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Thomas Gnielka
Januar 1965 in Herold) war ein deutscher Journalist, dessen Recherchen u. a. die Auschwitzprozesse in den 1960er Jahren in Deutschland initiierten.
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Bedeutung als Journalist
Thomas Gnielka (* 17. Dezember 1928 in Berlin; † 7. Januar 1965 in Herold) war ein deutscher Journalist. Besonders wichtig wurden seine Recherchen zu nationalsozialistischen Tätern und zur Behandlung von Holocaustüberlebenden in der Bundesrepublik Deutschland. Seine Weitergabe von Dokumenten an den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer trug dazu bei, dass Ermittlungen zu Straftaten im Konzentrationslager Auschwitz möglich wurden und der Frankfurter Auschwitzprozess eingeleitet werden konnte.
Gnielka arbeitete investigativ, das heißt: Er suchte selbstständig nach Belegen, Verantwortlichen und bislang unbekannten Zusammenhängen. Als politischer Korrespondent befasste er sich vor allem mit der personellen Kontinuität des Nationalsozialismus in Verbänden, Parteien und Behörden der Bundesrepublik Deutschland.
Erfahrungen, Familie und beruflicher Weg
Gnielka wuchs in Berlin auf und wurde im Zweiten Weltkrieg als Luftwaffenhelfer dienstverpflichtet. Mit Schulkameraden des Spandauer Kant-Gymnasiums war er auch in der Region Auschwitz eingesetzt. Dort begegneten ihnen ausgemergelte KZ-Häftlinge, die in Außenkommandos Zwangsarbeit leisten mussten.
Nach dem Krieg war Gnielka zunächst Volontär beim Spandauer Volksblatt. Anschließend ging er nach München und traf dort 1948 Ingeborg Euler. Er vertonte ihre Texte und begleitete sie am Klavier, als sie im Münchner Kabarett-Theater „Simpl“ auftrat. Beide heirateten 1949 und hatten zwischen 1950 und 1962 fünf Kinder. Ab 1963 lebte die siebenköpfige Familie in der „Dillenberger Mühle“ in der Gemeinde Herold.
Euler wurde 1949 und Gnielka im Mai 1952 zu Treffen der Gruppe 47 eingeladen. Gnielka las dort aus seinem Roman Geschichte einer Klasse. Das Werk handelt von Schülern, die gegen Ende des Krieges als Flakhelfer unmittelbar neben dem Konzentrationslager Auschwitz eingesetzt wurden.
Beruflich arbeitete Gnielka beim Wiesbadener Kurier. Im Februar 1957 wechselte er als Lokalredakteur für die Region Wiesbaden zur Frankfurter Rundschau (FR). Bis September 1960 gehörte er zu deren Redaktion; danach schrieb er freischaffend für die FR sowie für die Metallzeitung der IG Metall, Quick und Weltbild.
Dokumente zu Auschwitz und weitere Recherchen
Auslöser für Gnielkas zentrale Recherche war ein Bericht in der FR über das Wiesbadener Versorgungsamt. Dort wurden Entschädigungsanträge von Holocaustüberlebenden nur widerwillig bearbeitet; Mitarbeitende gaben sich zudem als ehemalige Nationalsozialisten zu erkennen. Daraufhin bat Emil Wulkan, ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Auschwitz, Gnielka um Unterstützung bei seinem Wiedergutmachungsantrag.
Wulkan übergab ihm Teile einer Akte, die er bei Kriegsende in den Trümmern des SS- und Polizeigerichts XV. Breslau gefunden hatte. Die Akte behandelte die bürokratische Abwicklung von KZ-Häftlingen, die 1942 angeblich „auf der Flucht erschossen“ worden waren. Gnielka sandte die acht Blätter, die vom Lagerkommandanten Rudolf Höß unterzeichnet waren, am 15. Januar 1959 an Fritz Bauer. Dem hessischen Generalstaatsanwalt wurden daraufhin vom Bundesgerichtshof die Ermittlungen zu Straftaten im Konzentrationslager Auschwitz übertragen. Dadurch wurde die Einleitung des Frankfurter Auschwitzprozesses überhaupt möglich.
Gnielka suchte außerdem nach dem verschwundenen KZ-Kommandanten Richard Baer. Nachdem er Baers Schwägerin in Hamburg gefunden hatte, äußerte er in einer Reportage den Verdacht, Baer lebe unter falschem Namen als unauffälliger Bürger. Kurz nach der Veröffentlichung wurde Baer im Sachsenwald festgenommen. Der Auschwitzprozess begann am 20. Dezember 1963. Vor und während des Verfahrens nahm Gnielka Prozesszeugen in seiner Mühle in Herold auf.
Tod, filmische Darstellung und Schriften
Gnielka erkrankte 1963 an Hautkrebs und starb 1965. Die Urteilsverkündung des ersten Auschwitzprozesses am 19. August 1965 erlebte er nicht mehr. Heinrich Böll hielt die Trauerrede in Herold. Die Frankfurter Rundschau veröffentlichte am 8. Januar 1965 einen Nachruf unter der Überschrift „Rebell gegen die Trägheit“.
Die Vorgeschichte des Auschwitzprozesses wurde 2013 in Giulio Ricciarellis Film Im Labyrinth des Schweigens verfilmt. André Szymanski spielte Thomas Gnielka.
Zu den genannten Schriften zählen Falschspiel mit der Vergangenheit. Rechtsradikale Organisationen in unserer Zeit (1960) sowie das Interview Der SS-Staat in Person mit Fritz Bauer, erschienen am 13. Januar 1961 in Weltbild. 2014 gaben Kerstin Gnielka und Werner Renz Als Kindersoldat in Auschwitz. Die Geschichte einer Klasse heraus; es enthält das Romanfragment und Dokumentation sowie ein Nachwort von Norbert Frei.