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Sojus (Pipeline)
Die Trasse dient der Durchleitung von Gas aus den reichen Vorkommen der südlichen Ural-Region und Zentralasien nach Osteuropa und von dort über die westlich …
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Kern und Zweck
Sojus, international auch Soyuz, ist eine Erdgastrasse von Orenburg in Russland bis Uschhorod in der Ukraine. Eine Erdgastrasse ist hier eine Strecke aus parallelen Ferngastransportrohrleitungen, also Pipelines für den Transport von Erdgas über große Entfernungen. Der Name bedeutet auf Deutsch „Union“, „Vereinigung“ oder „Einheit“; die Trasse wurde auch „Orenburg-Westgrenze Sowjetunion“ genannt.
Die Pipeline ist wichtig, weil sie Gas aus den reichen Vorkommen der südlichen Ural-Region und aus Zentralasien nach Osteuropa bringt. Von dort wird das Gas über die westlich anschließende Transgas-Pipeline weiter nach Mittel- und Westeuropa geleitet. Damit verband Sojus die sowjetische und später russische Gasförderung mit Verbrauchsgebieten in mehreren europäischen Ländern.
Entstehung und Bau
Die Grundlage für die Trasse war ein großes Erdgasvorkommen, das 1966 bei Bohrungen im Wolga-Ural-Basin etwa 30 Kilometer südlich von Orenburg entdeckt wurde. Es gehörte damals zu den größten bekannten Erdgasvorkommen der Welt. Neben Erdgas gab es dort auch Gaskondensat und Erdöl in bauwürdigen Mengen. Das Gas enthält besonders viel Helium, weshalb eine Anlage zur Abscheidung dieses Edelgases wirtschaftlich sinnvoll war.
Ab 1971 wurde das Gasfeld Orenburg von der staatlich-sowjetischen Gasindustrie erschlossen, aus der später Gazprom hervorging. Bis 1974 erreichten Förderung und Aufbereitung in der Aufbereitungsanlage Orenburg ihre volle Leistung.
Die Sojus-Pipeline wurde von 1975 bis 1979 gebaut. Sie war ein Gemeinschaftsprojekt der RGW-Staaten. RGW steht für Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, den wirtschaftlichen Zusammenschluss sozialistischer Staaten. Ziel war die Versorgung der „sozialistischen Bruderländer“ im Warschauer Pakt, darunter DDR, ČSSR, VR Polen, VR Bulgarien und VR Ungarn, sowie der westlichen Sowjetrepubliken, besonders der Ukrainischen SSR, mit Erdgas.
Im Gegenzug für sowjetische Gaslieferungen beteiligten sich diese fünf RGW-Staaten am Bau. Jeder sollte etwa ein Fünftel der Gesamtstrecke, also je 550 Kilometer, einschließlich der dazugehörigen Verdichterstationen unter eigener Regie errichten. Der von Arbeitern aus der DDR gebaute Abschnitt lag im Zentrum der Ukraine und wurde unter dem Namen „Druschba“ bekannt, auf Deutsch „Freundschaft“.
Internationale Bedeutung
Nach der Fertigstellung diente die Sojus-Trasse zusammen mit der wenige Jahre zuvor fertiggestellten Transgas-Trasse durch die Tschechoslowakei auch der Lieferung von Gas nach Westeuropa. Das wurde möglich, weil die Sowjetunion in den späten 1960er-Jahren während einer Phase der Entspannung im Ost-West-Konflikt Verhandlungen mit Italien, Österreich und der Bundesrepublik Deutschland über künftige Gaslieferungen aufgenommen hatte.
Diese westeuropäischen Länder beteiligten sich im Gegenzug an der Finanzierung oder lieferten im Voraus Material und Ausrüstung, die für den Bau der Pipelines dringend gebraucht wurden. Das größte Geschäft dieser Art waren die deutsch-sowjetischen Erdgas-Röhren-Verträge.
Nach der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 wurden Ukraine und Kasachstan politisch unabhängig von Russland. Dadurch wurde auch die Pipeline zwischen verschiedenen Staaten und Betreibern aufgeteilt. Der russische Teil blieb beim bisherigen Betreiber Gazprom. Der ukrainische Teil kam unter die Kontrolle des staatlich-ukrainischen Gaskonzerns Naftohas. Das kasachische Gasunternehmen KazMunayGas beziehungsweise seine Tochter KazTransGas erhielt von Gazprom eine Beteiligung an Pipelines und Anlagen im russisch-kasachischen Grenzgebiet.
Konflikte und Modernisierung
Ab der Jahrtausendwende nahmen die Streitigkeiten zwischen Russland und der Ukraine über Gaspreise und über die Vergütung für Lieferung beziehungsweise Durchleitung russischen Gases zu. Der russisch-ukrainische Gasstreit führte ab 2005 mehrfach dazu, dass die ukrainische und/oder russische Seite die Lieferung und Durchleitung von Gas reduzierte oder unterbrach.
Als Folge versuchte Russland, neue Alternativtrassen zu entwickeln, um weniger von der Durchleitung durch die Ukraine abhängig zu sein. Dies sollte besonders mit den Pipelines Nord Stream und South Stream erreicht werden.
Mit Stand 2012 waren mehr als die Hälfte der Vorräte der Lagerstätte Orenburg ausgebeutet. Die Produktion dort ist seit den 1990er-Jahren rückläufig. Trotzdem war kein Ende des Betriebs der Sojus-Pipeline absehbar, weil neue Vorkommen an anderer Stelle erschlossen wurden und werden, deren Gas ebenfalls über die Sojus-Trasse transportiert wird. Ab 2012 wurde die Pipeline unter Beteiligung deutscher Geldgeber und Anlagenbauunternehmen modernisiert.
Im Verlauf des Russischen Überfalls auf die Ukraine übernahmen russische Truppen im Oblast Luhansk die Kontrolle über die Verdichterstation Nowopskow. Daraufhin stellte der ukrainische Gasnetzbetreiber GTSOU am 10. Mai 2022 den Transit an dieser Stelle und damit nach Westeuropa mit bis zu 32,6 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag ein.
Strecke und Technik
Die Sojus-Trasse ist etwa 2.750 Kilometer lang. Davon verlaufen etwa 300 Kilometer durch Kasachstan, 1.600 Kilometer durch die Ukraine und der Rest durch Russland. Entlang der Strecke liegen in Abständen von ungefähr 100 bis 150 Kilometern Verdichterstationen. Verdichterstationen erhöhen den Druck des Gases, damit es über weite Strecken weiterfließen kann. Insgesamt gibt es 21 solcher Stationen, davon 12 in der Ukraine und zwei in Kasachstan.
Die Trasse beginnt an der Aufbereitungsanlage bei Orenburg. Dort wird Gas aus dem nahegelegenen Gasfeld etwa 30 Kilometer südlich von Orenburg eingespeist. Außerdem wird Gas aus dem Feld Karatschaganak etwa 100 Kilometer südwestlich von Orenburg in Kasachstan aufgenommen sowie Gas aus einem Feld bei Dombarowski etwa 400 Kilometer östlich von Orenburg weitergeleitet.
Von Orenburg folgt die Pipeline dem Fluss Ural nach Westen. Hinter der Verdichterstation Alexejewka überschreitet sie die Grenze nach Kasachstan und verläuft etwa 300 Kilometer an Uralsk vorbei. Bei Alexandrow Gai in der Oblast Saratow erreicht sie wieder russisches Gebiet. Dort vereinigt sie sich mit der Pipeline Zentralasien–Zentrum, die Gas aus Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan in Richtung des russischen Wirtschaftszentrums transportiert. Danach folgt noch einmal ein etwa 50 Kilometer langer Abschnitt ohne Station durch kasachisches Gebiet, bevor die Trasse östlich von Pallassowka erneut nach Russland führt. Über sechs Verdichterstationen und etwa 600 Kilometer verläuft sie dann an Antipowka und Frolowo vorbei bis zur russisch-ukrainischen Grenze.
In der östlichen Ukraine wird bei Nowopskow und Schebelinka weiteres Gas aus dortigen Vorkommen eingespeist. Außerdem werden kleinere Nebenzweige der Trasse „Bruderschaft“ aus Nordwestsibirien zusammengeführt.
Anschluss nach Westeuropa
Westlich von Krementschuk schließt sich der von DDR-Arbeitern erbaute Abschnitt „Druschba“ an. Er verläuft mit Verdichterstationen bei Oleksandriwka, Talne und Hajssyn bis nach Bar.
In der Region Dolyna vereinigt sich die Sojus-Trasse mit der Haupttrasse Bruderschaft und mit dem südlichen Zweig der Trasse Jamal–Europa. Die gemeinsame Leitung erreicht bei Uschhorod an der ukrainisch-slowakischen Grenze ihr Ziel.
In Uschhorod wird das Gas an die Transgas-Pipeline übergeben. Diese leitet es über die Slowakei und Tschechien nach Österreich und Deutschland und von dort weiter in andere westeuropäische Länder. So bildet Sojus zusammen mit angeschlossenen Leitungen einen wichtigen Teil eines größeren europäischen Gastransportsystems.