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Siegessäule (Berlin)

Für das Düppel-Denkmal und Arnkiel-Denkmal. Seit Oktober 2011 sind an den vier Torhäusern zweisprachige Infotafeln zur Geschichte des Denkmals aufgestellt. …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau
  2. 2. Viktoria und Bildprogramm
  3. 3. Entstehung und Versetzung
  4. 4. Erhalt, Rückgabe und heutige Nutzung
  5. 5. Einordnung in Kultur und Erinnerungslandschaft

Bedeutung und Aufbau

Die Siegessäule ist ein 67 m hohes Nationaldenkmal auf dem Großen Stern im Großen Tiergarten in Berlin. Sie zählt zu den bedeutendsten Nationaldenkmälern Deutschlands, zu den wichtigsten Berliner Sehenswürdigkeiten und zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Heinrich Strack errichtete sie 1864–1873 zunächst auf dem Königsplatz zur Erinnerung an die deutschen Einigungskriege. 1938–1939 wurde sie an ihren heutigen Standort versetzt. Die vergoldete Figur auf ihrer Spitze heißt Viktoria und wird im Berliner Volksmund „Goldelse“ genannt.

Die Säule steht in der Mitte des kreisförmigen Platzes. Fußgänger erreichen sie von Westen und Osten durch T-förmige Tunnel unter der Fahrbahn; nördlich und südlich der Straße des 17. Juni stehen dazu vier neoklassizistische Torhäuser von Johannes Huntemüller. Die Grünfläche liegt 34 m ü. NHN.

Der Bau besteht aus einem mit poliertem rotem Granit verkleideten Sockel und vier nach oben schmaler werdenden Säulentrommeln aus Obernkirchener Sandstein. Die drei unteren Trommeln tragen in ihren Kannelierungen, also senkrechten Rillen, 60 erbeutete und vergoldete Kanonenrohre aus den Einigungskriegen. Die oberste Trommel erhielt bei der Versetzung vergoldete Lorbeer-Festons, also Girlanden. In der runden Säulenhalle befindet sich ein Glasmosaik, das nach einem Karton von Anton von Werner 1876 von der venezianischen Firma Antonio Salviati hergestellt wurde. Es zeigt auf Wunsch Kaiser Wilhelms I. die deutsche Reichsgründung als Folge des Sieges über Frankreich.

Im Sockel gibt es ein kleines Museum zur Geschichte des Bauwerks. Eine Wendeltreppe mit 285 Stufen führt zur 50,66 m hoch gelegenen Aussichtsplattform. Von dort sind unter anderem Großer Tiergarten, Potsdamer Platz, Brandenburger Tor und das Stadtgebiet zu sehen.

Viktoria und Bildprogramm

Auf der Säule steht die 8,32 m hohe und 35 Tonnen schwere, vergoldete Bronzefigur der Viktoria. Friedrich Drake schuf sie, Hermann Gladenbeck goss sie in Berlin. Viktoria hält rechts einen Lorbeerkranz und links ein Feldzeichen mit Eisernem Kreuz; auf ihrem Helm sitzt ein Adler. In der römischen Mythologie ist Viktoria die Siegesgöttin, ihr griechisches Gegenstück ist Nike. Beide werden geflügelt dargestellt. Der Adlerhelm lässt die Figur zugleich als Borussia, die Personifikation Preußens, erscheinen.

Drake gestaltete sie nach den Zügen von Victoria von Großbritannien und Irland, die damals Kronprinzessin in Preußen war. Am Königsplatz blickte sie nach Süden zur Siegesallee; seit 1939 blickt sie nach Westen zum Ernst-Reuter-Platz. Der Name „Goldelse“ bezieht sich auf ihre Vergoldung und auf den Roman Goldelse von E. Marlitt, der 1866 in Die Gartenlaube als Fortsetzungsgeschichte erschien.

Vier bronzene Reliefs am Sockel behandeln wichtige Ereignisse: die Schlacht von Düppel im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, die Schlacht bei Königgrätz im Deutsch-Deutschen Krieg 1866, die Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870 sowie den Einzug verbündeter Truppen in Berlin 1871. Sie stammen von Alexander Calandrelli, Moritz Schulz, Karl Keil und Albert Wolff. Über dem Berliner Einzugsrelief stand ursprünglich die Widmung „Das dankbare Vaterland dem siegreichen Heere“; sichtbar sind heute nur noch Befestigungsspuren. Nach der Versetzung änderte sich die Anordnung der Reliefs. Das Düppel-Relief liegt nun im Westen, Königgrätz im Süden beim Zugang, der Einzug in Berlin im Norden und Sedan im Osten.

Entstehung und Versetzung

König Wilhelm I. regte 1864 nach dem Deutsch-Dänischen Krieg Denkmäler auf Schlachtfeldern und in Berlin an und beauftragte den Hofbaurat Heinrich Strack. 1867 wurden dafür 330.000 Taler bewilligt. Nach den Kosten für das Düppel-Denkmal und das Arnkiel-Denkmal blieben für die Siegessäule 258.000 Taler. Die späteren Siege im Deutschen Krieg gegen Österreich 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871 wurden ebenfalls in das Denkmalprogramm aufgenommen: Die drei ursprünglichen Säulensegmente und Viktoria sollten an diese Kriege erinnern.

Nach neun Jahren Bauzeit war das Bauwerk 1873 vollendet. Es gehört stilistisch zur Neorenaissance und wurde am 2. September 1873, dem dritten Jahrestag der Schlacht von Sedan, zum Sedantag eingeweiht. Am Königsplatz entstand zuvor eine 750 m lange Sichtachse durch den Tiergarten zum Kemperplatz. Diese Allee wurde ab 1895 zur Siegesallee ausgebaut.

Für die nationalsozialistische Umgestaltung Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ ließ Albert Speer die Säule 1938–1939 durch Philipp Holzmann auf den Großen Stern versetzen. Der Platzdurchmesser wurde von 80 auf 200 m vergrößert. Der Sockel wurde 6,5 m breiter; eine vierte Trommel erhöhte die Säule um 6,5 m, und das Anheben der Säulenhalle brachte rund einen weiteren Meter. Damit wuchs sie von 60,5 m auf rund 67 m. Außerdem wurde der Eingang von der Nord- auf die Südseite verlegt. Gleichzeitig versetzte man die Denkmäler für Otto von Bismarck, Albrecht von Roon und Helmuth von Moltke an den nördlichen Platzrand sowie Gruppen der Siegesallee in die Große Sternallee.

Erhalt, Rückgabe und heutige Nutzung

Die Siegessäule überstand die Luftangriffe und die Schlacht um Berlin im Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt. Am 2. Mai 1945 hissten polnische Soldaten dort die polnische Fahne. Nach der alliierten Kontrollratsdirektive Nr. 30 von Mai 1946 war für die Beseitigung militaristischer Denkmäler der Stichtag 1. August 1914 maßgeblich. Zwar beschloss der SED-dominierte Magistrat Werner zunächst den Abriss, doch er wurde verzögert. Einen Abrissantrag der französischen Besatzungsmacht vom 26. November 1946 lehnten Briten und Amerikaner ab; die sowjetischen Vertreter enthielten sich.

1945 wurden die Reliefs auf Verlangen der französischen Besatzungsmacht entfernt. Drei galten zunächst als verschollen, wurden aber im Hof des Musée de l’Armée in Paris gefunden. Präsident François Mitterrand gab sie im Mai 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins zurück. Danach wurden alle vier restauriert und noch 1987 wieder angebracht. Die Reliefs an der Süd- und Westseite sind nur fragmentarisch erhalten.

Am 15. Januar 1991 verübten die Revolutionären Zellen einen Sprengstoffanschlag. Die Teil-Explosion eines mindestens zwei Kilogramm schweren Sprengsatzes an der Aussichtsplattform beschädigte nur eine Stütze der Viktoria; die Plattform blieb zehn Monate geschlossen. Von März 2010 bis Mai 2011 erfolgte eine umfassende Sanierung. Viktoria erhielt dabei 1,2 kg Blattgold. Auch Tunnel, Torhäuser, Reliefs, Mosaik, Kanonenrohre, Treppe und Sandsteinsäule wurden saniert. Seit dem 21. Mai 2011 ist die Plattform wieder kostenpflichtig und nur über Stufen erreichbar. Beleuchtung, Informationstafeln und eine interaktive Lichtinstallation ergänzen die Anlage.

Einordnung in Kultur und Erinnerungslandschaft

Seit 2008 gehört die Siegessäule zur Straße der Monumente. Dieses vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig initiierte Netzwerk verbindet bedeutende deutsche Denkmale und Erinnerungsorte, damit sie als frühere Brennpunkte der Vergangenheit gemeinsam stärker erfahrbar werden.

Die Säule war außerdem Ort großer Veranstaltungen, darunter Loveparade, Christopher Street Day, Demonstrationen und politische Kundgebungen. Am 24. Juli 2008 sprach der damalige US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama dort vor über 200.000 Zuhörern. Im Film Der Himmel über Berlin von Wim Wenders aus dem Jahr 1987 ist eine nachgebaute Siegessäule ein Handlungsort. Uwe Timms Roman Rot erzählt von einem versuchten Sprengstoffanschlag und greift dabei Details ihrer Baugeschichte auf.

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