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UNICEF

Außerdem setzt sich UNICEF politisch für die Kinderrechte ein, so etwa im Einsatz gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten oder für den Schutz von …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und weltweite Struktur
  2. 2. Entstehung und internationale Hilfe
  3. 3. Deutsches Komitee und Mittelverwendung
  4. 4. Österreich
  5. 5. Schweiz und Liechtenstein

Aufgabe und weltweite Struktur

UNICEF ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Der ursprüngliche englische Name lautete United Nations International Children’s Emergency Fund; seit 1953 heißt die Organisation United Nations Children’s Fund. UNICEF ist eine autonome Sonderorganisation der UN und eines ihrer entwicklungspolitischen Organe. Sie wurde am 11. Dezember 1946 gegründet, hat ihren internationalen Sitz in New York City und wird seit 2022 von Catherine M. Russell geleitet.

Ursprünglich sollte UNICEF Kindern in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg helfen. Heute arbeitet die Organisation in über 190 Staaten und Territorien, vor allem in Entwicklungsländern sowie in Krisengebieten. Sie unterstützt Kinder und Mütter bei Gesundheit, Familienplanung, Hygiene, Ernährung und Bildung und leistet humanitäre Hilfe in Notsituationen. Politisch setzt sie sich für Kinderrechte ein, etwa gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten und für den Schutz geflüchteter Kinder. UNICEF tritt weltweit für die UN-Kinderrechtskonvention und die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 ein; in geringerem Umfang gibt es auch Programme in Industrieländern, beispielsweise zum Schutz geflüchteter Kinder.

2021 betrug das internationale Budget rund 8,2 Milliarden US-Dollar. UNICEF hatte rund 13.000 Beschäftigte in etwa 190 Ländern und Territorien; die meisten sind nationale Kräfte in den Programmländern. Nationale Komitees in Industriestaaten sind eigenständige Nichtregierungsorganisationen, vertraglich an UNICEF gebunden und von den jeweiligen Regierungen anerkannt. Sie sammeln Mittel, informieren über die Lage von Kindern und begleiten die Umsetzung der Kinderrechtskonvention. Die Finanzierung beruht auf freiwilligen Beiträgen von Regierungen und privaten Spenden.

Entstehung und internationale Hilfe

Die UN-Generalversammlung gründete UNICEF am 11. Dezember 1946, um Kindern in vom Zweiten Weltkrieg betroffenen Ländern Notfallnahrung und Gesundheitsversorgung bereitzustellen. Ludwik Rajchman, ein polnischer Bakteriologe und Gründungsmitglied der UNRRA, gilt als Gründer und leitete UNICEF von 1946 bis 1950. Maurice Pate wurde erster Direktor. 1953 wurde UNICEF den UN-Sonderorganisationen zugeordnet; 1965 erhielt die Organisation den Friedensnobelpreis.

UNICEF arbeitet in allen Kriegs- und Krisengebieten der Erde und führt jährlich über 300 Nothilfeeinsätze durch. Im Dezember veröffentlicht die Organisation regelmäßig eine Übersicht mit Informationen zur Lage der Kinder, zur geleisteten und geplanten Hilfe sowie zum Finanzbedarf je Land. Genannt werden unter anderem die Ukraine, Syrien, Jemen, Afghanistan und das Horn von Afrika. Für eine größere Wirkung arbeitet UNICEF mit Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Regierungen zusammen.

Ein historisches Beispiel ist die Operation Lifeline Sudan (OLS, deutsch „Aktion Überlebensbrücke Sudan“). Sie wurde im März 1989 wegen einer seit Mitte der 1980er-Jahre drohenden Hungersnot im Südsudan auf dem Höhepunkt des zweiten Sezessionskrieges beschlossen. Unter Führung von UNICEF koordinierte sie die Hilfe verschiedener humanitärer Organisationen.

UNICEF beteiligt sich außerdem an Kampagnen gegen gefährliche Infektionskrankheiten, etwa zur Ausrottung der Kinderlähmung. Dabei arbeitet die Organisation unter anderem mit der Bill & Melinda Gates Foundation, der WHO, dem CDC und Gavi zusammen. In Syrien und Nachbarländern leitet UNICEF seit 2013 gemeinsam mit World Vision die Initiative No lost Generation, die Millionen geflüchteten Kindern Bildung ermöglichen soll. Für die COVAX-Initiative stellte UNICEF 2020 sein logistisches Netzwerk bereit, organisierte Beschaffung und Transport von COVID-19-Impfstoffen und unterstützte Impfungen. Bis Sommer 2022 wurden über 1,5 Milliarden Dosen an Entwicklungs- und Schwellenländer ausgeliefert.

UNICEF entwickelt und beschafft Hilfsgüter; das zentrale Logistikzentrum liegt im Freihafen von Kopenhagen. Ein Innovation Lab entwickelt einfache, angepasste Hilfsmittel. In Malawi wurde beispielsweise eine Drohnen-Akademie gegründet, damit medizinische Testergebnisse aus abgelegenen Gebieten schneller ausgewertet werden können. 2025 veröffentlichte UNICEF den Ernährungsbericht Feeding Profit: How food environments are failing children.

Deutsches Komitee und Mittelverwendung

Das Deutsche Komitee für UNICEF e. V. wurde am 30. Juni 1953 gegründet und hat seine Geschäftsstelle in Köln. Etwa 8.000 Ehrenamtliche arbeiten in rund 200 Gruppen, darunter Hochschulgruppen und Juniorteams. UNICEF Deutschland beteiligt Mädchen und Jungen und hat einen eigenen Juniorbeirat.

Das Komitee unterstützt die weltweite UNICEF-Arbeit durch Spenden und Erlöse aus Grußkarten. Es betreibt Fundraising, Marketing, Informations- und Lobbyarbeit zur Lage von Kindern in Entwicklungsländern und Krisengebieten. Zugleich setzt es sich in Deutschland für Kinderrechte und das Wohlbefinden von Kindern ein. Mit Kinderrechteschulen und Kinderfreundliche Kommunen sollen Kinderrechte in Schulen, Städten und Gemeinden gestärkt werden. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und weiteren Partnern arbeitet UNICEF Deutschland für den Schutz geflüchteter Kinder in Flüchtlingsunterkünften.

Rund drei Viertel der Einnahmen fließen in internationale Programmarbeit: Gesundheitsversorgung, Impfschutz, Bildung, Kinderschutz, Kinderrechte und Nothilfe nach Naturkatastrophen oder in Krisenregionen. Ein kleiner Anteil dient der satzungsgemäßen Kinderrechtsarbeit in Deutschland. Für 2020 meldete das DZI Gesamteinnahmen von 138.291.330,40 Euro, davon 106.988.120,60 Euro Sammlungseinnahmen; Werbe- und Verwaltungskosten wurden als angemessen bewertet. UNICEF Deutschland trägt das DZI-Spendensiegel.

Seit 1996 besteht die UNICEF-Stiftung. Anders als Spenden, die zeitnah in Programme fließen, bleibt das Stiftungsvermögen dauerhaft erhalten. Vorstand und Komiteemitglieder arbeiten ehrenamtlich; 2021 gab es im Jahresdurchschnitt 110 hauptamtliche Beschäftigte. Im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen den damaligen Geschäftsführer Dietrich Garlichs trat dieser im Februar 2008 zurück; auch die damalige Vorsitzende Heide Simonis trat zurück. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Garlichs wurden später vollständig eingestellt.

Österreich

UNICEF Österreich wurde 1962 als Verein Österreichisches Komitee für UNICEF gegründet und hat seinen Sitz in Wien. Es sammelt Spenden für internationale UNICEF-Programme und Nothilfe. Darüber hinaus setzt es sich in Österreich für die Umsetzung und Bekanntmachung der Kinderrechtskonvention ein. Schwerpunkte sind Kinderfreundliche Gemeinden und Kinderrechte Schulen; damit sollen Kinderrechte im Unterricht der Primar- und Sekundarstufe erlebbar werden.

Die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch freiwillige Beiträge von Regierungen, Gemeinden, privaten Spendern und Firmen. Mittel werden durch Aufrufe, Kampagnen, Spendenaktionen, regelmäßige Mitgliedsbeiträge und den Verkauf von Grußkarten gesammelt. Das Spendenvolumen betrug 2018 5,68 Millionen Euro, 2019 5,22 Millionen Euro, 2020 5,65 Millionen Euro, 2021 6,12 Millionen Euro und 2022 10,09 Millionen Euro.

Seit 2010 darf die Organisation das Österreichische Spendengütesiegel führen. Spenden sind steuerlich absetzbar. UNICEF Österreich ist als „Österreichisches Komitee für UNICEF“ in der Liste spendenbegünstigter Einrichtungen eingetragen; die Registrierungsnummer beim Finanzministerium lautet SO-1250.

Schweiz und Liechtenstein

Das Komitee für UNICEF Schweiz und Liechtenstein wurde 1959 gegründet, hat seinen Sitz in Zürich und ist eines von 33 nationalen UNICEF-Komitees. Es vertritt UNICEF in der Schweiz und in Liechtenstein. Seine Aufgaben sind, Mittel für weltweite Programme zu beschaffen, sich für die Belange von Kindern weltweit sowie in beiden Ländern einzusetzen und über die UNICEF-Arbeit zu informieren.

Oberstes Organ ist die Delegiertenversammlung. Ihre Delegierten werden von den Mitgliedern jeweils für vier Jahre gewählt und arbeiten freiwillig und unentgeltlich. Sie bestellen Vorstand und Kommissionsmitglieder und übernehmen die strategische und normative Führung. Die Geschäftsleitung liegt seit dem 1. Januar 2019 bei Bettina Junker. Am 14. Mai 2023 wurde Christian Levrat einstimmig und mit sofortiger Wirkung zum Präsidenten des Vorstandes gewählt; er folgte Hans Künzle nach, der wegen einer Amtszeitbeschränkung zurücktrat.

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