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Tschick (Roman)

Tschick ist ein 2010 im Rowohlt Verlag erschienener Jugendroman von Wolfgang Herrndorf. Er handelt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Entstehungsidee und Erzählform
  3. 3. Handlung
  4. 4. Hauptfiguren
  5. 5. Wirkung und Bearbeitungen

Überblick

Tschick ist ein Jugendroman von Wolfgang Herrndorf, der 2010 im Rowohlt Verlag erschien. Im Mittelpunkt steht die ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei 14-jährigen Außenseitern: Maik Klingenberg, der aus einem wohlhabenden, aber schwierigen Elternhaus in Berlin-Marzahn kommt, und Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, einem jugendlichen Spätaussiedler aus Russland.

Der Roman ist für das Verständnis moderner Jugendliteratur wichtig, weil er typische Themen des Erwachsenwerdens erzählt: Einsamkeit, Freundschaft, erste Liebe, Selbstvertrauen, Familie und die Suche nach einem eigenen Platz in der Welt. Das Buch wurde 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und dem Clemens-Brentano-Preis sowie 2012 mit dem Hans-Fallada-Preis ausgezeichnet. Es erschien in über 25 Ländern und hatte sich bis September 2016 allein in Deutschland über 2 Millionen Mal verkauft.

Entstehungsidee und Erzählform

Wolfgang Herrndorf erklärte seine Grundidee mit Büchern seiner Kindheit und Jugend wie Herr der Fliegen, Huckleberry Finn, Arthur Gordon Pym und Pik reist nach Amerika. Ihm fielen drei Gemeinsamkeiten auf: die schnelle Entfernung erwachsener Bezugspersonen, eine große Reise und großes Wasser. Für einen realistischen Jugendroman im Deutschland des 21. Jahrhunderts fand er schließlich die Lösung über ein Auto: Zwei Jungen stehlen ein Auto und fahren los.

Die Handlung wird aus der Perspektive Maik Klingenbergs erzählt. Der Roman beginnt auf der Polizeistation und nimmt damit das Ende der Reise vorweg. Danach erzählt Maik in einer langen Rückblende, wie es dazu gekommen ist. Die Form ähnelt einem Roadmovie: Die Figuren bewegen sich in einzelnen Episoden durch verschiedene Orte, und die Reise dauert etwa eine Woche.

Handlung

Maik Klingenberg ist 14 Jahre alt, lebt in Marzahn und ist in seiner Klasse ein Außenseiter. Er ist heimlich in Tatjana Cosic verliebt, wird aber nicht zu ihrer Geburtstagsfeier eingeladen. Seine Mutter ist alkoholkrank und muss wieder in eine Entzugsklinik, während sein Vater mit seiner jungen Assistentin verreisen will. Maik soll die Sommerferien allein verbringen.

Auch Tschick, der eigentlich Andrej Tschichatschow heißt, ist in der Klasse nicht beliebt. Er erscheint manchmal betrunken im Unterricht und wird ebenfalls nicht zu Tatjanas Feier eingeladen. Kurz vor den Ferien taucht er mit einem gestohlenen, alten, hellblauen Lada Niva bei Maik auf. Er schlägt vor, zu seinem Großvater in die Walachei zu fahren, obwohl beide nicht genau wissen, wo diese liegt. Zuerst fahren sie noch zu Tatjanas Party, wo Maik ihr, von Tschick ermutigt, ein selbst gezeichnetes Beyoncé-Bild schenkt.

Ohne Landkarten verfahren sich die beiden. Sie begegnen einer gebildeten, konsumkritischen Familie auf dem Land und essen dort mit. Später treffen sie auf einer Müllkippe Isa Schmidt, ein gleichaltriges Mädchen, das ihnen hilft, einen Schlauch zu finden, um Diesel abzuzapfen. Isa will nach Prag zu ihrer Halbschwester und fährt ein Stück mit ihnen. An einem Stausee waschen die Jungen Isa, weil sie stark stinkt. Maik merkt dabei, dass seine Gefühle für Tatjana schwächer werden. Auf einem Berg schwören Maik, Tschick und Isa, sich in genau 50 Jahren wieder an einer Hütte zu treffen. Isa fährt später mit einem Reisebus weiter und leiht sich von Maik 30 €.

Maik und Tschick geraten danach in ein Braunkohleabbaugebiet und treffen Horst Fricke, den letzten dort verbliebenen Einwohner. Er beschießt sie zunächst mit einem Luftgewehr, lädt sie dann aber auf Limonade ein und erzählt von Verlusten, vom KZ und von der Ostfront. Schließlich überschlagen sich Maik und Tschick mit dem Lada, Tschick verletzt sich und bekommt im Krankenhaus ein Gipsbein. Trotzdem fliehen sie wieder mit dem beschädigten Auto. Da Tschick nicht mehr fahren kann, übernimmt Maik das Steuer. Tschick sagt Maik unterwegs, dass er schwul ist, Maik aber nicht sein Typ sei.

Die Reise endet nach einem gefährlichen Unfall mit einem Viehtransport. Nach einem Polizeiverhör kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Maik gibt seine Beteiligung zu, obwohl sein Vater ihm etwas anderes nahelegt. Tschick nimmt jedoch alle Schuld auf sich. Maik wird zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt, Tschick muss in dem Heim bleiben, in das man ihn nach der Reise gebracht hat. Am Ende beginnt die Schule wieder. Tatjana interessiert sich plötzlich für Maiks Abenteuer, Isa schreibt ihm einen Brief, Maiks Vater hat die Familie verlassen, und Maik darf Tschick bald wieder im Heim besuchen.

Hauptfiguren

Maik Klingenberg ist einer der beiden Protagonisten und zugleich der Erzähler. Er ist 14 Jahre alt, lebt mit seinen Eltern in einer Villa in Berlin-Marzahn und besucht das Hagecius-Gymnasium. Trotz des Wohlstands ist seine Familie zerrüttet: Seine Mutter ist Alkoholikerin, sein Vater Josef Klingenberg hat berufliche und familiäre Probleme und distanziert sich von der Familie. Maik liebt seine Mutter trotz ihrer Krankheit. In der Schule ist er unbeliebt und wird nach einem sehr offenen Aufsatz über seine Mutter „Psycho“ genannt. Er hält sich selbst für „den größten Langweiler und Feigling“. Im Verlauf der Geschichte wird er aktiver und selbstbewusster. Dazu trägt seine Freundschaft mit Tschick entscheidend bei.

Tschick heißt eigentlich Andrej Tschichatschow. Er ist ebenfalls 14 Jahre alt und kommt aus Russland, genauer aus Rostow. Seit vier Jahren lebt er mit seinem Bruder in Berlin. Er stammt aus einer deutschstämmigen Familie, seine Muttersprache ist Russisch, Deutsch hat er erst in Deutschland gelernt. Deshalb hat er einen auffälligen Akzent. In der Schule wirkt er oft unbeteiligt, kaut Pfefferminzkaugummi, um Alkoholgeruch zu überdecken, und wird von anderen abgewertet. Trotzdem ist ihm die Meinung der Klasse weitgehend egal. Gegenüber Maik zeigt er Interesse an Freundschaft. Am Ende erzählt er Maik, dass er schwul ist.

Wirkung und Bearbeitungen

In Kritiken wurde besonders Herrndorfs einfache, aber genau gestaltete Sprache hervorgehoben. Die Süddeutsche Zeitung betonte, dass der Roman Jugendjargon nicht einfach naturalistisch kopiere, sondern eine eigene schräge und junge Welt entstehen lasse. Die Zeit lobte, wie überzeugend Herrndorf die Sprache pubertierender Jugendlicher treffe, ohne peinlich oder aufdringlich zu wirken. Auch andere Kritiken hoben die authentische Figurensprache, den knappen Wortschatz und die Mischung aus Tempo und Zartheit hervor.

Tschick wurde mehrfach bearbeitet. Es erschien als Hörbuch im Argon Verlag, gelesen von Hanno Koffler, und als Hörspielfassung des NDR unter der Regie von Iris Drögekamp. Eine Bühnenfassung von Robert Koall wurde am 19. November 2011 am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt. In der Saison 2012/2013 war Tschick mit 764 Aufführungen das meistgespielte Stück an deutschen Bühnen; in 29 Inszenierungen kamen 99000 Besucher. 2013 erschien eine Ausgabe in Einfacher Sprache, übertragen von Andreas Lindemann. 2014 wurde das Romanfragment Bilder deiner großen Liebe posthum veröffentlicht. Die Verfilmung startete am 15. September 2016; Regie führte Fatih Akin, die Hauptrollen spielten Tristan Göbel als Maik, Anand Batbileg als Tschick und Nicole Mercedes Müller als Isa. Am 18. März 2017 wurde außerdem eine Opernversion mit Musik von Ludger Vollmer am Theater Hagen uraufgeführt. Seit 7. März 2024 gibt es das interaktive Web-Angebot Tschickucation mit Materialien zum Roman.

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