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Transkription (Musik)

Im Bereich Blues, Jazz, Rock- und Popmusik sowie in der Volksmusik bezeichnet man das Bearbeiten für eine andere Besetzung als „Arrangieren“ und das Ergebnis …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutungen und Grundbegriffe
  2. 2. Transkriptionen als Bearbeitungen bis zur Klassik
  3. 3. Romantik und virtuose Klavierübertragungen
  4. 4. Transkription im 20. Jahrhundert
  5. 5. Übertragung gehörter Musik in Notenschrift
  6. 6. Automatische Musiktranskription

Bedeutungen und Grundbegriffe

Transkription in der Musik kann mehrere Dinge bedeuten. Erstens meint sie die Umarbeitung eines Musikwerkes für eine andere Besetzung, zum Beispiel wenn ein Werk für Violine später für Klavier oder Orchester eingerichtet wird. Zweitens bezeichnet sie die Übertragung von akustisch wahrgenommener Musik in eine Notenschrift. Drittens kann sie die Umschreibung von einer Notenschrift in eine andere bedeuten, etwa von Griffnotation für Gitarre in das Fünfliniensystem; dafür wird auch der Begriff Transnotation verwendet.

Wird ein Klavierstück zu einer Orchesterfassung umgestaltet, spricht man auch von Instrumentieren oder Orchestrieren. In Blues, Jazz, Rock- und Popmusik sowie in der Volksmusik nennt man das Bearbeiten für eine andere Besetzung meist Arrangieren; das Ergebnis heißt Arrangement. Der Begriff Arrangement ist breiter als Transkription, weil er auch neue Zusammenstellungen aus Teilen verschiedener Werke umfassen kann.

Transkriptionen als Bearbeitungen bis zur Klassik

In der Barockmusik waren instrumentenspezifische Effekte außerhalb virtuoser Solopartien noch nicht so stark ausgeprägt. Darum ließ sich ein Werk oft relativ leicht für andere Instrumente bearbeiten, und solche Transkriptionen kamen häufig vor. Johann Sebastian Bach bearbeitete eigene und fremde Werke für neue Besetzungen. Seine Sechzehn Konzerte für Cembalo solo BWV 972–987 beruhen auf Werken anderer Komponisten; sechs davon stammen von Antonio Vivaldi, weitere von Benedetto Marcello und Georg Philipp Telemann.

Auch unter Bachs Konzerten für Cembalo und Orchester gibt es viele Transkriptionen. Die Cembalokonzerte in D-Dur und g-Moll sind Bearbeitungen seiner Violinkonzerte. Umgekehrt halfen solche Übertragungen später, verschollene Frühfassungen zu rekonstruieren. Ein Beispiel ist das Konzert für Violine und Oboe, das aus dem Konzert für zwei Cembali c-Moll BWV 1060 rekonstruiert wurde. In Leipzig nutzte Bach frühere Instrumentalkonzerte außerdem in Kantaten, teils als instrumentale Einleitungen, teils mit zusätzlich komponierten Instrumentalpartien oder Singstimmen. Die Sinfonia der Kantate Wir danken dir, Gott, wir danken dir BWV 29 ist eine Umarbeitung des Preludio aus der Partita E-Dur für Solovioline BWV 1006: Die Orgel übernimmt den Violinpart, dazu kommt ein großer Orchestersatz mit Streichern, Oboen, drei Trompeten und Pauken.

Georg Friedrich Händel bearbeitete ebenfalls eigene Werke. Seine bekannteste Transkription ist das Orgelkonzert Nr. 13 Der Kuckuck und die Nachtigall HWV 295. Teile davon beruhen auf der Triosonate op. 5 Nr. 6 in F-Dur und dem Concerto grosso op. 6 Nr. 9 in F-Dur.

In der Klassik spielte die Transkription eine eher untergeordnete Rolle. Trotzdem gibt es wichtige Beispiele: Joseph Haydn schuf eine authentische Klavierfassung des 2. Satzes des Kaiserquartetts unter dem Titel Variationen über die Hymne „Gott erhalte“. Wolfgang Amadeus Mozart übertrug schon mit neun Jahren Sonaten von Johann Christian Bach zu Konzerten für Klavier, zwei Violinen und Bass KV 107. Außerdem richtete er Fugen aus Bachs Wohltemperiertem Klavier für Streichtrio KV 404a und Streichquartett KV 405 ein. Ludwig van Beethoven arbeitete sein Violinkonzert in D-Dur op. 61 für Muzio Clementi zu einem Klavierkonzert um und fügte im ersten Satz eine Kadenz mit Paukensolo ein.

Romantik und virtuose Klavierübertragungen

In der Romantik gewann die Transkription als künstlerische und virtuose Bearbeitung stark an Bedeutung. Carl Maria von Webers Aufforderung zum Tanz war ursprünglich ein Klavierstück in Des-Dur. Bekannter wurde jedoch die Orchesterfassung von Hector Berlioz und Felix von Weingartner, weil sie durch viele Klangfarben besonders wirkungsvoll ist.

Franz Liszt prägte die romantische Transkription besonders. Er führte 1830 die Bezeichnung Transkription für Klavierübertragungen ein, die nach Raabe, zitiert nach Brockhaus-Riemann, „zwischen einer mehr oder minder strengen Bearbeitung und einer freien ‚Fantasie‘ stehen“. Liszt behandelte Transkriptionen als eigene Werkgruppe und unterschied unter anderem Bearbeitungen, Fantasien, Reminiszenzen, Illustrationen, Paraphrasen, Klavierauszüge und Transkriptionen. Er übertrug Orgelwerke von Bach, die neun Symphonien von Beethoven, Lieder von Beethoven, Schubert und Mendelssohn-Bartholdy sowie Opernmelodien von Auber, Bellini, Donizetti, Mozart, Verdi und Wagner für Klavier. Ein bedeutendes Beispiel ist die Klaviertranskription des ersten Mephisto-Walzers aus seiner eigenen Orchesterpartitur Episoden aus Lenaus Faust.

Johannes Brahms bearbeitete für Klavier zwei Stücke für Solovioline von Johann Sebastian Bach: das Presto aus der g-Moll-Sonate und die Chaconne aus der Partita d-Moll. Außerdem veröffentlichte er seine für Orchester komponierten Variationen über ein Thema von Haydn als Opus 56b in einer Fassung für zwei Klaviere. Heinrich Wilhelm Ernst transkribierte Werke von Franz Schubert, damit sie auch in kleinen Konzerträumen aufgeführt werden konnten. Edvard Grieg erstellte Klavierauszüge seiner beiden Peer-Gynt-Suiten und schrieb Hochzeitstag auf Troldhaugen sowohl als Klavier- als auch als Orchesterstück. Modest Mussorgski komponierte Bilder einer Ausstellung als Klavierzyklus; die farbenreiche Orchesterfassung von Maurice Ravel ist ebenfalls sehr bekannt, und heute werden beide Fassungen gespielt.

Transkription im 20. Jahrhundert

Um 1900 war Ferruccio Busoni ein wichtiger Verteidiger der Transkription. In seinem Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst schrieb er, jede Notation sei bereits eine Transkription eines abstrakten musikalischen Einfalls. Für ihn zerstört eine Transkription die Originalfassung nicht; auch die Aufführung eines Werkes sei eine Form von Transkription, weil sie das Werk in eine konkrete klingende Gestalt bringt.

Busoni übertrug vor allem Werke von Bach auf das Klavier. Besonders bedeutend ist seine Klavierfassung der Chaconne d-Moll für Solovioline. Viele seiner Bearbeitungen beruhen auf Orgelwerken, darunter Choralvorspiele, Präludium und Fuge D-Dur BWV 532 sowie die Orgeltoccaten C-Dur und d-Moll BWV 564/565. Dabei versuchte er, Orgelklang und Orgelregister auf dem Klavier nachzuahmen. Außerdem schrieb er Klaviertranskriptionen nach Werken von Goldmark, Liszt, Mendelssohn-Bartholdy, Mozart und Offenbach.

Leopold Stokowski, der zehn Jahre lang Organist war, schrieb zahlreiche Werke Bachs für Sinfonieorchester um, etwa Es ist vollbracht aus der Johannespassion, Komm, süßer Tod, Wachet auf, ruft uns die Stimme, die Toccata in d-Moll und die Passacaglia c-Moll. Auch Debussys La cathédrale engloutie übertrug er.

Igor Strawinskis Trois mouvements de Pétrouchka für Klavier gehören zu den schwierigsten und virtuosesten Werken der Klavierliteratur. Sie gehen auf eine frühe Konzeption von Petruschka als konzertantes Stück für Klavier und Orchester zurück. Strawinski schrieb die Klaviertranskription 1921 und widmete sie Arthur Rubinstein. Der erste Satz heißt Russischer Tanz, der zweite Chez Petrouchka zeigt den Gegensatz von C-Dur und Fis-Dur beziehungsweise weißen und schwarzen Tasten, und der dritte Satz La semaine grasse verlangt besonders hohe Sprung- und Schlagtechnik; für den letzten Satz nutzt Strawinski bis zu vier Notensysteme.

Auch Komponisten der Neuen Wiener Schule schrieben Transkriptionen älterer Werke. Arnold Schönberg bearbeitete Walzer von Johann Strauss Sohn für ungewöhnliche kammermusikalische Besetzungen, außerdem Ständchen von Schubert. Anton von Webern übertrug Bachs Ricercata a 6 voci aus dem Musikalischen Opfer für Orchester. Dabei verteilte er das neuntaktige Fugenthema auf drei Instrumente und nutzte ein Verfahren, das Klangfarbenmelodie genannt wird. Diesen Begriff führte Schönberg 1911 in seiner Harmonielehre ein.

Übertragung gehörter Musik in Notenschrift

Eine zweite wichtige Bedeutung von Transkription ist die Übertragung von akustisch wahrgenommener Musik in eine Notenschrift. Das ist besonders wichtig, wenn Musik nur als Klang vorliegt, aber in Noten festgehalten, untersucht oder weitergegeben werden soll. In der Ethnomusikologie betrifft das Ton- und Musikaufzeichnungen aus verschiedenen Kulturen. Problematisch kann dabei sein, Musik eines Kulturkreises in die Standard-Notenschrift eines anderen Kulturkreises zu übertragen, weil dabei Informationen verloren gehen können.

Auch in der Jazzimprovisation wird Transkription benötigt, etwa wenn improvisierte Soli notiert und analysiert werden sollen. Sie ist außerdem wichtig bei Aufführungen von Künstlern, die selbst keine Notenschrift beherrschen. Als Beispiel nennt der Artikel Anton Karas, den Komponisten der Filmmusik zu Der dritte Mann: Er konnte keine Notenschrift, deshalb wurde die gedruckte Fassung der Noten aus seinem Zitherspiel transkribiert.

Automatische Musiktranskription

Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird weltweit daran geforscht, Computer Musik automatisch transkribieren zu lassen. Die Automatische Musiktranskription ist ein Anwendungsfall des Music Information Retrieval, also der computergestützten Gewinnung musikalischer Informationen aus Daten. Dabei werden verschiedene Algorithmen miteinander verbunden, zum Beispiel für Instrumenten-Separation, Taktdetektion, Melodieerkennung und Harmonieerkennung.

Wichtige Teilprobleme sind die Notenanfangs-Erkennung, auf Englisch Onset Detector, die rhythmische Analyse von Taktart, Beat und Notenarten, die Tonhöhenerkennung, auf Englisch Pitch Estimation, sowie die Unterscheidung von einstimmiger, also monophoner, und mehrstimmiger, also polyphoner, Musik. Dazu kommen harmonische Analyse von Akkorden und Instrumentenerkennung.

In Deutschland arbeiten verschiedene Universitäten und Hochschulen sowie das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie und die AudioLabs des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen an diesem Forschungsfeld. Kommerzielle Software kann aus aufgenommenem Tonmaterial sogenannte Metadaten extrahieren und dadurch eine halbautomatische Transkription ermöglichen. Halbautomatisch bedeutet, dass oft manuelle Korrekturen oder zusätzliche Informationen nötig bleiben. Genannte Programme sind unter anderem AudioScore Ultimate, capella audio2score, IntelliScore, Melodyne editor mit DNA, WIDI, Songs2See Editor, Melody Scanner, Piano2Notes und Guitar2Tabs. Manche Sequenzer wie Cubase mit Vari-Audio können Audio in MIDI umwandeln; außerdem gibt es VST-Plugins für einzelne Aufgaben, zum Beispiel für das Transkribieren von Perkussion.

Lernvideos zu Transkription (Musik)

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