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Ulmer DenkStätte Weiße Rose
Die Ulmer DenkStätte Weiße Rose leistet Erinnerungsarbeit durch Bildungsangebote, Projekte sowie Führungen durch ihre Dauerausstellung mit dem Titel „wir …
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Aufgabe und Bedeutung
Die Ulmer DenkStätte Weiße Rose ist eine Erinnerungs- und Bildungseinrichtung zur Jugendopposition gegen den Nationalsozialismus. Im Foyer des EinsteinHauses der Ulmer Volkshochschule zeigt sie die Dauerausstellung „wir wollten das andere“ – Jugendliche in Ulm 1933 bis 1945. Die Ausstellung kann auch als Wanderausstellung ausgeliehen werden.
Im Mittelpunkt stehen junge Menschen aus Ulm, die sich zwischen 1933 und 1945 dem nationalsozialistischen Regime widersetzten oder dessen Zugriff zu entziehen versuchten. Neben Mitgliedern und Unterstützern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ werden Jugendliche aus evangelischen und katholischen Gruppen sowie weitere Gegner des Regimes vorgestellt. Damit macht die DenkStätte deutlich, dass Widerstand sehr unterschiedliche Formen annehmen konnte.
Die Folgen reichten von politischer Überwachung, Misshandlungen und vorübergehender Verhaftung über den Ausschluss vom Abitur bis zu Haftstrafen und Hinrichtungen. Die große Mehrheit der widerständigen Jugendlichen wurde jedoch nicht zum Tode verurteilt. Die Ausstellung widerspricht daher der verbreiteten Vorstellung, Widerstand habe zwangsläufig den sicheren Tod bedeutet. Sie erinnert auch an Überlebende, die in der Geschichtsschreibung vergleichsweise wenig beachtet werden, hinterfragt Rechtfertigungen für das Mitläufertum und fordert zu Zivilcourage auf.
Entstehung der DenkStätte
Ausgangspunkt war Anita Binders Magisterarbeit von 1994 über die „Ulmer Abiturientengruppe“. Diese hatte die „Weiße Rose“ beim Verteilen und Versenden ihrer Flugblätter unterstützt. Von 1994 bis 1999 suchte Binder im Auftrag der Weißen Rose Stiftung nach weiteren Menschen aus Ulm, die während der NS-Zeit Widerstand geleistet oder sich dem Zugriff der Nationalsozialisten entzogen hatten.
Franz J. Müller, Ehrenvorsitzender der Weißen Rose Stiftung, suchte gemeinsam mit Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner nach einem Ausstellungsort. Gönner schlug die Ulmer Volkshochschule vor, die 1946 unter anderem von Inge Aicher-Scholl im Geiste der „Weißen Rose“ gegründet worden war. Die damalige Leiterin Dagmar Engels unterstützte das Vorhaben.
Anfang 1999 begann Anita Binder mit der Entwicklung des Ausstellungskonzepts. Die Texte verfassten Binder, Dagmar Engels, Britta Müller-Baltschun und Franz J. Müller. Pancho Ballweg und Uli Häussler gestalteten und realisierten von 1999 bis 2000 die Dauer- und Wanderausstellung. Die Ulmer DenkStätte Weiße Rose wurde am 19. April 2000 eröffnet. Sie ist ein gemeinsames Projekt der Weiße Rose Stiftung, der Ulmer Volkshochschule und des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, wurde von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert und erhält für ihre gedenkstättenpädagogische Stelle einen jährlichen Zuschuss der Stadt Ulm.
Ausstellung und Bildungsarbeit
Die Ausstellung porträtiert die Ulmer Mitglieder beziehungsweise Unterstützer der Weißen Rose Hans und Sophie Scholl, Franz J. Müller, Hans und Susanne Hirzel sowie Heinrich Guter. Hinzu kommen 22 Menschen aus Ulm, die nicht zur „Weißen Rose“ gehörten, aber als Jugendliche Widerstand leisteten. Dazu zählen unter anderem Angehörige der evangelischen Jugend, Erika Schmid, Otl Aicher, Willi Habermann, Frido Klotz, Alois Schnorr, Heinz Brenner, Hans Lebrecht, Esther Loewy sowie Heinz und Walter Weglein.
Die DenkStätte vermittelt die Geschichte durch Führungen, Gespräche mit Zeitzeugen, Vorträge, Theaterworkshops sowie Demokratie- und Toleranztrainings. Dabei verbindet sie die historische Auseinandersetzung mit heutigen Fragen von Ausgrenzung, Diskriminierung, Toleranz und Zivilcourage. Außerdem betreut und unterstützt sie Schülerarbeiten sowie Haus- und Facharbeiten zur Ulmer Jugendopposition während der NS-Zeit.
Zur weiteren Vermittlung gehört die 30-minütige Dokumentation „Zivilcourage – Verräter der Nation“. Sie behandelt den Widerstand in Ulm und die Mitglieder der „Ulmer Abiturientengruppe“ im Umfeld der Weißen Rose.
Evangelische und katholische Mädchenjugend
Nach der Machtübernahme der NSDAP setzten die evangelischen Jugendgruppen ihre Arbeit zunächst fort. Als die Hitlerjugend den Anspruch erhob, die einzige legitime Jugendorganisation zu sein, regte sich Widerspruch. Im Mai 1933 fanden in Ulm ein katholisches Diözesantreffen und ein evangelischer Bezirksjugendtag mit mehreren hundert Teilnehmern statt. Beim CVJM-Gautreffen in Gerhausen kam es im Juni 1933 zu körperlichen Auseinandersetzungen mit der Hitlerjugend. Trotz des ab August 1933 durchgesetzten Uniformverbots traten etwa hundert Ulmer CVJM-Mitglieder beim Bundesfest in Stuttgart durch dunkle Hosen und weiße Hemden als erkennbare Gruppe auf.
Reichsbischof Müller von den Deutschen Christen unterzeichnete im Dezember 1933 einen Vertrag zur Eingliederung der evangelischen Jugendverbände in die Hitlerjugend. In Ulm wurde er am 4. März 1934 umgesetzt. Eine kleine Gruppe traf sich dennoch weiter als Freundeskreis; außerdem bauten einzelne Pfarrer kirchliche Jugendarbeit neu auf. Ein solcher Kreis nahm 1938 den 13- oder 14-jährigen Richard Wolf auf, der wegen seines jüdischen Vaters als „jüdischer Mischling ersten Grades“ galt.
Ein Beispiel aus der katholischen Mädchenjugend ist Erika Schmid. Sie trat 1932 mit 14 Jahren dem Heliand-Bund bei, einem Bund katholischer Schülerinnen, der Selbstständigkeit, Wahrhaftigkeit, Natürlichkeit und Hilfsbereitschaft betonte. Der Bund hatte 1933 in Deutschland 1.600 und 1939 bereits 4.500 Mitglieder. Er wurde nicht verboten, war aber Repressionen ausgesetzt. Schmid leitete eine Gruppe und wurde 1936 als „Burgfrau“ Stadtführerin der Ulmer Gruppen. Weil sie den Eintritt in den Bund Deutscher Mädel verweigerte, durfte sie nach der St. Hildegard-Schule keine weiterführende Mädchenoberrealschule besuchen und somit kein Abitur machen. Zudem erhielt sie schlechtere Noten, wurde beschimpft und musste die Schule zeitweise verlassen.
Katholische Jungen und die Weiße Rose
Otl Aicher, Willi Habermann, Frido Klotz und Alois Schnorr waren 1933 zwischen elf und 17 Jahre alt. Sie blieben im katholischen Jungenbund Quickborn, obwohl dieser im Mai 1935 in Ulm verboten wurde. Aicher verweigerte den Eintritt in die Hitlerjugend und wurde deshalb nicht zum Abitur zugelassen. Klotz wurde von Hitlerjungen verprügelt, weil er als Einziger seiner Klasse nicht der Hitlerjugend angehörte. Schnorr leitete Gruppen im katholischen Schülerbund Neudeutschland und später, wie Hans Scholl, in der bündischen „dj.1.11“. Sein Ziel war es, die Jungen trotz Überwachung, Bespitzelung und Verhören zu stärken.
Unterstützung erhielten sie von Pfarrer Weiß in Ulm-Söflingen, der sich in Predigten und durch seine Lebensführung gegen die Nationalsozialisten stellte. Als die Partei vor seinem Pfarrhaus demonstrieren ließ, täuschten Otl Aicher, dessen Vater und Fritz Kotz durch das Bewegen der Vorhänge viele Menschen im Haus vor. Aicher begleitete Weiß außerdem zu einem geheimen Treffen in Paderborn, bei dem katholische Geistliche ein Widerstandsnetz aufbauen wollten. 1937 wurde der 15-jährige Aicher in Berlin wegen vermuteter „bündischer Umtriebe“ verhaftet und im Gestapo-Hauptquartier Prinz-Albert-Palais tagelang in Einzelhaft festgehalten.
Ab 1939 wurde die Wohnung der Familie Scholl ein Treffpunkt für junge Gegner des Nationalsozialismus. In der von Inge Scholl vervielfältigten und verschickten Schrift „Windlicht“ erschienen Beiträge von Theodor Haecker und Carl Muth; deren Gedanken beeinflussten später die Flugblätter der Weißen Rose. Am 18. Februar 1943 wollte Aicher Hans und Sophie Scholl warnen. In München traf er jedoch auf Gestapobeamte; die Geschwister waren eine halbe Stunde zuvor in der Universität verhaftet worden. Aicher desertierte in den letzten Kriegstagen. Nach Kriegsende organisierte er Romano Guardinis Vortrag „Wahrheit und Lüge“ und gründete 1946 mit Inge Scholl und weiteren Gleichgesinnten die Ulmer Volkshochschule zum Gedenken an Hans und Sophie Scholl.