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Sesamstraße
Sesamstraße ist eine der erfolgreichsten Fernsehserien für Kinder im Vorschulalter. Die halbstündigen Folgen setzen sich aus sechs bis zehn kleineren, …
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Konzept und Bedeutung
Die Sesamstraße (Originaltitel: Sesame Street) ist eine der erfolgreichsten Fernsehserien für Kinder im Vorschulalter. Sie wurde von Joan Ganz Cooney und Lloyd Morrisett entwickelt, wird von Sesame Workshop in New York City produziert und verbindet Unterhaltung mit Bildung. Die US-Premiere war am 10. November 1969 bei National Education Television, dem heutigen Public Broadcasting Service; die deutschsprachige Erstausstrahlung folgte am 8. Januar 1973 im Deutschen Fernsehen.
Eine Folge dauert meist 25 bis 30 Minuten und besteht aus sechs bis zehn kürzeren, überwiegend thematisch unabhängigen Beiträgen. Eine zusammenhängende Rahmenhandlung wird dabei durch Puppendialoge, Sketche, Trickfilme, Kinderlieder und Realfilme unterbrochen. Diese Beiträge erklären etwa Formen, Buchstaben, Zahlen oder einfache Alltagssituationen und zeigen zum Beispiel die Herstellung eines Produkts. Typisch sind leicht merkbare Gegensätze und Bewegungen wie „Ein Kreis ist rund“ oder „jetzt bin ich hier, jetzt bin ich dort“.
Zum Grundkonzept gehört die Mischung aus Puppen und menschlichen Schauspielern. Die Figuren vermitteln Inhalte nicht nur durch Erklärungen, sondern auch durch unterschiedliche Charaktere, Konflikte, Missverständnisse und Humor.
Entstehung und deutsche Fassungen
Die amerikanische Rahmenhandlung spielt in einer fiktiven Großstadt-Wohnstraße. Dort leben Menschen und Puppen zusammen; ein Lebensmittelgeschäft führt Mr. Hooper, in der deutschen Synchronisation Herr Huber. Zu den frühen bekannten Figuren gehören Bibo (Big Bird), Oscar, Kermit, Ernie und Bert, Grobi und das Krümelmonster. Produziert wurde zunächst in Manhattan, seit 1993 in den Kaufman Astoria Studios in Queens, New York City.
1971 zeigte NDR und WDR zunächst fünf 60-minütige Originalfolgen als Testprogramm in englischer Sprache. Nach positiver Resonanz erhielt der NDR die Rechte für die deutsche Bearbeitung. Von 1973 bis Ende 1975 liefen 250 nachbearbeitete und synchronisierte US-Folgen. Die Sendung war damals ungewöhnlich häufig zu sehen: montags bis donnerstags etwa um 9.30 Uhr sowie abends um 18:00 oder 18:30 Uhr. Der Bayerische Rundfunk lehnte die Reihe zunächst ab, weil er die dargestellte soziale Situation nicht für passend für Deutschland hielt.
Ab 1976 wurde die amerikanische Rahmenhandlung ersetzt, unter anderem weil Oscars Figur bei Eltern starke Proteste auslöste. Zunächst standen der Junge Bumfidel und seine Mutter im Mittelpunkt. Am 2. Januar 1978 begann eine deutsche Rahmenhandlung aus dem Studio Hamburg: Die Kulisse war vor allem ein offenes Haus mit Küche. Menschen und die neu geschaffenen Puppen Samson und Tiffy bildeten den Kern. Ein besonderes Gestaltungsmittel war der sichtbare Blick hinter die Fernsehproduktion: Figuren konnten etwa die Regie bitten, per Trick Wasser einzublenden.
Nach dem Tod des Samson-Darstellers Herbert Langemann 1987 und einem Großbrand 1988, bei dem Kostüme, Requisiten und Kulissenteile zerstört wurden, wurde das Konzept deutlich erneuert. Neue Kulissen zeigten Vorgarten, Wald und Höhle; außerdem kamen unter anderem ein Uhu und Rumpel hinzu. In den 2000er Jahren wirkten immer wieder bekannte Schauspieler und Prominente mit. Insgesamt wurden über 2000 Folgen gesendet. Seit 2012 gibt es nach vierjähriger Pause ein vollständig erneuertes Konzept mit Elmo im Zentrum; außerdem treten Finchen, Pferd, Wolle, Ernie, Bert, Krümelmonster und Grobi auf. Der Ableger Eine Möhre für zwei wird seit 2010 mit Pferd und Wolle als Hauptfiguren ausgestrahlt.
Wichtige US-Figuren und Lernformen
Bibo ist ein gelber, 8 Fuß und 2 Zoll (249 cm) großer Vogel und heißt im Original Big Bird. Oscar the Grouch, auf Deutsch Oscar der Griesgram, lebt in einer Mülltonne und verbreitet meist schlechte Laune. Seine umgekehrte Sicht auf schön und hässlich oder angenehm und unangenehm soll zeigen, dass Menschen Dinge und Gefühle verschieden wahrnehmen können.
Ernie und Bert gehören seit Beginn zur Sendung. Ernie ist kindlich, unbefangen und bringt Bert mit lauten oder überraschenden Ideen oft durcheinander; bekannt sind sein Quietscheentchen und sein Kichern. Bert wirkt streng, ordentlich und erwachsen, sammelt etwa Kronkorken und Büroklammern und interessiert sich für Tauben und Polka. Gerade der Gegensatz beider Charaktere bildet häufig den Ausgangspunkt einer Handlung. Kinder können daran lernen, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen.
Graf Zahl erklärt das Zählen. Er zählt Gegenstände in seinem Schloss; bei der Zielzahl lacht er, während es blitzt und donnert. Sein englischer Name Count von Count enthält ein Wortspiel, weil count sowohl „zählen“ als auch „Graf“ bedeutet. Grobi ist ein blaues, schusseliges Monster, das etwa als Kellner oder als Supergrobi auftritt. In Supergrobi 2.0 stehen seit 2010 in den USA und seit Januar 2013 in Deutschland „Wissenschaft, Technologie, Technik und Mathematik“ im Mittelpunkt.
Kermit der Frosch moderiert unter anderem die Sesamstraßen-Nachrichten und erklärt Formen und Farben. Dabei werden Märchen und Kinderlieder humorvoll verändert; ein bekanntes Beispiel ist die Was-passiert-dann-Maschine. Das Krümelmonster liebt Kekse, ist ständig hungrig und isst gelegentlich sogar Gegenstände aus dem Bühnenbild. Es wirkt im Hunger rabiat, ist aber gutmütig. Weitere wiederkehrende Rollen zeigen etwa Zaubertricks, Quizsendungen oder Verkaufsversuche und vermitteln dadurch Begriffe, Zahlen, Buchstaben und Alltagszusammenhänge.
Auch menschliche Rollen waren von Anfang an wichtig: Bob ist Musiklehrer, Gordon Lehrer, Herr Huber Ladenbesitzer und Susanne Krankenschwester sowie Gordons Frau. Die Figur Julia ist ein vierjähriges autistisches Mädchen und trat in den USA erstmals am 10. April 2017 in „Meet Julia“ auf.
Deutsche Figuren und internationale Ausgaben
Samson ist ein großer brauner Bär und der naive Partner der altklugen Tiffy. Als Großfigur wird er mit einem frei schwingenden Körper und einem Monitor im Inneren gespielt, über den sich der Puppenspieler orientiert. Samson mag Würstchen, gebrannte Mandeln und sein Schnuffeltuch. Sein Vetter Simson trat erstmals 1986 auf und zuletzt 1998.
Tiffy war von 1978 bis 2005 eine weibliche Hauptfigur, eine rosa, vogelartige Klappmaulpuppe. Zu ihren Hobbys gehörte das Reparieren von Weckern. Nach dem Brand von 1988 musste sie neu gebaut werden und sah danach stärker wie ein Monsterkind aus. 2005 wurde sie durch Moni, eine alleinerziehende Mutter, und deren Tochter Lena ersetzt.
Herr von Bödefeld war ein eitler, affektierter Negativcharakter, der darauf bestand, gesiezt und mit „von“ angesprochen zu werden. Er schied 1988 aus, weil die Lizenz für seine Puppe nicht verlängert wurde. Ab 1989 trat an seiner Stelle Rumpel auf: ein grüner Griesgram, der in einem Regenfass lebt und 2009 seinen letzten Auftritt hatte. Finchen ist eine Schnecke, die 1979 eingeführt wurde; seit der Übernahme durch Uta Delbridge 1992 ist Finchen weiblich. Spätere deutsche Figuren sind unter anderem Pferd, das Reporterschaf Wolle und Elin, ein seit 2023 auftretendes siebenjähriges, technikaffines Mädchen im Rollstuhl.
Internationale Fassungen passen Figuren an unterschiedliche Lebenswelten an. In der niederländischen Sesamstraat spielt der blaue Vogel Pino seit 1976 eine tragende Rolle. Die südafrikanische Ausgabe Takalani Sesame hat seit 2002 die HIV-positive Figur Kami; mit ihr soll Diskriminierung von AIDS-Erkrankten bekämpft werden.
Musik, Anerkennung und weitere Aspekte
Das deutsche Titellied heißt „Der, die, das (wer, wie, was – wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm!)“. Die Musik schrieb Ingfried Hoffmann, den Text Volker Ludwig. Die erste Fassung sang der Hamburger Kinderchor Vineta unter Dietrich Czirniok; seit Oktober 2012 interpretiert Lena Meyer-Landrut das Lied. Zu bekannten Liedern und Musikbeiträgen gehören „Quietscheentchen“ mit Ernie, „Ich mag Müll“ mit Oscar, „Es ist nicht einfach, so allein“ von Kermit sowie Bearbeitungen von „Yellow Submarine“ und „Octopus’s Garden“ der Beatles.
Die Sendung erhielt 1970 den Prix Jeunesse International in der Kategorie „up to 7 years“. 2009 verlieh die US-Fernsehakademie ihr einen Emmy; mit über 100 Emmys, überwiegend Daytime Emmy Awards, zählt sie zu den am häufigsten ausgezeichneten Programmen. 2019 erhielt sie als bislang einzige Fernsehsendung den Kennedy-Preis. Im selben Jahr wurde ein Teil der West 63rd Street am Südwestende des Central Parks in Sesame Street umbenannt.
Die Figur Elmo wurde auch wirtschaftlich besonders erfolgreich: Mattels Tickle Me Elmo war 1996 eines der meistverkauften Spielzeuge auf dem US-Markt. Am 2. März 2020 veröffentlichte die Deutsche Post ein nassklebendes 80-Eurocent-Postwertzeichen sowie ein Set mit zehn selbstklebenden Briefmarken mit Figuren der Sesamstraße.
Die sexuelle Ausrichtung von Ernie und Bert wird unterschiedlich gedeutet. Manche betrachten sie wegen ihres Zusammenlebens als schwules Paar; die Macher und das Produktionsunternehmen weisen jedoch eine Festlegung auf eine sexuelle Orientierung zurück. Autor Mark Saltzman dementierte später, ein entsprechendes Interview sei missverständlich verstanden worden.