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Take (Musik)

Take ([teɪk]; deutsch „aufnehmen“) ist der Anglizismus in der Tontechnik für das Teilstück einer Tonaufnahme, das ohne Unterbrechung aufgenommen wird.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Entwicklung der Aufnahmetechnik
  3. 3. Bearbeitung und Auswahl von Takes
  4. 4. Aufnahmen in einem Take
  5. 5. Nicht veröffentlichte Takes und Besonderheiten

Begriff und Funktion

Ein Take ist in der Tontechnik ein Teilstück einer Tonaufnahme, das ohne Unterbrechung aufgenommen wird. Eine vollständige Musikaufnahme besteht im Regelfall aus mehreren Takes. Sie entstehen, wenn ein Segment fehlerhaft ist, Interpreten oder Musiker von der Partitur abweichen, Störungen auftreten oder der Musikproduzent mehrere Varianten aufnehmen lässt, um daraus die beste auszuwählen.

Die Takes werden fortlaufend nummeriert. Der Tontechniker nennt am Anfang jedes neuen Takes dessen Nummer; dieser Hinweis wird meist mit aufgenommen. So bleiben die einzelnen Bestandteile beim späteren Zusammenfügen nachvollziehbar. Auch bei Filmaufnahmen bezeichnet Take ein fehler- und störungsfreies Segment. Dort wird jeder neue Take auf einer Filmklappe verzeichnet.

Entwicklung der Aufnahmetechnik

Vor der Einführung des Tonbandes wurden vollständige Musikaufnahmen direkt auf einen Tonträger aufgezeichnet und waren endgültig. Die US-amerikanische Presto Products Company vertrieb entsprechende Geräte ab 1915. Während der Zeit der Schellackschallplatten wurden wegen der Empfindlichkeit der Wachsmatrizen dennoch mehrere Takes eingespielt; veröffentlicht wurde der beste.

Die magnetische Tonaufzeichnung durch elektromagnetische Induktion wurde durch Valdemar Poulsens im November 1898 vorgestelltes Telegraphon ermöglicht. Sie erlaubte erstmals, Aufnahmen auf dem Tonträger zu löschen. Eine frühe bedeutende kommerzielle Aufnahme war Enrico Carusos Einspielung der Arie „Vesti la giubba“ aus Ruggero Leoncavallos Oper Pagliacci am 12. November 1902 für die Grammophone Co. in Italien. Sie gilt als erster Millionenseller der Musikgeschichte und entstand mit der „Victor master disc“-Methode.

Weitere wichtige Daten sind die Gründung der Deutschen Grammophon GmbH im November 1898 in Hannover, die Errichtung ihres ersten Tonstudios 1900 in Berlin, die erste Jazzaufnahme der Original Dixieland Jass Band am 26. Februar 1917, das erste elektrische Aufnahmeverfahren am 11. November 1920 sowie die ab 1948 serienmäßig verfügbaren Tonbandmaschinen von AEG und Ampex. Sun Records führte die magnetische Tonaufzeichnung 1951 ein und erwarb 1954 die ersten Ampex-350-Tonbandgeräte. Damit konnten mehrere Takes zu einer vollständigen Aufnahme zusammengefügt werden.

Bearbeitung und Auswahl von Takes

Mit der magnetischen Tonaufzeichnung verloren Aufnahmen ihren endgültigen Charakter. Sie konnten geschnitten, in eine andere Reihenfolge gebracht, verändert oder teilweise gelöscht werden. Weitere Verfahren waren Slapback, Mehrspuraufnahme und Overdubbing. Slapback erzeugt einen Echo-Eindruck, indem Tonsignale mit einem Abstand von 30 Millisekunden oder mehr wiederholt aufgenommen werden. Die Mehrspuraufnahme ermöglicht, einzelne Instrumente isoliert aufzunehmen und unerwünschte Tonspuren zu entfernen, ohne alle Instrumente neu einzuspielen. Sie war außerdem Voraussetzung für die ab 1957 genutzten Stereoaufnahmen.

Wenn der Tontechniker auf einer einzigen Spur abschnittsweise zwischen verschiedenen Takes umschaltet, ohne das Ausgangsmaterial zu verändern, heißt dies Take-Comping. Die einzelnen Takes werden dokumentiert und nummeriert. Der Original-Take ist meist die für die erste Veröffentlichung vorgesehene Version; ein weiterer wird Alternativ-Take oder Alternate Take genannt. Eine abgebrochene Aufnahme heißt Short Take.

Viele Takes dienen auch dazu, unterschiedliche Versionen für den späteren Mix zu schaffen. Bei Elvis Presleys „Doncha' Think It's Time“ verweist Alternate Take #48 darauf, dass knapp 50 Takes zur Perfektionierung erforderlich waren. Für „Good Vibrations“ von den Beach Boys wurden 1966 allein für die grobe Musikspur, den Backing Track, 26 Takes benötigt. Insgesamt entstanden über 50 Takes in 22 Aufnahmesessions und sechs Tonstudios in Los Angeles.

Die Beatles und ihr Produzent George Martin nutzten Takes besonders umfangreich. Für „Strawberry Fields Forever“ entstanden vom 24. November 1966 bis 2. Januar 1967 insgesamt 26 Takes. Für die veröffentlichte Fassung wurden verschiedene Aufnahmen verbunden: Take 26 war schneller und einen Halbton höher als das erste verwendete Segment und wurde deshalb verlangsamt. Die Schnittstelle liegt genau nach einer Minute. Zusätzlich wurden fünf Sekunden aus Take 7 verwendet, aus dem auch der Anfang stammt. Am 9. Dezember 1966 wurden die Takes 15 und 24 zu Take 25 verschmolzen. Nach der Auswahl werden die Takes beim Edit beziehungsweise Final Mix akustisch harmonisiert und auf einem Master Tape festgehalten, das die Grundlage für die Platten- oder CD-Pressung bildet.

Aufnahmen in einem Take

Eine One-Take-Aufnahme ist eine vollständige Musikaufnahme, die ohne Unterbrechung zustande kommt. Der Ausdruck sagt nicht aus, dass ein Lied fehlerfrei oder ohne Störung interpretiert wurde. Die Technik ist besonders für Rap charakteristisch, während Jazz diese Aufnahmepraxis traditionell aus früheren Zeiten beibehielt.

Das Miles Davis Quintett nahm am 11. Mai 1956 und am 26. Oktober 1956 im Studio von Rudy van Gelder 24 Musikstücke auf. Diese wurden auf vier Langspielplatten verteilt: „Cookin’ with the Miles Davis Quintet“, „Relaxin’ with the Miles Davis Quintet“, „Workin’ with the Miles Davis Quintet“ und „Steamin’ with the Miles Davis Quintet“. In der Popmusik blieb One Take seit der Einführung des Tonbandgeräts dagegen die Ausnahme. Beispiele sind Elvis Presleys „Blue Hawaii“ vom 22. März 1961, mehrere Beatles-Aufnahmen, viele Stücke der ersten Rolling-Stones-LP „The Rolling Stones“ von 1964, „House of the Rising Sun“ von The Animals vom 18. Mai 1964, Barry McGuires „Eve of Destruction“ vom 15. Juli 1965 und „Friday on My Mind“ der Easybeats vom 8. September 1966. Bei „Eve of Destruction“ blieben wegen des Zeitdrucks hörbare Mängel erhalten.

Das „Take#58“ von „All You Need Is Love“ der Beatles diente als Grundlage der weltweit am 25. Juni 1967 ausgestrahlten Live-Übertragung „Our World“. Im Rap können durch Punch-ins einzelne Wörter nachträglich zwischen Takes eingefügt werden. Dadurch können bearbeitete Raps ähnlich flüssig wie echte One Takes klingen. One Takes werden häufig in Rap-Battles eingesetzt, etwa in der Reimligen Battle Arena (RBA).

One Take ist die ökonomischste Aufnahmeform, weil die geringste Studiomiete anfällt. Im Idealfall sind weder Schnitt noch Editieren in der Postproduktion erforderlich, sodass sofort ein Masterband vorliegt.

Nicht veröffentlichte Takes und Besonderheiten

Als Outtakes bezeichnet die Musikindustrie alle Takes, die nicht Bestandteil des veröffentlichten Musikwerks werden. Künstler oder Musikproduzenten berücksichtigen sie bei der endgültigen Zusammenstellung aus technischen oder künstlerischen Gründen nicht. Tonträgerunternehmen veröffentlichen solche Aufnahmen von bekannten Künstlern manchmal als eigene Tonträger, beispielsweise auf der Elvis-Presley-CD „Studio B: Nashville Outtakes“ vom Dezember 2008.

Jazzmusiker bevorzugen nicht selten den ersten Take, weil er häufig besonders spontan und einfallsreich ist. Ursprünglich nicht veröffentlichte Takes können zu begehrten Sammlerstücken werden, etwa Bob Dylans „The Basement Tapes“. Dave Brubecks „Take Five“ ist dagegen nach seinem 5/4-Takt benannt und wurde tatsächlich in zwei Takes aufgenommen.

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