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Religionsgruppenkonflikte in Pakistan
Konflikte zwischen Religionsgruppen in Pakistan bestehen zwischen den vorherrschenden Sunniten und der schiitischen Minderheit.
Inhalt5 Abschnitte
Kern des Konflikts
Religionsgruppenkonflikte in Pakistan sind vor allem gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der sunnitischen Mehrheit und der schiitischen Minderheit. Verantwortlich gemacht werden insbesondere sunnitische extremistische Gruppen wie Sipah-e-Sahaba sowie schiitische militante Gruppen wie Tehrik-e-Jafria und andere Organisationen. Häufige Angriffe sunnitischer Terrorgruppen auf Schiiten und deren religiöse Versammlungen lösen Vergeltungsangriffe aus. Dadurch entsteht eine Spirale gegenseitiger Gewalt.
Der Konflikt ist sowohl religiös als auch politisch und gesellschaftlich geprägt. Eine wichtige Rolle spielen die staatliche Islamisierung unter Muhammad Zia-ul-Haq sowie die Finanzierung extremistischer Gruppen durch ausländische Akteure. Die Gewalt richtet sich nicht ausschließlich gegen Sunniten und Schiiten: Auch Ahmadiyyas waren Ziel extremistischer Angriffe und wurden 1974 durch eine Verfassungsänderung offiziell zu Nichtmuslimen erklärt.
Religiöse Mehrheitsverhältnisse
Nach Angaben der Kongressbibliothek, des Pew Research Center, der Oxford University, des CIA Factbook und anderer Experten machen Schiiten in Pakistan je nach Quelle 5–25 % der gesamten muslimischen Bevölkerung aus. Der sunnitische Islam umfasst entsprechend 75–95 %. Die unterschiedlichen Angaben zeigen, dass die genaue Größe der schiitischen Minderheit umstritten beziehungsweise nicht einheitlich bestimmt ist.
Trotz ihres Minderheitenstatus besitzt Pakistan nach dem Iran die zahlenmäßig zweitgrößte schiitische Gemeinschaft. Vali Nasr schätzt die gesamte schiitische Bevölkerung Pakistans auf ungefähr 50 Millionen bis 60 Millionen Menschen. Weltweit gehören nach den im Artikel genannten Angaben 10–20 % der Muslime der Schia an, während 90 % den sunnitischen Islam praktizieren.
Islamisierung unter Zia-ul-Haq
In den frühen Jahren des konfessionellen Konflikts stießen extremistische Sunniten mit Ahmadiyyas zusammen. 1974 erklärte die Nationalversammlung Pakistans die Ahmadiyyas durch eine Verfassungsänderung offiziell zu Nichtmuslimen.
Während der fortgesetzten Herrschaft Muhammad Zia-ul-Haqs wurde der Konfessionalismus, also die politische und gesellschaftliche Ausrichtung an einer bestimmten islamischen Konfession, besonders in Karatschi und Südpunjab gewalttätig. Ursache war unter anderem der Beginn eines Islamisierungsprozesses in der pakistanischen Rechtsprechung. Auch die Schulbuchpolitik trug dazu bei: Die sogenannte pakistanische Schulbuchkontroverse zeigte sich in einem starken Zurückdrängen indischer beziehungsweise hinduistischer Einflüsse.
Zias Gesetze schränkten außerdem soziale Freiheiten ein. Dazu gehörten die zuvor bestehende Toleranz gegenüber dem offenen Verkauf von Alkohol und gegenüber der Vermischung der Geschlechter. Viele Hardliner sowohl im schiitischen als auch im sunnitischen Lager befürworteten diese Einschränkungen. Streit entstand jedoch bei Fragen, in denen sich sunnitische und schiitische Auslegungen unterschieden. Zia bevorzugte in solchen Fällen die sunnitische Interpretation des Islam. Dadurch vertiefte sich die gesellschaftliche Kluft zwischen Sunniten und Schiiten.
Karatschi erlebte bereits in den frühen 1980er Jahren ähnliche konfessionelle Spannungen. Das damalige Militärregime unterstützte bestimmte Gruppen, um seine Herrschaft zu stabilisieren. Später gingen schiitisch-sunnitische Zusammenstöße nach einem kleinen Vorfall in der Godra Colony in New Karachi aus; anschließend breiteten sich die Kämpfe über die ganze Stadt aus. Der Artikel beschreibt, dass diese Situation bis heute anhält.
Ausländische Finanzierung und gegenseitige Angriffe
Die Spannungen werden laut Artikel durch ausländische Finanzierung extremistischer Gruppen verschärft. Der Iran finanziert schiitische Extremisten, während arabische Staaten, insbesondere Saudi-Arabien und die Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC), sunnitische Extremisten unterstützen. Diese parallele Unterstützung fördert gegenseitige Tit-for-Tat-Angriffe, also Vergeltungsaktionen nach dem Muster „Angriff gegen Angriff“.
Nach dem 11. September nahm die Gewalt insgesamt jedoch ab, weil saudische Geldquellen wegen verstärkter Kontrollen saudischer Verbindungen zu Hardline-Extremisten weniger bereit waren, sunnitische Extremisten zu finanzieren.
Wichtige Gewaltereignisse
Die Gewalt verschärfte sich unmittelbar nach dem 11. September und der Entfernung der Taliban aus Afghanistan. Zu den im Artikel genannten Ereignissen gehören:
- 2002 wurden in Quetta zwölf schiitische Hazara-Polizeianwärter niedergeschossen.
- 2003 wurde die schiitische Hauptfreitagsmoschee in Quetta angegriffen. Dabei starben 53 Beter.
- Am 2. März 2004 attackierten rivalisierende sunnitische Extremisten eine Prozession schiitischer Muslime auf dem Liaquat-Bazaar in Quetta. Mindestens 42 Menschen wurden getötet und mehr als 100 verletzt.
- Am 7. Oktober 2004 tötete eine Autobombe in Multan 40 Mitglieder einer extremistischen sunnitischen Organisation. Für das Jahr 2006 nennt der Artikel außerdem insgesamt 300 Tote.
- Am 29. Dezember 2009 wurden in Karatschi bei einem vermutlichen Selbstmordanschlag auf eine schiitische Aschura-Prozession mindestens 40 Schiiten getötet.
- Seit Juni 2010 war Sipah-e-Sahaba in Karatschi durch die gezielte Tötung von sieben unschuldigen Passanten und Intellektuellen terroristisch aktiv. Alle Opfer gehörten der muslimischen Gemeinschaft der Zwölfer-Schia an. Konfessionelle Ausschreitungen und die gezielte Tötung von Ärzten galten als Alarmsignal für das demokratische System Pakistans.
- Anfang September 2010 wurden drei Angriffe aus verschiedenen Landesteilen gemeldet. Am 1. September starben in Lahore mindestens 35 Schiiten während einer Prozession; 160 weitere, im Artikel als unbekannt bezeichnete Menschen wurden verletzt. In Mardan wurde bei einem Angriff gegen Ahmadiyyas mindestens ein Mensch getötet. Am 3. September starben in Quetta während einer Prozession zur Solidarität mit Palästinensern 56 Menschen.
- Am 16. Dezember tötete ein Mörserangriff in Hangu neun Menschen, darunter Frauen und Kinder. Hangu gilt im Artikel als Brennpunkt schiitisch-sunnitischer Zusammenstöße in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa (KP) nahe dem Stammesgebiet. Am selben Tag wurde in Peshawar während schiitischer Aschura-Feiern ein Kind getötet und 28 Menschen verletzt.
Die Ereignisse zeigen, dass sich die Gewalt gegen religiöse Versammlungen, Angehörige bestimmter Gemeinschaften und einzelne Berufsgruppen richten kann. Besonders häufig werden Prozessionen und Feiern der Schiiten angegriffen; zugleich kommt es zu Vergeltungsaktionen gegen sunnitische Organisationen.