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Schulsystem im Vereinigten Königreich
Das Schulsystem im Vereinigten Königreich besteht seit der Devolution 1998 aus vier verschiedenen Untersystemen. So findet man in Schottland, Wales, …
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Aufbau und Grundmerkmale
Seit der Devolution von 1998 besteht das Schulsystem im Vereinigten Königreich aus vier eigenständigen Untersystemen: England, Schottland, Wales und Nordirland. Sie sind ähnlich aufgebaut, werden aber in Inhalten und Strukturen von regionalen Behörden bestimmt. Zuständig sind unter anderem das Scottish Executive Education Department (SEED) für Schottland, das Department of Education (DENI) für Nordirland, das Department for Education and Skills (DfES) für Wales und das zentrale Londoner Bildungsministerium für England.
Die meisten Schülerinnen und Schüler besuchen nach der Primary School eine Comprehensive School, die ungefähr der deutschen Gesamtschule entspricht. Daneben gibt es Grammar Schools, Independent beziehungsweise Public Schools, Academy Schools, City Technology Colleges, special schools für besondere Förderbedarfe sowie Pupils Referral Units für Schülerinnen und Schüler mit gesundheitlichen oder Verhaltensbesonderheiten. Private, schulgeldpflichtige Schulen besuchen etwa 7 % der Schülerinnen und Schüler; in Schottland liegt der Anteil laut Artikel bei 4 %.
Bis zur Hochschulreife umfasst der Bildungsweg 14 Schuljahre. Er beginnt im Alter von vier Jahren mit der Reception-Klasse; die Schulpflicht setzt am fünften Geburtstag ein. Das Schuljahr ist in drei Terms gegliedert. Typische Ferienabschnitte sind Autumn Half Term, Christmas Holidays, Spring Half Term, Easter Holidays, Summer Half Term und anschließend etwa sechs Wochen Summer Holidays. Private Schulen haben meist längere Ferien.
Eine Klassenstufe zu wiederholen ist im Vereinigten Königreich nicht möglich. Kurse werden mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bewertet. Ein nicht bestandener Kurs kann dazu führen, dass im folgenden Jahr ein darauf aufbauender Kurs nicht belegt werden darf. Etwa 160.000 Kinder erhalten laut BBC Hausunterricht.
Bei PISA schnitt das Vereinigte Königreich im Primarbereich relativ gut, im Sekundarbereich jedoch unter dem OECD-Durchschnitt ab. Mehr als 40 % eines Jahrgangs beginnen inzwischen ein Studium, in Schottland noch mehr. Universitäten besitzen ein Auswahlrecht bei der Aufnahme. Die Bertelsmann Stiftung kritisiert, dass berufliche Qualifikationen lange als weniger wertvoll als allgemeinbildende Qualifikationen angesehen worden seien. Seit 2015 besteht für 16- und 17-Jährige eine Unterrichtspflicht, die in England auch durch den Besuch eines Further Education College erfüllt werden kann.
Bildungsweg und Schularten in England
Der Bildungsweg ist in Key Stages gegliedert:
- Key Stage 1: Primary beziehungsweise Infant School für die Altersgruppen 4–7, also Reception, Year 1 und Year 2.
- Key Stage 2: Primary beziehungsweise Junior School für 7–11-Jährige, Year 3 bis Year 6.
- Key Stages 3 und 4: Secondary, High oder Comprehensive School für 11–16-Jährige, Year 7 bis zu den GCSE-Prüfungen in Year 11.
- Key Stage 5: Sixth Form oder Further Education College für 16–18-Jährige, Year 12 bis zu A-Level-Prüfungen oder einer BTEC-Qualifikation in Year 13.
Auf bestimmten Altersstufen werden vier offizielle Key Stage National Curriculum Tests abgelegt. Die vierte Stufe führt zum General Certificate of Secondary Education (GCSE). Die Noten reichen von A* als bester Note bis G; U bedeutet „unbewertbar“. Am Ende der neunten Klasse wählen die Schülerinnen und Schüler, in welchen Fächern sie am Ende der elften Klasse im Alter von etwa 16 Jahren GCSE-Prüfungen ablegen. Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften sind Pflichtfächer. Die Prüfungen finden in acht bis elf Fächern statt und entsprechen ungefähr dem deutschen Realschulabschluss beziehungsweise der Mittleren Reife.
Nach dem GCSE kann eine Berufsausbildung begonnen, eine freiwillige weiterführende Schule besucht oder die Comprehensive School zwei Jahre weiter besucht werden. In der Sixth Form legen Schülerinnen und Schüler im Alter von 16–18 Jahren A-Levels in drei bis fünf selbst gewählten Fächern ab. Ein A-Level besteht aus sieben Modulen: vier AS-Module nach dem ersten Jahr und drei A2-Module am Ende der Sixth Form. Bei Nichtbestehen ist eine Wiederholung möglich. Der erfolgreiche Abschluss führt zum GCE und entspricht ungefähr der allgemeinen Hochschulreife. Sixth Forms sind häufig Teil einer Secondary School; in England besucht etwa ein Drittel eines Jahrgangs diese Stufe. Colleges bieten ebenfalls A-Levels sowie den schulischen Teil einer beruflichen Ausbildung an.
City Technology Colleges wurden in den 1980er Jahren von der Zentralregierung ohne Kontrolle der lokalen Gemeinde eingerichtet; nur wenige bestehen noch.
Staatliche, konfessionelle und unabhängige Schulen
In England bestehen seit 1998 mehrere Arten staatsfinanzierter Schulen. Academy Schools wurden zunächst von der Labour-Regierung als Ersatz für Community Schools mit schlechtem Ruf in benachteiligten Wohngebieten eingeführt. Sie sind als Stiftungsschulen nicht der lokalen Schulkontrolle und nicht vollständig dem National Curriculum unterworfen; sie müssen nicht alle Fächer anbieten. Die Regierung ab 2010 weitete das Academy Programme aus. Der Anteil der Academies lag 2016 bei 68 % der Sekundarschulen und wird im Artikel außerdem als etwa drei Viertel aller Sekundarschulen angegeben. Diese Entwicklung wird als „Akademisierung“ bezeichnet.
Community schools werden von den lokalen Behörden organisiert. Diese beschäftigen das Personal, finanzieren die Gebäude und kontrollieren die Zulassung; die Schulen müssen dem National Curriculum folgen. Free schools wurden im Herbst 2011 eingeführt. Eltern, Lehrkräfte, Wohlfahrtsorganisationen oder Geschäftsleute können sie gründen. Sie werden aus Steuermitteln finanziert, legen Löhne und Schulzeiten selbst fest und sind nicht an das National Curriculum gebunden. Bei Foundation schools übernimmt eine Stiftung unter anderem die Beschäftigung des Personals und die Zulassung.
Voluntary Aided schools können konfessionell oder nichtkonfessionell sein. Von den konfessionellen Schulen gehören etwa zwei Drittel zur Church of England und ein Drittel zur römisch-katholischen Kirche. Voluntary Controlled schools unterstellen sich freiwillig der lokalen Behörde, die Personal bezahlt und die Zulassung kontrolliert. University technical colleges (UTCs) bestehen seit 2010 und werden von einer Sponsorenuniversität oder der lokalen Wirtschaft getragen. Der Artikel spricht zunächst von sechs Haupttypen staatsfinanzierter Schulen, führt anschließend aber zusätzlich UTCs auf.
Staatliche konfessionelle Schulen in Schottland sind meist römisch-katholisch; es gibt über 360. Public beziehungsweise Independent Schools verlangen Schulgebühren und sind nicht an das National Curriculum gebunden, müssen aber dieselben Prüfungen wie staatliche Schulen abnehmen.
Schottisches Schulsystem und weitere Bildung
Das schottische Schuljahr beginnt im August und endet Ende Juni. Seit 2012 gilt das Curriculum for Excellence, das nicht mehr dem britischen National Curriculum folgt. Die kostenlose Pre-school Education besuchen Drei- und Vierjährige. Sie wird von lokalen Behörden gemeinsam mit Freiwilligen und Privatpersonen organisiert. Vorgesehen sind fünf Schultage pro Woche mit jeweils zweieinhalb Stunden; die genaue Dauer kann sich je nach lokaler Behörde unterscheiden.
Die Primary Schools umfassen die Altersgruppe von fünf bis zwölf Jahren. Die Klassen heißen Primary 1 (P1) bis Primary 7. Schottland besitzt ein Gesamtschulsystem. Die Secondary School beginnt mit S1 und reicht bis S6. Der Unterricht dauert gewöhnlich von 09:00 bis 15:30 Uhr; Schulstunden dauern 50 oder 55 Minuten. Viele Schulen verlangen Uniformen. In den ersten Jahren gehören Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften zu den verpflichtenden Fächern. Weitere Fächer sind unter anderem moderne Fremdsprachen, Geschichte, Geografie, Gemeinschaftskunde, Wirtschaft, Religion, technische Bildung, Informationstechnik, Sport, Hauswirtschaft, Kunst, Musik, Drama und Medien. Ab dem dritten und vierten Jahr gibt es mehr Wahlmöglichkeiten.
Nach elf Schuljahren kann die Schule mit dem im Artikel genannten General Certificate of Secondary Education (GCSE) verlassen und eine Ausbildung begonnen werden. Alternativ können Schülerinnen und Schüler zwei weitere Jahre bleiben und das General Certification of Advanced Education (GCE A-Level) erwerben, das den Hochschulzugang ermöglicht.
In rund 60 Primary Schools wird Gälisch zusammen mit Englisch verwendet. Arbeitsaufträge und andere Fächer werden dort auf Gälisch unterrichtet; zugleich ist Gälisch ein eigenes Fach. Diese Gaelic Medium Schools gibt es vor allem in den Highlands, aber auch im Central Belt und in den Midlands. Der Unterricht wird in anschließenden Secondary Schools fortgeführt.
Wer keine Universität besucht, kann eine von über 66 weiterführenden Bildungseinrichtungen besuchen und Scottish Vocational Qualifications erwerben. Dazu gehören landwirtschaftliche Colleges, Hochschulen, Kunst- und Handelsschulen sowie wissenschaftlich ausgerichtete Einrichtungen. Dort sind über 80.000 Studierende eingeschrieben. Außerdem gibt es sieben Lehrerseminare mit ungefähr 3.000 Studierenden und 19 Universitäten mit 90.000 Studierenden; vier dieser Universitäten entstanden 1992 aus ehemaligen polytechnischen Hochschulen.
Historische Entwicklung
Die älteste bis heute bestehende Schule der Welt ist laut Artikel die King’s School in Canterbury. Dort entstand 597/598 eine erste Lateinschule; 598 errichtete Augustinus von Canterbury eine Bischofskirche mit Domschule für Lateinunterricht und Chorausbildung. Weitere frühe Schulen entstanden 604 bei der Rochester Cathedral sowie 634 in York und 635 auf Lindisfarne.
Im Mittelalter war Bildung kirchlich und lateinisch geprägt. Ab dem 12. Jahrhundert entstanden die katholischen Universitäten Oxford und Cambridge, zunächst vor allem zur Priesterausbildung und für adelige Söhne. König Eduard VI. ließ freie Grammar Schools einrichten. Die breite Bevölkerung besuchte, wenn überhaupt, einfache Pfarrgemeindeschulen, während berufliche Bildung überwiegend in handwerklichen und kaufmännischen Lehren stattfand. Im Zuge der Industrialisierung gründete Robert Raikes Sonntagsschulen.
Nach dem Act of Uniformity von 1662 gründeten Dissenters eigene Akademien; das Bristol Baptist College wurde 1679 offiziell gegründet. Die Toleranzakte von 1689 legalisierte diese Einrichtungen. Im 17. Jahrhundert wurden Internate wie Winchester College, Eton College und Rugby School für Söhne adeliger und wohlhabender Familien bedeutend. Daraus entwickelte sich ein bis heute bestehender Gegensatz zwischen staatlichen Schulen und elitären Public Schools; im Artikel werden etwa 250 Public Schools und ungefähr 68.000 Schüler im Jahr 2014 genannt.
Um 1800 waren in England und Wales etwa 40 % der Männer und 60 % der Frauen Analphabeten. Bis 1870 sanken die Werte auf 20 % beziehungsweise 25 %, bis 1900 auf insgesamt 3 % der Bevölkerung. Der Forster Act von 1870 verpflichtete Gemeinden, über Local School Boards Elementarschulen für Kinder von fünf bis zehn Jahren einzurichten; Schulgeld wurde dort noch bis 1891 erhoben. 1899 übernahm ein zentrales Board of Education die Aufsicht, das 1944 zum Ministry of Education aufgewertet wurde. Der Education Act von 1902 ersetzte die vielen Local Boards durch etwa 350 Local Education Authorities.
Der Fisher Education Act von 1918 machte Sekundarbildung bis zum 14. Lebensjahr verpflichtend. Der Butler Education Act von 1944 führte ein dreigliedriges Schulsystem mit Aufnahmeprüfung, dem Eleven plus, für Grammar Schools ein. Die vorgesehenen Technical Schools entwickelten sich kaum. Ab 1964 führte die Labour-Regierung nahezu vollständig Comprehensive Schools in der Sekundarstufe ein.
Der Education Reform Act von 1988 führte unter Premierminister Thatcher ein einheitliches National Curriculum und eine stärkere zentrale Steuerung ein. 1992 entstand Ofsted, das Prüfungen und Standardtests kontrolliert. 1993 wurden Specialist Schools wie die BRIT School eingeführt, die sich auf bestimmte Bereiche konzentrieren und teilweise Schülerinnen und Schüler auswählen durften. Seit 1997 verbreiteten sich in England Academies mit größeren Freiheiten beim Curriculum. Spätere Reformen stärkten Academies und Free Schools, ermöglichten Quereinstiege für Lehrkräfte und führten schließlich wieder stärker berufsfachliche Qualifikationen wie die T(echnology)-Levels ein. Schottland und Wales hielten dagegen an der allgemeinbildenden Gesamtschule fest.
In Schottland begann die Schulgeschichte mit der Christianisierung ab 563. Die Universitäten von St. Andrews, Glasgow und Aberdeen wurden 1413, 1451 und 1495 gegründet. Das First Book of Discipline von 1560 plante ein dreistufiges System aus Elementarschule, High School und Universität. Ein Parlamentsakt von 1616 verlangte für jede schottische Pfarrei eine Schule und sollte zugleich den Gebrauch des Gälischen zurückdrängen. Mit der Devolution unter Tony Blair ab 1997 wurde die Bildungsaufgabe stärker auf die vier Regionen verteilt; seitdem gibt es kein einheitliches britisches Schulsystem mehr.