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Technisches Denkmal
Ein technisches Denkmal ist ein Denkmal, das einen Aspekt der Technikgeschichte darstellt. Denkmal der Verkehrsgeschichte und des Transportwesens:
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Definition und Bedeutung
Ein technisches Denkmal ist ein Denkmal, das einen Aspekt der Technikgeschichte darstellt. Es dokumentiert eine außergewöhnliche technische Errungenschaft. Dabei steht nicht nur das technische Werk selbst im Mittelpunkt, sondern vor allem seine Bedeutung als Zeugnis dafür, wie Güter produziert und verteilt wurden, wie Energie gewonnen wurde oder wie Verkehr und Transport funktionierten.
Technische Denkmale sind deshalb Quellen der Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Sie zeigen, wie technische Entwicklungen Arbeitswelt, Alltag und Gesellschaft geprägt haben.
Arten technischer Denkmale
Zu den technischen Denkmalen gehören verschiedene Gruppen:
- Industriedenkmale im engeren Sinn sind Zeugnisse der industriellen Produktion, etwa historische Hochöfen und Zechen.
- Denkmale der Energiegewinnung und der Infrastruktur umfassen beispielsweise Kraftwerke und Wasserleitungen.
- Denkmale der Montangeschichte dokumentieren den Bergbau; dazu zählen etwa Bergwerke.
- Denkmale der Verkehrsgeschichte und des Transportwesens sind unter anderem historische Trassen, Brücken, Schifffahrtsanlagen und Museumsbahnen.
- Bewegliche Denkmale werden häufig in technischen Museen aufbewahrt. Beispiele sind historische Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe.
- Auch Geräte, Maschinen und Anlagen können als Inventar eines geschützten Denkmalensembles erhalten werden.
- Schriftstücke und anderes Dokumentationsmaterial können als historische Zeugnisse der Technikgeschichte gelten.
Zum erweiterten Umfeld zählen außerdem Denkmale der Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Dazu gehören historische Bauernhöfe als Zeugnisse der Landwirtschaft und bäuerlichen Produktion, Werkstätten, Verkaufsräume und Lagerräume aus Handel, Handwerk und anderen Gewerben sowie das Wohnumfeld der Gewerbetreibenden und Arbeiter. Beispiele dafür sind Herrenhäuser, Arbeitersiedlungen und Kleingartensiedlungen.
Entwicklung der Denkmalpflege
Das Bewusstsein, dass technische Werke und Anwendungen ebenso wie die „schönen Künste“ kulturelle Leistungen darstellen, entwickelte sich vergleichsweise früh. Die Industriearchäologie, also die Erforschung technischer Entwicklungen und Errungenschaften anhand ihrer erhaltenen Zeugnisse, begann bereits im 18. Jahrhundert und damit noch vor der Entstehung eines Begriffs von der industriellen Revolution.
1794 wurde in Paris mit dem Conservatoire national des arts et métiers das erste technische Museum gegründet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen die Bewahrung und Dokumentation technischer Gegenstände stark zu. Dazu trug auch die Verbreitung der Photographie bei. Während der fortschreitenden Industrialisierung bemühten sich besonders Ingenieure darum, stillgelegte technische Anlagen vor dem Vergessen zu bewahren.
Nach der Gründung des Deutschen Museums in München, des ersten ausschließlich auf Wissenschaft und Technik ausgerichteten Museums, entstanden ähnliche Einrichtungen in weiteren Ländern. 1891 wurde in Stockholm das erste Freilichtmuseum gegründet; 1902 folgten Oslo und Kopenhagen. Die Pflege technischer Denkmale ging nun über das Sammeln und Ausstellen beweglicher Gegenstände hinaus. Historische technische Bauten sollten vollständig und an ihrem ursprünglichen Standort erhalten werden. Dieser Ort war häufig wichtig, weil er die Energiequellen für den Betrieb oder die Rohstoffe für die hergestellten Produkte bereitgestellt hatte.
Durch Zerstörungen und Wiederaufbau in den Kriegen gingen besonders viele Stätten der industriellen Produktion verloren. Veraltete technische Anlagen wurden dadurch selten, und ihr Wert rückte stärker in das öffentliche Bewusstsein. 1968 entstand im englischen Severntal der Industriepark Ironbridge Gorge Museum Trust mit Coalbrookdale und Ironbridge in Shropshire. Er gilt als Meilenstein der angewandten Technikgeschichte. 1973 wurde der erste internationale Kongress der Industriearchäologie abgehalten.
Während des Europäischen Denkmalschutzjahres fand vom 3. bis 9. September 1975 am Deutschen Bergbau-Museum Bochum der „II. Internationale Kongreß für die Erhaltung technischer Denkmäler“ (SICCIM) statt. Rainer Slotta legte dafür die Dokumentation „Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland“ vor, die bis 1988 durch weitere Bände fortgesetzt wurde. Die Verhandlungen des Kongresses erschienen 1978.
1984 erkannte der Europarat den Begriff „Industrielles Erbe“ an. In der Folge veränderte sich das Verständnis technischer Denkmale: Zuvor standen häufig herausragende Ingenieurleistungen in Konstruktion und Ästhetik, also Ingenieurskunst, im Vordergrund. Danach wurden technische Anlagen zunehmend als Zeitzeugnisse der Wirtschafts- und Sozialgeschichte betrachtet. Im Zusammenhang mit Alltagsgeschichte und Mikrogeschichte, die das Leben gewöhnlicher Menschen untersuchen, weitete sich die Denkmalpflege auf Kleingewerbe und bäuerliches Leben aus. Die Oral History, also das Festhalten mündlicher Erinnerungen, bezieht auch persönliche Erfahrungen mit Technik und technischem Wandel ein.
Technische Denkmale in Österreich
Österreich folgte den internationalen Entwicklungen. Bereits 1850 wurde die K.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale eingerichtet, aus der das heutige Bundesdenkmalamt hervorging. 1908 entstand in Wien das Technische Museum für Industrie und Gewerbe, das heute Technisches Museum Wien heißt. Zwei Jahre nach dem Denkmalschutzgesetz von 1923 wurde beim Denkmalamt ein Referat für wirtschaftsgeschichtliche und technische Kulturdenkmale eingerichtet. Es arbeitete zunächst ehrenamtlich und besteht heute als Abteilung für Technische Denkmale.
Zu den frühen Erfolgen gehörte 1923 die Unterschutzstellung von Teilen der Ritter von Gegha-Bahn auf dem Semmering. Der Schutz wurde 1997 umfassend bestätigt; 1998 wurde die Bahn UNESCO-Weltkulturerbe. 1928 wurden das Viadukt der Pferdeeisenbahn Linz–Budweis in Waldburg als Zeugnis der Verkehrsgeschichte und das Radwerk IV am Steirischen Erzberg in Vordernberg als Zeugnis der Schwerindustrie geschützt.
Wichtige Denkmale der Wasserversorgung sind die 30 noch betriebenen Aquädukte der I. Wiener Hochquellenwasserleitung und der Währinger Wasserturm der Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung, der 1935 unter Schutz gestellt wurde. Die Planung eines Österreichischen Freilichtmuseums begann 1910 in Linz; verwirklicht wurde es jedoch erst 1970 in Stübing bei Graz. Es dokumentiert die bäuerliche Wirtschaft und das Kleingewerbe in ganz Österreich.
Seit 1932 geben das Technische Museum Wien und das Österreichische Forschungsinstitut für Technikgeschichte (ÖFIT) die „Blätter für Technikgeschichte“ heraus; bis 1939 lautete der Titel „Blätter für Geschichte der Technik“. Diese Zeitschrift ist eine wichtige regelmäßige Publikation für die Denkmalpflege. Am Institut für Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Industriearchäologie der TU Wien wird seit 1984 zudem eine Monographie erstellt.
Trotz ihrer großen kulturgeschichtlichen und volkswirtschaftlichen Bedeutung machten technische Denkmale nur einen kleinen Teil des geschützten österreichischen Kulturerbes aus: Von insgesamt mehr als 16.000 denkmalgeschützten Objekten waren im Dezember 2007 lediglich 78 als technische Denkmale ausgewiesen. Sie befanden sich hauptsächlich in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark.
Fachausbildung
Für die Denkmalpflege im Bereich Technikgeschichte und Industriekultur gibt es spezialisierte Fachausbildungen. Als Beispiel nennt der Artikel den Masterstudiengang „Technical, Heritage, Territories of the Industry“ (M.Sc. TPTI) an der Université Paris 1 Panthéon Sorbonne.