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Vorzeichen (Musik)

Die Vorzeichen sind Notenzeichen, die am Anfang eines Notensystems unmittelbar hinter dem Notenschlüssel und vor der Taktangabe stehen und wie die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Geltung
  2. 2. Tonmaterial und Quintenzirkel
  3. 3. Vorzeichnung und Tonart
  4. 4. Wechsel, Transposition und besondere Schreibweisen
  5. 5. Tonarten und Reihenfolge der Vorzeichen

Bedeutung und Geltung

Vorzeichen sind Notenzeichen, die am Anfang eines Notensystems unmittelbar hinter dem Notenschlüssel und vor der Taktangabe stehen. Sie zeigen an, dass bestimmte Töne erhöht oder erniedrigt werden. Die Gesamtheit der Vorzeichen eines Musikstücks heißt auch Vorzeichnung.

Vorzeichen sehen genauso aus wie akzidentelle Versetzungszeichen, unterscheiden sich aber in ihrer Geltung: Ein Versetzungszeichen steht unmittelbar vor einer bestimmten Note und gilt nur bis zum nächsten Taktstrich. Ein Vorzeichen wirkt dagegen als Generalvorzeichen für den betreffenden Ton in allen Oktavlagen und grundsätzlich bis zum Ende des Notentextes. Ein Vorzeichenwechsel kann seine Geltung auf einen Abschnitt begrenzen. Umgangssprachlich werden auch Versetzungszeichen häufig „Vorzeichen“ genannt.

Vorzeichen machen das Notenbild übersichtlicher, weil notwendige Erhöhungen oder Erniedrigungen nicht in jedem Takt erneut eingetragen werden müssen. Außerdem erleichtern sie die schnelle Orientierung über den Modus oder die Tonart. Beispielsweise kann die H-Dur-Tonleiter entweder mit wiederholten Versetzungszeichen oder übersichtlicher mit einer Vorzeichnung notiert werden.

Vorzeichnungen mit einem einzelnen ♭, dem ältesten Versetzungszeichen, sind seit dem Mittelalter bekannt. Damals konnte die ♭-Vorzeichnung zugleich auf die einzig mögliche g-Transposition einer Kirchentonart hinweisen. Mehrere ♭ erschienen erstmals im 16. Jahrhundert, Vorzeichnungen mit Kreuzen ab dem 17. Jahrhundert. Die Reihenfolge war zunächst nicht vereinheitlicht; sogar einzelne Stimmen einer Partitur konnten unterschiedliche Vorzeichnungen besitzen.

Tonmaterial und Quintenzirkel

Das abendländische Tonsystem beruht auf einer diatonisch strukturierten Heptatonik, also einem Tonsystem mit sieben Stammtönen. Jeder dieser Stammtöne kann erhöht oder erniedrigt werden, weshalb gewöhnlich bis zu sieben Vorzeichen auftreten.

Anzahl und Art der Vorzeichen lassen sich aus dem Quintenzirkel ableiten. Ausgangspunkt ist der vorzeichenlose Stammtonbestand, der beispielsweise durch C-Dur vertreten wird. Bewegt man sich im Quintenzirkel aufwärts beziehungsweise im Uhrzeigersinn, kommt bei jedem Quintschritt ein Kreuz (♯) hinzu. Die Reihenfolge beginnt mit Fis. Abwärts beziehungsweise entgegen dem Uhrzeigersinn kommt bei jedem Quintschritt ein Be (♭) hinzu; diese Reihenfolge beginnt mit B.

Wird der Quintenzirkel weitergeführt, können mit Doppelkreuzen und Doppel-b enharmonische Tonräume mit acht oder mehr Vorzeichen entstehen, etwa Gis-Dur oder Fes-Dur. In der Praxis ist diese Erweiterung unter den Bedingungen der gleichstufig temperierten Stimmung jedoch kaum gebräuchlich.

Vorzeichnung und Tonart

Eine Vorzeichnung bestimmt nicht eindeutig die Tonart, sondern zeigt zunächst nur die Position des verwendeten Tonmaterials im Quintenzirkel. Ein einzelnes ♯ besagt beispielsweise lediglich, dass F zu Fis erhöht wird. Dasselbe Tonmaterial kann zu G-Dur, e-Moll oder zu einem transponierten Modus wie a-Dorisch, h-Phrygisch, C-Lydisch oder D-Mixolydisch gehören.

Zur Bestimmung der konkreten Tonart oder des Modus müssen deshalb weitere Merkmale der Komposition untersucht werden. Dazu zählen besonders Kadenzverläufe und Schlusskadenzen, aber auch Epochen-, Regional- und Individualstile. So dürfen Instrumentalwerke der Renaissance nicht vorschnell als Dur- oder Mollkompositionen mit „falschen Vorzeichen“ gedeutet werden.

Bei kurzen, einfach aufgebauten Stücken kann der Vergleich von Vorzeichnung und Schlussakkord bereits genügen. Ein Stück mit einem ♯ und einem abschließenden G-Dur-Akkord steht mit hoher Wahrscheinlichkeit in G-Dur. Ein G-Dur-Schluss bei drei ♭ kann dagegen in einem passenden historischen Kontext, etwa bei einer Komposition des 16. Jahrhunderts, auf eine Transposition des phrygischen Modus nach G mit picardischer Terz hinweisen.

Wechsel, Transposition und besondere Schreibweisen

Ein vorübergehender Tonartenwechsel heißt Modulation. Er kann durch eine neue Vorzeichnung kenntlich gemacht werden, muss es aber nicht. Alternativ bleibt die Vorzeichnung der Grundtonart bestehen, während die Töne der neuen Tonart durch einzelne Versetzungszeichen notiert werden.

Bei einem Vorzeichenwechsel, etwa von Es-Dur zu E-Dur, wurden die bisherigen Vorzeichen traditionell zunächst durch Auflösungszeichen aufgehoben. Im modernen Notensatz ist diese zusätzliche Auflösung meist nicht mehr üblich.

Auch Modi, die ursprünglich ausschließlich ohne Vorzeichen verwendet wurden, lassen sich mithilfe einer Vorzeichnung transponieren. Entsprechend spricht man beispielsweise von C-Dorisch oder D-Phrygisch. Atonale Musik wird dagegen oftmals nur mit Versetzungszeichen notiert. Bei transponierenden Musikinstrumenten muss die notierte Vorzeichnung zum Grundton des Instruments in Beziehung gesetzt werden, um die tatsächlich klingende Tonart zu bestimmen.

Nach westlichen Notationskonventionen werden Kreuze und Be innerhalb einer Vorzeichnung nicht gemischt. In der Musikethnologie kann eine Mischung jedoch bei der Notation außereuropäischer Skalen vorkommen. In der deutschen Barockmusik war außerdem die dorische Notierung für Molltonarten mit ♭-Vorzeichnung verbreitet: Stücke in g-Moll wurden beispielsweise mit nur einem ♭ geschrieben, unter anderem weil die VI. Stufe im Moll variabel ist und sowohl als Es als auch als E auftreten kann.

Tonarten und Reihenfolge der Vorzeichen

Ohne Vorzeichen werden C-Dur und die parallele Molltonart a-Moll notiert. Bei Kreuz-Tonarten werden die Töne stets in derselben Reihenfolge erhöht:

• 1♯, Fis: G-Dur oder e-Moll • 2♯, Fis–Cis: D-Dur oder h-Moll • 3♯, Fis–Cis–Gis: A-Dur oder fis-Moll • 4♯, Fis–Cis–Gis–Dis: E-Dur oder cis-Moll • 5♯, Fis–Cis–Gis–Dis–Ais: H-Dur oder gis-Moll • 6♯, zusätzlich Eis: Fis-Dur oder dis-Moll • 7♯, zusätzlich His: Cis-Dur oder ais-Moll

Bei b-Tonarten werden die Töne ebenfalls in einer festen Reihenfolge erniedrigt:

• 1♭, B: F-Dur oder d-Moll • 2♭, B–Es: B-Dur oder g-Moll • 3♭, B–Es–As: Es-Dur oder c-Moll • 4♭, B–Es–As–Des: As-Dur oder f-Moll • 5♭, zusätzlich Ges: Des-Dur oder b-Moll • 6♭, zusätzlich Ces: Ges-Dur oder es-Moll • 7♭, zusätzlich Fes: Ces-Dur oder as-Moll

Paralleltonarten wie D-Dur und h-Moll haben dieselben Vorzeichen. Gleichnamige Tonarten beziehungsweise Varianttonarten wie C-Dur und c-Moll unterscheiden sich dagegen um drei Vorzeichen.

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