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Tschick (Film)

Tschick ist ein deutscher Spielfilm von Fatih Akin aus dem Jahr 2016. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Wolfgang Herrndorf erzählt von zwei …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ausgangslage und Beginn der Reise
  3. 3. Abenteuer unterwegs
  4. 4. Folgen für Maik
  5. 5. Entstehung und Reaktionen
  6. 6. Preise und Nominierungen

Überblick

Tschick ist ein deutscher Spielfilm von Fatih Akin aus dem Jahr 2016. Er ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Wolfgang Herrndorf. Der Film erzählt von zwei 14-jährigen Außenseitern aus Berlin, Maik Klingenberg und Andrej „Tschick“ Tschichatschow, die zu Beginn der Sommerferien mit einem gestohlenen Lada Niva quer durch Ostdeutschland fahren. Ihr Ziel ist die Walachei, wo Tschick seinen Großvater besuchen will.

Der Film ist 93 Minuten lang, in deutscher Sprache gedreht und ab FSK 12 freigegeben; die JMK nennt 14 Jahre. Die Hauptrollen spielen Tristan Göbel als Maik und Anand Batbileg als Tschick. Weitere wichtige Rollen sind Mercedes Müller als Isa Schmidt, Aniya Wendel als Tatjana Cosic, Anja Schneider als Maiks Mutter und Uwe Bohm als Maiks Vater. Das Drehbuch stammt von Lars Hubrich, Hark Bohm und Fatih Akin. Die Musik komponierte Vince Pope, die Kamera führte Rainer Klausmann, der Schnitt stammt von Andrew Bird.

Tschick wurde am 12. September 2016 im Berliner Kino International uraufgeführt. Der deutsche Kinostart war am 15. September 2016. Für das Verständnis des Films ist wichtig, dass er als Jugendfilm und Roadmovie funktioniert: Ein Roadmovie ist eine Erzählung, in der eine Reise auf der Straße zugleich eine äußere Handlung und eine innere Entwicklung der Figuren zeigt.

Ausgangslage und Beginn der Reise

Maik Klingenberg ist 14 Jahre alt und wird in seiner Klasse „Psycho“ genannt. Er gilt als unzugänglicher Eigenbrötler und sieht sich selbst als uninteressanten Langweiler. Er lebt in Marzahn in einer scheinbar wohlhabenden Familie, die jedoch innerlich zerrüttet und insolvent ist. Seine Mutter ist alkoholabhängig und geht zu Ferienbeginn in eine Entzugsklinik. Sein Vater, ein verschuldeter Immobilienmakler, verbringt die Zeit mit seiner jungen Assistentin und lässt Maik für zwei Wochen mit 200 Euro Taschengeld allein in der Villa zurück.

Maik ist heimlich in seine beliebte Mitschülerin Tatjana Cosic verliebt. Besonders verletzt ihn, dass er fast als Einziger nicht zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen ist, obwohl er ihr in tagelanger Arbeit ein Porträt als Geschenk gezeichnet hat. Der zweite nicht eingeladene Junge ist Andrej Tschichatschow, genannt „Tschick“. Er ist ein neuer russlanddeutscher Mitschüler, wirkt auf andere wie ein brutaler Schläger, trinkt Wodka, verhält sich respektlos und wird in der Schule gemieden.

Als Maik traurig am Pool sitzt, taucht Tschick mit einem „geliehenen“ Lada Niva auf. Er bringt Maik dazu, über seinen Frust zu sprechen. Gemeinsam beschließen sie, uneingeladen zu Tatjanas Party zu fahren, ihr das Geschenk zu geben und sofort wieder zu verschwinden. Danach nimmt Maik spontan Tschicks Vorschlag an, mit dem Auto weiter in Richtung Walachei zu fahren. Damit beginnt die eigentliche Abenteuerreise.

Abenteuer unterwegs

Die Fahrt führt Maik und Tschick quer durch Ostdeutschland. Orientierung haben sie kaum, denn Tschick wirft Maiks Handy aus dem Auto. Er ist überzeugt, dass sie nur immer nach Süden fahren müssen. Im Wagen finden sie eine Kompaktkassette mit Richard Claydermans Instrumentalstück Ballade pour Adeline, das im Film mehrmals läuft und Maik überraschend gut gefällt.

Auf ihrer Reise erleben die beiden verrückte und ungewöhnliche Situationen. Sie treffen unter anderem eine Gruppe von Adeligen auf Fahrrädern, eine freundliche kinderreiche Familie, die sie zum Essen einlädt, und einen misstrauischen Dorfpolizisten. Vor diesem können sie nur getrennt entkommen, finden später aber wieder zusammen. Eine zentrale Szene ist die „Sternenszene“: Maik und Tschick liegen nachts im Freien, schauen in den sternübersäten Himmel und stellen sich vor, irgendwo dort oben hätten zwei jugendliche Aliens einen Helikopter gestohlen und blickten nun zur Erde, wo zwei Jungen einen Lada gestohlen haben.

Auf einer Müllkippe suchen sie nach einem Schlauch, um Treibstoff zu stehlen. Dort begegnen sie Isa Schmidt, einer verwahrlosten Jugendlichen, die offenbar dort lebt. Zunächst beschimpft sie die Jungen, schließt sich ihnen dann aber an. Bei nächster Gelegenheit stößt Tschick sie in einen See. Danach lässt Isa sich von Maik ihr sehr langes Haar schneiden. Sie fragt ihn vorsichtig, ob er mit ihr schlafen möchte; Maik ist sexuell unerfahren und weicht verlegen aus. Trotzdem verliebt er sich offenbar auch in Isa. Sie verlässt die Jungen an einem Touristenparkplatz, um mit einem Fernbus nach Prag zu ihrer Halbschwester zu fahren. Zum Abschied küsst sie Maik.

Später verletzt Tschick sich auf einem Schleichweg am Fuß. Maik muss deshalb ohne Fahrerfahrung das Steuer übernehmen. Die Fahrt endet auf der Autobahn mit einem Unfall, bei dem ein Viehtransporter umkippt. Tschick humpelt davon, weil er nicht in ein Heim eingewiesen werden will. Maik bricht blutüberströmt zusammen; diese kurze Szene wird im Film bereits am Anfang vorweggenommen.

Folgen für Maik

Nach dem Krankenhausaufenthalt muss Maik sich vor Gericht verantworten. Seine Verteidigerin versucht, die Schuld auf Tschick zu schieben. Maik stellt die illegale Fahrt jedoch wahrheitsgemäß als gemeinsames Unternehmen dar und übernimmt sogar eine Mitschuld am Autodiebstahl. Sein Vater verliert darüber die Fassung und schlägt Maik nach dem Gerichtstermin ins Gesicht. Danach verlässt er die Familie und lebt mit seiner Affäre.

Maik und seine Mutter reagieren auf ihre eigene Weise: Sie versenken übermütig das Hausinventar im Swimmingpool. Dabei vergessen sie ihre vielen Sorgen für einen Moment und halten sich an der Gewissheit fest, dass sie einander haben und lieben. Als Strafe muss Maik Sozialstunden leisten.

Vor dem ersten Schultag nach den Ferien wird Maik von der Polizei aufgesammelt. Er erfährt, dass Tschick erneut einen Lada gestohlen und zu Schrott gefahren hat. Maik sagt wahrheitsgemäß, dass er damit nichts zu tun habe und nicht wisse, wo Tschick ist. Für sich deutet er die Nachricht als Gruß von Tschick. Als er mit sichtbaren Unfallspuren im Gesicht aus dem Polizeiwagen vor der Schule steigt, begegnen ihm seine Mitschüler plötzlich mit Respekt. Auch Tatjana interessiert sich nun für ihn, doch Maik erwidert das nicht mehr. Durch die Reise hat er Selbstvertrauen gewonnen und sein altes Selbstbild als Langweiler abgelegt. Er vermisst Tschick und Isa und tröstet sich mit der Verabredung, dass sie sich in 50 Jahren wiedersehen wollen.

Im Abspann wird in Cartoon-Optik gezeigt, was Tschick nach dem Unfall erlebt: Er schlägt sich zu einer Landstraße durch, hält einen BMW an, wird in ein Krankenhaus gebracht und entkommt dort seiner polizeilichen Bewachung. Danach fährt er mit einem zweiten gestohlenen Lada seinen wiederholten Spruch „ohne Sinn!“ mit Reifenspuren auf den Boden, bevor er den Wagen gegen eine Wand fährt.

Entstehung und Reaktionen

Fatih Akin bemühte sich bereits seit 2011 um eine Verfilmung von Tschick. Besonders interessierte ihn die filmische Umsetzung der „Sternenszene“ aus dem Roman. Gleichzeitig waren auch andere Filmemacher an den Rechten des Bestsellers interessiert. Hinzu kamen Wolfgang Herrndorfs schwere Krebserkrankung und sein Suizid. Die Filmrechte gingen zunächst nicht an Akin, sondern an Produzent Marco Mehlitz und Regisseur David Wnendt. Nach künstlerischen Differenzen schied Wnendt im Sommer 2015 aus dem Projekt aus. Erst sieben Wochen vor Drehbeginn wurde Akin gefragt, ob er die Regie übernehmen wolle. Er sagte später dazu: „Da habe ich natürlich Ja gesagt. Das war Schicksal. Ich habe mir das so gewünscht. Dann sollte es nicht so sein. Und am Ende doch.“

Wolfgang Herrndorf hatte vor seinem Tod 2013 Lars Hubrich mit dem Drehbuch beauftragt. Akin übernahm Hubrichs Drehbuch und überarbeitete es zusammen mit Hark Bohm. Bohm hatte 1976 mit Nordsee ist Mordsee einen Klassiker des deutschen Jugendfilms gedreht, der Tschick in einigen Handlungspunkten ähnelt; außerdem spielt Uwe Bohm in beiden Zusammenhängen eine Rolle. Deshalb wurde Akins Film auch als Hommage an Nordsee ist Mordsee gesehen.

Die Besetzung der Hauptrollen war schwierig. Für Tschick suchte die Produktionsfirma zunächst erfolglos in Russland und der Mongolei. Schließlich bat sie die mongolische Botschaft um Hilfe. Anand Batbilegs Vater arbeitete dort und gab seinem Sohn den Castingaufruf. Anand Batbileg überzeugte mit einem kurzen Video, in dem er Szenen des Films spielte. Auch die Rolle des Maik wurde spät besetzt: Fatih Akin war mit dem ursprünglichen Kandidaten unzufrieden und fand erst eine Woche vor Drehbeginn mit Tristan Göbel eine passende Neubesetzung.

Die Fachkritik reagierte nach der Uraufführung fast ausschließlich positiv. Der Film wurde unter anderem als „das perfekte Roadmovie“, „begeisternd“, „rasant, lustig und klug“, „grandios“ und „glaubwürdig“ bezeichnet. Kritiker hoben hervor, dass das Wesentliche aus dem Roman enthalten sei und das Lebensgefühl der Vorlage getroffen werde. Eine deutlich kritische Stimme kam von Claudius Prößer in Die Tageszeitung: Er nannte den Film höchstens mittelprächtig, kritisierte die Inszenierung als beliebig wirkenden deutschen Jugendfilm sowie Kameraarbeit und Hauptdarsteller. Der Film stand acht Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Arthouse-Charts.

Preise und Nominierungen

Tschick erhielt mehrere Auszeichnungen und Nominierungen. Beim Bayerischen Filmpreis 2017 wurde er als Bester Jugendfilm ausgezeichnet. Beim Europäischen Filmpreis 2017 gewann er den Publikumspreis als Bester Kinderfilm. Beim New Faces Award 2017 erhielten Anand Batbileg und Tristan Göbel einen Spezialpreis. Beim Zlín Film Festival 2017 gewann der Film den Hauptpreis der Jugendjury.

Beim Deutschen Filmpreis 2017 war Tschick in mehreren Kategorien nominiert: Bester Spielfilm, Beste Kamera für Rainer Klausmann, Bester Schnitt für Andrew Bird und Beste Tongestaltung für Kai Tebbel, Kai Lüde und Lars Ginzel. Beim Deutschen Schauspielpreis 2017 war Mercedes Müller für den Nachwuchspreis nominiert. Beim Preis der deutschen Filmkritik 2017 waren Anand Batbileg und Tristan Göbel in der Kategorie Bester Darsteller nominiert. Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh dem Film außerdem das Prädikat besonders wertvoll.

Lernvideos zu Tschick (Film)

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