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Temporalsatz in der spanischen Sprache

Unter einem Zeitsatz oder Temporalsatz, oración temporal versteht man in der Grammatik eine spezielle Form eines adverbialen Nebensatzes, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Funktion
  2. 2. Zeitverhältnisse und Moduswahl
  3. 3. Satzbau und zeitliche Bezugspunkte
  4. 4. Wichtige temporale Konnektoren
  5. 5. Entwicklung des Modusgebrauchs und Partizipialkonstruktionen

Definition und Funktion

Ein Temporalsatz (spanisch oración temporal) ist ein adverbialer Nebensatz, der im Hauptsatz die Funktion einer Adverbialbestimmung der Zeit übernimmt. Er bestimmt, wann, seit wann, wie lange oder bis wann eine Handlung oder ein Ereignis stattfindet. Der Hauptsatz wird als Apodosis, der temporale Nebensatz als Protasis bezeichnet.

Temporalsätze werden durch temporale Konjunktionen beziehungsweise Konnektoren eingeleitet. Sie setzen die Ereignisse beider Teilsätze zeitlich zueinander in Beziehung und können den Beginn, das Ende oder die Dauer eines Geschehens angeben. Dabei werden drei grundlegende Zeitverhältnisse unterschieden: Vorzeitigkeit (anterioridad), Gleichzeitigkeit (simultaneidad) und Nachzeitigkeit (posterioridad).

Ein Temporalsatz gehört zu den adverbialen Nebensätzen. Solche Nebensätze bilden neben den Nebensätzen mit Substantiv-Funktion (subordinadas sustantivas) und den Nebensätzen mit Adjektiv-Funktion (subordinadas adjetivas) eine der drei Arten subordinierter, also untergeordneter Sätze. Temporalsätze zählen zusammen mit Lokal- und Modalsätzen zu den eigenständigen adverbialen Nebensätzen, weil sie sich grundsätzlich durch ein Adverb ersetzen lassen: La fiesta acabó cuando se hizo de noche. („Das Fest endete, als es Nacht wurde.“) kann zu La fiesta acabó entonces. („Das Fest endete dann.“) verkürzt werden.

Zeitverhältnisse und Moduswahl

Bei der Vorzeitigkeit findet das Ereignis des Temporalsatzes vor dem Ereignis des Hauptsatzes statt. Typische Konnektoren sind después de que, en cuanto, tan pronto como, nada más que, enseguida und apenas. Bei der Gleichzeitigkeit laufen beide Ereignisse ganz oder weitgehend gleichzeitig ab; mögliche Konnektoren sind mientras, mientras que, cuando, no bien, en cuanto, tan luego und como. Bei der Nachzeitigkeit findet das Ereignis des Nebensatzes erst nach dem Ereignis des Hauptsatzes statt. Dafür stehen unter anderem antes (de) que, hasta que und antes de.

Als grobe Regel nennt der Artikel: Bei Vorzeitigkeit oder Gleichzeitigkeit des Temporalsatzes steht der Indikativ, bei Nachzeitigkeit der Subjunktiv. Die genauere Darstellung berücksichtigt jedoch zusätzlich, ob das Ereignis faktisch beziehungsweise bereits erfahren oder noch zukünftig und nicht abgeschlossen ist. Für vergangene oder gegenwärtige, tatsächlich stattgefundene beziehungsweise gewohnheitsmäßige Ereignisse wird gewöhnlich der indicativo verwendet. Bei Gleichzeitigkeit in der Zukunft und häufig bei Nachzeitigkeit steht der subjuntivo, weil das Ereignis des Nebensatzes noch nicht stattgefunden hat.

Steht der Hauptsatz im Futur, folgt im Temporalsatz häufig das Presente de subjuntivo. Bei einem Konditional im Hauptsatz wird der Imperfecto de subjuntivo eingesetzt. Der Artikel beschreibt den Subjunktiv dabei nicht allein als Zeitform, sondern als Kennzeichnung eines nicht abgeschlossenen, imperfektiven Vorgangs; dem steht etwa beim Pretérito perfecto de subjuntivo ein abgeschlossener, perfektiver Aspekt gegenüber.

Acabábamos con esta batalla antes que se pusiera el sol. verbindet das Pretérito imperfecto de indicativo mit dem Pretérito imperfecto de subjuntivo: Die Schlacht wurde beendet, bevor die Sonne unterging. Der Sonnenuntergang im Nebensatz ist gegenüber dem Hauptsatz nachzeitig. In Acabábamos con esta batalla después de que se hubiera puesto el sol. steht dagegen das Pretérito pluscuamperfecto de subjuntivo: Die Sonne war bereits untergegangen, bevor die Schlacht beendet wurde; der Nebensatz ist somit vorzeitig.

Satzbau und zeitliche Bezugspunkte

Temporalsätze können nach dem Hauptsatz oder vor ihm stehen. Die beiden Grundstrukturen lauten:

• Hauptsatz + temporale Konjunktion + Temporalsatz

• Temporale Konjunktion + Temporalsatz + Hauptsatz

Entscheidend ist nicht die bloße Reihenfolge der Satzteile, sondern die zeitliche Beziehung zwischen ihren Handlungen. Der Hauptsatz dient als Bezugspunkt; von ihm aus wird bestimmt, ob das Ereignis des Nebensatzes vorzeitig, gleichzeitig oder nachzeitig ist. Konjunktion und Tempus drücken diese Beziehung gemeinsam aus.

Hans Reichenbach beschrieb 1947 Zeitformen anhand dreier Bezugspunkte: Die Sprechzeit S (point of speech beziehungsweise punto de habla) ist der Zeitpunkt der Äußerung. Die Ereigniszeit E (point of event beziehungsweise punto del evento) ist der Zeitpunkt oder Zeitraum, in dem der bezeichnete Zustand gilt oder die Handlung abläuft. Die Referenzzeit R (point of reference beziehungsweise punto de referencia) ist ein vom Sprechzeitpunkt unterscheidbarer Bezugspunkt oder Zeitraum, von dem aus das Ereignis zeitlich eingeordnet wird. Der Abstand zwischen Sprechzeit S und Ereigniszeit E heißt Sprechzeitdistanz.

Die Beziehung von R zu S kennzeichnet Vergangenheit (R–S), Gegenwart (S,R) oder Zukunft (S–R). Die Beziehung von E zu R zeigt, ob ein Ereignis vorzeitig, gleichzeitig oder nachzeitig ist. Für ein temporales Satzgefüge muss daher sowohl das Verhältnis zwischen Haupt- und Nebensatz als auch die Beziehung des gesamten Satzgefüges zur Sprechzeit berücksichtigt werden.

Pérez Saldana (1999) unterscheidet faktische und nicht faktische Temporalsätze. Faktische Nebensätze stehen im Indikativ und bezeichnen erlebte, stattgefundene Ereignisse oder vergangene Gewohnheiten. Nicht faktische Nebensätze bezeichnen ein Ereignis, das gegenüber der Referenzzeit R oder der Sprechzeit S nachzeitig ist und noch nicht erfahren wurde; hierfür wird der Subjunktiv verwendet.

Wichtige temporale Konnektoren

Zu den wichtigsten spanischen Konnektoren gehören:

• después de que („nachdem“), tan pronto como („sobald“) und nada más que („sobald“) drücken Vorzeitigkeit aus. Bei tan pronto como liegt das Ereignis des Nebensatzes unmittelbar vor dem des Hauptsatzes. Como kann ein wiederholtes vorzeitiges Geschehen bezeichnen.

• cuando („als“, „wenn“, „immer wenn“) bezeichnet häufig Gleichzeitigkeit. Mientras („solange“) verbindet Ereignisse mit derselben Dauer beziehungsweise denselben Anfangs- und Endpunkten. Mientras que („während“) eröffnet einen zeitlichen Rahmen, innerhalb dessen die Handlung des Hauptsatzes verläuft.

• a medida que („nach und nach“, „im Laufe“) und tan luego como („sobald“) stehen eher für Gleichzeitigkeit. En cuanto („sobald“) kann ausdrücken, dass Haupt- und Nebensatzereignis in Gegenwart oder Zukunft zum gleichen Zeitpunkt stattfinden. Ahora que („jetzt, wo“) stellt ebenfalls einen Bezug zur Gegenwart oder Zukunft her.

• desde que („seit“) bestimmt durch das Ereignis des Nebensatzes den Anfang eines im Hauptsatz andauernden Geschehens. Desde entonces („seitdem“) kennzeichnet Geschehen mit gleichem Anfangspunkt.

• antes (de) que („bevor“, „ehe“) drückt Nachzeitigkeit aus: Das Ereignis des Nebensatzes folgt auf das Ereignis des Hauptsatzes. Hasta que („bis“) legt den Endpunkt eines andauernden Geschehens im Hauptsatz fest.

Ein Beispiel für einen vorangestellten Nebensatz ist Cuando el agua hierva, se le incorporan los espaguetis. („Wenn das Wasser kocht, gibt man die Spaghetti hinein.“) In La nave espacial llegará después que amanezca. steht Futuro simple de indicativo zusammen mit Presente de subjuntivo; das Ereignis des Temporalsatzes liegt vor dem Ereignis des Hauptsatzes.

Entwicklung des Modusgebrauchs und Partizipialkonstruktionen

Ursprünglich richtete sich die Wahl zwischen Indikativ und Subjunktiv im Spanischen streng nach dem zeitlichen Verhältnis: Bei Vor- oder Gleichzeitigkeit stand der Indikativ, bei Nachzeitigkeit der Subjunktiv. Dieses syntaktische Prinzip wurde später durch eine stärker kontextabhängige Regelung ersetzt. Im modernen Spanischen erscheint bei einem zeitlichen oder aspektuellen Bezug zur Gegenwart oder Vergangenheit meist der Indikativ, bei Zukunftsbezug dagegen der Subjunktiv. Maßgeblich ist damit stärker die Beziehung des gesamten Satzgefüges zur Sprechzeit S.

Temporale Nebensätze können außerdem mit dem participio pasado o perfecto, dem Partizip Perfekt, verkürzt werden. Bei der construcción de participio conjunto, der verbundenen Partizipialkonstruktion, ist das Partizip mit einem Satzglied des Hauptsatzes verbunden. Bei der construcción de participio absoluto, der absoluten Partizipialkonstruktion, besitzt es dagegen gewöhnlich ein eigenes Subjekt, das meist nach dem Partizip steht.

Terminado la batalla, nos fuimos corriendo al refugio subterráneo. bedeutet sinngemäß: „Als die Schlacht beendet war, rannten wir in den unterirdischen Schutzraum.“ Weitere Beispiele sind Muerto el soldado, se acabó la guerra. und Muerta la soldada, se acabó la guerra. Die unterschiedlichen Formen muerto und muerta zeigen die notwendige grammatische Kongruenz: Das Partizip muss in Genus und Numerus mit seinem Bezugswort übereinstimmen. Entsprechend wird aus venido in Venida la noche, todos durmieron al raso o en la gruta. die feminine Form venida.

Absolute Partizipialkonstruktionen werden im Deutschen gewöhnlich durch einen adverbialen Nebensatz wiedergegeben, da es diese Konstruktion dort nicht in derselben Form gibt. Sie ähneln dem lateinischen Ablativus absolutus. Bei temporaler Bedeutung bezeichnet das Partizip ein Ereignis, das vor dem Ereignis des Hauptsatzes liegt; diese Bedeutung kann durch ein Adverb, einen adverbialen Ausdruck oder eine Präposition verstärkt werden.

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