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Ukrainische Weihnachten

Ukrainische Weihnachten (ukrainisch) sind das vom landestypischen Brauchtum geprägte Weihnachtsfest in der Ukraine. Es wurde von orthodoxen Christen in der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Kalender
  2. 2. Neuere Umstellung auf den 25. Dezember
  3. 3. Heiligabend und zwölf Speisen
  4. 4. Lieder, Spiele und Verstorbene
  5. 5. Erster Weihnachtstag
  6. 6. Zweiter Weihnachtstag und Sternsingen

Kern und Kalender

Ukrainische Weihnachten sind das Weihnachtsfest in der Ukraine, geprägt von landestypischem Brauchtum, orthodoxer und griechisch-katholischer Tradition sowie älteren vorchristlichen Vorstellungen. Im Mittelpunkt steht die Geburt Jesu, zugleich gilt Weihnachten als starkes Familienfest: Nicht nur die engste Familie, sondern die Verwandtschaft versammelt sich, und nach dem Glauben nehmen auch verstorbene Familienmitglieder daran teil.

Bis 2022 feierten orthodoxe Christen in der Ukraine Weihnachten nach dem julianischen Kalender. Weil der gregorianische Kalender von Papst Gregor XIII. 1582 von den meisten orthodoxen Kirchen für kirchliche Feiertage nicht übernommen wurde, fielen der 24. und 25. Dezember des julianischen Kalenders derzeit bis zum Jahr 2100 auf den 6. und 7. Januar des gregorianischen Kalenders. Heiligabend lag dadurch in der Ukraine traditionell am 6. Januar des bürgerlichen Jahres. Da bürgerliche Daten seit 1918 nach dem gregorianischen Kalender gefeiert werden, entstand auch das „alte neue Jahr“ am 14. Januar, also der 1. Januar nach julianischem Kalender. Dessen Vorabend heißt oft „zweiter Heiligabend“, „freigiebiger Abend“ oder Melanka, weil der 31. Dezember nach julianischem Kalender der kirchliche Tag der heiligen Melania ist.

Das Weihnachtslied „Nova radist’ stala“ erinnert an die immer wiederkehrende, aber immer neue Freude über die Geburt Jesu. Wegen der Einführung des Christentums im Jahr 988 durch Fürst Wolodymyr den Großen im ostslawischen Reich Kiewer Rus sind viele christliche Weihnachtsbräuche in der Ukraine eng mit älteren heidnischen Bräuchen und Aberglauben verflochten. Viele Handlungen haben Zeichencharakter für das kommende Jahr. Altchristlich ist der Vergleich der Geburt Christi mit dem Aufstieg der Sonne, der sich im Weihnachtsdatum nahe der Wintersonnenwende widerspiegelt.

Neuere Umstellung auf den 25. Dezember

Am 16. November 2017 erklärte die Werchowna Rada den 25. Dezember zum offiziellen Feiertag in der Ukraine. Im Dezember 2020 erklärte Metropolit Epiphanius, der Leiter der Orthodoxen Kirche der Ukraine, eine Änderung des Weihnachtsdatums auf den 25. Dezember sei möglich, wenn Kirche und Gläubige dazu bereit seien. Zu dieser Zeit waren noch mehr als 60 % der Ukrainer gegen eine Verschiebung des Weihnachtsfestes.

Am 18. Oktober 2022 erlaubte die Orthodoxe Kirche der Ukraine den Diözesen, Weihnachtsgottesdienste nach dem revidierten julianischen Kalender, also am 25. Dezember, abzuhalten. Im Februar 2023 beschloss die Ukrainische griechisch-katholische Kirche, ab September 2023 für feste Feiertage außer Ostern auf den gregorianischen Kalender umzustellen.

Am 24. Mai 2023 gab die Orthodoxe Kirche der Ukraine offiziell bekannt, dass der 25. Dezember der endgültige Termin für die Weihnachtsfeier der ukrainischen Orthodoxen sein wird. Grundlage war die Annahme des überarbeiteten julianischen Kalenders für feste Feiertage und Feiern im Einklang mit anderen Orthodoxen. Am 28. Juni 2023 legte Präsident Wolodymyr Selenskyj der Werchowna Rada einen Gesetzesentwurf vor, der den julianischen Weihnachtsfeiertag am 7. Januar abschafft und den 25. Dezember als einzigen Feiertag vorsieht. Das Parlament stimmte am 14. Juli 2023 zu; 241 Abgeordnete unterstützten das Gesetz.

Laut einer Studie des internationalen Unternehmens Deloitte vom November 2023 planten nach der Umstellung der ukrainischen christlichen Kirchen auf den neuen Stil etwa 45 % der Ukrainer, Weihnachten am 25. Dezember zu feiern, 17 % am 7. Januar, und 32 % wollten zweimal feiern.

Heiligabend und zwölf Speisen

Am Heiligabend vor Weihnachten versammelt sich die „große Familie“ am Tisch. Der ukrainische Begriff rodyna meint dabei die Verwandten, nicht nur die Kernfamilie sim’ja. Diese weite Gemeinschaft ist wichtig für das Verständnis von Weihnachten in der Ukraine als Familienfest. Sie umfasst nach dem Glauben auch die Verstorbenen.

Aufgetischt werden zwölf Fastenspeisen; die Zahl erinnert an die zwölf Apostel Christi. Unter die Tischdecke und auf den Fußboden wird Heu gelegt. Sein Geruch soll an die einfachen Umstände der Geburt Christi erinnern. Danach wird Diduch hereingetragen, eine Weizengarbe, die im mythologisch-religiösen Verständnis des Volkes zugleich die Gestalt des Ahnherrn, ein neues blutloses Opfer an Gott und Gott selbst darstellen kann. Unter die Tischdecke an den Tischecken legt man Knoblauch und Walnüsse: Knoblauch steht für den Zusammenhalt der Verwandtschaft wie die Zehen einer Knoblauchzwiebel, Walnüsse für die Gesundheit der Familienmitglieder, die „stark wie die Nuss“ sein soll.

Zu den Speisen gehören verschiedene Warenyky, also gefüllte Teigtaschen, etwa mit Kartoffeln, gedünstetem Sauerkraut oder beidem. Dazu kommt eine Fastenvariante von Borschtsch, der mit Pampuschky gegessen wird, herzhaften Krapfen, die in Knoblauchsoße getaucht werden. Außerdem gibt es Heringe, fleischlose Salate, Weißbrotschnittchen mit Sprotten, Butter und Zitrone, Plätzchen und weitere Speisen. Am wichtigsten ist Kutja, eine nahrhafte süße Speise und ein zentrales Weihnachtssymbol. Sie besteht vor allem aus gekochten Weizenkörnern, mit Zucker gemahlenen und eingeweichten Mohnkörnern und je nach Geschmack aus Walnüssen, Rosinen und Honig. In verschiedenen Regionen werden statt Weizen auch Reis oder Gerste verwendet.

Wenn alle Speisen auf dem Tisch stehen, eröffnet das älteste anwesende Familienmitglied das Essen mit einem Gebet, der Segnung der Kutja und einem ersten Löffel davon. Erst nachdem alle von der Kutja gekostet haben, werden die anderen Speisen gegessen.

Lieder, Spiele und Verstorbene

Koljaduwaty, also das Singen von Weihnachtsliedern, gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten der Weihnachtszeit. Die Lieder preisen Gott und sollen zugleich Glück, Erfolg und Wohlstand für die ganze Verwandtschaft im neuen Jahr herbeirufen. Viele Weihnachtslieder enthalten heidnische Spuren, etwa Gott als Sonnengestalt, Gott als körperlich anwesende Person beim Familienessen oder Maria als Symbol der Fruchtbarkeit. Ein großer Teil der Lieder äußert auch einen politischen Nationalgedanken: Gott, der seinen Sohn in der Nacht des Heiligabends als Menschen zur Welt kommen ließ, solle auch den Ukrainern nach Jahrhunderten der Unterdrückung durch verschiedene Imperien wieder einen eigenen Nationalstaat schenken. Seit der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 hat dieser Gedanke deutlich an Aktualität verloren.

Auch Kinderspiele haben am Heiligabend besondere Bedeutung. Sie gelten als Zeichen für den Wohlstand der Familie im neuen Jahr. Beim Spiel „Hühner und Hähne“ wird zum Beispiel darauf geachtet, ob mehr Hühner als Hähne zu hören sind; dies gilt als gutes Zeichen, weil Hühner für Fruchtbarkeit stehen.

Nach dem Essen und dem Aufräumen bleibt eine Schüssel mit Kutja auf dem Tisch stehen. Dazu legt man eine passende Anzahl Löffel bereit. Diese Geste ist für die Seelen der Verstorbenen bestimmt, die nach dem Glauben am Heiligabend die Familie besuchen, am feierlichen Abendessen teilnehmen und ihre Hinterbliebenen unterstützen.

Erster Weihnachtstag

Der erste Weihnachtstag ist ebenfalls eine Mischung aus christlichen und heidnischen Elementen. Zuerst geht man in die Kirche zur Messe. In der byzantinischen Tradition kann diese Messe an diesem Tag bis zu vier Stunden dauern. Gleichzeitig gibt es den Brauch, dass die Familie am Vormittag nicht von weiblichen Personen besucht werden darf. Ein solcher Besuch soll Unglück und Probleme im kommenden Jahr bringen. Um das zu vermeiden, öffnen manche Hausherrinnen die Tür gar nicht. Kommt dagegen ein Mann oder ein Junge, wird er hereingebeten und bewirtet.

Nach der Messe versammelt sich die Familie erneut zum Essen. Nun endet die Fastenzeit, daher kommen Fleischspeisen auf den Tisch: gebratenes Geflügel, hausgemachter Schinken, geräucherte Wurst, meist vom eigenen geschlachteten Schwein, Fleischsalate und weitere Speisen. Auch alkoholische Getränke dürfen nun getrunken werden. Geschenke gibt es am ersten Weihnachtstag nicht. Wegen der sakralen Bedeutung des Festes steht die Gemeinschaft der Familie im Vordergrund.

Nach dem Mittagessen bleibt man weiter zusammen. In vielen Regionen werden schon am Nachmittag Sternsingergruppen erwartet. Am Abend spielen Kinder die Weihnachtsgeschichte nach, lesen Gedichte vor und singen Weihnachtslieder. Als Belohnung erhalten sie von den Erwachsenen Geld und Süßigkeiten.

Zweiter Weihnachtstag und Sternsingen

Der zweite Weihnachtstag ist der Tag der Sternsinger, auf Ukrainisch koljadnyky. Man besucht auch entferntere Verwandte und erwartet ab dem späten Nachmittag die ersten Sterngruppen. Diese Gruppen haben in der Ukraine eine lange Tradition und werden in ähnlicher, karnevalesker Form in den Melanka-Bräuchen zum „alten neuen Jahr“ wiederholt.

Zu Weihnachten bestehen die Gruppen aus Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen ähnlichen Alters. Manchmal gehören sie nur einem Geschlecht an, oft sind sie verkleidet. An einem Abend kann jede Familie von bis zu zehn verschiedenen Gruppen besucht werden. Die Gruppen gratulieren zur Geburt Christi, wünschen Wohlstand und Gesundheit im neuen Jahr, stellen die Weihnachtsgeschichte nach, machen Witze und singen Weihnachtslieder.

Die Hausherren und Gäste bedanken sich mit Geld, Süßigkeiten oder anderen Speisen; früher waren besonders Wurst und Schinken üblich. Verkleidung ist möglich, aber nicht zwingend. Wichtig sind trachtenähnliche Kleidung, der Weihnachtsstern und eine Glocke. Mit der Glocke verbinden sich weitere Bräuche: Einem Kind, das lange nicht zu sprechen beginnt, gibt man aus der Glocke zu trinken, um seine Zunge zu „entbinden“.

Jugendliche Sternsinger bilden oft Gruppen nach Geschlecht und gehen mit Liedern und Weihnachtsgeschichten von Haus zu Haus um die Wette. Wenn die Mädchen mehr Geld und Süßigkeiten verdienen, müssen die Jungen ihnen einen Wunsch oder eine Aufgabe erfüllen, und umgekehrt. Das gesammelte Geld und Essen wird am Ende zusammengelegt und für vecornyci verwendet, einen Tanz- und Spieleabend.

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