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Im Labyrinth des Schweigens

Im Labyrinth des Schweigens ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 2014, das die Vorgeschichte der Frankfurter Auschwitzprozesse thematisiert.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Einordnung
  2. 2. Ermittlungen gegen Auschwitz-Täter
  3. 3. Persönliche Konflikte und Beginn des Prozesses
  4. 4. Historischer Bezug, Rezeption und Auszeichnungen

Gegenstand und Einordnung

Im Labyrinth des Schweigens ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 2014. Der 123 Minuten lange, deutschsprachige Film spielt Ende der 1950er Jahre und thematisiert die Vorgeschichte der Frankfurter Auschwitzprozesse. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Verbrechen des Nationalsozialismus juristisch aufgearbeitet werden konnten, obwohl sie in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders zunehmend verdrängt und vergessen wurden.

Regie führte Giulio Ricciarelli, der gemeinsam mit Elisabeth Burghardt auch das Drehbuch schrieb. Die Hauptfigur Johann Radmann wird von Alexander Fehling dargestellt. Weitere wichtige Figuren sind der Journalist Thomas Gnielka, der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der Maler und Auschwitz-Überlebende Simon Kirsch sowie Radmanns Freundin Marlene Wondrak. Der Film hatte am 6. September 2014 beim Toronto International Film Festival Premiere und startete am 6. November 2014 in den deutschen Kinos.

Ermittlungen gegen Auschwitz-Täter

Der Journalist Thomas Gnielka versucht, vor dem Frankfurter Gericht einen ehemaligen Wärter des Vernichtungslagers Auschwitz anzuzeigen. Sein Bekannter Simon Kirsch hat den Mann als Lehrer auf einem Schulhof wiedererkannt. Das Anliegen stößt zunächst auf breite Ablehnung. Der junge Staatsanwalt Johann Radmann nimmt sich des Falls jedoch an und beginnt mit Unterstützung des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer mit den Ermittlungen.

Radmann sucht nach Tätern und Zeugen, die die Verbrechen im Konzentrationslager bezeugen können. In Kirschs Wohnung finden Radmann und Gnielka eine Liste mit SS-Leuten, die Gefangene im Lager getötet haben. Anschließend suchen Radmann und seine Mitarbeiter die Namen in Telefonbüchern der gesamten Bundesrepublik. Weitere Unterlagen findet Radmann im Document Center der Amerikaner in Frankfurt.

Die Ermittlungen werden von den Behörden nur zögernd unterstützt. Trotzdem erreicht Radmann, dass erste Täter verhaftet werden, darunter Robert Mulka, der Adjutant des Lagerkommandanten Rudolf Höß, und Richard Baer, der letzte Lagerkommandant von Auschwitz. Der Versuch, den SS-Arzt Josef Mengele festzusetzen, scheitert jedoch.

Persönliche Konflikte und Beginn des Prozesses

Der Widerstand gegen die Ermittlungen belastet Radmann zunehmend. Er beginnt zu trinken, seine Beziehung zu Marlene scheitert, und er gerät mit seiner Mutter in einen Streit über die Rolle seines Vaters während der NS-Zeit. Auch mit seinem Mitstreiter Gnielka überwirft er sich und kündigt seine Stelle bei der Staatsanwaltschaft.

An einer neuen Arbeitsstelle soll Radmann mit einem Anwalt zusammenarbeiten, der bei der Vernehmung eines von Radmann verhörten Mandanten zynisch die Selektion an der Rampe gutgeheißen hatte. Daraufhin kehrt Radmann zur Staatsanwaltschaft zurück. Seine Ermittlungen tragen schließlich dazu bei, dass 1963 der erste Auschwitz-Prozess beginnt. Zum Auftakt gibt Fritz Bauer den Staatsanwälten den Satz mit: „Heute wird Geschichte geschrieben“.

Historischer Bezug, Rezeption und Auszeichnungen

Die Figur Johann Radmann ist fiktiv. Sie beruht auf den drei Staatsanwälten Joachim Kügler, Georg Friedrich Vogel und Gerhard Wiese, die die Anklage für den Prozess vorbereiteten. Wieses Erinnerungen an den Prozess wurden in das Drehbuch aufgenommen. Bei der Deutschland-Premiere war Wiese anwesend und erhielt stehende Ovationen.

Unter dem internationalen Titel Labyrinth of Lies wurde der Film beim Toronto International Film Festival 2014 überwiegend positiv aufgenommen. Kritiken lobten besonders die überzeugende Rekonstruktion der Atmosphäre der 1950er Jahre und den Hinweis darauf, dass die nationalsozialistische Vergangenheit und Auschwitz nicht relativiert werden dürften. Zugleich wurde die Figurenzeichnung als teilweise schematisch bezeichnet. Der Filmdienst sah in dem Film einen reflektierten Versuch, mit Mitteln des Spannungskinos ein damals noch weitgehend unthematisiertes Kapitel deutscher Geschichte zu erschließen, und empfahl ihn ab 14 Jahren.

Im August 2015 wurde Im Labyrinth des Schweigens als deutscher Kandidat für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film benannt. Im Dezember 2015 kam der Film auf die neun Filme umfassende Shortlist, wurde jedoch letztlich nicht nominiert. Zu den weiteren Auszeichnungen und Nominierungen gehören der Bayerische Filmpreis 2014 für Alexander Fehling als Bester Darsteller, eine postume Nominierung von Gert Voss für den Preis der deutschen Filmkritik, eine Jupiter-Nominierung für Alexander Fehling, der Publikumspreis und eine spezielle Erwähnung der Jury beim Les Arcs European Film Festival sowie eine Nominierung beim Zurich Film Festival. Für den Deutschen Filmpreis 2015 erhielt der Film vier Nominierungen, darunter in der Kategorie Bester programmfüllender Spielfilm.

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