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Toussaint Louverture

Er besetzte während der haitianischen Revolution eine maßgebliche Führungsposition, die am 1. Januar 1804 – neun Monate nach seinem Tod – zur Unabhängigkeit des …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und historische Rolle
  2. 2. Herkunft und Aufstieg
  3. 3. Militärische und politische Herrschaft
  4. 4. Niederlage, Tod und Unabhängigkeit Haitis
  5. 5. Darstellungen und Erinnerung

Bedeutung und historische Rolle

François-Dominique Toussaint Louverture (* 20. Mai 1743 bei Cap-Haïtien als Toussaint Bréda; † 7. April 1803 im Château de Joux in der Franche-Comté) war einer der wichtigsten Anführer der Haitianischen Revolution. Sein Name wird auch häufig, aber laut Artikel fälschlich, Toussaint-Louverture oder Toussaint L’Ouverture geschrieben.

Louverture führte den Kampf ehemals versklavter Menschen im französischen Teil der Insel Hispaniola, der Kolonie Saint-Domingue. Er spielte eine maßgebliche Rolle bei der Befreiung der Sklaven, der Abschaffung der Sklaverei und der politischen Neuordnung der Kolonie. Wegen seiner militärischen Erfolge wurde er als „schwarzer Napoleon“ bezeichnet. Die staatliche Unabhängigkeit Haitis am 1. Januar 1804 erlebte er nicht mehr: Sie wurde neun Monate nach seinem Tod unter Jean-Jacques Dessalines erklärt. In Haiti gilt Louverture als Nationalheld.

Herkunft und Aufstieg

Toussaint wurde um 1743 auf der Pflanzung des Grafen de Breda bei Cap-Haïtien in eine versklavte Familie westafrikanischer Abstammung geboren. Er arbeitete als Haussklave, Viehhüter und Kutscher. Der Priester Simon Baptiste unterrichtete ihn; außerdem bildete er sich selbst weiter. Dadurch lernte er lesen und schreiben sowie etwas Latein. 1777 wurde er freigelassen. Er heiratete Suzanne Simon und hatte zwei Söhne, Isaac und Saint-Jean. Er war Anhänger des Voodoo, den er als friedliche Verbindung des Katholizismus mit den traditionellen Religionen Afrikas betrachtete.

Als die Nachricht von der Französischen Revolution von 1789 Saint-Domingue erreichte, entstanden zunächst regionale Aufstände. Daraus entwickelte sich ein blutiger Bürgerkrieg, der in die Haitianische Revolution mündete und Tausende Todesopfer forderte, überwiegend Schwarze. Zur Verbreitung revolutionärer Ideen trugen auch versklavte Haitianer bei, die ihre Herren auf Reisen nach Frankreich begleitet hatten und nach ihrer Rückkehr von den dort kennengelernten Vorstellungen berichteten.

1791, auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs, schloss sich Toussaint der Bewegung zur Befreiung der Sklaven an. Aufgrund seines militärischen Könnens stieg er schnell zu ihrem Anführer auf. Die Befreiungsbewegung war 1793 erfolgreich; 1794 wurde die Sklaverei abgeschafft. Der Aufstand war damit der bis dahin erfolgreichste Sklavenaufstand in einer europäischen Kolonie.

Militärische und politische Herrschaft

Die Bündnisse während der Revolution wechselten mehrfach. 1793 kämpfte eine von Toussaint geführte Gruppe ehemaliger Sklaven im französisch-spanischen Krieg zunächst auf der Seite Spaniens. 1794 wechselte er mit 4000 Soldaten zu Frankreich und erhielt den Rang eines Général de brigade, also eines Brigadegenerals.

1799 kam es zum Bürgerkrieg zwischen früheren Verbündeten der Befreiungsarmee. Toussaint besiegte die Armee seines Konkurrenten, des Mulattenführers André Rigaud, entscheidend und wurde zum unbestrittenen Herrscher der Kolonie. Er entfernte mehrere französische Amtsträger aus seinem Machtbereich: Gouverneur Étienne Maynaud de Bizefranc de Laveaux schickte er als Gesandten nach Paris, den Regierungskommissar Léger-Félicité Sonthonax ließ er 1797 deportieren und Philippe-Rose Roume de Saint-Laurent, seit 1796 Vertreter des französischen Direktoriums, im Jahr 1800 verhaften. Nachdem Sonthonax am 4. Februar 1798 vor dem Rat der Fünfhundert über Toussaints Verhalten gesprochen hatte, begegnete Frankreich diesem mit wachsendem Misstrauen. Der französische Beauftragte Hédouville sollte seinen Einfluss begrenzen.

1801 besetzte Toussaint auch den spanisch geprägten Osten Hispaniolas, das Gebiet der heutigen Dominikanischen Republik. Dort schaffte er ebenfalls die Sklaverei ab und ließ eine umfassende Landreform durchführen. 1802 geriet er offen in Konflikt mit Frankreich, weil seine Forderungen nach Rechten für die Schwarzen nicht erfüllt wurden. Als Heerführer vertrieb er Franzosen von der Insel und setzte sich auch gegen englische Freibeuter sowie die letzten spanischen Garnisonen durch.

Niederlage, Tod und Unabhängigkeit Haitis

Napoleon Bonaparte hatte bereits im Dezember 1801 ein Expeditionsheer von mehr als 30.000 Mann entsandt, das Anfang Februar 1802 Hispaniola erreichte. Divisionsgeneral Charles Victoire Emmanuel Leclerc sollte die abtrünnige Kolonie wieder unter französische Kontrolle bringen. Am 20. Mai 1802 verfügte Napoleon als Erster Konsul außerdem die Wiedereinführung der Sklaverei in den französischen Kolonien. Der französische Nationalkonvent hatte sie im Februar 1794 abgeschafft; endgültig endeten die Sklaverei im französischen Machtbereich und der sie regelnde Code Noir erst 1848.

Toussaint wurde am 7. Juni 1802 gefangen genommen und nach Frankreich deportiert. Unter den harten Haftbedingungen starb er am 7. April 1803 im Fort de Joux bei Pontarlier im Département Doubs.

Am 1. Januar 1804 erklärte Jean-Jacques Dessalines Haiti für unabhängig. Haiti war damit das erste Land Lateinamerikas, das sich aus eigener Kraft aus dem Kolonialstatus befreite. Nach den USA war es der zweite Staat des amerikanischen Kontinents, dem dies durch einen eigenen revolutionären Kampf gelang. Louvertures Führung hatte entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen, obwohl er die Unabhängigkeit selbst nicht mehr erlebte.

Darstellungen und Erinnerung

Louvertures Leben wurde vielfach wissenschaftlich, literarisch, musikalisch und filmisch dargestellt. Als Standardwerk gilt C. L. R. James’ 1938 erschienenes Buch The Black Jacobins: Toussaint L’Ouverture and the San Domingo Revolution, auf Deutsch Die schwarzen Jakobiner. Anna Seghers griff sein Leben in den Erzählungen Die Hochzeit von Haiti und Der Schlüssel auf; auch in Isabel Allendes Roman Die Insel unter dem Meer kommt er vor. William Wordsworth widmete ihm im August 1802 das Gedicht To Toussaint L’Ouverture, das am 2. Februar 1803 in der Morning Post erschien. Die französische Literatur begann bereits zu Louvertures Lebzeiten, ihn zum Mythos und Nationalhelden zu gestalten.

In der Popkultur erinnern unter anderem Santanas Instrumentalstück Toussaint L’Overture von 1971 und das 34-minütige Stück Bring the Sun/Toussaint L’Ouverture der Band Swans von 2014 an ihn. Das Magazin Jacobin verwendet ein stilisiertes Bild Louvertures als Logo. Zu den filmischen Darstellungen gehören der Dokumentarfilm Égalité for All: Toussaint Louverture and the Haitian Revolution von 2009 und der zweiteilige französische Fernsehfilm Toussaint Louverture von 2012 unter der Regie von Philippe Niang. Auch der internationale Flughafen von Port-au-Prince, der Aéroport international Toussaint Louverture, trägt seinen Namen.

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