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Haitianische Revolution

Sie führte am 1. Januar 1804 zur Umwandlung der Kolonie in den Staat Haiti – den ersten unabhängigen Staat in Lateinamerika und den ersten, der durch ehemalige …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Voraussetzungen
  2. 2. Vom Kampf um Bürgerrechte zum Sklavenaufstand
  3. 3. Toussaint Louverture und der Machtkampf
  4. 4. Napoleons Eingreifen und die Unabhängigkeit
  5. 5. Folgen und der neue Staat

Bedeutung und Voraussetzungen

Als Haitianische Revolution werden der Sklavenaufstand in der französischen Kolonie Saint-Domingue ab 1791 und die folgenden Kämpfe bezeichnet. Sie führten am 1. Januar 1804 zur Unabhängigkeit Haitis. Haiti war damit der erste unabhängige Staat Lateinamerikas und der erste Staat, der von ehemaligen Sklaven geformt wurde.

Saint-Domingue war eine wirtschaftlich bedeutende Plantagenkolonie. Seit dem 17. Jahrhundert wurden dort Tabak, Indigo, Kaffee, Kakao und Baumwolle angebaut; um 1700 begann der Zuckerrohranbau. Die Zahl der Zuckerplantagen stieg von mehr als 100 im Jahr 1704 auf etwa 1.000 im Jahr 1791. Für die schwere Plantagenarbeit wurden bis 1776 insgesamt 800.000 Menschen in Afrika gefangen und in die Region deportiert. Viele starben während der Überfahrt, durch Überarbeitung, Unterernährung, Krankheiten oder Bestrafungen. In den ersten drei bis acht Jahren starb etwa die Hälfte der Sklaven. Rund zwei Drittel waren deshalb jeweils in Afrika geboren.

1789 lebten etwa 600.000 Menschen in Saint-Domingue. Rund 90 Prozent waren schwarze Sklaven. Etwa 40.000 Weiße teilten sich in die reichen Plantagenbesitzer, Großexporteure und führenden Beamten, die „grands blancs“, sowie die weniger wohlhabenden „petits blancs“, darunter Plantagenverwalter, Aufseher, Händler und Handwerker. Daneben gab es ungefähr 30.000 freie gens de couleur libres, also Menschen gemischter französisch-afrokaribischer Abstammung. Viele waren gebildet und wohlhabend, blieben aber politisch rechtlos und waren sozialen Beschränkungen ausgesetzt.

Die Ungleichheit führte schon vor 1790 zu Sklavenaufständen, die jedoch niedergeschlagen wurden. Durch die Französische Revolution verschärften sich die Spannungen: Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 widersprach der Sklaverei und der politischen Benachteiligung freier gens de couleur. Gleichzeitig stritten Kolonisten, Sklavereigegner und die französische Nationalversammlung darüber, wer Saint-Domingue politisch vertreten und wer als Bürger gelten sollte.

Vom Kampf um Bürgerrechte zum Sklavenaufstand

Zunächst verlangten vor allem besitzende gens de couleur libres politische Gleichberechtigung. Ein Beschluss der französischen Nationalversammlung vom März 1790 schien politische Rechte vom Eigentum statt von Herkunft oder Hautfarbe abhängig zu machen. Weiße Kolonisten bekämpften ihn, und die Kolonialverwaltung setzte ihn nicht um.

Vincent Ogé, der in Paris für die Rechte der freien gens de couleur eingetreten war, kehrte im Oktober 1790 nach Saint-Domingue zurück. Gemeinsam mit Jean Baptiste Chavannes stellte er eine Truppe von 300 freigelassenen Sklaven und freien Afrokariben auf. Ogé wollte die Sklaven der Plantagen jedoch ausdrücklich nicht einbeziehen, weil viele freie gens de couleur selbst Sklaven besaßen und die Sklaverei nicht abschaffen wollten. Chavannes gehörte dagegen zu den Abolitionisten, also den Gegnern der Sklaverei. Der Aufstand wurde rasch niedergeschlagen; seine Anführer wurden zum Tode verurteilt und grausam hingerichtet.

In Frankreich bewirkte die Niederschlagung des Aufstands eine stärkere Ablehnung der Kolonisten. Im Mai 1791 gewährte die Nationalversammlung allen freigelassenen Sklaven und freien gens de couleur das Bürgerrecht. Die Delegierten der Kolonisten verließen Frankreich daraufhin unter Protest.

Der entscheidende Sklavenaufstand begann in der nördlichen Ebene Plaine-du-Nord. In der Nacht vom 22. zum 23. August 1791 erhoben sich, ausgehend von einer Plantage in Acul, versklavte Menschen unter der Führung Dutty Boukmans. Innerhalb weniger Tage eroberten sie weite Teile der Nordebene und befreiten sich selbst.

Am 4. April 1792 beschloss die Gesetzgebende Nationalversammlung gleiche Rechte für alle Bewohner der französischen Kolonien, unabhängig von ihrer Hautfarbe. Der Regierungskommissar Léger-Félicité Sonthonax kam im September mit 6.000 Soldaten auf die Insel, um das Gesetz gegen weiße Royalisten durchzusetzen. Frauen spielten ebenfalls eine bedeutende Rolle in der Revolution, die von der Geschichtsschreibung lange wenig beachtet wurde.

Toussaint Louverture und der Machtkampf

François-Dominique Toussaint Louverture, der 1776 aus der Sklaverei entlassen worden war, wurde zur führenden Persönlichkeit der Revolution. 1793 trat er zunächst auf spanischer Seite in den Krieg ein. Nachdem Frankreich die Sklaverei abgeschafft hatte, wechselte er 1794 mit 4.000 Soldaten auf die französische Seite und wurde zum Général de brigade ernannt.

Toussaint festigte schrittweise seine Macht. Er entfernte oder kontrollierte französische Vertreter: Gouverneur Étienne Maynaud de Bizefranc de Laveaux wurde als Gesandter nach Paris geschickt, Sonthonax musste 1797 das Land verlassen, und der Direktoriumsvertreter Philippe-Rose Roume de Saint-Laurent wurde 1800 verhaftet. Frankreich begegnete Toussaint zunehmend mit Misstrauen und entsandte Gabriel de Hédouville, um seinen Einfluss einzuschränken.

Auch Großbritannien griff in den Konflikt ein und besetzte zeitweise den Westen und die Südspitze der Insel. 1798 gelang es Toussaint, die britischen Truppen endgültig zu vertreiben. 1799 besiegte er im Bürgerkrieg außerdem die Armee André Rigauds und wurde damit zum unbestrittenen Herrscher der Kolonie. 1801 gab er Saint-Domingue eine Verfassung und ernannte sich selbst zum Gouverneur auf Lebenszeit. Obwohl die Verfassung den französischen Herrschaftsanspruch nicht ausdrücklich bestritt, war sie nicht mit der Kolonialmacht abgesprochen.

Napoleons Eingreifen und die Unabhängigkeit

Unter Napoleon Bonaparte kam es zum endgültigen Bruch mit Frankreich. Nach den Friedensschlüssen mit Spanien und Großbritannien schickte Napoleon eine 6.000 Mann starke Armee unter seinem Schwager Charles Victoire Emmanuel Leclerc nach Saint-Domingue, um dort wieder französisches Recht durchzusetzen.

Nach drei Monaten endeten die Kämpfe zunächst. Im Mai 1802 ergaben sich Toussaints Truppen. Toussaint Louverture wurde verhaftet, nach Frankreich gebracht und starb dort später im Gefängnis. Leclerc konnte die Insel jedoch nicht vollständig befrieden und starb im November 1802 an Gelbfieber.

Als Napoleons Pläne bekannt wurden, die Sklaverei in allen französischen Kolonien wieder einzuführen, wechselten viele bisherige französische Unterstützer zu den Aufständischen. Gleichzeitig schwächte das Gelbfieber die französischen Truppen erheblich. Wegen des erneuten Kriegs mit Großbritannien und der britischen Seeblockade erhielt die Armee keine ausreichende Unterstützung aus Frankreich. Napoleon gab seine Pläne für die überseeischen Kolonien auf und verkaufte bereits im April 1803 Louisiana an die USA.

Am 18. November 1803 besiegten die Aufständischen die Franzosen in der Schlacht von Vertières im Norden der Insel. Die französischen Truppen zogen sich zunächst in den Ostteil der Insel zurück. Am 1. Januar 1804 wurde die Unabhängigkeit verkündet und Saint-Domingue in Haiti umbenannt. Der Bürgerkrieg zur Unabhängigkeit kostete schätzungsweise eine halbe Million Menschen das Leben.

Folgen und der neue Staat

Die Revolution zerstörte den wichtigsten Sklavenmarkt Amerikas und befreite nahezu eine halbe Million Menschen aus der Sklaverei. Ihr Erfolg wurde in ganz Amerika bekannt. Er ermutigte versklavte und freie Schwarze von Brasilien bis in die USA zu Komplotten, Revolten und zur Forderung nach Rechten. Dass britische Gesetzgeber 1807 den Sklavenhandel abschafften, wird teilweise auf die Entwicklungen in Haiti zurückgeführt.

Jean-Jacques Dessalines stand nach der Unabhängigkeit vor großen innen-, außen- und wirtschaftspolitischen Aufgaben. Gegenüber den benachbarten Sklavenhaltergesellschaften verhielt er sich zurückhaltend, um eine Invasion durch Frankreich, England oder Spanien zu vermeiden. Trotz der Vorbehalte europäischer Kolonialmächte und der USA entstanden früh diplomatische Kontakte und neue Handelsbeziehungen. Die USA wurden Haitis wichtigster Handelspartner.

Zur Stärkung der Wirtschaft führte Dessalines eine allgemeine Importsteuer von 10 Prozent sowie Abgaben auf die Ausfuhr bestimmter Produkte ein. Zugleich vergrößerte er den Einfluss des Staates: Alle vor 1803 erfolgten Landverkäufe und Landtransaktionen wurden für ungültig erklärt.

Krieg, Flucht und Tod hatten die Bevölkerung stark verkleinert. Viele weiße Europäer aus der früheren kolonialen Elite und große Teile der schwarzen Bevölkerung waren gestorben oder geflohen. Nach der Revolution bestand die breite Bevölkerungsmehrheit aus ehemaligen Sklaven, den nouveaux libres, die den Aufstand wesentlich getragen hatten. Daneben gab es eine dünne Schicht der anciens libres, der bereits vor der Unabhängigkeit freien Menschen.

Dessalines ernannte sich 1804 zum Kaiser. 1806 wurde er von einigen Offizieren des Militärs ermordet; sein Nachfolger wurde Henri Christophe.

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