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Ulrike Malmendier
Ihr Hauptinteresse gilt der Verhaltensökonomie, Unternehmensfinanzierung und Vertragstheorie. Malmendier war Redakteurin des Fachmagazins Journal of …
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Überblick und Forschungsschwerpunkt
Ulrike Malmendier (* August 1973 in Köln) ist eine deutsche Wirtschaftswissenschaftlerin und Politikberaterin. Sie ist Professorin für Finanzmarktökonomik an der Haas School of Business der University of California, Berkeley. Von August 2022 bis Februar 2026 war sie Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der auch als Rat der „fünf Wirtschaftsweisen“ bezeichnet wird.
Ihr Schwerpunkt ist die Verhaltensökonomik. Dieses Forschungsgebiet untersucht, wie kognitive Verzerrungen – also systematische Fehler oder Einflüsse beim Denken und Urteilen – wirtschaftliche Entscheidungen prägen. Malmendier erforscht dies besonders für Unternehmensführung, Unternehmensfinanzierung und Entscheidungen auf Finanzmärkten. Sie äußert sich außerdem regelmäßig zu Wirtschafts- und Geldpolitik, künstlicher Intelligenz und Migration. Laut IDEAS/RePEc zählt sie zu den bedeutendsten Ökonomen weltweit.
Ergebnisse der Verhaltensökonomik
Malmendier untersuchte insbesondere Selbstüberschätzung von Geschäftsführern. Ihre Ergebnisse zeigen, dass CEOs mit Selbstüberschätzung zu viel Geld in ihre Unternehmen investieren und häufiger destruktive Übernahmen durchführen als andere Manager.
Auch in weiteren Situationen fand sie Folgen kognitiver Verzerrungen: Menschen, die die Weltwirtschaftskrise erlebt haben, bleiben ihr ganzes Leben lang sparsamer. Menschen überschätzen außerdem systematisch, wie oft sie künftig ein Fitnessstudio besuchen werden. Finanzanalysten geben nach ihren Untersuchungen zu optimistische Profitempfehlungen.
Daneben erforschte Malmendier die Herkunft von Aktiengesellschaften. Dabei entdeckte sie im antiken Rom die societas publicanorum als frühe Form einer Aktiengesellschaft. Diese war eine Art Pachtgesellschaft im römischen Recht, durch die private Unternehmer staatliche Wirtschaftsaktivitäten übernehmen konnten.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Von 1991 bis 1993 absolvierte Malmendier eine Ausbildung bei der Deutschen Bank. Danach studierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes Volkswirtschaftslehre und Jura. Im Jahr 2000 wurde sie an der Universität Bonn mit einer rechtshistorischen Arbeit zur societas publicanorum zum Dr. iur. promoviert. 2002 folgte an der Harvard Business School eine zweite Promotion über Verhaltensökonomik in Unternehmensfinanzierung und Kapitalmarktforschung; ihr Betreuer war Andrei Shleifer.
Von 2002 bis 2006 war sie Assistenzprofessorin an der Stanford University. Seit 2005 lehrt sie an der University of California, Berkeley: zunächst als Assistant Professor, seit 2008 als Associate Professor und anschließend auf einer Stiftungsprofessur. Sie war Redakteurin des Journal of Economic Perspectives und veröffentlichte dort zahlreiche Artikel.
Politische Beratung und weitere Stationen
Im August 2022 berief die Bundesregierung unter dem Kabinett Scholz Malmendier auf Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck in den Sachverständigenrat. Ihre Amtszeit wurde nach dreieinhalb Jahren im Februar 2026 nicht verlängert, obwohl dies bei Mitgliedern der Wirtschaftsweisen üblich ist. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundeskanzler Friedrich Merz sprachen sich gegen eine Verlängerung aus. Die übrigen Mitglieder des Sachverständigenrats nahmen ihr Ausscheiden – mit Ausnahme von Veronika Grimm – „mit großer Verwunderung und allergrößtem Bedauern“ zur Kenntnis. Ihr Nachfolger wurde Gabriel Felbermayr.
Im Oktober 2022 gehörte sie zu den Experten der Internationalen Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine. 2023 erhielt sie für ihre wissenschaftlichen Leistungen die Ehrendoktorwürde der Universität Lüneburg. Im April 2025 schlug sie mit weiteren führenden Wissenschaftlern aus Deutschland das Meitner-Einstein-Programm vor. Unter dem Motto „Hundert kluge Köpfe für Deutschland“ sollte es angesichts des wissenschaftsfeindlichen Handelns der Regierung Trump II US-Forscher anwerben und Deutschlands Innovationskraft stärken.
Auszeichnungen
Zu Malmendiers Auszeichnungen und Mitgliedschaften zählen:
- 2013: Fischer-Black-Preis
- 2015: Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis
- 2016: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
- 2017: Guggenheim-Stipendium
- 2019: Gustav-Stolper-Preis des Vereins für Socialpolitik