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Staats- und Sozialwissenschaften
Staats- und Sozialwissenschaften ist ein interdisziplinäres Studienfach, welches nur an der Universität der Bundeswehr München angeboten wird.
Inhalt5 Abschnitte
Studienfach und Bedeutung
Staats- und Sozialwissenschaften ist ein interdisziplinäres Studienfach, das ausschließlich an der Universität der Bundeswehr München angeboten wird. Interdisziplinär bedeutet, dass Inhalte und Arbeitsweisen mehrerer Wissenschaften miteinander verbunden werden. Das Fach besteht aus einem Bachelor-Studiengang und einem darauf aufbauenden, also konsekutiven, Master-Studiengang. Die Abschlüsse lauten Bachelor of Arts beziehungsweise Master of Arts.
Wie alle Studiengänge an Universitäten der Bundeswehr wird das Fach in Trimestern und als Intensivstudium durchgeführt. Das Studium ist ein fester Bestandteil der Offizierausbildung und wird überwiegend von Offizieranwärtern und Offizieren absolviert.
Vermittelt werden grundlegende und vertiefte Kenntnisse aus Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Ethik. Hinzu kommen sozialwissenschaftliche Methoden, besonders Empirische Sozialforschung und Statistik. Empirische Sozialforschung bezeichnet die systematische Untersuchung gesellschaftlicher Erscheinungen anhand erhobener und ausgewerteter Daten.
Aufbau des Bachelor-Studiums
Der Bachelor-Studiengang besteht aus dem Grundstudium im 1. bis 3. Trimester und dem Aufbaustudium im 4. bis 7. Trimester. Zusätzlich müssen zwei „Sommermodule“ belegt werden. Am Ende des ersten Studienjahrs verfassen die Studierenden eine „Textanalyse“. Nach dem zweiten Studienjahr absolvieren sie im Regelfall ein Praktikum im In- oder Ausland oder nehmen an einer universitären „Summer School“ teil.
Das Grundstudium vermittelt die methodischen und fachlichen Grundlagen der beteiligten Disziplinen. Im Mittelpunkt stehen Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaft. Ergänzend und teilweise optional werden Ethik, Soziologie und Volkswirtschaftslehre gelehrt.
Im Aufbaustudium erfolgt eine Spezialisierung. Nach dem vierten Trimester wählen die Studierenden eine von zwei Vertiefungsrichtungen: „Staatliche Strukturen und gesellschaftlicher Wandel“ oder „Internationales Recht und Politik“.
Vertiefungsrichtungen
In der Vertiefungsrichtung „Internationales Recht und Politik“ stehen die internationalen Bereiche der Politik- und Rechtswissenschaft im Mittelpunkt. Dazu gehören auf politikwissenschaftlicher Seite internationale Politik und Konfliktforschung, auf rechtswissenschaftlicher Seite Völkerrecht und Europarecht. Behandelt wird unter anderem der Wandel des Völkerrechts von einem „Zwischenstaatenrecht“ zu einer Rechtsordnung, die auch das Individuum berechtigt und verpflichtet. Globalisierung und Regionalisierung werden als sich ergänzende Prozesse untersucht. Ergänzend wählen die Studierenden entweder volkswirtschaftliche Veranstaltungen oder die Fächer Soziologie und Ethik.
Die Vertiefungsrichtung „Staatliche Strukturen und gesellschaftlicher Wandel“ konzentriert sich auf Politikwissenschaft und Geschichtswissenschaft. Lehrveranstaltungen in Soziologie und Ethik sind zusätzlich verpflichtend. Untersucht werden politische und soziale Merkmale verschiedener Staats- und Gesellschaftssysteme in Geschichte und Gegenwart. Dazu zählen deren ideengeschichtliche Grundlagen, gesellschaftliche Konfliktlinien, Globalisierungsstrategien sowie unterschiedliche Muster und Formen der Entstehung kollektiver Identitäten.
Master-Studium und wissenschaftliche Ziele
Das Master-Studium beginnt jeweils im Wintertrimester im Januar und dauert insgesamt 21 Monate. Es führt die beiden Vertiefungsrichtungen des Bachelor-Studiums fort. In Ergänzungsmodulen können die Studierenden ihre Wahlpflichtrichtung weitgehend frei entsprechend ihren eigenen Studieninteressen ausbauen. Im fünften und letzten Trimester wird die Masterarbeit angefertigt.
Ziel ist es, wissenschaftliche Fragestellungen aus Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Ethik auch fächerübergreifend zu entwickeln. Die Studierenden sollen diese Fragestellungen praxisgerecht, methodensicher und lösungsorientiert bearbeiten können. Außerdem beschäftigen sie sich mit der Entwicklung wissenschaftlicher Theorien, mit fachlichen Theoriedebatten und mit aktuellen Forschungsergebnissen.
Entwicklung, Fakultät und Bibliothek
Staats- und Sozialwissenschaften besteht seit 1988 als eigenständiger Studiengang. Im Zuge des Bologna-Prozesses wurde 2007 der Bachelor-Studiengang und 2010 der Master-Studiengang eingeführt. Der letzte Diplom-Studiengang, der zum Abschluss Diplom-Staatswissenschaftler führte, begann 2006.
Verantwortlich ist die Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften. Sie wurde 1978 gegründet, um den technischen Schwerpunkt der Universität der Bundeswehr München durch ein obligatorisches geisteswissenschaftliches Begleitstudium zu ergänzen. An der Fakultät forschen und lehren 17 Professoren und 25 fest angestellte Wissenschaftliche Mitarbeiter. Zusammen mit weiteren Mitarbeitern, etwa aus Drittmitteln, Lehrbeauftragten und Lecturern, betreut sie mehr als dreihundert Studierende in den B.A.- und M.A.-Studiengängen.
Die Fakultät gliedert sich in fünf Institute und einen Lehr- und Forschungsbereich: das Institut für Öffentliches Recht und Völkerrecht, das Institut für Politikwissenschaft, das Historische Institut, das Institut für Theologie und Ethik, das Institut für Soziologie und Volkswirtschaftslehre sowie den Lehr- und Forschungsbereich Empirische Methoden und Statistik. Damit bildet ihre Organisation die fachliche Breite des Studiengangs ab.
Zur Universität gehört außerdem eine Teilbibliothek für Staats- und Sozialwissenschaften, die räumlich in die Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek integriert ist. Ihr frei zugänglicher, sachlich geordneter Bestand umfasst etwa 145.000 Bände, eine Lehrbuchsammlung und die Handapparate der Fachdozenten. Hinzu kommen circa 550 gedruckte und 8900 elektronische wissenschaftliche Zeitschriftentitel.