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Frühdynastische Zeit (Mesopotamien)
In der Frühdynastischen Epoche tritt erstmals in der Geschichte Mesopotamiens eine Trennung zwischen Staat und Tempel auf. Im Vergleich zur älteren Uruk …
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Einordnung und zeitliche Gliederung
Die Frühdynastische Zeit, auch Frühdynastikum genannt und mit FD oder ED („early dynastic“) abgekürzt, ist eine Epoche der frühen Geschichte Mesopotamiens. Ihre Kerngebiete waren Sumer und Akkad. Nach der mittleren Chronologie begann sie im Anschluss an die Ǧemdet-Nasr-Zeit um 2900 v. Chr. und endete um 2340 v. Chr. mit der Gründung des Reiches von Akkad unter Sargon I.
Da die Schrift in Sumer um 3200 v. Chr. entstand, können für diese Epoche erstmals archäologische Funde und schriftliche Quellen miteinander verbunden werden. Dadurch lässt sich die Geschichte Mesopotamiens genauer untersuchen.
Auf Grundlage von Ausgrabungen, die 1930 an den Ruinenhügeln Tell Agreb, Tell Asmar und Hafaǧi im Diyala-Gebiet östlich von Bagdad stattfanden, wird die Epoche nach der mittleren Chronologie dreigeteilt:
• Frühdynastisch I: 2900–2750 v. Chr. • Frühdynastisch II: 2750–2600 v. Chr. • Frühdynastisch III a/b: 2600–2450/2340 v. Chr.
Die Datierung ist nicht einheitlich: Die kurze Chronologie setzt die Epoche von 2800 bis 2230 v. Chr. an. Die von Wolfram Nagel vertretene lange Chronologie reicht von 3100 bis 2440 v. Chr.
Schriftliche Quellen und Stadtstaaten
Das bekannteste Schriftzeugnis der Epoche ist die Sumerische Königsliste. Daneben nahm die Vielfalt der Texte zu. Erhalten sind nicht nur Wirtschafts- und Verwaltungstexte, sondern auch religiöse, literarische und juristische Schriften.
Sumer und Akkad bestanden aus eigenständigen Stadtstaaten. Jeder wurde von einem Stadtfürsten regiert, der als ensi oder lugal bezeichnet wurde. Da viele Stadtstaaten auf engem Raum in der Tiefebene zwischen Euphrat und Tigris lagen, kam es wiederholt zu Streitigkeiten und Kriegen. Die Herrscher versuchten, ihr Gebiet zu sichern und zu erweitern. Starke Befestigungsanlagen der sumerischen und akkadischen Städte belegen diese Konflikte.
Bevölkerung und gesellschaftlicher Wandel
Ein wichtiges Merkmal der Epoche war die Landflucht in die großen Städte der wasserreichen Gebiete Mesopotamiens. Gründe für den Rückgang der Landbevölkerung waren Trockenheiten in wasserarmen Gegenden und die zunehmende, teilweise vom Menschen verursachte Versalzung der Böden.
Die Stadtbevölkerung wuchs dadurch rasch. Das führte zu sozialen Konflikten; Gerichtsurkunden berichten von zahlreichen unterschiedlichen Streitigkeiten.
Gleichzeitig bildete sich eine adlige Oberschicht aus privilegierten Familien, die eng mit der Herrscherfamilie verbunden waren. Ihr Streben nach Luxus und Ansehen zeigt sich in aufwendig ausgestatteten Gräbern. Zu den sogenannten Gefolgschaftsgräbern gehört das Königsgrab von Ur, bei dem der gesamte Hofstaat dem Verstorbenen in den Tod folgte.
Herrschaft, Tempel und Palast
In der Frühdynastischen Zeit wird erstmals in der mesopotamischen Geschichte eine deutliche Trennung zwischen Staat und Tempel erkennbar. Für die ältere Uruk-Zeit lassen sich die Funktionen von Gebäuden im sakralen Bereich und die Aufgaben zugehöriger Berufsgruppen wie der Priester noch nicht genau unterscheiden. Nun können sakrale Bauten, also Tempel, klarer von profanen Bauten wie Palästen und Repräsentationsgebäuden abgegrenzt werden.
Tempel wurden nicht mehr ebenerdig, sondern auf einer terrasseartigen Anlage errichtet, die ein festes Fundament bildete. Wie bereits zuvor waren die Tempelanlagen ummauert.
Könige begründeten ihre Herrschaft und ihre staatlichen Pflichten als göttlichen Willen. Urukagina von Lagasch berief sich beispielsweise bei seinen Reformen und anderen Regierungshandlungen auf Ningirsu, den Stadtgott von Lagasch. Diese religiöse Rechtfertigung des Königtums findet sich allgemein in der frühen mesopotamischen Geschichte.
Wirtschaft und Landwirtschaft
Die Wirtschaft ähnelte einer Planwirtschaft: Palast und Tempel kontrollierten den Handel, große Teile der Landwirtschaft und des Gewerbes sowie die Abgaben. Königsbeamte bereicherten sich jedoch zunehmend an diesen Abgaben. Das führte zu Machtmissbrauch und zur Ausbeutung der ohnehin benachteiligten Bevölkerung.
Urukagina von Lagasch, auch Iri-kagina genannt, lebte gegen Ende der Epoche um 2350 v. Chr. Er erließ Reformgesetze zum Schutz ausgebeuteter und verschuldeter Menschen. Sie umfassten Schuldenerlass, die Befreiung aus der Knechtschaft und weitere sozialpolitische Verbesserungen.
Das wichtigste Getreide war Gerste. Für den Norden gab es an den Trockenanbau angepasste Sorten, für den Süden Sorten für bewässerte Flächen. Weizen war besonders im Norden bedeutsam; angebaut wurden hauptsächlich Emmer und andere behüllte Varianten, in geringem Umfang auch Weichweizen. Weitere Feldfrüchte waren Linse, Erbse und Kichererbse. Zu den wichtigsten Gemüsen gehörten verschiedene Laucharten. Gemeiner Lein und in kleinerem Umfang Sesam dienten als Ölpflanzen.
Im Süden war die Dattelpalme die wichtigste kultivierte Baumart. Hinzu kamen Feige, Wein, Granatapfel, Kulturapfel und Olivenbaum. Im Norden spielte die Weintraube eine größere Rolle als im Süden. Ziegen und Schafe waren die mit Abstand wichtigsten Nutztiere. Rinder wurden wegen des Mangels an natürlichem Grünfutter im Süden in deutlich geringerem Umfang gehalten. Man nutzte sie vor allem als Zugtiere sowie für hochwertige Geschenke und kultische Opfer. Esel waren die wichtigsten Zug-, Last- und Reittiere. Pferdezucht war bekannt, aber wesentlich weniger bedeutend als in der späten Bronzezeit. Außerdem hielt man Hausenten und Hausgänse. Die Schweinezucht nahm im gesamten 3. Jahrtausend v. Chr. deutlich zu.
Agrarland gehörte privaten Haushalten, Herrscherhaushalten und Tempeln. Institutionen überließen Land gegen Gegenleistungen an Haushalte. Im Verlauf der Frühdynastischen Zeit und der weiteren Bronzezeit verschob sich der Landbesitz offenbar zugunsten von Tempel und Palast. Ein wichtiger Grund waren die umfangreichen Bewässerungsanlagen, die im Süden seit dem Übergang zu einem trockeneren Klima im vierten Jahrtausend notwendig waren. Institutionen konnten diese Anlagen mit ihrer Arbeitskraft leichter bauen, pflegen und betreiben. Sie konnten außerdem dreiköpfige Arbeitsgruppen mit dem Ritzpflug einsetzen, die damals effizienteste landwirtschaftliche Arbeitseinheit.
Dokumente aus Girsu berichten für etwa 2500 v. Chr. von unterschiedlichen Formen der Bewirtschaftung eines Tempelbesitzes: Mitglieder des Tempelhaushalts und externe Personen im Frondienst erwirtschafteten unmittelbar Erträge für den Tempel. Andere Mitglieder erhielten Land zur Selbstversorgung. Weitere Flächen wurden an Personen außerhalb des Tempelhaushalts verpachtet, die dafür einen Ertragsanteil oder feste Zahlungen leisten mussten.