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Transposition (Musik)
Unter Transposition versteht man in der Musik das Verändern der Höhe von Tönen um ein bestimmtes Intervall oder das intervallgetreue Versetzen eines ganzen …
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Grundbegriff und Grundprinzip
Unter Transposition versteht man in der Musik das Verändern der Höhe von Tönen um ein bestimmtes Intervall oder das intervallgetreue Versetzen eines ganzen Musikstücks in eine andere Tonart.
Die einfachste Form ist die Oktavierung. Dabei bleiben die Tonnamen gleich, aber alle Töne werden um eine Oktave nach oben oder unten versetzt. Bei anderen Intervallen müssen meistens auch die Tonart und damit die Generalvorzeichen geändert werden. Wird beispielsweise von D-Dur nach F-Dur transponiert, werden die zwei vorgezeichneten Kreuze für „fis“ und „cis“ gegen ein b anstelle von „h“ ausgetauscht. Anschließend werden alle Töne um eine kleine Terz hinauf oder eine große Sexte herab versetzt.
Historische Instrumente und feste Stimmungen
Historische Blechblasinstrumente wie Naturtrompete und Naturhorn konnten wegen ihrer fehlenden chromatischen Spielfähigkeit nicht beliebig in Tonarten spielen, die weit von ihrer Grundstimmung entfernt waren. Die Musiker verwendeten deshalb auswechselbare Stimmbögen verschiedener Länge, zum Beispiel bei der Trompete den A-Bogen, C-Bogen, Es-Bogen oder F-Bogen. Mit dem jeweiligen Bogen änderte sich die Grundstimmung des Instruments.
Um den Musikern das Transponieren zu ersparen und die Noten leichter lesbar zu machen, wurden die Naturtöne grundsätzlich in C-Dur beziehungsweise ohne Generalvorzeichen notiert. Zusätzlich wurde angegeben, welcher Bogen beziehungsweise welche Stimmung verwendet werden sollte. Die Wahl der Stimmung richtete sich nach der Tonart des Stückes. Auch Kombinationen verschiedener Stimmungen kamen vor, um den verfügbaren Tonvorrat zu erweitern. Besonders bei Mollstücken war dies wichtig, damit die Mollterz gespielt werden konnte, etwa in Mozarts Sinfonie Nr. 40 in G-Moll.
Ab Anfang des 20. Jahrhunderts setzten sich feste Stimmungen für Blasinstrumente durch, etwa Trompete in B oder C und Horn in F. Bei älteren Kompositionen für andere Stimmungen muss daher transponiert werden. Im modernen Sinfonieorchester betrifft dies besonders Trompeten und Hornisten. Bei Hornisten ist es unüblich, transponierte Stimmen zu verwenden. Wer die gängigen Transpositionen beherrscht, kann aus übersichtlichen Stimmen ohne Generalvorzeichen spielen. Außerdem ist am Notenbild erkennbar, welche Töne auf dem Naturhorn offen oder gestopft gespielt werden mussten; dies kann bei der Gestaltung von Dynamik und Spieltechnik berücksichtigt werden.
Transposition für passende Stimmlagen
Lieder oder andere Stücke können für eine bestimmte Stimmlage zu hoch sein. Durch die Transposition in eine geeignetere Lage werden sie für die jeweilige Stimme singbar. Franz Schubert schrieb seine Lieder beispielsweise für hohe Stimme. Von den meisten Liederzyklen großer Komponisten gibt es deshalb Ausgaben für verschiedene Stimmlagen, die in entsprechende Tonarten transponiert wurden. Auch Arrangements für Bigband mit Gesang werden traditionell an die optimale Stimmlage der Sängerin oder des Sängers angepasst. Das Gleiche gilt für den Musikunterricht in der Schule.
Die Möglichkeit kann Anfänger jedoch dazu verleiten, technische Schwierigkeiten dauerhaft zu umgehen. Solche Schwierigkeiten wären mit Übung und Anleitung möglicherweise zu bewältigen und könnten zu einer allmählichen Erweiterung des Stimmumfangs beitragen.
Auch bei Instrumentalmusik kann eine Transposition sinnvoll sein. Ein Stück, das auf der Flöte bequem liegt, kann für einen Oboisten unbequem oder zu hoch sein und von ihm besser in einer tieferen Lage gespielt werden. Johann Sebastian Bach arbeitete eigene Melodien oder ganze Stücke häufig für andere Instrumente um und nutzte dabei ebenfalls die Transposition.
Technische Erleichterung und musikalische Praxis
Eine Transposition kann das Spielen erleichtern, wenn ein Stück in einer schwierigen Tonart mit vielen Vorzeichen steht. Das Englischhorn-Solo aus Antonín Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ steht im Original in Des-Dur. In einem Klavieralbum für Kinder könnte es beispielsweise nach C-Dur transponiert werden; dann lässt es sich ausschließlich mit weißen Tasten spielen.
Auch für professionelle Instrumentalisten kann die Wahl einer anderen Tonart vorteilhaft sein. Werke für Bläser stehen oft in B-Tonarten, Werke für Streicher häufig in Kreuz-Tonarten, weil dies den Klang und die Spieltechnik der Instrumente unterstützt. Spielt ein Cellist etwa ein Fagottstück in As-Dur, kann es in einer für das Cello angenehmeren Tonart wie A-Dur brillanter und selbstverständlicher klingen.
Grundsätzlich sollte ein ausgebildeter Musiker in der Lage sein, einen Notentext um gebräuchliche Intervallabstände zu transponieren. Dies kann geübt werden, indem eine vorgegebene einstimmige Melodie chromatisch, also halbtonweise, nach oben versetzt wird. Dabei wird vor allem die Übertragung der gelesenen Intervalle auf die vom neuen Startton aus zu spielenden Intervalle trainiert. Schwieriger wird die Aufgabe bei einem komplexen Klaviersatz oder bei einer Melodie mit vielen Vorzeichen und großen Sprüngen.
Bei einer Transposition um einen Halbton werden die Vorzeichen der neuen Tonart gedanklich an den Anfang gesetzt. Dabei kann zum Beispiel ein Auflösezeichen zu einem Kreuz werden, ein Kreuz verschwinden oder ein Be zu einem Auflösezeichen werden. Andere Intervalle lassen sich durch eine gedankliche Änderung des vorgezeichneten Schlüssels und/oder der Vorzeichen sowie durch eine entsprechende Oktavierung übertragen.
Für Absoluthörer kann Transponieren besonders schwierig sein. Ein relativ hörender Sänger nimmt vor allem wahr, dass eine Melodie höher oder tiefer liegt. Ein absolut hörender Sänger muss die Transposition geistig korrekt nachvollziehen. Bei schwierigen Intervallsprüngen kann es vorkommen, dass er den Originalton statt des transponierten Tons singt. Bei Instrumentalisten kann ein ähnliches Problem entstehen, weil Absoluthörer die gesehenen Noten oft mit festen Tonorten auf ihrem Instrument verbinden.
Transponierende Instrumente und Tasteninstrumente
Bei transponierenden Instrumenten sind die Einzelstimmen normalerweise bereits so notiert, dass die gewünschte Tonhöhe erklingt, wenn der Musiker die notierten Töne spielt. Er muss die Transposition also nicht selbst ausführen. Bei der B-Klarinette klingt der gespielte Ton beispielsweise einen Ganzton tiefer, als er notiert ist. Die gedruckte Stimme ist entsprechend aufwärts transponiert, damit der gewünschte und erzielte Klang einen Ganzton tiefer liegt.
Manchmal muss ein Musiker auf einem transponierenden Instrument aus einer nicht transponiert geschriebenen C-Stimme spielen. Das kann etwa vorkommen, wenn ein Klarinettist den Part einer Flöte oder Geige übernimmt. Dann muss die Transposition in Echtzeit gedanklich erfolgen.
In der Orchesterliteratur gibt es gelegentlich C-Klarinettenstimmen, zum Beispiel in Symphonien von Beethoven oder Schubert sowie in Rossinis „Barbier von Sevilla“. Dessen sehr schnelle Passagen wären auf den heute kaum noch gebräuchlichen C-Klarinetten leichter zu bewältigen. In einigen Werken von Richard Strauss und Richard Wagner finden sich außerdem Stimmen für eine Bassklarinette in A. Wenn kein solches Instrument vorhanden ist, muss diese Stimme mit einer Bassklarinette in B einen Halbton tiefer als notiert gespielt werden.
Besonders aufwendig ist die Transposition für Hornisten, die in alten Hornstimmen viele verschiedene Transpositionen bewältigen müssen. Aus den notierten Tönen muss zunächst der gewünschte Klang und anschließend die passende Griffweise auf dem F-Horn abgeleitet werden.
Bei vielen neuzeitlichen Truhenorgeln und Cembali kann eine verschiebbare Klaviatur den Stimmton um mehrere Halbtöne verändern. Dadurch wird das Transponieren beim Spielen technisch erleichtert.
Elektronische Transposition und Frequenzverhältnisse
Bei einem Sampler können die von Originalinstrumenten abgetasteten Töne, also Samples, elektronisch transponiert werden. Eine einfache Methode verändert gleichzeitig die Abspielgeschwindigkeit. Dadurch ändert sich wie bei einer Schallplatte auch die Tonhöhe. Allerdings verändert sich zugleich der zeitliche Verlauf des Klanges, wodurch das Ergebnis verschlechtert werden kann. Ein bekanntes Beispiel ist die sogenannte „Mickey-Maus-Stimme“ bei elektronisch hochtransponierten Aufnahmen.
Eine rechnerisch aufwendigere Methode bearbeitet das Sample „scheibchenweise“. Extrem kurze zeitliche Abschnitte der Tonschwingung werden schneller abgespielt und anschließend so dupliziert, dass die Gesamtlänge des Klanges gleich bleibt. Das Problem der verschobenen Formanten bleibt jedoch bestehen. Formanten sind für die Klangcharakteristik wichtige Bereiche des Klanges; ein tatsächlich höher oder tiefer gespielter beziehungsweise gesungener Ton klingt in der Regel anders als ein elektronisch transponierter.
Für die Transposition in Halbtonschritten gelten folgende Geschwindigkeits- beziehungsweise Prozentwerte: Bei −8 Halbtonstufen 158,74 %, bei −7 149,83 %, bei −6 141,42 %, bei −5 133,48 %, bei −4 126,00 %, bei −3 118,92 %, bei −2 112,25 %, bei −1 105,95 %, bei keiner Transposition 100,00 %, bei +1 94,39 %, bei +2 89,09 %, bei +3 84,09 %, bei +4 79,37 %, bei +5 74,92 %, bei +6 70,71 %, bei +7 66,74 % und bei +8 63,00 %.
Die Werte folgen der Exponentialfunktion f(x)=100·0,9439^x. Eine doppelte oder halbe Frequenz wird bei einer Transposition um 12 Halbtonstufen erreicht. Daraus ergibt sich in der gleichstufigen Stimmung das Frequenzverhältnis zweier benachbarter Halbtonstufen: die zwölfte Wurzel aus 2, also 1,059463094, beziehungsweise ihr Kehrwert 0,943874313.