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Tallit
Die Gestaltung der Flagge des Staates Israel basiert auf dem Tallit. Tallit, beim Gebet über Kopf und Schultern gelegt. Die vier geknoteten Schaufäden (Zizijot) …
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Grundidee und religiöse Bedeutung
Der Tallit, auf Deutsch „Gebetsmantel“, ist ein jüdischer ritueller Gegenstand. Er wird beim Gebet über Kopf und Schultern gelegt. Besonders wichtig sind die vier Zizijot, die Schaufäden an seinen Ecken. Sie erinnern an die 613 traditionellen Ge- und Verbote. Die exakte Zahl 613 wird auf Rabbi Simlai zurückgeführt (Babylonischer Talmud, Makkot 23b–24a). Die Gestaltung der Flagge des Staates Israel basiert auf dem Tallit.
Aussehen und Aufbau
Ein Tallit ist meist ein viereckiges Tuch aus Wolle, Baumwolle, Leinen oder Seide. Wolle und Seide als tierische Textilien dürfen nicht mit Baumwolle oder Leinen als pflanzlichen Textilien auf demselben Tallit verbunden werden, weil diese Vermischung, Schatnes genannt, verboten ist. Beide Textilarten dürfen jedoch mit Kunstfasern kombiniert werden.
Die Grundfarbe ist meistens weiß oder cremefarben. Häufig gibt es schwarze oder blaue Streifen, die oft aus organischer Textilfarbe bestehen. Nach dem Talmud (Mischnatraktat Menachot 43b) verweist Blau, Techelet, auf die Farbe des Mittelmeeres und auf einen Widerschein des mit Saphiren geschmückten Thrones Gottes. Da das Wissen über die korrekte Herstellung dieser blauen Farbe in den Wirren der Geschichte verloren ging, sind heute schwarze Streifen üblich.
Zum Tallit gehört außerdem die Atara, ein aufgenähtes Band. Sie zeigt, welche Seite beim Anlegen nach oben gehört, und ist häufig mit Stickereien verziert.
Wesentlich sind die vier Zizijot. Jede besteht aus vier langen weißen Fäden, die 39-fach geknotet sind und als Schaufäden bezeichnet werden. Die Zahl 39 ergibt sich aus der Summe der Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben in „Adonai Echad“, deutsch „der Herr ist einzig“. An jeder der vier Ecken befindet sich ein solcher Strang aus vier geknoteten Fäden.
Die Zizijot erfüllen das Gebot aus Num 15,37–41 EU und Dtn 22,12 EU. Dort wird verlangt, Quasten an den vier Ecken eines Gewandes anzubringen. Wer sie sieht, soll sich an die Gebote Gottes erinnern und sie erfüllen. Weil die Sichtbarkeit der Fäden entscheidend ist, soll der Tallit nur bei Tageslicht angelegt werden.
Über die notwendige Seitenlänge gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Halacha verlangt das Tragen der Zizit, enthält aber keine Vorschriften über die Form des Tallit. Deshalb gibt es sowohl schalartige Tallitot als auch solche, die den ganzen Körper bedecken.
Verwendung in verschiedenen jüdischen Traditionen
Im orthodoxen Judentum trägt ein Junge den Tallit erstmals mit dreizehn Jahren bei seiner Bar Mitzwa. Danach wird er beim Morgengebet getragen, sowohl in der Synagoge als auch beim privaten Gebet. Ausnahmen sind die Mincha des Tischa beAw, also des 9. Tages des jüdischen Monats Aw, sowie der Vorabend von Jom Kippur. An diesem Abend wird der Tallit vor dem Aufsagen des Kol Nidre und noch vor Anbruch der Nacht angelegt.
Beim Anlegen wird der Tallit nach einem Brauch zunächst über die linke Schulter gelegt. Anschließend zieht man ihn kurz oder während des ganzen Gebets über den Kopf und spricht den Tallit-Segen. Wenn im Gottesdienst die Torarolle nach der Lesung aus dem Toraschrein durch die Gemeinde getragen wird, berühren die Umstehenden die eingehüllte Torarolle mit ihren Schaufäden und führen die Fäden anschließend zum Kuss an die Lippen.
Nach einigen aschkenasischen Traditionen tragen nur der Bräutigam und verheiratete Männer einen Tallit. Er gehört zu den Gaben, die die Braut ihrem Bräutigam übergibt. Häufig dient ein Tallit außerdem als Hochzeitsbaldachin, der von vier Männern gehalten wird.
Unter der Kleidung wird zur Erfüllung des Gebots auch ein Tallit Katan getragen. Von ihm sollen nur die vier Zizijot sichtbar sein. In Synagogen liegen Tallitot zusammen mit Siddurim und Kippot normalerweise am Eingang zum Gebetsraum bereit. Manche Gläubige bringen eigene Tallitot mit und bewahren sie in speziellen Täschchen oder in Kästchen der Synagoge auf.
Ein gläubiger Jude wird in seinem Tallit bestattet. Vorher werden die Atara und eine der Zizijot entfernt. Dies symbolisiert, dass ein Toter keine Gebote, Mitzwot genannt, mehr erfüllt. Dadurch wird der Tallit hebräisch „passul“, also „unbrauchbar“.
Im liberalen Judentum dürfen auch Frauen, die dies wünschen, einen Tallit tragen. Inzwischen gibt es Tallitot in vielen Farben und Designs, teilweise mit hebräischen Segenssprüchen. Für die halachische Tauglichkeit ist jedoch nicht das Aussehen entscheidend, sondern allein das Vorhandensein der Zizijot. In liberalen Gemeinden trägt auch ein Mädchen bei seiner Bat Mitzwa einen Tallit. Auch die samaritanischen Hohepriester tragen einen Tallit.