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Radha-Krishna
Radha-Krishna, das göttliche Paar, stellt im Hinduismus die Verbindung des weiblichen (Radha) und des männlichen (Krishna) Aspekts des personifizierten …
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Göttliches Paar und Grundidee
Radha-Krishna bezeichnet im Hinduismus das göttliche Paar aus Radha, dem weiblichen, und Krishna, dem männlichen Aspekt des personifizierten Gottes. In der Theologie der Gaudiya Vaishnava gilt Krishna als Svayam bhagavan, also als höchste Gottheit selbst, und Radha als seine meistgeliebte Gefährtin.
Radha wird im Verband mit Krishna als höchste Göttin betrachtet: Krishna kann die Welt verzaubern, Radha jedoch „verzaubert“ Krishna durch ihre Liebe. Nach der Chaitanya-Schule ist sie nicht bloß eine Kuhhirtin, sondern der Ursprung aller Gopis, der am Rasa-Tanz beteiligten göttlichen Persönlichkeiten. Der Rasa-Tanz schildert unter anderem, dass Krishna den Tanzkreis verlässt, um Radha zu suchen.
Die spirituelle Liebesbeziehung Radhas und Krishnas wurde besonders durch Jayadeva Goswamis Gedicht Gitagovinda aus dem 12. Jahrhundert in ganz Indien bekannt. Auch der Name der Hare-Krishna-Bewegung bezieht sich darauf: Hare ist der Vokativ von Harā, einem Beinamen Radhas als Gottes Energie.
Shakti, Shaktiman und Rasa
Radha und Krishna stehen für Shakti und Shaktiman: Shakti ist die weibliche göttliche Energie, Shaktiman ihr männlicher Energiequell. Da beide Begriffe dieselbe Wurzel haben, gelten die Aspekte als ursprünglich verbunden. Jede Gottheit hat nach dieser Vorstellung eine Shakti; ohne sie ist sie relativ machtlos. Deshalb wird Gott im Hinduismus häufig als Paar verehrt.
Für Vaishnavas verweist die göttliche Energie auf ihren göttlichen Ursprung: Sita gehört zu Rama, Lakshmi zu Narayana und Radha zu Krishna. Weil Krishna als Ursprung aller göttlichen Manifestationen gilt, ist Radha der Ausgangspunkt aller Shaktis, also aller weiblichen Formen göttlicher Energie. Traditionen, die Krishna als männlichen Svayam bhagavan verehren, beziehen daher zugleich Radha ein.
Ein zentraler Begriff der Gaudiya-Vaishnava-Theologie ist Rasa. Rasa bedeutet hier spirituelle Ekstase und die Gott dargebrachten Emotionen. Die Brahma-Sutras formulieren dies als „raso vai sah“ – „wahrlich, der Herr ist rasa“. Jiva Goswami erklärt in Priti Sandarbha, die Gopis zeigten verschieden starke Leidenschaft für Krishna; Radhas Zuneigung sei die stärkste. Die Gaudiya-Doktrin betont außerdem Krishna als höchste Gottheit, Chaitanya als Radha-Krishna und die ewige Realität individueller Seelen.
Bhagavata- und Gaudiya-Tradition
In der Bhagavata-Tradition werden für Radha Parallelen zu Nappinai gezogen, die in Godhas Thiruppavai und bei Nammalwar erscheint. Nappinai wird als mögliche Vorläuferin Radhas angesehen, obwohl ihre Beziehung zu Krishna anders beschrieben wird. Die Hingabe ist dabei als spannungsreiches Verhältnis gefasst: Die Verehrerin ist zugleich mit Gott identisch und von ihm verschieden; selbst der Freude der Vereinigung steht der Schmerz einer erneuten Trennung gegenüber. Hinweise auf Radha und Krishna finden sich vor Jayadeva unter anderem in Yasastilaka Champukavya um 959 sowie ausführlicher im Brahma vaivarta und in den Padma-Puranas.
Die Gaudiya Vaishnavas stammen aus der Gauda-Region in Bengalen. Jayadeva verband wenige, verstreute ältere Hinweise auf Radha zu seinem devotionellen Gedicht Gitagovinda. In der bengalischen Überlieferung zählt Baru Chandidas' Srikrsnakirtana zu den wichtigen Darstellungen der Liebe Krishnas zu Radha. Das Entstehungsdatum ist umstritten und wird in das 14. Jahrhundert gesetzt; die 412 Stanzen sind in 13 Abschnitte gegliedert und für Gesang mit besonderen Ragas bestimmt. Auch die Authentizität des Werks wird bezweifelt.
Krishnadasa Kaviraja entwickelte in Chaitanya Charitamrita die Lehre, Krishna sei als Chaitanya Mahaprabhu erschienen, um die Intensität von Radhas Liebe zu ihm vollständig zu erfahren. In der Gestalt Chaitanyas rezitiere Radha aus Sehnsucht nach Krishna dessen Namen. Die Gottheit Radha Ramana wurde von Gopala Bhatta Goswami (1503 bis 1578) etabliert und gilt zugleich als Krishna und als Radha-Krishna.
Weitere Vaishnava-Traditionen
Die Nimbarka-Sampradaya verehrt Radha als ewige Begleiterin von Vishnu-Krishna und betrachtet das vereinte Paar Shri Radha Krishna als einzigen Gegenstand der Verehrung. Nimbarka war der erste Acharya, der Radha zusammen mit Krishna durch Sakhi Bava Upasana, eine besondere Andachtsform, verehrte. Radha besitzt dort denselben Stellenwert wie Krishna. In Vedanta Kamadhenu Dashashloki, Vers 6, wird Radha als linke Körperhälfte des Höchsten Herrn beschrieben. Jagadguru Swami Sri Harivyasa Devacharya formulierte im Mahavani des 15. Jahrhunderts, Radha sei von Krishna nicht verschieden und Krishna niemand anders als Radha.
Bei den Bishnupriya Manipuri Vaishnavas wurde die Verehrung von Radha-Krishna in Manipur vorherrschend. König Garib Nawaz, der dort von 1709 bis 1751 herrschte, war in die Chaitanya-Tradition eingeweiht. Rasa und weitere Tänze prägen die regionale Folklore und religiöse Praxis; eine Tänzerin kann Krishna und Radha im selben Aufzug darstellen.
In der Swaminarayan Sampraday heißt das Paar RadhaKrishnaDev. Nach Swaminarayan erscheint Krishna mit Radha als Höchster Herr Radha-Krishna, mit Rukmini dagegen als Lakshmi-Narayan. Radha gilt als perfekte Verehrerin; wer sich Krishna nähern möchte, soll ihre hingebungsvollen Eigenschaften entwickeln. Als höchsten himmlischen Ort betrachtet die Tradition Goloka, wo Krishna mit den Gopis verbunden ist.
Vallabhacharya (1479–1539) gründete Pustimarga, den „Pfad der Gnade“. Dessen Gottgeweihte identifizieren sich mit Radhas weiblichen Begleiterinnen, den sakhis, die den intimen Zeitvertreib von Radha-Krishna ordnen. Die Radhavallabhis konzentrieren sich besonders auf die Lieblichkeit der Beziehung, den Rasa, und auf das ewige göttliche Spiel, Lila.
Orte der Verehrung
Tempel für Radha-Krishna gibt es in ganz Indien und außerhalb Indiens. Das Zentrum der Verehrung ist Braja-Mandala mit Vrindavan und Mathura. Zu wichtigen Tempeln in Vrindavan gehören Prem Mandir, Madan-mohan, Govindadev, Radha-Raman, Radha-Gokulananda, Radha-Damodar, Banki-behari, Jugal Kishor, Radha-Gopinath, Radha Shyamasundar, der ISKCON-Tempel, Shree RadhaVallabh Temple Vrindavan und Shree Radha Ras Bihari Ashta Sakhi Mandir.
Durch predigende Sadhus wurde die Verehrung auch außerhalb Indiens verbreitet. A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada eröffnete besonders in der westlichen Welt zahlreiche Zentren; seine Schüler wurden durch die Anbetung der Radha-Krishna-Bildgestalt zu Gottgeweihten erklärt.