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Transmissionsmechanismus
Der Prozess, mittels dessen sich geldpolitische Entscheidungen auf die Wirtschaft auswirken, wird als Transmissionsmechanismus der Geldpolitik bezeichnet.
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Grundidee und Bedeutung
Der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik ist der Prozess, durch den sich geldpolitische Entscheidungen auf die Wirtschaft auswirken. Geldpolitische Impulse werden über einzelne Verbindungen, die Transmissionskanäle, übertragen. Besonders häufig werden Zinskanal, Kreditkanal, Wechselkurskanal und Vermögenskanal unterschieden. Die Geldpolitik wirkt grundsätzlich über alle diese Kanäle, jedoch je nach Finanzstruktur der Wirtschaftssubjekte unterschiedlich stark. Dabei spielen unter anderem die Zinsreagibilität von Vermögenspositionen und die Laufzeit der Finanzinstrumente eine Rolle.
Ökonomische Denkschulen bewerten die einzelnen Wirkungen unterschiedlich. Der Keynesianismus hebt die Übertragung fiskalpolitischer Impulse auf das Bruttoinlandsprodukt stärker hervor als der Monetarismus. Der Monetarismus misst dagegen der Geldpolitik einen besonderen Einfluss auf das Preisniveau bei.
Die wichtigsten Transmissionskanäle
Beim Zinskanal führen Veränderungen der Zentralbankzinsen zu Anpassungen bei Banken, Unternehmen und privaten Haushalten. Die Folgen können direkt oder indirekt sein. Direkte Folgen betreffen die Kapitalkosten. Indirekte Zinswirkungen beziehen sich vor allem auf Substitutionseffekte innerhalb eines Portfolios. Nach der Portfoliotheorie strebt ein Anleger bei gegebener Rendite eine Kombination von Anlagealternativen an, bei der kein geringeres Risiko erreichbar ist. Ändern sich die Zinsen, schichten die genannten Wirtschaftssubjekte ihre Vermögenspositionen entsprechend um.
Der Wechselkurskanal beruht auf dem engen Zusammenhang zwischen Zinsen und Wechselkursen. Steigen im Inland infolge einer restriktiven Geldpolitik die Zinsen, kann mehr Kapital aus dem Ausland zufließen. Dadurch steigt die Nachfrage nach der inländischen Währung und diese wertet auf. Eine Aufwertung macht Exporte teurer und Importe billiger. Die im Inland wirksame Nachfrage schwächt sich ab; die restriktive Geldpolitik wird durch die Wechselkursänderung unterstützt. Für expansive Geldpolitik gilt der umgekehrte Zusammenhang.
Beim Vermögenskanal wird die Geldpolitik über die Preise von Vermögenswerten übertragen. Senkt eine Zentralbank im Rahmen expansiver Geldpolitik die Zinssätze, erscheinen Anleihen im Vergleich zu Aktien weniger attraktiv. Die Nachfrage nach Aktien steigt tendenziell, wodurch auch die Aktienpreise steigen. Außerdem sinken die Kosten der Wohnungsfinanzierung, sodass die Immobilienpreise tendenziell zunehmen.
Der Kreditkanal, englisch credit channel, ist ein transmissionstheoretischer Ansatz, der die besondere Rolle der Kreditvergabe der Geschäftsbanken hervorhebt. Er bezieht sich vor allem auf restriktive geldpolitische Maßnahmen. Beobachtet wird, dass die realen Wirkungen, beispielsweise ein Rückgang der Investitionen, stärker ausfallen können, als aufgrund einer nur mäßigen Veränderung der Marktzinsen zu erwarten wäre. Als allgemeine Ursache gelten informationsbedingte Beschränkungen des Kreditangebots durch Geschäftsbanken. Diese können zu einer Kreditselektion zulasten bestimmter Kreditnehmer oder sogar zu Kreditrationierung führen.
Arten der Transmissionsansätze
Im Wesentlichen wird zwischen strom- beziehungsweise bestandsgrößenorientierten Transmissionsstrategien unterschieden.
Bestandsgrößenorientierte Ansätze sind:
- der Monetaristische Transmissionsansatz,
- der Postkeynesianische Transmissionsansatz.
Stromgrößenorientierte Ansätze sind:
- der kredittheoretische Transmissionsansatz,
- der Keynsianische Transmissionsansatz.
Die bestandsgrößenorientierten Ansätze stellen damit vor allem Vermögenspositionen und deren Veränderungen in den Mittelpunkt, während stromgrößenorientierte Ansätze auf Größen wie Nachfrage, Produktion oder Investitionen innerhalb des Übertragungsprozesses Bezug nehmen.
Monetaristischer Transmissionsansatz
Als monetärer Transmissionsmechanismus werden die Auswirkungen geldpolitischer Entscheidungen auf die Volkswirtschaft und insbesondere auf das Preisniveau bezeichnet. Die Notenbank beeinflusst die Finanzierungsbedingungen, beispielsweise durch eine Änderung der Geldbasis, sowie die Konjunktur- und Inflationserwartungen. Dadurch kann sie auf Wechselkurse, Güterpreise und Vermögenspreise einwirken.
Die monetaristische Geldpolitik, auch „Theorie der relativen Preise“ genannt, wird überwiegend aus dem Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau erklärt. In bestandsorientierten Konzepten steht das Vermögen im Mittelpunkt. Grundlage sind die Prämissen der Preistheorie: Wirtschaftssubjekte handeln rational und richten ihr wirtschaftliches Verhalten am Preis- und Zinsniveau aus. Wirtschaftsobjekte umfassen alle Güter, die einen Nutzen stiften oder zur Erzielung eines Ertrags dienen. Dazu gehören Konsumgüter, Produktionsmittel, Geld, Wertpapiere und Bankeinlagen. Weitere Voraussetzungen sind das 1. Gossensche Gesetz und das 2. Gossensche Gesetz sowie die vollständige Substituierbarkeit aller Vermögenswerte.
Ausgangspunkt der Transmission ist ein durch zentralbankpolitische Maßnahmen an der Geldbasis hervorgerufenes Vermögensungleichgewicht. Eine Erhöhung der monetären Basis führt zunächst zu einer Zunahme der Geldmenge. Die Wirtschaftssubjekte halten dadurch eine Überschusskasse. Anschließend kommt es zu Umschichtungen zwischen Vermögenspositionen und Wirtschaftsobjekten. Beteiligt sind sowohl Finanzvermögen als auch Sachvermögen. Substitutionsvorgänge innerhalb des Vermögens bilden den Kern des Ansatzes.
Der Prozess führt vom Finanzvermögen in den realen Sektor, also zum Sachvermögen. Die Wirtschaftssubjekte fragen neue statt bereits vorhandene Güter nach. Dadurch steigt die Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern. Um diese Nachfrage zu bedienen, wird die Produktion ausgeweitet. Das führt zu positiven Beschäftigungseffekten, zugleich steigt das Preisniveau der neu produzierten Sachgüter. Damit erreicht die Zentralbank ihre monetären Ziele.
Kritisiert werden insbesondere Rückkopplungsprozesse: Eine höhere Kreditnachfrage kann zu höheren Zinsen führen. Außerdem führen Geldmengenzunahmen langfristig zu Preisniveausteigerungen.
Postkeynesianischer Transmissionsansatz
Der postkeynesianische Ansatz, auch tobinsche Transmissionstheorie genannt, beschreibt die Übertragung monetärer Impulse in den realen Sektor und geht auf James Tobin zurück. Wie im monetaristischen Ansatz steht das Vermögen im Mittelpunkt. Wirtschaftssubjekte streben eine ideale Verteilung ihres Finanz- und Sachvermögens an. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass nicht nur Renditeerwartungen, sondern besonders Risikoabschätzungen die Auswahl der Vermögensanlagen bestimmen. Dadurch wird das Vermögen diversifiziert. Das wahrgenommene Risiko beeinflusst die Substitutionsverhältnisse zwischen den verschiedenen Aktivapositionen.
Beim Vergleich von Aktien und Schuldverschreibungen gelten Aktien als risiko- und ertragsreich, Schuldverschreibungen dagegen als risiko- und ertragsarm. Aktien können den Gesamtertrag erhöhen, zugleich aber auch das Gesamtrisiko steigern. Deshalb nehmen Wirtschaftssubjekte keinen vollständigen Aktivtausch vor, sondern ersetzen Vermögenspositionen nur teilweise.
Weitere Besonderheiten der tobinschen Theorie sind die Beschränkung des Finanzvermögens auf das reine Nettovermögen, die Vernachlässigung der Konsumgüternachfrage und die besondere Behandlung der Investitionsentscheidung.
Für die Investitionsentscheidung wird der Ertragssatz des neu produzierten Sachkapitals mit der Ertragsrate des bereits vorhandenen Sachkapitals verglichen. Die als Angebotspreis des Kapitals bezeichnete Rendite ist der Mindestwert, den ein Unternehmer aus einer bereits getätigten Investition erzielen will. Übersteigen die Nettoeinnahmen aus einer Investition den Angebotspreis des Kapitals, fällt die Entscheidung zugunsten dieser Investition aus. Die steigende Investitionstätigkeit belebt die allgemeine wirtschaftliche Aktivität; damit sind die Ziele der Geldpolitik erreicht. Im Mittelpunkt steht für Tobin nicht die Steuerung einer bestimmten monetären Größe wie Geldbasis, Geldmenge oder Zinsen, sondern die Erzeugung eines Zins- beziehungsweise Risikogefälles zwischen Finanzaktiva und Sachvermögen.