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Tinglish
Tinglish (auch Thaiglish oder Thai-Englisch) heißt die von thailändischen Muttersprachlern gesprochene Form der englischen Sprache.
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Definition und Merkmale
Tinglish, auch Thaiglish oder Thai-Englisch genannt, ist die von thailändischen Muttersprachlern gesprochene Form des Englischen. Es handelt sich um eine Varietät, also eine Sonderform des Englischen mit typischen Merkmalen, und genauer um ein Pidgin: eine reduzierte Sprachform, die der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Muttersprache dient.
Die Besonderheiten entstehen dadurch, dass Regeln und Gewohnheiten des Thailändischen auf das Englische übertragen werden. Dies zeigt sich vor allem in Aussprache, Grammatik und Wortwahl. Tinglish gilt nicht als Dialekt. Wie stark der thailändische Einfluss ist, hängt von den Englischkenntnissen der jeweiligen Person ab; deshalb treten die beschriebenen Merkmale nicht bei allen Sprechern gleichermaßen auf.
Weitere Bezeichnungen sind Thailish und Thainglish. Tinglish kann gelegentlich auch tagalisches oder tamilisches Englisch bezeichnen, meint aber meistens Thai-Englisch.
Typische Aussprache
Bei mehrsilbigen Wörtern wird die letzte Silbe häufig mit langem Vokal und fallendem Ton gesprochen. Für englische Muttersprachler klingt sie dadurch stark betont, obwohl das Thailändische und damit auch Tinglish keine dynamische Betonung kennt. Beispiele sind computer [kɔːmpʰiwtɤ̂ː] und fashion [fɛːɕʰân].
Da das Thailändische nur wenige Konsonantencluster, also Gruppen aufeinanderfolgender Konsonanten, kennt, wird zwischen Konsonanten oft ein kurzes „a“ oder ein Schwa-Laut eingefügt. Manchmal fällt ein Konsonant weg: stay wird zu sa-tay [sᵃteː], blue zu ba-loo [bᵊluː] und sprite zu sa-pie [sᵃpaj]. Am Silbenende sind Konsonantencluster nicht möglich; deshalb kann act oder ex jeweils wie ack [ʔɛ́k] und camp wie cam [kʰɛːm] klingen.
Laute, die im Thailändischen fehlen, werden ersetzt. Die stimmhaften Laute /g/, /z/ und /d͡ʒ/ werden zu den stimmlosen Lauten /k/, /s/ beziehungsweise /t͡ɕ/. Daher kann zoo wie Sue klingen. /ʃ/ wird ebenfalls durch /t͡ɕ/ ersetzt, sodass chair und share fast gleich klingen können. Das englische /θ/ wird zu /t/, also thin zu tin. Im Silbenanlaut wird /v/ durch /w/ ersetzt, etwa sewen elewen statt seven eleven; im Auslaut kann dafür ein schwaches /p/ stehen, etwa say(p) [seːp] statt safe.
Verschlusslaute am Wortende werden nicht hörbar gesprengt und wirken deshalb schwach, etwa to(p) statt top. Frikative, also Reibelaute, werden dort ebenfalls durch solche Verschlusslaute ersetzt, etwa fi(t) statt fish. Ein auslautendes /l/ oder /ɫ/ wird zu /n/ oder /w`, beispielsweise nationan statt national und biw statt bill.
Englische Diphthonge, also Zwielaute, werden teilweise durch lange Monophthonge oder durch Verbindungen aus Vokal und Halbvokal ersetzt: /eɪ/ durch /eː/, /ɛə/ durch /ɛː/, /oʊ/ durch /oː/, /aɪ/ durch /a(ː)j/, /aʊ/ durch /a(ː)w/, /ɔɪ/ durch /ɔ(ː)j/ und /juː/ durch /iw/. Weil Halbvokale als Konsonanten gelten, kann danach am Silbenende kein weiterer Konsonant folgen: count wird zu cow [kʰaːw] und ice zu i [ʔáj]. Manche Sprecher ersetzen außerdem /r/ durch /l`, etwa tomollow statt tomorrow.
Grammatische Strukturen
Das Thailändische ist eine isolierende Sprache und kennt keine Flexion, also keine Veränderung von Wörtern nach grammatischen Merkmalen. Diese Eigenschaft prägt auch tinglishe Sätze:
- Substantive werden nicht dekliniert und besitzen keinen Artikel.
- Adjektive und andere nähere Bestimmungen stehen nach dem Substantiv statt davor. Man good bedeutet „guter Mensch“, bar beer „Bierbar“.
- Verben werden nicht konjugiert. Zeitformen können durch Partikeln angezeigt werden.
- Die übliche Wortstellung lautet wie im Englischen Subjekt–Prädikat–Objekt. Das Subjekt kann entfallen, wenn es aus dem Zusammenhang hervorgeht.
You go Chiang Mai? kann je nach Zusammenhang „Waren Sie in Chiang Mai?“ oder „Wollen Sie nach Chiang Mai fahren?“ bedeuten. Für eine eindeutige Vergangenheit wird already ergänzt: You go Chiang Mai already? bedeutet „Waren Sie bereits in Chiang Mai?“. Already ist die wörtliche Übersetzung der thailändischen Vergangenheitspartikel แล้ว [lɛ́ːw]; die Frage bedeutet deshalb nicht „Fährst du jetzt schon nach Chiang Mai?“.
Wie im Thailändischen wird eine Entscheidungsfrage manchmal beantwortet, indem das Verb wiederholt oder verneint wird. Auf Do you have ice cream? können daher Have. als Zustimmung oder No have. als Verneinung folgen.
Wortwahl und bekanntes Beispiel
Die Wortwahl folgt häufig direkt thailändischen Sprachgewohnheiten. Wörter werden zum Beispiel wiederholt, um ihre Aussage zu verstärken. Same same ist eine „totale Reduplikation“, also eine vollständige Wortverdoppelung. Der Ausdruck kann für the same („das Gleiche“ oder „dasselbe“), as usual („wie gewohnt“) und similar („ähnlich“) stehen. Snake snake fish fish ist eine wörtliche Übertragung aus dem Thailändischen und bedeutet wie englisch so-so „so la la“.
Where you go? ist meist weniger eine echte Frage als eine Übertragung der thailändischen Begrüßungsformel ไปไหน [bpai nai]. Auch thailändische Höflichkeitspartikeln werden in englische Äußerungen übernommen: take care na sowie thank you khrap bei einem männlichen Sprecher beziehungsweise thank you kha bei einer weiblichen Sprecherin.
Ein besonders bekanntes Beispiel ist same same but different mit der Bedeutung „ganz gleich und doch anders“. Die Redewendung ist in Thailand und inzwischen auch international verbreitet. Sie erscheint unter anderem auf T-Shirts, bei denen same same auf der Vorderseite und but different auf der Rückseite steht. Außerdem wurde sie in Titeln und Textzeilen der internationalen Popmusik, in Buch- und Filmtiteln verwendet. Beispiele sind die CD „Same/Same … But Different“ der Band Vengeance von 2007, der Hindi-Song „We Are Same Same But Different“ aus dem Bollywood-Film „Bombay to Bangkok“ von Nagesh Kukunoor aus dem Jahr 2008 sowie Detlev Bucks Film „Same Same But Different“. Dieser spielt allerdings in Kambodscha, erhielt im August 2009 auf dem 62. Internationalen Filmfestival von Locarno einen Preis und kam im Januar 2010 in die deutschen Kinos.