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Himmelsrichtung
Die Himmelsrichtung beschreibt die Richtung von einem Bezugspunkt (z. B. Standort) zu einem anderen Punkt auf der Erdoberfläche.
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Grundbegriff und Orientierung
Eine Himmelsrichtung beschreibt die Richtung von einem Bezugspunkt, zum Beispiel dem eigenen Standort, zu einem anderen Punkt auf der Erdoberfläche. Die wichtigsten Richtungen sind die vier Haupthimmelsrichtungen Norden, Osten, Süden und Westen. Sie heißen auch Kardinalpunkte. Ergänzt werden sie durch die vier Nebenhimmelsrichtungen Nordost, Südost, Südwest und Nordwest. Dargestellt werden Himmelsrichtungen häufig auf einer Windrose oder Kompassrose.
Himmelsrichtungen beziehen sich auf den jeweiligen Horizont und auf die Lage der Erdachse. Die Haupthimmelsrichtungen hängen mit den geografischen Koordinaten zusammen: Längenkreise oder Meridiane verlaufen zum Nord- und Südpol, Breitenkreise verlaufen parallel zur Erdrotation in Ost-West-Richtung. In manchen Kulturen wird das System auf sechs Richtungen erweitert, indem Zenit, also oben oder himmelwärts, und Nadir, also unten oder erdwärts, hinzukommen.
Hauptrichtungen
Die vier Haupthimmelsrichtungen werden mit N für Nord, O oder E für Ost beziehungsweise englisch East, S für Süd und W für West abgekürzt. Sie dienen zur Orientierung mit der Sonne, mit dem Kompass oder durch astronomische Azimutmessung. Außerdem werden sie zur Angabe von Richtungen auf der Erdoberfläche, Kursen und Windrichtungen genutzt. Auf Landkarten bilden sie die Grundrichtungen des Kartenrasters.
Norden ist auf abendländischen Land- und Seekarten seit mehreren Jahrhunderten normalerweise oben, wenn nichts anderes angegeben ist. Diese Festlegung richtet sich nach der Erdrotation: Die Erdachse zeigt an einem Ende nach Norden. Rechtweisend Nord, Kartennord oder geografisch Nord meint die Richtung zum geografischen Nordpol. Das Ausrichten einer Karte, eines Plans oder eines Luftbildes im Gelände nach den Himmelsrichtungen heißt Einnorden. In der Navigation gibt es weitere Nordrichtungen: Magnetkompassnord oder magnetic north richtet sich nach dem Magnetfeld, missweisend Nord ebenfalls; Gitternord oder grid north ist die Bezugsrichtung bestimmter Koordinatensysteme der Geodäsie, etwa Gauß-Krüger, UTM und UPS.
Süden ist die Gegenrichtung zu Norden. Auf der Nordhalbkugel ist Süden die Richtung des höchsten Sonnenstandes zu Mittag. Osten ist die Drehrichtung der Erde um ihre Achse und wird von uns als Richtung des Sonnenaufgangs wahrgenommen; genau gilt dies nur zu den Äquinoktien. Westen ist entsprechend die Richtung des Sonnenuntergangs, ebenfalls genau nur zu den Äquinoktien.
Namen und Zwischenrichtungen
Neben den heutigen Namen gab es in verschiedenen Fachsprachen und historischen Darstellungen andere Bezeichnungen. In der Astronomie spricht man statt Nord und Süd auch vom Meridian, weil der tägliche Höchststand von Sternen auch nördlich des Zenits liegen kann. Die vertikale Ost-West-Linie über den Zenit heißt Erster Vertikal.
Im Römischen Reich und in gelehrten Schriften des Mittelalters wurden lateinische Namen verwendet: oriens bedeutet Aufgang und steht für Osten, meridies bedeutet Mittag und steht für Süden, occidens bedeutet Untergang und steht für Westen, septentrio bezeichnet das Sternbild Großer Bär und steht für Norden. Auf mittelalterlichen deutschen Darstellungen kommen auch Bezeichnungen nach dem Sonnenstand vor: Anfang für Ost, Mittag für Süd, Untergang für West und Mittnacht für Nord.
Für genauere Richtungsangaben dienen die vier Nebenhimmelsrichtungen Nordost, Südost, Südwest und Nordwest. Sie liegen jeweils zwischen zwei Hauptrichtungen und sind deren Winkelhalbierende. Zusammen mit den Haupthimmelsrichtungen teilen sie die Windrose in acht gleich große Abschnitte zu je 45 Grad. In der estnischen und finnischen Sprache haben diese Zwischenrichtungen eigene Namen, zum Beispiel estnisch kirre und finnisch koillinen für Nordost.
Unterteilung der Windrose
Die traditionelle Windrose kann in 32 gleich große Winkel eingeteilt werden. Jeder Abschnitt misst 11,25 Grad und heißt nautischer Strich. Feiner unterteilte Kompassrosen besitzen auch benannte Markierungen bei halben Strichen.
Die Benennung folgt einer Systematik. Die Viertel haben eigene Bezeichnungen: N, O oder E, S und W. Die Achtel entstehen aus zwei Namen, wobei Nord und Süd vor West und Ost stehen, etwa Nordwest, Nordost, Südost und Südwest; die Abkürzungen sind NW, NO oder NE, SO oder SE und SW. Sechzehntel setzen sich aus dem Namen eines Viertels und dem benachbarten Achtel zusammen, zum Beispiel WSW für Westsüdwest oder SSW für Südsüdwest. Zweiunddreißigstel werden mit „zu“ gebildet, zum Beispiel WzS für West zu Süd oder SWzW für Südwest zu West. Halbe Striche werden mit „ein halb“ gebildet, etwa Nord ein halb Ost, abgekürzt N 1/2 E, das 5,625 Grad entspricht. SüdOst ein halb Ost, SE 1/2 E, entspricht 129,375 Grad. Viertel-Striche werden entsprechend mit „ein Viertel“ oder „drei Viertel“ gebildet.
In Fachgebieten wie Astronomie, Geodäsie, Kartografie sowie See- und Luftfahrt ist oft eine noch feinere Unterteilung nötig. Deshalb werden Himmelsrichtungen häufig in Grad angegeben. Der volle Kreis der Windrose umfasst 360° und wird im Uhrzeigersinn von Norden aus gezählt: 0° = N, 90° = O oder E, 180° = S und 270° = W. Beim Militär und in Spezialvermessungen gibt es Strichteilungen: 360° entsprechen 64-0-0 Strich oder im englischen Sprachraum 6400 mil. Der Tangens von 1 mil ist ungefähr 1/1000, sodass Winkel bei bekannter Entfernung leicht in Strecken umgerechnet werden können. Im Warschauer Pakt war eine Teilung in 6000 Strich beziehungsweise 60 Marschkompasszahlen üblich; dabei entsprechen 100 Strich einem Winkel von 6°. Im Vermessungswesen wird ein Vollkreis in 400 Gon oder Neugrad geteilt. Im Artilleriewesen gibt es 6400 Artillerie-Strich oder in der Schweiz Artilleriepromille.
Bestimmung mit Sonne, Uhr und Merksätzen
Ein bekanntes Verfahren bestimmt Süden mit Sonne und Analoguhr. Dabei soll man den Stundenzeiger auf die Sonne oder auf den Horizontpunkt unter der Sonne richten; Süden liege dann auf der Winkelhalbierenden zwischen der 12-Uhr-Marke und dem Stundenzeiger. Während der Sommerzeit soll stattdessen die Winkelhalbierende zwischen der 1-Uhr-Markierung und dem Stundenzeiger gelten. Der Artikel betont aber, dass dieses Verfahren stark fehlerbehaftet sein kann: In Deutschland können je nach Tages- und Jahreszeit Richtungsfehler bis etwa 45° entstehen.
Bei einer seltenen Uhr mit 24-h-Ziffernblatt entfällt das Winkelhalbieren. Zeigt der Zeiger bei Winterzeit zum Fußpunkt der Sonne, weist der 12-Uhr-Strich nach Süden. Ursachen für Fehler sind unter anderem die geografische Lage innerhalb einer idealen 15 Grad breiten Zeitzone, Abweichungen durch Ausbuchtungen von Zeitzonen, optische Täuschungen, ungenaues Ausrichten des Zifferblatts, Parallaxenfehler beim horizontalen Halten, das Vor- oder Nacheilen der Sonne im Jahreslauf wegen der elliptischen Erdbahn, ungenaues Visieren und atmosphärische Lichtbrechung bei tief stehender Sonne. Geringer sind die Fehler nahe dem 15°-Meridian bei MEZ, zeitlich nahe Mittag, nahe den Äquinoktien und bei einem Sonnenhöchststand unter 45°, was bei geografischer Breite ≥ 45° im Winterhalbjahr zutrifft. Nachts kann mit Korrekturen für die Mondphase analog der Mond genutzt werden; nur bei Vollmond steht er recht genau um Mitternacht im Süden.
Merksätze helfen, die Reihenfolge der Himmelsrichtungen im Uhrzeigersinn zu behalten. Beispiele sind „Nie Ohne Seife Waschen“, „Nicht Ohne Stiefel Wandern“, „Neun Ochsen Saufen Wasser“ und „Nur Onkels Säubern Wände“. Ein weiterer Merksatz lautet: „Geht die Sonne auf im Westen, musst du deinen Kompass testen.“ Er erinnert daran, dass die Sonne im Osten aufgeht. Der Spruch „Im Osten geht die Sonne auf – im Süden ist ihr Mittagslauf – im Westen wird sie untergeh’n – im Norden ist sie nie zu seh’n“ gilt nur für die nördliche Hemisphäre zwischen nördlichem Wendekreis und nördlichem Polarkreis.
Asiatische Systeme und Farben
In Innerasien wurden Himmelsrichtungen jahrhundertelang mit Farben verbunden. Die älteste bekannte Darstellung steht im in der Antike, um 200 v. u. Z., verfassten „Buch des Gelben Kaisers“ (黄帝内经). Dort zeigen die Hauptfarben Grün, Weiß, Rot, Schwarz und Gelb die Richtungen Ost, West, Süd, Nord und Mitte an. Dieses System farbiger Himmelsrichtungen gab es auch bei nicht-chinesischen Völkern der eurasischen Steppe. Wahrscheinlich gehen Bezeichnungen wie „Schwarzes Meer“ als „nördlich gelegenes Meer“ beziehungsweise „Nordmeer“ und „Rotes Meer“ als „Südmeer“ auf die Perser zurück. Von Tataren stammen wohl unter anderem Bezeichnungen wie „Weißrussland“ (Belarus), Rotrussland und Schwarzrussland sowie die „Goldene Horde“ der Mongolen. Bei mittelalterlichen Steppenvölkern war für Osten eher Blau die Symbolfarbe.
Chinesische Seefahrer und Astronomen bevorzugten statt der vier Haupthimmelsrichtungen die zwölf Himmelsrichtungen der Erdzweige. Dieses System teilt den Kreis nicht wie die europäische Achtteilung in 45°-Abschnitte, sondern in 30°-Abschnitte. Für Seefahrer reichte das nicht aus, daher wurde die Zahl verdoppelt. So entstand eine Staffelung in 15°-Abständen, für die zwischen den Erdkreisen neue Bezeichnungen unterschiedlicher Herkunft eingeführt wurden. Erfahrene Seefahrer wie Zhèng Hé verwendeten sogar einen 48-gliedrigen Kompass.