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Synagoge (Konstanz)

Die Synagoge in Konstanz, der Kreisstadt des Landkreises Konstanz in Baden-Württemberg, wurde 1882/83 errichtet und während der Novemberpogrome 1938 zerstört.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Bedeutung
  2. 2. Bau und Ausstattung
  3. 3. Orgel von 1898
  4. 4. Zerstörung in der NS-Zeit
  5. 5. Erinnerung und neue Synagoge

Entstehung und Bedeutung

Die erste Synagoge von Konstanz stand in der Sigismundstraße. Die jüdische Gemeinde plante ihren Bau ab 1872, kaufte das Grundstück Sigismundstraße 19 von der städtischen Spitalstiftung und finanzierte das Vorhaben durch Spenden und einen Kredit. Nach Plänen des Konstanzer Architekten und Stadtbaumeisters Holzmann entstand das Gebäude 1882/83. Die Einweihung fand am 28. September 1883 im Beisein von Vertretern staatlicher, städtischer und christlicher Stellen statt.

Die Synagoge war das religiöse Zentrum der jüdischen Gemeinde, wurde aber während der Novemberpogrome 1938 zerstört. Eine neue Synagoge in der Nähe des ursprünglichen Standorts wurde 2019 eingeweiht.

Bau und Ausstattung

Die alte Synagoge verband einen romanischen Grundcharakter mit Stilelementen der Renaissance. Ihr Hauptportal wurde von zwei kleineren, turmartigen Kuppelbauten flankiert. Vor dem etwas zurückgesetzten Gebäude lagen Sträucher, Bäume und Rasen; ein kunstvolles Eisengitter schloss die Vorderseite ab.

Im Inneren befand sich eine dreischiffige Halle, also ein Raum mit einem mittleren und zwei seitlichen Bereichen. Gegenüber dem Eingang lag eine um drei Stufen erhöhte Gebets- und Predigerkanzel. In der Apsis, dem halbrunden Raumteil am Ende des Gebäudes, standen der Toraschrein zur Aufbewahrung der Torarollen sowie darüber ein Chor mit Orgel. An den Seiten und hinten verliefen Emporen im Obergeschoss. Kunstmaler Brasch aus Karlsruhe gestaltete die Innendekorationen; ornamentale Glasmalereien in den Fenstern sorgten für gedämpftes Licht. 1931 wurde die Synagoge umfassend modernisiert und erhielt eine neue Orgel.

Orgel von 1898

Die erste Orgel baute 1898 die Orgelbaufirma Mönch aus Überlingen. Das rein mechanische Instrument hatte 11 Register, also unterschiedliche Klangfarben, auf zwei Manualen und Pedal. Seit 1925 steht diese Orgel in der katholischen Pfarrkirche St. Sebastian in Hubertshofen bei Donaueschingen.

Das I. Manual umfasste Principal 8′, Viola di Gamba 8′, Bourdon 8′, Octav 4′ und Mixtur II–IV 2 2/3′. Das II. Manual hatte Gemshorn 8′, Flöte amabile 8′, Dolce 8′ und Flöte d’amor 4′. Im Pedalwerk befanden sich Subbaß 16′ und Violone 8′.

Zerstörung in der NS-Zeit

Bereits am 1. November 1936 wurde die Synagoge angezündet. Dabei verbrannten der Toraschrein, die Orgel und vier Fächer des Synagogengestühls mit Gebetsmänteln und -büchern. Hitze beschädigte außerdem den Verputz der Innenwände und das Gestühl.

Nachdem der Architekt Fritz Nathan das Gebäude 1937 instand gesetzt hatte, setzten SS-Männer unter Führung von Walter Stein die Synagoge in der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 erneut in Brand. Die an der Brandlegung beteiligte Konstanzer Feuerwehr durfte nicht löschen. Am Morgen des 10. November sprengte eine Pioniereinheit des in Radolfzell stationierten III./SS-VT „Germania“ die Brandruine.

Erinnerung und neue Synagoge

Von 1946 bis 1960 stand auf dem ehemaligen Grundstück ein aus Trümmern der Synagoge angefertigter Gedenkstein; heute befindet er sich auf dem jüdischen Friedhof. Eine Gedenktafel erinnert an die erste Synagoge. In der Nähe steht ein Mahnmal für die 108 Konstanzer Juden, die 1940 im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion nach Gurs in den französischen Pyrenäen deportiert wurden.

Auf dem Grundstück entstand später ein Geschäftshaus mit Betsaal, in dem zu Pessach im Frühjahr 1964 wieder erste jüdische Gottesdienste gefeiert wurden. 1964 wurde die Israelitische Kultusgemeinde Freiburg-Konstanz gegründet; die Konstanzer Gemeinde wurde 1988 selbstständig. Nach der Zuwanderung jüdischer Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion wurde die Privatsynagoge Ende der 1990er Jahre erweitert. Das Gebäude besitzt die Dr.-Erich-Bloch-und-Lebenheim-Bibliothek und seit 2008 eine Mikwe, ein Tauchbad zur rituellen Reinigung.

Seit 2002 wurde ein Neubau geplant. Dabei mussten die Interessen der orthodoxen Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz und der liberalen Jüdischen Gemeinde Konstanz berücksichtigt werden. Als Kompromiss erhielt der große Gebetsraum eine Empore, die während Sabbat und Feiertagen nur Frauen nutzen sollen; die liberale Gemeinde bekam zusätzliche Räume für gemeinsames Gebet. Der Bau an der Sigismundstraße 8 begann 2016 und war nach drei Jahren im Herbst 2019 fertig. Die Kosten betrugen etwa 5 Millionen Euro. Die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden baute und finanzierte die Synagoge, die Stadt Konstanz beteiligte sich mit 155.000 Euro. Die Einweihung erfolgte am 10. November 2019, genau 81 Jahre nach der Reichspogromnacht.

Das neue Gebäude umfasst einen großen Gebetsraum mit Frauenempore, einen kleineren Gebetsraum für die liberale Gemeinde, Gemeinderäume, Küche und Mikwe.

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