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Reich (Biologie)

Das Reich (Regnum, englisch kingdom) ist eine Rangstufe innerhalb des Systems der Lebewesen. Es ist nach der Domäne (bzw. dem Realm bei Viren) die …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Stellung des Reichs im System der Lebewesen
  2. 2. Entwicklung der Einteilungen
  3. 3. Viren und ihre eigene Taxonomie
  4. 4. Moderne Systematiken und Gruppen

Stellung des Reichs im System der Lebewesen

Das Reich (lateinisch Regnum, englisch kingdom) ist eine Rangstufe der biologischen Systematik, also der Einordnung von Organismen nach ihrer Verwandtschaft. Es steht nach der Domäne – bei Viren nach dem Realm – an zweithöchster Stelle. Darunter können Unterreiche (Subregna) und weiter Infrareiche (Infraregna) folgen.

Lange wurde die Rangstufe Reich nur bei Eukaryoten und Viren verwendet. Eukaryoten sind Lebewesen mit Zellkern. Prokaryoten, also Bakterien und Archaeen ohne Zellkern, wurden bis 2024 gewöhnlich direkt in Stämme (Phylum) eingeteilt; in der Botanik heißt die entsprechende nächstniedrigere Rangstufe Abteilung (Division). Seit 2024 führen LPSN und NCBI auch innerhalb der beiden prokaryotischen Domänen Reiche.

Entwicklung der Einteilungen

Die Zahl und Abgrenzung der Reiche änderte sich mit neuen Erkenntnissen. Carl von Linné unterschied 1735 zwei Reiche: Tiere (Animalia) und Pflanzen (Plantae). Ernst Haeckel ergänzte 1866 die Protisten (Protista) als drittes Reich. Später wurden die Pilze (Fungi) von den Pflanzen getrennt.

Robert Whittaker führte 1969 zwei Imperien oder Superreiche mit insgesamt fünf Reichen ein und unterschied grundsätzlich Eukaryoten von Prokaryoten (Prokaryota, synonym Monera). Carl Woese ordnete 1977 den Archaeen (Archaea) ein eigenes Reich zu; damit ergaben sich sechs Reiche. Thomas Cavalier-Smith unterschied 1998 innerhalb der früheren Protisten zusätzlich Stramenopile beziehungsweise Chromisten und Protozoen. Die Revision von Ruggiero, Cavalier-Smith et al. von 2015 führte, nachdem Bakterien und Archaeen getrennt berücksichtigt wurden, zu sieben Reichen.

Molekulargenetische Untersuchungen führten 1990 bei Woese et al. zur Domäne als höchster Kategorie. Die drei Domänen sind Bacteria, Archaea und Eukaryota. In den Domänen Bacteria und Archaea zeigten Metagenomanalysen eine hohe Vielfalt. Mit Stand August 2026 nennt die LPSN für Archaeen die Reiche Methanobacteriati, Nanobdellati, Promethearchaeati und Thermoproteati; für Bakterien Bacillati, Fusobacteriati, Pseudomonadati und Thermotogati. Daneben gibt es jeweils Taxa mit unsicherer Stellung (incertae sedis).

Falls Eukaryoten erst später aus einem Zweig der Archaeen hervorgegangen sein sollten, möglicherweise im Umfeld der Asgardarchaeota und unter Aufnahme von Alphaproteobakterien als Endosymbionten, wären Archaeen paraphyletisch: Die Gruppe enthielte dann nicht alle Nachkommen ihres gemeinsamen Vorfahren. Als Möglichkeit zur Wiederherstellung der Monophylie wird genannt, die Eukaryoten in die Archaeen zu integrieren.

Viren und ihre eigene Taxonomie

Viren werden weitgehend nicht zu den Lebewesen gezählt, gelten aber als „dem Leben nahestehend“. Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nicht selbständig fortpflanzen, sondern benötigen einen Wirt. Satellitenviren brauchen zusätzlich zur Wirtszelle ein Helfervirus. Auch Viriforme und Viroide zählen nicht zu den Lebewesen; künftig könnten auch Prionen in die eigene Virus-Taxonomie einbezogen werden.

Viren haben keine Domänen. Da sie insgesamt vermutlich keinen gemeinsamen Vorfahren besitzen, werden ihre einzelnen Verwandtschaftsbereiche in Realms zusammengefasst; diese könnten in Subrealms untergliedert werden. Darunter folgt unmittelbar die Rangstufe Reich. Die Endung für Virus-Reiche lautet -virae, für Unterreiche -virites. Nach ICTV, April 2026 (MSL#41v1), gibt es zehn Realms und insgesamt elf Reiche sowie weitere Taxa incertae sedis.

Moderne Systematiken und Gruppen

Neben der klassischen evolutionären Klassifikation gibt es numerische Taxonomie, Kladistik und eine Taxonomie auf Grundlage von DNA-Basensequenzen. Kladistik ordnet Organismen nach Abstammungsgemeinschaften. Traditionelle Einteilungseinheiten lassen sich nicht immer unverändert in moderne Systematiken übernehmen.

Das anerkannte System von Adl et al. von 2005, in neuester Ausgabe 2019, beruht für Eukaryoten vor allem auf phylogenetischen Untersuchungen und verwendet keine Rangbezeichnungen für die Taxa. Es fasst Tiere, Pilze und Pflanzen jeweils mit verwandten Gruppen der früheren Protisten zu meist als Supergruppen bezeichneten Taxa zusammen. Die sechs Taxa sind Amoebozoa (bestimmte Amöbenartige und Schleimpilze), Opisthokonta (unter anderem Tiere und Pilze), Rhizaria (amöbenartige Protista mit Scheinfüßchen oder Pseudopodien), Archaeplastida (Landpflanzen, Grünalgen, Rotalgen und weitere), Chromalveolata (viele eukaryotische Algen wie Braunalgen) und Excavata (verschiedene Protista mit Geißeln). Diese Einteilung überspringt streng genommen den Rang Reich.

Für die prokaryotischen Supergruppen wird die Einteilung von Woese, Kandler und Wheelis (1990) in Bacteria und Archaea bevorzugt. Als Referenz der klassischen Taxonomie beider Domänen dient die List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN); für die Einteilung nach DNA-Basensequenzen dient die Genome Taxonomy Database (GTDB).

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