Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Arabische Platte
Als Arabische Platte wird in der Plattentektonik eine der kleineren Kontinentalplatten bezeichnet, welche die Arabische Halbinsel und angrenzende …
Inhalt4 Abschnitte
Einordnung und Lage
Die Arabische Platte ist in der Plattentektonik eine kleinere Kontinentalplatte. Sie umfasst die Arabische Halbinsel und angrenzende Meeresgebiete und erstreckt sich nach Norden bis in Richtung Südosttürkei. Obwohl die Arabische Halbinsel geographisch zu Eurasien zählt, ist die Platte geologisch eng mit Afrika verbunden.
Sie grenzt im Westen und Südwesten an die Afrikanische Platte, im Südosten an die Indische Platte, im Osten an die Eurasische Platte und im Norden an die Anatolische Platte. Gemeinsam mit der Afrikanischen Platte bildet sie den Graben des Roten Meeres sowie den nördlichen Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs.
Plattengrenzen und Bewegungen
An der südwestlichen Grenze im Roten Meer bewegen sich die Platten auseinander; dies ist eine divergente Plattengrenze. In diesem Bereich entsteht unter anderem der 244 m hohe Vulkan Dschabal at-Tair. Die Grenze reicht bis auf den östlichen afrikanischen Kontinent. In der vulkanisch aktiven Afar-Senke liegt ein Tripelpunkt, an dem drei Plattenränder zusammentreffen. Von dort führt die Grenze zunächst nach Osten über den Aden-Rücken und geht östlich des Golfs von Aden in Transformstörungen, etwa die Owen-Bruchzone, sowie in den Murray-Rücken im Norden des Arabischen Meers über.
Im Nordosten verläuft überwiegend eine konvergente Plattengrenze, an der Platten zusammenstoßen. Sie beginnt nahe der iranisch-pakistanischen Makran-Küste im Arabischen Meer. Durch Subduktion, also das Abtauchen ozeanischer Kruste unter eine andere Platte, entstanden 500 km bis 600 km weiter nördlich die heute nicht mehr aktiven Vulkane Bazman und Taftan. Die Grenze setzt sich durch die Straße von Hormus und westliche iranische Provinzen fort. Dort wird kontinentale Kruste zum Zāgros-Gebirge aufgewölbt. In Ostanatolien endet sie; durch Gebirgsbildung entstanden dort das Taurusgebirge und das Armenische Hochland.
Im Nordwesten bilden Transformstörungen die Grenze. Dazu gehören die Ostanatolische Verwerfung und die Transformstörung des Toten Meeres. Sie verlaufen von der südöstlichen Türkei über den Orontes und den Jordangraben bis zum Golf von Akaba und weiter in das Rote Meer.
Oberfläche und Rohstoffe
Das Rote Meer ist ein bis zu 2604 m tiefes und 2240 km langes, relativ schmales Nebenmeer des Indischen Ozeans. Es wird im Norden jährlich um 0,8 cm und im Süden jährlich um 1,6 cm breiter.
Der geologisch älteste Teil der Arabischen Platte ist der am Roten Meer gelegene Arabische Schild. Zu ihm gehören der Hedschas, das Asir-Gebirge und der Jemen mit dem 3760 Meter hohen Berg Dschabal an-Nabi Schuʿaib.
Im Zentrum und teilweise im Osten bedeckt Sedimentgestein das im Westen an die Oberfläche gelangte präkambrische Gestein. Diese Sedimentschicht wird nach Osten hin zunehmend mächtiger und ist mehr als 10 Kilometer dick. Große unterirdische Salzbecken wurden teilweise zu Salzstöcken umgeformt. Undurchlässige Gesteinsschichten ermöglichten außerdem die Bildung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten. Die größten Ölfelder sind das Ghawar-Ölfeld in Saudi-Arabien und das Burgan-Ölfeld in Kuwait. Das größte Gasfeld ist das Nord-Feld in Katar, das sich im Iran fortsetzt. Weitere Lagerstätten liegen auf der iranischen und irakischen Seite des Persischen Golfs sowie im Gebiet um Mosul im Irak. Im Omangebirge kommen Ophiolithe vor: ehemaliger Ozeanboden, der auf das Festland geschoben wurde.
Entstehung und geologische Entwicklung
Vor 100 Millionen Jahren war die Arabische Platte noch Teil der Afrikanischen Platte. Der Arabisch-Nubische Schild hatte sich bereits vor 580 Millionen Jahren gebildet, während das heute östlich davon liegende Land noch unter Wasser lag. Zwischen Afrika und Eurasien befand sich der Tethys-Ozean.
Vor 90 Millionen Jahren begann sich dieser Ozean durch intraozeanische Subduktion zu schließen. Seit etwa 50 Millionen Jahren, im Eozän, wölbt sich der frühere Meeresboden auf. Gleichzeitig begann sich der Arabisch-Nubische Schild zu teilen; dabei entstand das Rote Meer. Vor etwa 20 Millionen Jahren, im Miozän, wandelte sich die Tethys in eine zunehmend flache Meeresstraße um. Vor etwa 15 Millionen Jahren entstanden erste Inseln, die größer und zahlreicher wurden und schließlich eine Landverbindung zwischen Asien und der Arabischen Halbinsel bildeten. Als das Mittelmeer während der Messinischen Salinitätskrise vor etwa 5 Millionen Jahre austrocknete, bestand diese Landverbindung eindeutig. Aus den einst flachen Landschaften entwickelten sich große Faltengebirge; das Zagros-Gebirge gibt es beispielsweise seit dem Pliozän.