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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Overdub

Ein Overdub ist in der Tontechnik eine Tonaufnahme, die zu einer schon bestehenden Aufnahme (Playback) später hinzugemischt wird.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Verfahren bei Film- und Popmusik
  3. 3. Technik und Korrekturen
  4. 4. Double-Tracking und seine Entwicklung
  5. 5. Bearbeitung von Liveaufnahmen

Begriff und Bedeutung

Ein Overdub ist in der Tontechnik eine Tonaufnahme, die nachträglich zu einer bereits bestehenden Aufnahme, dem Playback, hinzugemischt wird. Das Aufnahmeverfahren heißt Overdubbing. Es wird besonders häufig in der Popmusik eingesetzt, kommt aber auch bei klassischen Studioaufnahmen und vor allem bei Filmmusik vor. Die grundsätzliche Vorgehensweise ist bei Live- und Studioaufnahmen ähnlich.

Popmusik wird meist Spur für Spur aufgenommen. Häufig entsteht zuerst die Musik- und Rhythmusspur; danach werden weitere Instrumente und der Gesang ergänzt. Durch Mischen und Editieren werden die einzelnen Aufnahmen schließlich zum Masterband zusammengesetzt, das die Grundlage des Tonträgers bildet. Genau genommen ist bereits das Ergänzen einer Musik- und Rhythmusspur durch Gesang ein Overdub, auch wenn dies im Fachjargon selten so genannt wird.

Verfahren bei Film- und Popmusik

Bei Filmmusik werden besonders Streicher, teilweise aber auch Bläser, auf mehreren Aufnahmen übereinandergelegt. Dafür gibt es zwei Hauptverfahren:

  • Beim Übereinanderlegen inhaltsgleichen Materials spielen die Instrumente dieselbe Passage in zwei Takes, also zwei getrennten Aufnahmen. Beide werden anschließend gemischt. Dadurch entsteht ein voluminöseres Klangbild. Auch eine kleine Musikergruppe kann auf diese Weise in der fertigen Aufnahme durchschlagskräftiger wirken.

  • Beim Übereinanderlegen unterschiedlichen Materials spielen dieselben Musiker in den Takes verschiedene Stimmen. Ein Streichorchester kann beispielsweise zuerst ein Staccato-Ostinato, also eine kurz artikulierte, ständig wiederholte Figur, und danach langgezogene Melodielinien aufnehmen. Beide Ebenen werden anschließend kombiniert. Würden erste und zweite Violinen die Melodie und die Bratschen das Ostinato gleichzeitig spielen, wäre nur ein Take nötig, der Gesamtklang wäre jedoch weniger intensiv.

Da bei Filmmusik ohnehin meist mehrere Takes aufgenommen und später zur endgültigen Fassung zusammengesetzt werden, lässt sich Overdubbing dort gut einsetzen. Overdubs können außerdem mit gesampelten VST-Instrumenten statt mit live gespielten Instrumenten erzeugt werden. Als bekannte Popgruppe nutzte auch ABBA diese Technik erfolgreich.

Technik und Korrekturen

Technisch ergänzt Overdubbing eine vorhandene Tonspur um mindestens eine weitere Spur. Dafür sind mindestens zwei Takes erforderlich. Man unterscheidet Voice-overdubs und Instrumental-overdubs.

Bei Voice-overdubs werden mindestens zwei nacheinander aufgenommene Stimmen übereinandergelegt; sie können vom selben Interpreten stammen. So entstehen ein Close-Harmony-Effekt, ein Choreffekt oder eine voller wirkende Stimme. Instrumental-overdubs dienen dazu, Instrumente hinzuzufügen, die während der ursprünglichen Aufnahmesession fehlten.

Zusammen mit Punch-In und Punch-Out lassen sich fehlerhafte Stellen korrigieren, ohne die gesamte Spur neu aufzunehmen. Beim Punch-In wird eine falsche Note oder Passage erneut gesungen oder gespielt und nachträglich in die bestehende Spur eingefügt. Punch-Out bezeichnet entsprechend die Entfernung der fehlerhaften Passage.

Double-Tracking und seine Entwicklung

Double-Tracking ist eine Unterart des Overdubbings. Dabei werden zwei identische Tonspuren parallel oder zeitlich versetzt durch ein Delay übereinandergelegt. Dies kann Stimmen oder Instrumente voluminöser und klangfüllender erscheinen lassen oder einen echoähnlichen Effekt erzeugen.

Als erstes Double-Tracking des Rock ’n’ Roll gilt Buddy Hollys Words of Love, aufgenommen am 8. April 1957. Für zwei Gitarrenparts wurden zwei Takes erstellt und anschließend in Mono übereinandergelegt. Holly verdoppelte auf ähnliche Weise gelegentlich seine Stimme und erzeugte damit einen Close-Harmony-Klang wie bei den Everly Brothers.

Das Automatic oder Artificial Double-Tracking (ADT) entwickelte der Tontechniker Ken Townsend ab dem 7. April 1966 während der Aufnahmen zur Beatles-LP Revolver in den Abbey Road Studios. Ein Signal wird dabei einer Tonspur entnommen, mithilfe eines veränderbaren Oszillators auf ein anderes Tonband übertragen und anschließend wieder mit der ursprünglichen Spur verbunden. Die Beatles nutzten ADT später intensiv; besonders John Lennon wünschte eine starke Verdopplung seiner Stimme. Der erste Beatles-Hit mit ADT war Paperback Writer, aufgenommen am 14. April 1966.

Frühe Vorformen des Overdubbings entstanden bereits vor der Mehrspurtechnik. Am 10. Dezember 1931 ergänzte Lawrence Tibbett für eine Schallplatte seinen Baritongesang aus The Cuban Love Song durch seine eigene Tenorstimme. Sidney Bechet nahm am 18. April 1941 für Sheik of Araby Klarinette, Sopran- und Tenorsaxophon, Piano, Bass und Schlagzeug nacheinander auf. Als erster Einsatz in der Popmusik gilt weitgehend Patti Pages Confess vom 3. Dezember 1947: Weil wegen eines Streiks kein Hintergrundchor verfügbar war, nahm Bill Putnam ihre Stimme mehrfach auf und legte Teile im Antwortstil übereinander. Les Paul kombinierte bei Lover (When You’re Near Me) vom Dezember 1947 acht eigene Gitarrenaufnahmen. Später erleichterte die Mehrfachspur-Tonbandtechnik das Verfahren erheblich, weil Spuren nacheinander auf demselben Tonträger aufgenommen werden konnten, ohne eine vorhandene Spur zu löschen.

Bearbeitung von Liveaufnahmen

Auch die Studiobearbeitung aufgezeichneter Konzerte für ein Livealbum gilt als Overdubbing. Damit lassen sich stimmliche oder instrumentale Fehler korrigieren und Störungen wie Feedback entfernen. Außerdem können Songs gekürzt, Instrumente oder Gesang ergänzt und Applaus zugemischt werden. Dadurch kann eine Konzertaufnahme erheblich verändert werden; manche angeblichen Livealben wurden sogar vollständig im Studio aufgenommen und erst danach mit Publikumsreaktionen versehen.

Ein bekanntes Beispiel ist der Beatles-Auftritt im New Yorker Shea Stadium vom 15. August 1965. Weil die mobile Aufnahmetechnik nicht den damaligen Qualitätsstandards entsprach, überarbeitete Produzent George Martin das Material am 5. Januar 1966 in den Londoner CTS Studios. Eine neue Bassgitarre und eine Orgel wurden ergänzt. I Feel Fine und Help! nahm man sogar neu auf und versah sie mit atmosphärischen Geräuschen des Auftritts in der Hollywood Bowl vom 30. August 1965. Auch das am 1. Juni 1967 veröffentlichte Konzeptalbum Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band wird im Artikel der Kategorie von Studioaufnahmen mit vorgetäuschter Konzertsituation zugeordnet. Das Eagles-Doppelalbum Live vom 7. Juli 1980 gilt laut Rolling Stone Record Guide von 1983 möglicherweise als das am stärksten nachbearbeitete Konzertalbum.

Wegen solcher Eingriffe betonen manche Künstler ausdrücklich, dass ein Livealbum keine Overdubs enthält. Beispiele sind Absolutely Live von den Doors aus dem Juli 1970, Wolfgang Ambros’ Live … auf ana langen finster’n Stroß’n von 1979 und Motörheads Everything Louder than Everyone Else vom 19. März 1999. Die Terrorgruppe parodierte die Praxis auf Blechdose vom Januar 2002: Grobe Schnitte verbinden Aufnahmen verschiedener Orte, fremde Konzertansagen werden als Samples eingefügt und in einem Song erklingt sogar ein ganzes Orchester.

Moderne Studiotechnik ermöglicht sehr saubere Produktionen, die sich vor Publikum nicht immer reproduzieren lassen. Wenn Studioaufnahmen stark durch Overdubbing verbessert wurden oder die stimmlichen beziehungsweise instrumentalen Fähigkeiten nicht ausreichen, kann deshalb auch bei Live-Veröffentlichungen eine nachträgliche Studiobearbeitung nötig werden.

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