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Sakralsprache

Liturgiesprachen im Christentum · Verhältnis von Latein und Landessprache in der römisch-katholischen Kirche · Weitere christliche Liturgiesprachen.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Latein in der katholischen Kirche
  3. 3. Christliche Liturgiesprachen
  4. 4. Sakralsprachen anderer Religionen

Begriff und Bedeutung

Sakralsprachen oder Liturgiesprachen sind Sprachen, die im Gottesdienst oder in religiösen Handlungen verschiedener Religionen verwendet werden. Sie sind eng mit der Liturgie verbunden, also mit den geordneten Formen des Gottesdienstes. Für eine Glaubensgemeinschaft haben sie oft eine wichtige historische Rolle, weil sie religiöse Texte, Gebete und Riten über lange Zeit bewahren.

Typisch ist, dass sich eine Sakral- oder Liturgiesprache allmählich von der Alltagssprache entfernt. In vielen Fällen wird sie außerhalb der religiösen Tradition kaum oder gar nicht mehr gesprochen. Eine weit verbreitete Liturgiesprache ist Latein in der römisch-katholischen Kirche. Der Artikel weist außerdem darauf hin, dass er nur unzureichend mit Belegen ausgestattet ist; einzelne Angaben sind daher als nicht ausreichend nachgewiesen markiert.

Latein in der katholischen Kirche

In der katholischen Kirche, genauer in der Lateinischen Kirche, wird die Liturgie heute in Deutschland und wohl weltweit überwiegend in der Volkssprache gefeiert. Volkssprache bedeutet die Sprache, die die Gläubigen im Alltag verstehen und verwenden. Grundlage dafür sind die Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium des Zweiten Vatikanischen Konzils und spätere kirchenrechtliche Regelungen.

Trotzdem erscheinen die liturgischen Bücher der Lateinischen Kirche weiterhin in einer lateinischen Editio typica. Das ist ein verbindlicher lateinischer Ausgangstext, an dem sich Übersetzungen in die Volkssprachen orientieren müssen. Dadurch soll die weltweite Einheit des Ritus bewahrt werden.

Wie Übersetzungen und Anpassungen an Ortskirchen geschehen dürfen, ist rechtlich geregelt. Der Artikel nennt dafür Verfahren wie Approbation, Konfirmierung oder Rekognoszierung sowie gegebenenfalls ein Indult, also eine besondere kirchliche Erlaubnis. Deshalb kann Latein weiterhin als Liturgiesprache der katholischen Kirche gelten, auch wenn die konkrete Feier meist volkssprachig ist.

Christliche Liturgiesprachen

Neben den jeweiligen Volkssprachen verwenden besonders ältere christliche Kirchen eigene Liturgiesprachen. Koine-Griechisch, die Sprache des Neuen Testaments, ist Liturgiesprache des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, der Kirche von Griechenland, der Kirche von Zypern und der Griechisch-katholischen Kirche in Griechenland. Die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien und die Melkitische Griechisch-katholische Kirche verwendeten früher ebenfalls Koine-Griechisch, gingen aber zum Arabischen über.

Kirchenslawisch ist Liturgiesprache der russischen orthodoxen Kirche und anderer Kirchen slawischer Tradition. Im westsyrischen und ostsyrischen Ritus dient klassisches Syrisch als Liturgiesprache. Im alexandrinischen Ritus gelten Koptisch und Altäthiopisch als Liturgiesprachen, im armenischen Ritus die armenische Sprache. Die katholischen Ostkirchen verwenden jene Sprachen, die auch in ihren nicht-katholischen Mutterkirchen üblich sind.

Auch einige kleinere oder besondere christliche Gruppen haben eigene liturgische Sprachformen. Amische, Hutterer und einige traditionalistische Mennoniten in Nordamerika verwenden ein altertümlich gefärbtes Hochdeutsch, teils beeinflusst vom Pennsylvania Dutch oder Hutterischen; Mennoniten nutzten bis etwa 1750 Niederländisch als liturgische Sprache. Bei den Kakure Kirishitan, japanischen Untergrundkatholiken, entstand ein entstelltes und unverstandenes Gemisch aus portugiesischen, lateinischen und japanischen liturgischen Fragmenten.

In protestantischen Kirchen ist, sofern überhaupt eine bestimmte Liturgiesprache festgelegt ist, meist die jeweilige Landessprache üblich; in Dialektgebieten wird meist die Hochsprache verwendet. Dennoch können auch dort sakralsprachliche Formen auftreten: In anglikanischen Kirchen werden teilweise ältere englische Personalpronomen wie thou, thee, thy, thine und thyself verwendet. In der deutschen lutherischen Tradition erhält Martin Luthers Bibelübersetzung zunehmend den Rang einer Sakralsprache, je stärker sich das Standarddeutsch von ihr entfernt. Im weitesten Sinn nennt der Artikel auch die Rastafaris auf Jamaika, die eine religiös geprägte Form des Jamaika-Kreolisch verwenden, Iyaric genannt.

Sakralsprachen anderer Religionen

Auch außerhalb des Christentums gibt es zahlreiche Sakral- und Liturgiesprachen. Im Altertum wurde Sumerisch seit 1700 v. Chr. nicht mehr gesprochen, blieb aber bis ins 1. Jahrtausend v. Chr. Kult- und Literatursprache zwischen Euphrat und Tigris. Hattisch diente im Hethitischen Großreich als Kultsprache der von den Hethitern unterworfenen Hattier. Altlatein wurde von der Priesterschaft der Salier in Rom spätestens seit frührepublikanischer Zeit verwendet. Etruskisch wurde um die Zeitenwende als Gebrauchssprache vom Lateinischen abgelöst, lebte aber im Kult der Haruspices bis ins 5. Jahrhundert fort.

Im Judentum ist Hebräisch seit dem babylonischen Exil Sprache des Gottesdienstes. Aramäisch wird im Judentum seit der mittleren Antike zum Studium des Talmuds verwendet. Im Zoroastrismus ist Avestisch, die altiranische Sprache des Avesta, die Sprache des heiligen Buches. Mandäisch war eine aramäische Sprache der Mandäer.

Im Islam ist klassisches Arabisch die Sprache des Gottesdienstes. Im Hinduismus und im Mahayana-Buddhismus werden Sanskrit und sein Vorgänger Vedisch genannt. Im Buddhismus dienen außerdem Pali im Theravada-Buddhismus, klassisches Tibetisch im Vajrayana-Buddhismus und klassisches Chinesisch im Buddhismus Ostasiens, auch außerhalb Chinas; klassisches Chinesisch wird auch im Daoismus verwendet. Im Shinto wird Altjapanisch genannt. Im Voodoo auf Haiti wird die Haitian Vodoun Culture Language, eine Form der Yoruba-Sprache, ausschließlich für kultische Zwecke verwendet.

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