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Schlacht am Weißen Berg
Die Schlacht am Weißen Berg (tschechisch Bitva na Bílé hoře) bei Prag am 8. November 1620 (18. November im gregorianischen Kalender) war die erste große …
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Bedeutung und Ausgangslage
Die Schlacht am Weißen Berg (tschechisch: Bitva na Bílé hoře) fand am 8. November 1620, beziehungsweise am 18. November nach dem gregorianischen Kalender, nahe Prag statt. Sie war die erste große militärische Auseinandersetzung des Dreißigjährigen Krieges und gehörte zum Böhmisch-pfälzischen Krieg (1618–1623).
Auf der einen Seite standen die Truppen der böhmischen Stände unter ihrem König Friedrich V. von der Pfalz, dem sogenannten Winterkönig, und dem Heerführer Christian I. von Anhalt. Ihnen gegenüber standen die kaiserlichen und bayerischen Truppen der Katholischen Liga unter Karl Bonaventura Graf von Buquoy und Johann t’Serclaes von Tilly. Maximilian I. von Bayern war ebenfalls ein bedeutender Befehlshaber der katholischen Seite.
Die kaiserlich-ligistische Armee verfügte insgesamt über 39.950 Soldaten: 32.400 Infanteristen und 7.550 Kavalleristen. Die protestantisch-böhmische Seite hatte insgesamt 13.000 Soldaten, darunter 8.000 Fußsoldaten und 5.000 Kavalleristen. Als Verluste werden 700 auf der katholisch-kaiserlichen und 5.000 auf der böhmischen Seite angegeben. Der Sieg der Katholischen Liga und der kaiserlichen Armee ermöglichte Kaiser Ferdinand II., seinen Anspruch auf die böhmische Krone durchzusetzen.
Verlauf der Schlacht
Um die Mittagszeit setzte sich der rechte Flügel der kaiserlichen Truppen gegen das protestantische böhmische Heer in Bewegung. Danach griffen die spanische Kavallerie und die wallonische Infanterie den linken Flügel der Böhmen an. Schon zu diesem Zeitpunkt flohen größere Teile des böhmischen Heeres.
Einige böhmische Einheiten leisteten jedoch starken Widerstand gegen die bergauf marschierenden kaiserlich-ligistischen Soldaten. Unter dem Befehl Christians II. von Anhalt, des Sohnes des Oberbefehlshabers Christian von Anhalt, wehrten böhmische Soldaten die spanische Kavallerie ab und zersprengten eine wallonische Einheit.
Daraufhin befahl Tilly der italienischen und polnischen Kavallerie einen Angriff. Diese brachte die ungarisch-böhmische Kavallerie in Unordnung und trieb sie in die Moldau, wo viele Soldaten ertranken. Anschließend ging das gesamte katholische Heer vor und besiegte die verbliebenen böhmischen Truppen. Nach gerade einer Stunde war die Schlacht entschieden.
Während der Kämpfe flohen immer mehr böhmisch-anhaltische Soldaten nach Prag. Friedrich V. war zunächst in die Stadt zurückgeritten, um bei den böhmischen Ständen Geld für seine Truppen zu erbitten und einen Abgesandten seines Schwiegervaters Jakob I., des englischen Königs, zu empfangen. Als er zum Schlachtfeld zurückkehren wollte, traf er am Stadttor auf fliehende Soldaten und seinen Kanzler Christian von Anhalt, der ihm die Niederlage mitteilte. Aus Furcht vor einer Auslieferung an den bayerischen Herzog versteckte sich Friedrich in der Prager Altstadt und floh am folgenden Tag nach Breslau.
Politische und gesellschaftliche Folgen
Friedrich V. musste ins Exil. Da er seine Herrschaft als König von Böhmen nur wenig mehr als ein Jahr behauptet hatte, blieb der bereits von der katholischen Propaganda verwendete Spottname „Winterkönig“ an ihm haften. Über Friedrich V. und seinen General Christian I. von Anhalt-Bernburg wurde die Reichsacht verhängt.
61 Anführer und Unterstützer der böhmischen Seite wurden gefangen genommen. 27 Standesherren, darunter 22 tschechischen und 5 deutschen Ursprungs, wurden am 21. Juni 1621 auf dem Altstädter Ring hingerichtet. Zu ihnen gehörten Kaspar Cappleri de Sulewicz, Jan Jessenius und Joachim Andreas von Schlick.
Die Niederlage öffnete in den österreichischen und böhmischen Ländern den Weg zur Rekatholisierung und zur Durchsetzung des Absolutismus. Die böhmischen Stände wurden durch die vom Kaiser 1627 erlassene Verneuerte Landesordnung weitestgehend entmachtet. Tausende böhmische Protestanten flohen als Exulanten nach Deutschland.
Die Schlacht beeinflusste auch die Geschichte der tschechischen Sprache. In der Folge wechselte die gebildete Schicht des tschechischen Volkes zur deutschen Sprache. Das Tschechische musste als Schriftsprache vom Ende des 18. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts in der tschechischen Wiedergeburtsbewegung revitalisiert werden; diese Entwicklung wird bis heute als Diglossie hörbar beschrieben.
In Rom wurden Kirchen aus Dank für den Sieg Maria vom Siege geweiht, darunter die Kirche Maria vom Siege in Wien und die Kirche Maria vom Siege auf der Prager Kleinseite mit dem Prager Jesuskind. Bei einer Ende 1620 in Rom veranstalteten Dankprozession erlitt Papst Paul V. vor dem Quirinalspalast einen Schlaganfall und starb wenige Wochen später an dessen Folgen.
Legende vom Heiligenbild
Einer Legende zufolge brachte der Karmelit Dominicus a Jesu Maria ein Bildnis der Heiligen Familie aus dem zuvor geplünderten und gebrandschatzten Schloss Strakonice in das kaiserliche Heerlager. Auf dem Bild waren Maria und Josef von Protestanten die Augen ausgestochen worden.
Das geschändete Bild und die Aufforderung, diesen Frevel zu rächen, sollen die katholischen Truppen so stark erbittert haben, dass sie mit dem Schlachtruf „Santa Maria!“ den Weißen Berg in kurzer Zeit erstürmten. Das böhmische Heer sei durch den unerwarteten Angriff überrumpelt worden, in Unordnung geraten und geflohen.
Am 8. Mai 1622 wurde das Bildnis in die Kirche der Unbeschuhten Karmeliter in Rom gebracht und am Hauptaltar aufgestellt. Die zuvor dem Apostel Paulus geweihte Kirche erhielt daraufhin den Namen Santa Maria della Vittoria, „Heilige Maria vom Siege“. Das ursprüngliche Madonnenbild wurde 1833 bei einem Brand zerstört.
Sprachlicher Bezug
Im Tschechischen wird „vor Weissenberg“ beziehungsweise „nach Weissenberg“ in ähnlicher Weise verwendet wie im Deutschen „vor 1933“ beziehungsweise „nach 1933“, wenn die Zeit vor oder nach der NS-Zeit bezeichnet wird.