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Richard Swinburne
Richard Swinburne (* 26. Dezember 1934) ist ein britischer Religionsphilosoph und emeritierter Professor für Religionsphilosophie an der Oxford University.
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Person und Bedeutung
Richard Swinburne (* 26. Dezember 1934) ist ein britischer Religionsphilosoph und emeritierter Professor für Religionsphilosophie an der Oxford University. Er studierte Philosophie und Theologie in Oxford und lehrte anschließend an den Universitäten Oxford, Leeds, Hull und Keele. Von 1985 bis 2002 war er Nolloth Professor of the Philosophy of the Christian Religion in Oxford. Swinburne war ursprünglich Anglikaner und gehört seit 1995 der griechisch-orthodoxen Konfession an. 1992 wurde er Mitglied der British Academy.
Seine Veröffentlichungen behandeln vor allem die Religionsphilosophie. In diesem Gebiet wird er als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts angesehen.
Natürliche Theologie, Glaube und Christentum
In der Trilogie The Coherence of Theism, The Existence of God und Faith and Reason behandelt Swinburne die natürliche Theologie, also die Frage, ob und wie sich Aussagen über Gott mit Vernunft begründen lassen. The Coherence of Theism fragt, ob der Satz „Gott existiert“ widerspruchsfrei ist. The Existence of God untersucht Gründe, ihn für wahr zu halten. Faith and Reason behandelt die erkenntnistheoretische Stellung des Glaubens, also die Frage, wie Wissen, Begründung und Glauben zusammenhängen.
Mit The Evolution of the Soul, Responsibility and Atonement, Revelation und The Christian God argumentiert er für die Wahrheit der Inhalte der traditionellen christlichen Religion. Dieser Ansatz gehört zur Apologetik, der rationalen Verteidigung religiöser Überzeugungen.
Argument für die Existenz Gottes
Als Swinburnes wichtigstes Werk gilt The Existence of God. Darin verwendet er induktives Schließen: Es soll nicht bewiesen werden, dass Gott existiert, sondern gezeigt werden, dass Gottes Existenz wahrscheinlich ist. Als erklärungsbedürftige Phänomene nennt er etwa, dass es überhaupt eine Welt gibt, ihre Ordnung und das Bewusstsein. Nach Swinburne lassen sich diese Phänomene nicht mit Methoden der Naturwissenschaft erklären. Die Annahme Gottes erkläre sie besser, weil Gott gute Gründe haben könne, eine geordnete Welt und solche Phänomene zu erschaffen.
Ein entscheidendes Kriterium ist für ihn die Einfachheit der Gottes-Hypothese: Sie soll deshalb wahrscheinlich sein. Das Übel in der Welt spricht nach Swinburne zwar gegen Gottes Existenz, aber nur entsprechend seinem Ausmaß. Gott könne Gründe haben, Übel zuzulassen, beispielsweise weil freier Wille nur so möglich sei. Zusammengenommen machten die genannten Phänomene Gottes Existenz „significantly more probable“ als seine Nicht-Existenz.
Sein Argument aus religiöser Erfahrung lautet: Wer etwas erfährt, soll grundsätzlich annehmen, dass es existiert, solange keine Gründe dagegen sprechen und seine Existenz nicht völlig unwahrscheinlich ist. Da Gottes Existenz nicht gänzlich unwahrscheinlich sei, solle man religiösen Erfahrungen vertrauen und Gottes Existenz annehmen.
Einwände und öffentliche Kontroverse
Kritisiert wird, dass Wahrscheinlichkeiten für einzelne Phänomene oft willkürlich angesetzt würden, etwa für die Annahme eines Universums ohne Gott. Außerdem sei Einfachheit nicht mit Wahrscheinlichkeit gleichzusetzen. Kritiker beanstanden ebenfalls, dass Swinburne moralische und ästhetische Annahmen als objektive Wahrheiten voraussetze, obwohl sie strittig seien. Als Beispiel wird die Annahme genannt, freier Wille sei auch dann gut, wenn er Leid ermögliche. Sein Argument aus religiöser Erfahrung wird häufig wegen einer als naiv beurteilten Erkenntnistheorie zurückgewiesen. Ferner lautet ein Vorwurf, sein streng rationalistisches Gottesbild erfasse existenzielle und lebensweltliche Dimensionen des Christentums nicht angemessen.
Im Insights Magazine wurde Swinburnes „präzise, mathematische Sprache“ als geeignet beschrieben, „einige von der Gültigkeit seines Arguments für den Dualismus“ zu überzeugen.
Scharfe öffentliche Kritik entstand nach einer TV-Diskussion mit Richard Dawkins und Peter Atkins über die Shoa. Swinburne versuchte, sie mit einem liebenden Gott zu vereinbaren, indem er in ihr eine den Juden gegebene Chance sah, sich als tapfer und nobel zu erweisen. Atkins antwortete: „mögen Sie in der Hölle verrotten“. Dawkins warf ihm später in Der Gotteswahn vor, den Holocaust gerechtfertigt zu haben. Dagegen wird eingewandt, Swinburne rechtfertige nicht das Böse oder den Holocaust, sondern behandle allein die Möglichkeit, dass Gott das Böse zulässt. Menschen seien dagegen aufgerufen, Böses möglichst zu verhindern und zu bekämpfen.