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Spielfilmdramaturgie

Dramaturgie ist die Technik bestimmte Erzählmuster zu kreieren, um das Thema, die Handlung und die Prämisse eines Werkes optimal in Einklang und damit zur …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Zweck
  2. 2. Konflikt, Problem und Genre
  3. 3. Das 3-Akte-Modell
  4. 4. Das Modell der Heldenreise

Gegenstand und Zweck

Die Filmdramaturgie ist eine Teildisziplin der Ästhetik und beschäftigt sich mit dem „Geheimnis des Erzählens“. Sie untersucht und gestaltet die Anordnung erzählerischer Mittel, damit ein Werk eine bestimmte Wirkung auf das Publikum erzielt. Dramaturgie ist dabei eine über Jahrhunderte tradierte, praxisbezogene und praxisbasierte Wissenschaft sowie eine Technik, mit der bestimmte Erzählmuster entwickelt werden. Ziel ist es, Thema, Handlung und Prämisse eines Werkes optimal aufeinander abzustimmen und dadurch zur Geltung zu bringen.

Der Begriff Filmdramaturgie bezeichnet sowohl die praktische Arbeit von Autoren, Dramaturgen, Redakteuren und Lektoren am Drehbuch und an der Struktur audiovisueller, zeitbasierter Geschichten als auch ein theoretisches Instrument der Filmwissenschaft. Mit diesem Instrument kann die Erzählstruktur von Filmen analysiert werden.

Konflikt, Problem und Genre

Ausgangspunkt der meisten Filmgeschichten ist ein grundlegender Konflikt oder ein grundlegendes Problem, das nach einer Lösung verlangt. Die Suche nach einer Lösung und die Lösung selbst bilden den roten Faden der Handlung und treiben sie voran. Deshalb wird die Struktur der Filmhandlung ausgehend vom Problem beziehungsweise Konflikt entwickelt.

Zu Beginn der Entwicklung muss außerdem das Filmgenre festgelegt werden. Nach Robert McKee („Story“) ergeben sich aus jedem Genre bestimmte Konventionen. Diese Konventionen müssen bei der Entwicklung der dramatischen Struktur berücksichtigt werden, damit die Geschichte in sich stimmig bleibt.

Das 3-Akte-Modell

Das 3-Akte-Modell ist eine vereinfachte Gliederung der 5-Akte-Struktur des Regeldramas der Französischen Klassik. Nach diesem Paradigma besteht ein Spielfilm aus drei Akten: Exposition, Konfrontation und Auflösung. Besonders vertreten wird das Modell vom amerikanischen Autor und Drehbuchdozenten Syd Field.

Jeder neue Akt wird durch einen Wendepunkt am Ende des vorhergehenden Akts eingeleitet. Dieser sogenannte Plot Point gibt der Geschichte eine neue Richtung. Auch innerhalb der Akte gibt es kleinere Wendepunkte, doch nur die großen Plot Points am Ende eines Akts verändern die Handlung grundlegend.

Der erste Akt, die Exposition oder Einführung, umfasst etwa ein Viertel der Filmlänge. Er vermittelt die Vorgeschichte sowie den raumzeitlichen Horizont, führt die wichtigsten Figuren und ihre Situation ein und stellt die grundlegenden Konflikte dar. Meist gibt es ein äußeres Problem, das neben der Hauptfigur auch andere Personen oder die ganze Welt betreffen kann, und ein inneres Problem, das die Hauptfigur in sich selbst lösen muss. Häufig hängt die Lösung des äußeren Problems davon ab, dass die Hauptfigur zuerst ihr inneres Problem überwindet. Aus beiden Problemen entstehen zwei dramatische beziehungsweise obligatorische Fragen. Ihre Antworten werden erst am Ende des dritten Akts gegeben. Daneben können kleinere Probleme bestehen, die ebenfalls gelöst werden müssen.

Das zunächst allgemeine äußere Problem wird oft durch ein konkretes Ereignis für die Hauptfigur persönlich. Daraus entsteht der Ruf zum Abenteuer. Dieser kann mehrfach erfolgen, weil die Hauptfigur sich zunächst weigert. Erst wenn der Druck stark genug ist und kein Ausweg bleibt, überschreitet sie die Schwelle zum Abenteuer. In „Star Wars – Episode IV“ wird Luke Skywalker erst nach dem Tod seiner Tante und seines Onkels und der Flucht vor den imperialen Sturmtruppen endgültig in die Handlung hineingezogen. In „Harry und Sally“ werden Harry und Sally durch die Trennung von ihren jeweiligen Partnern zusammengeführt.

Der zweite Akt, die Konfrontation, ist mit etwa der Hälfte der gesamten Filmlänge der größte Akt. Die Hauptfigur setzt sich aktiv mit den Problemen auseinander und sucht nach einer Lösung. Der Akt wird durch den zentralen Punkt in zwei Teile gegliedert und endet mit dem zweiten Plot Point. Am zentralen Punkt erkennt die Hauptfigur eine wichtige Tatsache, einen Zusammenhang oder einen bisher unklaren Aspekt. Sie kann auch einen notwendigen Beweis oder ein wichtiges Instrument erhalten. Der zentrale Punkt hat zwar eine Wendepunkt-Funktion, gibt aber im Unterschied zum Plot Point keine vollkommen neue Richtung vor. Er liefert vor allem die entscheidende Information für einen Lösungsansatz.

In „Star Wars – Episode IV“ erfährt Luke durch R2-D2, dass Prinzessin Leia auf dem Todesstern gefangen gehalten wird. Ihre Befreiung und die Flucht mit ihr und den Plänen des Todessterns zur Rebellion bilden den zweiten Plot Point und leiten den dritten Akt ein. In „Harry und Sally“ erkennen die beiden beim Abendessen ihrer Freunde Jess und Marie, dass wahre Liebe möglich ist. Die harmonische Beziehung von Jess und Marie konfrontiert Harry und Sally mit ihrer eigenen Vergangenheit und führt schließlich zu einem One-Night-Stand, dem zweiten Plot Point des Films.

Der dritte Akt, Auflösung und Schluss, umfasst etwa ein Viertel der Filmlänge. Die Hauptfigur und gegebenenfalls ihre Verbündeten versuchen nun mit der gewonnenen Erkenntnis, einer List, einer Falle oder einer Waffe, den Konflikt zu lösen. In „Star Wars – Episode IV“ wertet die Rebellion die Daten des Todessterns aus, findet eine Schwachstelle und vernichtet ihn letztlich mit Lukes Hilfe. In „Harry und Sally“ muss Harry den Mut zu einer ernsten Beziehung finden, während Sally die Kraft finden muss, ihm zu vergeben.

Der dritte Akt beantwortet die obligatorischen Fragen des ersten Akts oder zeigt, dass die grundlegenden Probleme nicht gelöst werden. Erster und dritter Akt müssen deshalb unmittelbar zusammenhängen; nur so entsteht eine dramatische Einheit. Dramatische oder logische Probleme des dritten Akts lassen sich nach diesem Modell oft nur durch Änderungen am ersten Akt beheben. Auch ein offenes Ende kann eine Lösung enthalten, wenn diese bereits offensichtlich ist. Nur selten endet ein Film ohne jeden Hinweis auf eine mögliche Lösung.

Für eine ausgewogene Geschichte sollen sich inneres und äußeres Problem aufeinander beziehen. Die Hauptfigur muss meist zuerst eine innere Veränderung erreichen, um das äußere Problem lösen zu können. Luke Skywalker kann den Todesstern erst zerstören, nachdem er innerlich auf die Macht vertraut. Harry muss im dritten Akt erkennen, dass Sally seine große Liebe ist, und ihr dies offen gestehen. Häufig folgt nach der Lösung ein kurzer Abschluss, der zeigt, wie sich die Welt oder das Leben der Hauptfigur danach entwickelt, etwa die Auszeichnung von Luke und seinen Freunden oder ein Interview über die Ehe von Harry und Sally.

Das Modell der Heldenreise

Auf Grundlage der Schriften von Joseph Campbell wurden in den achtziger Jahren mehrere Modelle entwickelt, die die Entwicklung der Hauptfigur eines klassischen Films beschreiben. Der Held oder die Heldin durchläuft eine Reise mit drei Phasen: Trennung, Prüfungen und Ankunft.

Die Phase der Trennung beginnt mit dem Status quo (A). Ein initialer Auslöser (B) setzt die Handlung in Gang. Oft erhält der Protagonist einen für die Reise wichtigen Gegenstand oder eine wichtige Auskunft (C: Gabe). Danach kann eine Weigerung oder Warnung (D) folgen: Die Hauptfigur zögert oder wird von ihrer Umwelt davor gewarnt, die bisherige Lebenssituation zu verändern. Im Verlauf des ersten Akts werden außerdem Berater (E) eingeführt, die die Hauptfigur auf dem Weg in die Phase der Prüfungen begleiten.

In der Phase der Prüfungen erlebt die Hauptfigur eine Reihe von Abenteuern und verändert sich dabei. Sie unternimmt sowohl eine äußere als auch eine innere Reise. Zu unterscheiden sind Prüfungen vor dem zentralen Wendepunkt (F) und Prüfungen danach (G). In der zweiten Hälfte des zweiten Akts kommt es zu einem Moment der Selbsterkenntnis (H). Dadurch ist die Figur geläutert und kann die Schwelle zur Phase der Ankunft überschreiten.

In der Phase der Ankunft erledigt die Figur zunächst neue Aufgaben (I). Darauf folgt die finale Auseinandersetzung (J), die häufig als Showdown gestaltet und oft durch ein Last-Minute-Rescue beendet wird. Diese Auseinandersetzung klärt alle im Verlauf des Films aufgeworfenen Fragen (K). Besteht die Hauptfigur, wird sie belohnt; scheitert sie, wird sie bestraft (L). Ein anschließender Epilog bekräftigt häufig noch einmal den Ausgang (M).

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