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Spitting Image
Spitting Image ist eine satirische britische Fernsehsendung. Sie wurde zunächst von 1984 bis 1996 vom Sender ITV ausgestrahlt und von der Firma Spitting …
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Gegenstand und Grundidee
Spitting Image ist eine britische satirische Fernsehsendung im Genre Comedy. Sie wurde zunächst von 1984 bis 1996 auf ITV ausgestrahlt und von Spitting Image Productions produziert. Die Erstausstrahlung erfolgte am 26. Februar 1984 auf ITV, die deutschsprachige Erstausstrahlung am 14. Oktober 1988 auf 3sat. Die einzelnen Sendungen dauern 30 bis 60 Minuten und sind ursprünglich englischsprachig.
Das zentrale Stilmittel sind Latex-Puppen, mit denen bekannte Persönlichkeiten parodiert werden. Die Puppen wurden von Peter Fluck und Roger Law geschaffen, die auch unter dem Namen Luck and Flaw bekannt sind. Unterstützt wurden sie unter anderem von David Stoten, Steve Bendelack, Tim Watts, Pablo Bach, Christopher Sharrock und Oscar da Costa. Der englische Ausdruck „spitting image“ bedeutet, dass jemand einer anderen Person vom Aussehen her sehr ähnlich ist.
Politiker, Royals und andere Figuren
Im Mittelpunkt standen vor allem britische und US-amerikanische Politiker. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher wurde als aggressive und autoritäre Frau dargestellt. Ronald Reagan erschien als buchstäblich hirnloser, von Atomwaffen besessener US-Präsident. Weitere konservative Politiker waren unter anderem Norman Tebbit als Skinhead, Geoffrey Howe als höfliche Figur, Michael Heseltine als manischer Charakter, Edwina Currie als Vamp sowie Cecil Parkinson als lüsterne Figur. Auch Douglas Hurd, Kenneth Baker, Nigel Lawson, Tom King und Peter Walker wurden parodiert.
Politiker der Linken erschienen unter anderem als seniler Michael Foot, geschwätziger Neil Kinnock und als linksextremistischer Ken Livingstone. Weitere Figuren waren Roy Hattersley, Denis Healey, Peter Shore und Gerald Kaufman. Die Liberaldemokraten David Owen und David Steel wurden als weinerliche, dauernd erfolglose Politiker dargestellt. Aus der US-Politik traten unter anderem Caspar Weinberger als Hardliner, Donald Regan und George H. W. Bush als minderbemittelter Vizepräsident auf. Auch Sylvester Stallone und Ted Kennedy wurden im Zusammenhang mit der Präsidentschaftskandidatur gezeigt.
Zu den internationalen Politikern gehörten Robert Mugabe, Pieter Willem Botha, Yoweri Museveni, Michail Gorbatschow, Muammar al-Gaddafi, Benazir Bhutto, Ajatollah Chomeini, François Mitterrand, Adolf Hitler und Saddam Hussein. Nach dem politischen Abgang von Reagan und Thatcher ließ der Erfolg der Reihe etwas nach, weil ihre Nachfolger George H. W. Bush und John Major aus Sicht der Sendung weniger Parodiepotenzial boten. Für den als harmlos dargestellten Major wurde sogar eine erfundene Affäre mit Virginia Bottomley eingesetzt. Später traten auch Bill Clinton und Tony Blair auf; 1996 wurde das Format eingestellt.
Ein weiteres wiederkehrendes Thema waren die britischen Royals. Die Queen erschien als leicht verrückte Frau, die Kleidung aus Mülleimern sammelt, Prinz Philip als Witzbold in Marineuniform und mit Gewehr. Prinz Charles wurde zurückhaltend und distanziert, Lady Diana dagegen publicitysüchtig dargestellt. Weitere Figuren waren die senile Queen Mum mit einer Flasche Gin, Prinz Andrew als Playboy und Prinz Edward als gereizter Teenager. Zu den bekannten nichtpolitischen Figuren gehörten außerdem Papst Johannes Paul II. als Rocker, Jesus als Hippie, Leonard Nimoy, Rupert Murdoch, Mark Thatcher und Steve Davis.
Musikparodien und Chart-Erfolge
Spitting Image nutzte auch Musikparodien und veröffentlichte eigene Tonaufnahmen. Der bekannteste Titel ist The Chicken Song, eine Parodie auf Agadoo von Black Lace. Die Single erreichte im Vereinigten Königreich Platz 1, war ab dem 10. Mai 1986 insgesamt 12 Wochen in den Charts und erhielt Silberstatus. Weitere Veröffentlichungen waren Santa Claus Is On The Dole / First Atheist Tabernacle Choir, das 1986 Platz 22 erreichte, sowie The Christmas Singles, das 1990 Platz 84 erreichte. Das Album Spit In Your Ear kam 1986 auf Platz 55.
I've Never Met a Nice South-African war eine Abrechnung mit dem Apartheidsystem in Südafrika. Sting nahm 1984 für die Sendung eine Version von Every Breath You Take mit dem neuen Titel Every Bomb You Make auf. Im dazugehörigen Video wurden verschiedene Diktatoren der damaligen Zeit vor dem Hintergrund einer untergehenden Sonne gezeigt. Größere Bekanntheit erlangte die Sendung außerdem durch die 1984 veröffentlichte Parodie Da Do Run Ron auf Da Doo Ron Ron von The Crystals, die anlässlich der Wiederwahlkampagne Ronald Reagans erschien. 1986 traten Figuren aus Spitting Image im Musikvideo zu Land of Confusion von Genesis auf.
Nachahmer im deutschsprachigen und internationalen Raum
Das österreichische Kulturmagazin Kunst-Stücke zeigte von den späten 1980er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre britische Originalfolgen und machte das Format im deutschsprachigen Raum bekannt. In Deutschland entstanden Hurra Deutschland (1989–1991) und die Gerd-Show (ab 1999). In Österreich lief Telewisch’n von 1987 bis 1989 im ORF. Die Sendung war wenig erfolgreich, kurzlebig und wurde in unregelmäßigen Folgen von etwa 25 Minuten ausgestrahlt.
Weitere ähnliche Formate waren die französische Sendung Les Guignols de l’info (1988–2015) und die in Russland beliebte Sendung Kukly („Puppen“). Kukly wurde 2002 auf Druck der Regierung eingestellt.
Neuauflagen, Computerspiel und Auszeichnungen
Seit September 2020 gibt es eine neue Staffel auf dem britischen On-Demand-Dienst britbox von BBC und ITV. In dieser Neuauflage wird unter anderem Donald Trump dargestellt. Sein Comb-Over, also seine besondere Frisur, erscheint als eigene Figur mit Gesicht, die den kahlen Kopf verlässt. Dominic Cummings wird als Außerirdischer, Michael Gove mit einer eichelförmigen Nase und hodenförmigen Backen gezeigt. Aus dem Sport treten unter anderem Jürgen Klopp, LeBron James und Cristiano Ronaldo auf.
Die deutsche Ausgabe Spitting Image. The Krauts’ Edition wird seit dem 16. September 2021 von Sky ausgestrahlt. Zu ihren Figuren gehören unter anderem Angela Merkel, Annalena Baerbock, Olaf Scholz als Schlumpf, Sebastian Kurz und Adolf Hitler. Im Juli 2025 wurde die Serie erneut wiederbelebt, diesmal als Online-Serie auf YouTube.
1989 erschien für mehrere Heimcomputer ein Beat ’em up zur Sendung. Spitting Image war außerdem in den Jahren 1985 bis 1992 für zehn BAFTA Awards nominiert. 1985 erhielt die Sendung bei der Goldenen Rose von Montreux eine Bronzene Rose.