa 500 unregelmäßige Verben, erfasst aber ausdrücklich nicht alle möglichen Fälle.

Wie viele Verben als unregelmäßig gelten, hängt auch davon ab, wie weit man altgriechische und hochsprachliche Formen zum Neugriechischen rechnet. Das heutige Standard Modern Greek wird als Synthese aus Dimotiki, der früheren Volkssprache, und Katharevousa, der Hochsprache, beschrieben. Viele gelehrte Verben aus der Katharevousa wurden übernommen und werden teilweise nach altgriechischen Schemata flektiert. Im heutigen Neugriechischen wirken sie daher unregelmäßig. Häufig sind sie vor allem schriftlich oder in gehobenem Stil gebräuchlich; manchmal kommen praktisch nur bestimmte Formen vor, besonders die 3. Person Singular und Plural.

Auch die Grenze zwischen regelmäßig und unregelmäßig ist nicht immer eindeutig. Problematisch sind etwa Verben auf -αίνω mit verschiedenen Aoristbildungen sowie Verben auf -ώ, die ihren Aorist nicht regelmäßig auf -ησα bilden, sondern etwa auf -ασα, -εσα, -υσα, -αξα, -ηξα oder -εψα.

Unregelmäßige Stämme

Bei der unregelmäßigen Stammbildung verändert sich der Stamm eines Verbs in bestimmten Zeiten oder Formen anders, als es nach den normalen Regeln zu erwarten wäre. Die Grammatik von Manolis Triantafyllidis von 1941 unterscheidet zehn Typen solcher unregelmäßiger Verben.

Wichtige Typen sind: Verben, die den Aoriststamm aus einer anderen Wurzel bilden, zum Beispiel βλέπω > είδα; Verben, die im Aorist den Schlusskonsonanten des Präsensstamms ändern, zum Beispiel βάζω > έβαλα; und Verben, die im Aorist den Stammvokal ändern, zum Beispiel δίνω > έδωσα. Weitere Gruppen sind Verben auf -αίνω oder -άνω, die im Aorist das ν verlieren und den Vokal ändern, etwa αμαρτάνω > αμάρτησα, sowie Verben auf -λλω, die im Aorist ein λ verlieren, etwa σφάλλω > έσφαλα.

Weitere Muster betreffen Verben auf -λνω oder -ρνω, die im Aorist das ν verlieren, zum Beispiel δέρνω > έδειρα, und Verben auf -αίνω, die im Aorist die Silbe -αιν- verlieren, zum Beispiel καταλαβαίνω > κατάλαβα. Außerdem gibt es Verben der ersten Konjugation, die Formen wie Verben der zweiten Konjugation bilden, etwa βόσκω > βόσκησα, sowie Verben der zweiten Konjugation auf -ώ, deren Aorist nicht auf -ησα, sondern auf andere Endungen gebildet wird, etwa γελώ > γέλασα. Auch unregelmäßige Partizipien gehören dazu, zum Beispiel αγανακτώ > αγανακτισμένος.

Die lange Tabelle des Artikels zeigt, dass ein Verb mehrere relevante Formen haben kann: Präsens Aktiv, Aorist Aktiv, Konjunktiv Aorist Aktiv, Aorist Mediopassiv, Konjunktiv Aorist Mediopassiv und Partizip Perfekt Mediopassiv. Komposita werden meist unter dem Grundverb aufgeführt, wenn sie wie dieses konjugiert werden. Sehr gelehrte Formen sind mit einem Asteriskus markiert; sehr seltene Formen stehen in Klammern. Nicht aufgenommen wurden unter anderem Verben auf -εύω mit gelehrtem Aorist -ευσα und Verben, die nur ein inneres Augment bilden, sich sonst aber normal verhalten.

Unregelmäßige Formen

Neben unregelmäßigen Stämmen gibt es Verben, die wegen ihrer Formenbildung unregelmäßig sind. Einige folgen nicht den üblichen neugriechischen Konjugationsschemata, sondern haben altgriechische Formen bewahrt. Ihr Gebrauch ist oft auf schriftliche Texte, gehobenen Stil oder einzelne Personen und Zeiten beschränkt. Besonders Formen der 2. Person Plural sind bei vielen dieser Verben ungebräuchlich oder nur gebildeten Griechen bekannt. Manche dieser Verben sind zugleich defektiv, weil sie nicht in allen Tempora auftreten.

Eine Gruppe bilden mediopassivische Formen einiger altgriechischer Verben auf -μι, die im Neugriechischen als Verben auf -αμαι, -εμαι oder -ειμαι erhalten sind. Beispiele sind ανθίσταμαι, προστίθεμαι und πρόσκειμαι. Die Präsensendungen lauten unter anderem -μαι, -σαι, -ται, -μεθα, -σθε und -νται. Im Paratatikos kommen Formen wie ανθίστατο, προστίθετο und επρόκειτο vor. Ein besonders gebräuchliches Wort dieser Gruppe ist πρόκειται (για), „es handelt sich (um)“, das nur in der 3. Person Singular auftritt.

Eine zweite Gruppe sind Verben auf -ώ im Aktiv beziehungsweise -ούμαι im Mediopassiv, die aus der Kontraktion von -όω oder -όομαι entstanden sind und ein altgriechisches Schema behalten haben. Aktivische Beispiele sind πληρώ, αξιώ und απαξιώ; mediopassivische Beispiele sind δικαιούμαι, υποχρεούμαι, καρπούμαι, επικαρπούμαι, ισούμαι und εξισούμαι. Sehr seltene mediopassivische Verben treten nur in der 3. Person Singular auf, etwa ευοδούται oder διογκούται. Viele dieser Verben besitzen häufigere volkstümliche Formen auf -ώνομαι beziehungsweise -ώνεται; im Einzelfall kann es Bedeutungsunterschiede geben, etwa δικαιούμαι ≠ δικαιώνομαι.

Eine weitere Gruppe sind Verben auf -ώμαι. Sie haben im mediopassivischen Präsens gelehrte Formen wie -ώμαι, -άσαι, -άται, -ώμεθα, -άσθε und -ώνται bewahrt. Beispiele sind εγγυώμαι, εξαρτώμαι, αιτιώμαι, ορμώμαι, ακροώμαι, καταχρώμαι, απατώμαι, ηττώμαι, εκτιμώμαι und αποκτώμαι. Auch hier bestehen teilweise volkssprachliche Nebenformen, zum Beispiel neben εξαρτώμεθα auch εξαρτόμαστε und εξαρτιόμαστε.

Defektive Verben

Defektive Verben sind Verben, die nicht wie gewöhnlich drei Stämme besitzen oder deren Formen zwar theoretisch möglich, aber tatsächlich nur in bestimmten Zeiten oder Personen gebräuchlich sind. Ein Verb kann zum Beispiel nur im Präsensstamm vorkommen und keinen Aoriststamm bilden. Andere Verben könnten in sehr gelehrtem Kontext mehr Formen haben, werden aber im normalen Gebrauch nur im Präsens und Paratatikos verwendet und sind deshalb faktisch defektiv.

Keinen Aoriststamm bilden unter anderem είμαι, έχω, ανήκω, βρίθω, δικαιούμαι, υποχρεούμαι, οφείλω, πάσχω, πληρώ, πρέπει, πρόκειται und χάσκω. Bei έχω erscheint der Aorist έσχον nur in sehr gelehrten Kontexten oder festen Phrasen.

Nur im Aoriststamm ist heute noch κορεννύω mit dem Aorist κόρεσα gebräuchlich. Andere Verben erscheinen meist nicht im Paratatikos, sondern vor allem im Präsens, Aorist oder Futur, etwa ανακλώμαι, εγγυώμαι, εξαρτώμαι, αποπειρώμαι, εκρήγνυμαι, κατάσχω und πλήττομαι. Bei εκρήγνυμαι ist der Aorist nur in der 3. Person gebräuchlich: εξερράγη, εξερράγησαν.

Ein Sonderfall ist αίρω, αίρομαι: Es ist nicht im Paratatikos und Aorist, sondern nur im Präsens und Futur beider Stämme gebräuchlich. Außerdem gibt es Verben, bei denen von einzelnen Zeiten nur bestimmte Personen üblich sind. So bilden δικαιούμαι, υποχρεούμαι, θεωρούμαι, εγκαθίσταμαι und καλούμαι den Paratatikos meist nur in der dritten Person; andere Formen gelten als sehr gelehrt.

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