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Relativer Lohn
Der relative Lohn ist der Betrag, den die Arbeitnehmer eines Landes als Stundenlohn erhalten, im Vergleich zum Stundenlohn der Arbeitnehmer eines anderen …
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Definition und Berechnung
Der relative Lohn bezeichnet den Stundenlohn der Arbeitnehmer eines Landes im Vergleich zum Stundenlohn der Arbeitnehmer eines anderen Landes. Er gehört zur Außenwirtschaftslehre und besonders zur Theorie des internationalen Handels, etwa zum Ricardo-Modell. Der relative Lohn zeigt, wie hoch der Lohn im Inland im Verhältnis zum Ausland ist.
Er wird mit folgender Formel berechnet:
w / w* = Stundenlohn der Arbeiter im Inland / Stundenlohn der Arbeiter im Ausland
Dabei steht w für den inländischen und w* für den ausländischen Stundenlohn.
Relative Löhne und Spezialisierung
Ein Gut wird dort produziert, wo seine Herstellung im Vergleich zu anderen Ländern preiswerter ist. Entscheidend sind die Lohnkosten und der Arbeitsaufwand für das Gut.
Für ein bestimmtes Gut i ist die Produktion im Inland billiger, wenn gilt:
w · a · Lᵢ < w* · a* · Lᵢ
Umgestellt lautet die Bedingung:
a* · Lᵢ / (a · Lᵢ) > w / w*
Der Ausdruck a · Lᵢ bezeichnet den Arbeitskoeffizienten im Inland für das Gut i, also den inländischen Arbeitsaufwand. a* · Lᵢ bezeichnet den entsprechenden Arbeitskoeffizienten im Ausland. Ist die Bedingung erfüllt, produziert das Inland das Gut i.
Ist die Herstellung im Ausland billiger, gelten die umgekehrten Ungleichungen:
w · a · Lᵢ > w* · a* · Lᵢ
a* · Lᵢ / (a · Lᵢ) < w / w*
Dann übernimmt das Ausland die Produktion des Gutes.
Einfaktormodell des Welthandels
Das Einfaktormodell ist das einfachste Außenhandelsmodell. Es gibt nur einen Produktionsfaktor, nämlich Arbeit, und ein Land produziert ein Gut dort, wo es einen komparativen Vorteil besitzt. Ein komparativer Vorteil liegt vor, wenn die Opportunitätskosten der Herstellung im Vergleich zu anderen Ländern möglichst gering sind.
Im Beispiel hat das Inland einen komparativen Vorteil bei Bratwurst, das Ausland bei Bier. Auf dem Markt herrscht vollständiger Wettbewerb. Zur Herstellung von 1 Kilogramm Bratwurst benötigt das Inland 2 Stunden. Für 1 Liter Bier benötigt das Ausland 4 Stunden. Damit erzeugt ein inländischer Arbeiter pro Stunde 0,5 Kilogramm Bratwurst, während ein ausländischer Arbeiter pro Stunde 0,25 Liter Bier erzeugt.
Kostet sowohl 1 Kilogramm Bratwurst als auch 1 Liter Bier 8 Euro, ergeben sich folgende Stundenlöhne:
- Inland: 8 € je kg / 0,5 kg je Stunde = 4 €/h
- Ausland: 8 € je Liter / 0,25 Liter je Stunde = 2 €/h
Der relative Lohn beträgt daher:
w / w* = 4 € / 2 € = 2
Der Stundenlohn des inländischen Arbeiters ist in diesem Beispiel doppelt so hoch wie der des ausländischen Arbeiters.
Relative Löhne bei mehreren Gütern
Bei mehreren Gütern lässt sich der relative Lohn nicht unmittelbar bestimmen. Zunächst muss der relative Lohn bekannt sein, um festzustellen, welches Land welche Güter produziert. Zur Bestimmung wird deshalb die relative Nachfrage nach Gütern betrachtet und daraus die implizierte relative Nachfrage nach Arbeit abgeleitet. Diese abgeleitete Nachfrage entsteht, weil die Nachfrage nach den Gütern die Nachfrage nach der Arbeit bestimmt, mit der diese Güter hergestellt werden.
Steigen die Inlandslöhne im Verhältnis zu den Auslandslöhnen, sinkt die relative abgeleitete Nachfrage nach Inlandsarbeit aus zwei Gründen:
- Die im Inland produzierten Güter werden wegen der höheren relativen Arbeitskosten teurer. Dadurch sinkt die Weltnachfrage nach diesen Gütern.
- Bei höheren Inlandslöhnen werden mehr Güter im Ausland als im Inland produziert. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Arbeit im Inland zusätzlich.
Im Beispiel werden RS als Weltangebot und RD als Weltnachfrage bezeichnet. Bei einem relativen Lohn von 3,5 produziert das Inland Äpfel, Bananen und Kaviar; das Ausland produziert Datteln und Enchiladas. Steigt der relative Lohn auf 3,99, bleibt diese Spezialisierungsstruktur unverändert. Die inländischen Güter werden jedoch teurer, sodass ihre relative Nachfrage und damit die relative Nachfrage nach Inlandsarbeit sinkt.
Erhöht sich der relative Lohn auf 4,01, ändert sich die Spezialisierung: Kaviar wird nun im Ausland billiger produziert. Die relative Nachfrage nach Inlandsarbeit bricht dadurch abrupt ein, weil die Kaviarproduktion im Inland auf null sinkt und das Ausland eine neue Branche erhält.
Das Gleichgewicht des relativen Lohns liegt dort, wo sich RS und RD schneiden. Liegt dieser Schnittpunkt auf einem flachen Abschnitt, produzieren beide Länder das betreffende Gut.
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