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Satornilus
Satornilus lehrte demnach, die Welt sei von sieben Engeln geschaffen worden. ... Im Tod kehre dieser Lebensfunken wieder zu seinem himmlischen Ursprung zurück, …
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Einordnung und Quellenlage
Satornilus, auch Satorneilos, Satornil oder in lateinischen Quellen Saturninus genannt, war ein Gnostiker des frühen 2. Jahrhunderts. Er wirkte in Antiochia am Orontes und gilt als einer der ältesten christlichen Gnostiker, von denen mehr als nur der Name bekannt ist.
Von seinen eigenen Schriften ist nichts erhalten. Alles, was über ihn bekannt ist, stammt aus der Häresiographie Adversus haereses des Irenäus von Lyon, die etwa 180 fertiggestellt wurde. Eine Häresiographie ist eine Schrift, die Lehren beschreibt, die aus Sicht ihres Autors als Irrlehren gelten. Deshalb beruht das Wissen über Satornilus auf einer gegnerischen Quelle.
Schöpfungslehre
Nach der Darstellung des Irenäus lehrte Satornilus, die Welt sei von sieben Engeln geschaffen worden. Zu diesen Engeln zählte er auch den Gott der Juden. Die Engel seien selbst Geschöpfe des „obersten Vaters“, über den man aber nichts sagen könne.
Ein zentrales Element seiner Lehre betrifft die Entstehung des Menschen: Ein Bild des Lichts der „höchsten Macht“ sei kurz in der Welt aufgeblitzt und habe sich sofort wieder in den Himmel zurückgezogen. Daraufhin hätten die Engel beschlossen, den Menschen nach diesem Bild aus Ton zu formen. Diese Vorstellung gehört zur Gottebenbildlichkeit, also dazu, dass der Mensch nach einem göttlichen Bild gestaltet ist.
Der Mensch sei zunächst nur wie ein Wurm herumgekrochen. Erst die „höchste Macht“ habe ihm den „Lebensfunken“ geschenkt. Dieser göttliche Lebensfunke kehre beim Tod zu seinem himmlischen Ursprung zurück, während der Körper verwese. Dieses zentrale Motiv der Gnosis scheint von Satornilus erfunden worden zu sein. Ähnliche Schöpfungsmythen finden sich auch bei anderen Gnostikern, etwa im Apokryphon des Johannes, einer der 1945 gefundenen Nag-Hammadi-Schriften.
Erlösung und Christusbild
Die Erlösung erfolgt bei Satornilus durch den Heiland. Er vertrat dabei einen Doketismus: Das bedeutet, dass Jesus Christus nur zum Schein Mensch geworden sei. Christus sei in die Welt geschickt worden, um die Macht des jüdischen Gottes zu brechen und diejenigen zu retten, die den göttlichen Lichtfunken in sich tragen.
Aus dieser Lehre kann man schließen, dass die Engel nach Satornilus anscheinend auch Menschen ohne diesen göttlichen Funken erschaffen hatten. Diese Menschen seien böse und würden von Dämonen unterstützt. Der Heiland werde sie vernichten.
Lebensweise und Bewertung
Satornilus verlangte von seinen Anhängern strenge Askese. Askese bedeutet eine Lebensweise mit bewusstem Verzicht. Ehe, das Zeugen von Kindern und Fleischgenuss waren verboten, weil sie als angebliche „Anstiftungen Satans“ galten.
Ungeklärt ist, inwieweit Satornilus von den Lehren des Gnostikers Simon Magus beeinflusst war. Die Philosophin Simone Pétrement ordnet seine Lehre in den Antijudaismus beziehungsweise Antinomismus ein. Antijudaismus meint Gegnerschaft gegen das Judentum; Antinomismus bezeichnet hier die Gegnerschaft gegen das jüdische Gesetz. Für Pétrement sind die Lehren des Satornilus ein Hinweis darauf, dass sich die Gnosis schrittweise aus dem frühen Christentum heraus entwickelt habe.