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Sony Music Entertainment
Sony Music Entertainment (kurz Sony Music oder SME) ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit Sitz in New York City. Es wurde 1887 als Columbia Records …
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Unternehmen und Bedeutung
Sony Music Entertainment, kurz Sony Music oder SME, ist ein US-amerikanisches Musik- und Unterhaltungsunternehmen mit Sitz in New York City. Es gehört als Tochtergesellschaft der Sony Corporation of America zur japanischen Sony Corporation und ist die Schwestergesellschaft von Sony Music Entertainment Japan. Zusammen mit Universal Music Group und Warner Music Group zählt Sony Music zu den drei großen Major-Labels, also den weltweit führenden Musikkonzernen.
Das Unternehmen geht auf die 1887 gegründete Columbia Phonograph Company zurück. Seit April 2017 ist Rob Stringer Chief Executive Officer (CEO). Deutschland, Österreich und die Schweiz werden von Christoph Behm geführt. Für 2011 wird ein Umsatz von 4,3 Milliarden Euro angegeben.
Sony Music besitzt oder verwertet Aufnahmen zahlreicher internationaler und deutschsprachiger Künstler. Das Unternehmen veröffentlicht Musik auf CD, DVD, Blu-ray Disc, Vinyl-Schallplatte und teilweise SACD; die Hörspielserie „Die drei ???“ erscheint außerdem auf Kassette. Hinzu kommen Downloads und Streaming-Angebote.
Von Columbia zu Sony Music
1887 wurde in Washington, D.C. die Columbia Phonograph Company als Franchise der North American Phonograph Company gegründet. Sie stellte Phonographen her und vertrieb sie. Das dafür benötigte Patent hatte das Unternehmen von Thomas Alva Edison erworben. Seine Tätigkeit konzentrierte sich zunächst auf Maryland, Delaware und den Hauptstadtdistrikt.
1926 übernahm Columbia mit Okeh Records ein bedeutendes Jazz- und Blues-Repertoire, darunter Werke von Louis Armstrong und Clarence Williams. Zeitweise besaß die britische Columbia Graphophone Company die Mehrheit. Aus Zusammenschlüssen in Großbritannien entstand später Electric and Musical Industries Limited (EMI), während das US-Geschäft an die American Record Corporation verkauft wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Columbia und EMI vollständig getrennt.
1938 übernahm das Columbia Broadcasting System (CBS) die American Record Corporation. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete CBS das Label Epic Records, das sich zunächst auf Klassik und Jazz konzentrierte, später aber weitere Genres aufnahm. 1961 entstand CBS Records für die Geschäfte außerhalb der Vereinigten Staaten und Kanadas. Gegen Ende der 1960er Jahre wurden Columbia, Epic und CBS Records in der CBS Records Group zusammengefasst.
1968 vereinbarten CBS Records und die Sony Corporation of America ein Joint Venture, das Musik gemeinsam mit anderen Sony-Produkten vermarkten sollte. Billy Joels „52nd Street“ wurde im Rahmen dieser Zusammenarbeit als erstes Album auf CD veröffentlicht. Im November 1987 kündigte Sony an, die CBS Records Group für zwei Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Das damals weltweit größte Musiklabel hatte unter anderem Michael Jackson, Barbra Streisand, Bruce Springsteen und Cyndi Lauper unter Vertrag. Seit 1991 trägt das Unternehmen offiziell den Namen Sony Music Entertainment.
Zusammenschluss mit Bertelsmann
Im November 2003 kündigten Sony Music Entertainment und die Bertelsmann Music Group (BMG) nach vorherigen Dementis ihren Zusammenschluss an. Das Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG Music Entertainment gehörte beiden Konzernen jeweils zur Hälfte. Der gemeinsame Umsatz lag bei fünf Milliarden US-Dollar. Sony Music war zuvor das zweitgrößte und BMG das fünftgrößte Musiklabel der Welt. Als Gründe für die Fusion galten sinkende Erlöse, starker Wettbewerb und die zunehmende elektronische Verbreitung von Musik. Sony Music Entertainment Japan blieb wegen des dortigen Übergewichts von Sony ausdrücklich ausgeschlossen.
Die Europäische Kommission genehmigte die Fusion zunächst, doch der Europäische Gerichtshof hob diese Entscheidung später auf. Nach einer erneuten Anmeldung und der Zustimmung der europäischen Kartellbehörden sowie der US-amerikanischen Federal Trade Commission wurde das Joint Venture im August 2004 endgültig vollzogen. Sony BMG beschäftigte damals 9.000 Menschen und erreichte bei CD-Verkäufen einen Marktanteil von 25,2 Prozent.
Nach mehrjährigen Umsatzrückgängen verkaufte Bertelsmann seine Hälfte 2008 für 1,2 Milliarden US-Dollar an Sony. Das Unternehmen hieß danach wieder Sony Music Entertainment. Die früheren Bertelsmann-Labels Ariola, Arista und RCA Records gingen vollständig an Sony über. Bertelsmann behielt lediglich die Rechte an Aufnahmen von 200 überwiegend europäischen Künstlern. Diese wurden in der neu gegründeten BMG Rights Management gebündelt, welche die Marke BMG weiterführte; den Vertrieb übernahm weiterhin Sony Music.
Künstler und Musikvertrieb
Sony Music verfügt über Verwertungsrechte an Werken zahlreicher Musiker unterschiedlicher Genres, darunter AC/DC, Alicia Keys, Beyoncé Knowles, Bob Dylan, Bruce Springsteen, Johnny Cash, Louis Armstrong, Pink, Shakira, Whitney Houston, Udo Jürgens, Andrea Berg und Die Ärzte.
Peter Maffay steht seit den 1990er Jahren exklusiv bei Sony Music unter Vertrag. 2010 wurde die Zusammenarbeit bis 2022 verlängert; seine Alben erschienen weiterhin bei Ariola. Der Artikel bezeichnet ihn als insgesamt erfolgreichsten deutschen Album-Künstler.
Ebenfalls 2010 schloss Sony Music mit dem Nachlassverwalter Michael Jacksons den bis dahin teuersten Plattenvertrag. Für zehn Projekte innerhalb von sieben Jahren, darunter das Album „This Is It“, sollten insgesamt 200 Millionen US-Dollar gezahlt werden. Jackson hatte bereits 1995 gemeinsam mit Sony Music den Musikverlag Sony/ATV Music Publishing gegründet.
Durch einen 1973 geschlossenen Vertrag zwischen Elvis Presley und RCA Records gelangten Rechte an Liedern wie „Hound Dog“, „Jailhouse Rock“ und „Heartbreak Hotel“ zu Sony Music. Elvis Presley Enterprises verlangte später vor dem Landgericht München Nachzahlungen in Millionenhöhe, weil Presley ausgebeutet worden sei. Das Gericht wies die Klage ab: Der Künstler habe die Vereinbarung wirksam akzeptiert, weshalb keine weiteren Ansprüche bestünden.
Auf sinkende CD-Verkäufe reagierte Sony mit digitalen Angeboten. 2001 gründete das Unternehmen mit Universal Music und Yahoo den Online-Dienst Duet, der später pressplay hieß und 2003 an Roxio verkauft wurde. Weitere Vereinbarungen ermöglichten den legalen Vertrieb über Online-Dienste wie MP3.com. In Deutschland konnten O₂-Kunden ab 2004 über das UMTS-Mobilfunknetz auf Sony-Musik zugreifen. 2011 startete das Angebot Music Unlimited als Reaktion auf Streaming-Dienste wie Spotify. Im selben Jahr waren die Download-Umsätze noch nicht nennenswert; erst 2013 betrachtete das Unternehmen die Krise als überwunden.
Wichtige Labels
Sony Music arbeitet mit mehreren Labels und Organisationseinheiten, die unterschiedliche Musikrichtungen und Aufgaben abdecken:
- Ariola wurde 1958 von Bertelsmann gegründet und vertrieb zunächst Musik über den Lesering beziehungsweise Schallplattenring. Heute stehen dort vor allem Schlagermusiker unter Vertrag.
- Columbia wird in Deutschland hauptsächlich für deutschsprachige Popmusik eingesetzt, international aber für verschiedene Genres. Zu seinen Künstlern zählen unter anderem Casper und Tim Bendzko.
- Epic wurde 1953 von CBS zunächst für Jazz und klassische Musik geschaffen. Heute veröffentlicht es Pop-, Rock- und Dance-Musik und bildet neben Columbia, RCA und Four Music eine eigenständige Einheit für Artists and Repertoire, also die Suche und Betreuung von Künstlern und Musikproduktionen.
- Europa veröffentlicht seit 1969 vor allem Hörspiele für Kinder und Jugendliche, darunter „Die drei ???“. Das 1965 gegründete Label wurde 1989 von BMG übernommen.
- Four Music wurde 1996 von den Fantastischen Vier gegründet. Sony BMG erwarb 2005 zunächst 50 Prozent und später die übrigen Anteile. Bekannt wurde das Label durch Hip-Hop, Soul und Reggae.
- RCA entstand in seiner heutigen Form 2011 nach der Auflösung von Jive, Arista und J Records. Es ist organisatorisch Ariola zugeordnet; bekannte Künstler sind Pink und Shakira.
- Sony Classical vermarktet klassische Musik, etwa von Jonas Kaufmann und den Wiener Philharmonikern. Sony ist seit 2009 außerdem am Klassikgeschäft der DEAG Deutsche Entertainment beteiligt und verlegte die internationale Klassikzentrale von New York nach Berlin.
- Die Catalog-Abteilung verwertet das gesamte vorhandene Repertoire. Die Distributed Label Division unterstützt externe Labels beim Vertrieb. Gold League wurde 2019 vor allem für urbane Musik gegründet.
Weitere Einheiten sind B1 Recordings, ein Joint Venture für internationale Künstler, und das 2003 von BMG Deutschland gegründete Comedy-Label Spassgesellschaft.
Kritik und Rechtsstreitigkeiten
Der Zusammenschluss zu Sony BMG wurde 2004 kritisiert, weil die US-amerikanischen und europäischen Kartellbehörden ihn zunächst ohne Auflagen zugelassen hatten. Der Verband Impala, der kleinere Musiklabels vertritt, sah darin eine Gefahr für den Wettbewerb und gewann seine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in erster Instanz. Nach erneuter Prüfung bestätigte die Europäische Kommission die Fusion im Oktober 2007. Während manche Beobachter Nachteile für das kreative Personal befürchteten, begrüßte laut Artikel die Mehrheit der Künstler den Zusammenschluss.
Besonders schwere Kritik löste 2005 der CD-Kopierschutz Extended Copy Protection (XCP) aus. Fachleute verglichen die versteckte Software mit einem Rootkit, also einem Programm, das sich tief im Computersystem verbirgt. XCP konnte Sicherheitslücken öffnen und Angriffe erleichtern. Obwohl F-Secure Sony DADC nach Medienberichten frühzeitig warnte, wurden die Hinweise nicht beachtet. Microsoft stufte XCP später als bösartige Software ein und veröffentlichte ein Update zu seiner Entfernung.
Sony BMG stellte den Einsatz schließlich ein, nahm betroffene CDs aus dem Handel und bot Ersatz, kostenlose Downloads und Barzahlungen an. In einem außergerichtlichen Vergleich zahlte das Unternehmen 4,25 Millionen US-Dollar an 35 US-Bundesstaaten. Insgesamt waren 4,7 Millionen CDs mit XCP hergestellt und 2,1 Millionen Exemplare von 52 Künstlern verkauft worden.
2011 unterstützte Sony Music den Stop Online Piracy Act (SOPA). Kritiker befürchteten Internetzensur sowie ineffiziente und schädliche Verfahren. Sony Electronics zog seine Unterstützung im Januar 2012 zurück, Sony Music hielt dagegen an seiner Position fest. Seit 2021 besteht außerdem ein Rechtsstreit zwischen Sony Music und Quad9 über die Sperrung einer Domain.