Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe

Die Forschungsstelle bestand von 2014 bis 2025 und wurde vom Historiker Jürgen Zimmerer geleitet, der als einer der führenden Kolonialismusforscher in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einrichtung und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Ende
  3. 3. Aufgaben und Vermittlung
  4. 4. Forschungsschwerpunkte
  5. 5. Provenienzforschung und Kunstraub
  6. 6. Ausgewählte Veröffentlichung

Einrichtung und Bedeutung

Die Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung“ war von 2014 bis 2025 eine Einrichtung der Universität Hamburg. Unter der Leitung des Historikers und Kolonialismusforschers Jürgen Zimmerer untersuchte sie die Verbindungen und Nachwirkungen des Kolonialismus in Hamburg, Deutschland und den ehemaligen Kolonien. Damit sollte insbesondere Hamburgs Rolle in kolonialen Ausbeutungsverhältnissen und in der frühen Globalisierung wissenschaftlich aufgearbeitet werden.

Entstehung und Ende

2013 regte die Hamburgische Bürgerschaft an, die Hamburger Kolonialgeschichte aufzuarbeiten. Daraufhin beschloss der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg ein stadtweites Erinnerungskonzept. Dazu gehörten die postkoloniale Erinnerungsarbeit, der Umgang mit den historischen Zeugnissen in der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Jenfeld und die Gründung der Forschungsstelle.

Anfang 2017 bescheinigte der Wissenschaftsrat der Forschungsstelle „hervorragende Ansatzpunkte“, um der Bevölkerung die Bedeutung der Universität Hamburg zu vermitteln. Zugleich wurde die Kolonialgeschichte an der Universität als „Potenzialbereich“ eingestuft. Im März 2025 strich der Hamburger Senat jedoch die Gelder für die Forschungsstelle, sodass sie eingestellt werden musste.

Aufgaben und Vermittlung

Die Forschungsstelle analysierte anhand exemplarischer Fallbeispiele die Dynamiken, Repräsentationen und Kontroversen des deutschen Kolonialismus. Repräsentationen sind dabei Formen, in denen Kolonialismus dargestellt und vermittelt wurde. Neben der Forschung organisierte die Einrichtung Vorträge und Ringvorlesungen und erarbeitete eine Webpräsentation, um ihre Themen öffentlich zugänglich zu machen.

Forschungsschwerpunkte

Die Projekte behandelten unter anderem die Beteiligung Hamburger Kaufleute an der kolonialen Expansion, die Geschichte von People of Colour in Hamburg und koloniale Diskurse in Hamburger Theatern nach 1871. Untersucht wurden außerdem die Verflechtung von Antisemitismus und Kolonialrassismus im Deutschen Kaiserreich, koloniale Fotografie mit dem Schwerpunkt Deutsch-Südwestafrika sowie die Beziehungen zwischen Rassismus, Kolonialismus und Nationalsozialismus.

Provenienzforschung und Kunstraub

Ein wichtiges Arbeitsfeld war die Provenienzforschung, also die Untersuchung der Herkunft und Besitzgeschichte von Objekten. Das Projekt „Koloniale Spuren“ erforschte die Geschichte der Sammlungen des Übersee-Museums Bremen. Dort befinden sich 5000 koloniale Objekte, deren Herkunft teilweise ungeklärt ist.

Daneben untersuchte die Forschungsstelle anhand der „Benin Bronzen“ die weltweite Verbreitung kolonial geraubter Kunst. Bei diesen Bronzen handelt es sich um bedeutende Kunstwerke aus dem vorkolonialen Afrika. Nach der britischen Plünderung von Benin im Jahr 1897 wurden sie über die Welt verstreut.

Ausgewählte Veröffentlichung

2021 veröffentlichten Jürgen Zimmerer und Kim Sebastian Todzi das Buch „Hamburg: Tor zur kolonialen Welt. Erinnerungsorte der (post-)kolonialen Globalisierung“. Es erschien als erster Band der Reihe „Hamburger Beiträge zur Geschichte der kolonialen Globalisierung“ im Wallstein Verlag in Göttingen (ISBN 978-3-8353-5018-2).

Weiterlesen

Universität Hamburg Die Universität Hamburg (kurz UHH) ist mit über 40.000 Studierenden die größte Universität in der Freien und Hansestadt Hamburg, die größte Forschungs- und … Kolonialismus Die Dependenztheorie sieht in der fortgesetzten Abhängigkeit der ehemaligen Kolonien eine Hauptursache der in ihnen verbreiteten Armut. Andere … Deutschland Deutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als … Jürgen Zimmerer Als Konsequenz fordert Zimmerer eine postkoloniale Erweiterung der Sicht auf die deutsche (Gedächtnis-)Geschichte. Der von Zimmerer 2013 herausgegebene … Hamburgische Bürgerschaft 23. Wahlperiode (seit 2025) · SPD: 45 Sitze · CDU: 26 Sitze · Grüne: 25 Sitze · Linke: 15 Sitze · AfD: 10 Sitze. Antisemitismus Als Antisemitismus werden heute alle pauschalen Formen von Judenhass, Judenfeindlichkeit oder Judenfeindschaft bezeichnet. Der Ausdruck entstand 1879 als … Deutsch-Südwestafrika Deutsch-Südwestafrika war von 1884 bis 1915 als „Schutzgebiet“ eine deutsche Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Staates Namibia. Mit einer Fläche von … Rassismus Rassismus oder Rassenideologie ist ein Komplex von Praktiken, Einstellungen und Strukturen, durch den Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale oder negativer … Nationalsozialismus Seine Wurzeln hat er in der völkischen Bewegung, die sich etwa zu Beginn der 1880er Jahre im deutschen Kaiserreich und in Österreich-Ungarn entwickelte. Ab 1919 … Afrika Afrika ist einer der Kontinente der Erde. Seine Fläche von 30,2 Millionen km² entspricht etwa 20 % der gesamten Landfläche des Planeten, …