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Paratatikos
Paratatikos (altgriechisch παρατατικός ‚ausspannend', ‚ausdehnend', ‚unvollendet', παρατατικὸς χρόνος, deutsch ‚Imperfekt', lateinisch tempus imperfectum; …
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Bedeutung und Abgrenzung
Der Paratatikos ist eine grammatische Vergangenheitsform griechischer Verben. Er entspricht ungefähr dem deutschen Imperfekt, ist aber nicht mit dem Präteritum gleichzusetzen: Neben der Vergangenheit drückt er zugleich den imperfektiven Aspekt aus. Dieser stellt eine Handlung als wiederholt, gewöhnlich oder andauernd dar.
Der Paratatikos ist vor allem im Gegensatz zum Aorist zu verstehen. Beide Formen bezeichnen vergangene Handlungen oder Ereignisse, zeigen aber eine unterschiedliche Sicht auf deren zeitlichen Verlauf. Der Aorist beschreibt einmalige und abgeschlossene Handlungen sowie den punktuellen Beginn oder das Ende eines Ereignisses. Da solche Vorgänge im Alltag häufig vorkommen, wird der Aorist in der gesprochenen Sprache öfter als Vergangenheitsform verwendet.
Einige Verben schließen aufgrund ihrer Bedeutung eine aoristische Verwendung aus und werden deshalb stets mit dem Paratatikos in die Vergangenheit gesetzt. Dazu gehören „haben“ (έχω), „sein“ (είμαι) und „wissen, kennen“ (ξέρω). Umgekehrt bilden manche neugriechischen Verben nur den Aorist und keinen Paratatikos, beispielsweise εκρήγνυμαι („ausbrechen, explodieren“) und απατώμαι („sich täuschen“). Der Artikel weist darauf hin, dass seine Angaben nicht hinreichend durch Belege abgesichert sind.
Stämme und regelmäßige Bildung
Fast jedes neugriechische Verb besitzt vier Stämme: den sogenannten Präsensstamm, zwei aktive und passive Aorist-Stämme sowie den Partizip-Passiv-Stamm. Die Bezeichnung „Präsensstamm“ ist möglicherweise missverständlich, weil dieser Stamm nicht nur eine Zeitstufe, sondern auch einen Aspekt ausdrückt: Die Gegenwart ist definitionsgemäß nicht abgeschlossen. Hans Ruge nennt ihn in seiner „Neugriechischen Grammatik“ deshalb alternativ „paratischen Stamm“.
Der aktive Paratatikos wird regelmäßig gebildet, indem man an den unverkürzten Präsensstamm die Konjugationsendungen der Vergangenheit anhängt.
• Bei Verben der nicht-endbetonten Konjugation wird der Wortakzent auf die drittletzte Silbe verlagert. Besteht ein solches Verb nur aus zwei Silben, wird ihm als Augment ein betontes ε, seltener η, vorangestellt. Ein Augment ist hier ein zusätzliches Element zur Bildung der Vergangenheitsform.
• Bei endbetonten Verben wird zwischen Stamm und Vergangenheitsendung zusätzlich die betonte Silbe ούσ eingeschoben.
• Bei zusammengesetzten Verben kann ein inneres Augment auftreten, also ein Augment innerhalb der Zusammensetzung. Je nach Verb ist es optional oder obligatorisch.
Grundlegende Beispiele
Die Form πληρών|ω („ich bezahle“) wird zu πλήρων|α („ich bezahlte“). Bei βλέπ|ω („ich sehe“) entsteht durch das vorangestellte Augment die Form έ|βλεπ|α („ich sah“). Die deutsche Übersetzung muss jeweils den imperfektiven Aspekt wiedergeben: Gemeint ist ungefähr „Ich bezahlte für gewöhnlich“ beziehungsweise „Ich sah jeden Tag“, nicht bloß eine beliebige einmalige Handlung in der Vergangenheit.
Weitere aktive Formen sind:
• ρέω → έρεα („fließen“) • λέω → έλεγα („sagen“) • μεταφράζω → μετάφραζα oder μετέφραζα („übersetzen“); das innere Augment ist optional. • περιθάλπω → περιέθαλπα („pflegen“); das innere Augment ist obligatorisch. • εγκρίνω → ενέκρινα („genehmigen“); das innere Augment ist obligatorisch. • αγαπώ → αγαπούσα („lieben“) • προχωράω → προχωρούσα, auch προχώραγα („fortschreiten“)
Passivformen
Auch für passive Verbformen nennt der Artikel Beispiele des Paratatikos:
• αγαπιέμαι → αγαπιόμουν („geliebt werden“) • αισθάνομαι → αισθανόμουν („fühlen“) • θεωρείται → θεωρούνταν oder εθεωρείτο („betrachten als“) • πρόκειται → επρόκειτο („sich handeln um“)
Die Formen εθεωρείτο und επρόκειτο sind Überreste der Katharevousa, einer älteren Form des Neugriechischen.