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Akut
Der Akut [aˈkuːt] [1] ist ein diakritisches Zeichen (ein Akzentzeichen), Akzente Akut, Gravis und Zirkumflex. Im Schwedischen kommt der Akut nur in franzö …
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Grundform und Aufgabe
Der Akut [aˈkuːt] ist ein diakritisches Zeichen, also ein Zusatzzeichen an einem Buchstaben. Wegen seiner Form heißt er auch Aufwärtsakzent. Er besteht aus einem kurzen Strich von links unten nach rechts oben und steht über oder vor einem Buchstaben. In Schriften auf lateinischer, kyrillischer oder griechischer Grundlage kann er eine besondere Aussprache oder die Wortbetonung anzeigen.
Das symmetrische Gegenstück zum Akut ist der Gravis. Seine genaue Funktion ist je nach Sprache unterschiedlich; die im Artikel dargestellten Verwendungen sind Beispiele.
Aussprache und Betonung in europäischen Sprachen
Im Französischen verändert der Accent aigu die Aussprache: é ist ein geschlossenes e [e], etwa wie das e in deutschem „See“. Beispielsweise wird thé [te] („Tee“) geschrieben. Ein e ohne Akut steht normalerweise für den Schwa-Laut /ə/, etwa in le [lə] („der“).
Im Italienischen bezeichnet der Accento acuto in einer betonten Silbe ein geschlossenes é und seltener ein ó. Beispiel: nonché [noŋ'ke] („sowie“).
Im Spanischen markiert der Acento agudo die betonte Silbe, wenn die allgemeine Betonungsregel nicht gilt. Beispiele sind río ['ɾiɔ] („Fluss“) und Cádiz ['kadiθ].
Im Dänischen und Norwegischen kann é eine besondere Betonung im Satz kennzeichnen: en bil bedeutet „(irgend)ein Auto“, én bil dagegen „ein Auto (und nicht mehrere)“. Entsprechend gibt es im Niederländischen een auto gegenüber één auto. Im Schwedischen erscheint der Akut vor allem in französischen Lehnwörtern wie armé und ateljé und zeigt dort den Druckakzent an. Einige schwedische Familiennamen werden ebenfalls mit Akut geschrieben, etwa Kastrén und Linné.
Im Irischen kennzeichnet der Akut, síneadh fada („lange Streckung“), lange Vokale. Im Ungarischen steht er über langen Vokalen; bei a, e, á und é kann sich dabei zusätzlich die Aussprache ändern. Außerdem gibt es den Doppelakut: Er macht aus den kurzen Umlauten Ö, ö, Ü, ü die langen Umlaute Ő, ő, Ű, ű.
Slawische und mazedonische Verwendungen
Im Polnischen heißt eine besondere, weniger stark geneigte Form des Akuts kreska („Linie, Strich“). Sie ist nur 15 Grad gegenüber der Senkrechten geneigt, während der übliche Akut etwa 40 Grad geneigt ist. Die kreska kennzeichnet bei ć, ń, ś und ź jeweils einen palatalen Laut, also einen Laut mit Annäherung der Zunge an den harten Gaumen. Das polnische ó steht dagegen für [u] wie in deutschem „Mutter“ und unterscheidet sich phonetisch nicht von polnischem u. Für die kreska gibt es kein eigenes Unicode-Zeichen; dadurch droht die Unterscheidung zwischen Akut und kreska zu verschwinden.
Im Tschechischen heißt der Akut čárka und kennzeichnet seit dem 14. Jahrhundert lange Vokale: á, é, í, ó, ú, ý. Die lange Variante dauert etwa das 2¾-Fache der kurzen. Langes u kann außerdem als ů geschrieben werden. Dieses Zeichen weist darauf hin, dass der Laut sprachgeschichtlich aus langem o entstanden ist, häufig im Nominativ Singular, etwa bůh („Gott“) zu boží („Gottes“) sowie dům („Haus“) und doma („zu Hause“).
Im Slowakischen heißt das Zeichen dĺžeň. Es steht für lange Vokale á, é, í, ó, ú, ý sowie für lange silbische Konsonanten ŕ und ĺ. In der kyrillischen Schrift des Mazedonischen stehen Ѓ und Ќ für palatalisierte Varianten von Г beziehungsweise К.
Griechisch, Isländisch und Tonsprachen
Das Altgriechische verwendete diese Akzentform seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. zunächst als musikalischen Akzent für ansteigende Tonhöhe, später als Betonungsakzent. Die Bezeichnung lautete προσῳδία ὀξεῖα, prosōdía oxeía („scharfer Zugesang“). Mit der neugriechischen Schriftreform von 1982 ersetzte der Akut die drei polytonischen Akzente Akut, Gravis und Zirkumflex. Heute wird er meist τόνος (Tonos) genannt.
Im Altisländischen und Altnordischen markierte der Akut Langvokale. Im modernen Isländischen bezeichnet er jedoch nicht mehr Vokallänge, denn die Länge wird dort ausschließlich durch die Silbenstruktur bestimmt; jeder Vokal und Diphthong kann kurz oder lang sein. Stattdessen unterscheidet er Laute: a steht für /a/, á für /au/; e für /ɛ/, é für /jɛ/; o für /o/, ó für /ou/; u für /ʏ/, ú für /u/; i und y für /ɪ/, í und ý für /i/. Weil – außer ei und ey für /ɛi/ – Diphthonge durch Einzelbuchstaben mit Akut geschrieben werden, liegt zwischen zwei Vokalbuchstaben immer eine Silbengrenze, etwa in fáeineir /fau|einɪr/ und óa /ou|wa/.
In der vietnamesischen Schrift kennzeichnet der Akut, dấu sắc, einen ansteigenden Ton. Auch Hanyu Pinyin, die lateinische Lautschrift für Chinesisch, nutzt ihn für den zweiten, ansteigenden Ton.
Digitale Darstellung und Satz
ASCII enthält keinen Akut. In Zeichensätzen der ISO-8859-Familie sind der Akut und einige Buchstaben mit Akut enthalten; ISO 8859-1 enthält beispielsweise Áá, Éé, Íí, Óó, Úú und Ýý. Unicode bietet weitere fertig zusammengesetzte Zeichen. Der freistehende Akut hat den Codepunkt U+00B4. Als Kombinationszeichen kann U+0301 hinter ein anderes Zeichen gesetzt werden.
Ein freistehender Akut oder Gravis über einem Leerzeichen wird häufig fälschlich als Apostroph verwendet. Richtig ist „Mir geht’s gut“, nicht „Mir geht´s gut“.
In TeX und LaTeX erzeugt im Textmodus 'a ein á. Im mathematischen Modus erzeugt \acute a die Formel {\acute {a}}.