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Römischer Kalender
Die – für den römischen Kalender zweifelsfrei unhistorische – römische Tradition wies dessen Einführung Roms legendärem Stadtgründer Romulus zu. Zeitgenössische …
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Grundprinzip und Entwicklung
Der römische Kalender war kein einheitliches, unverändertes System, sondern entstand aus mehreren lokalen Kalendern. Diese orientierten sich zunächst am Mondumlauf und wurden später wiederholt an ein lunisolares Prinzip angepasst: Die Monate folgten dem Mond, während Schaltungen den Kalender mit dem Sonnenjahr und den Jahreszeiten in Einklang halten sollten. Wahrscheinlich führten die Etrusker regionale Mondkalender mit 354 Tagen ein; die Römer erweiterten das gewöhnliche Jahr später auf 355 Tage. Etruskisch-latinische Merkmale sind besonders an Form, Stil und Länge der Schaltmonate erkennbar. Die traditionelle Zuschreibung an Romulus gilt als unhistorisch.
Zeitgenössische Kalender aus der Gründungszeit Roms fehlen. Der älteste erhaltene Nachweis sind die Fasti Antiates maiores aus dem Jahr 173 v. Chr. Auch die angebliche Reform durch Numa Pompilius um 713 v. Chr. ist nur aus späteren, stark ausgeschmückten Berichten bekannt. Als wahrscheinlicher Urheber gilt der fünfte König, Lucius Tarquinius Priscus. Censorinus berichtet außerdem von einer Änderung spätestens zur Zeit der um 450 v. Chr. entstandenen Zwölftafelgesetze, weil das 354-tägige Mondjahr gegenüber dem Sonnenjahr jährlich ungefähr elf Tage verlor.
Umstritten war lange, ob der älteste Kalender zehn oder zwölf Monate hatte. Marcus Fulvius Nobilior, Marcus Terentius Varro, Sueton und Censorinus überlieferten ein ursprüngliches Zehnmonatsjahr; Gaius Licinius Macer nahm dagegen zwölf Monate von Anfang an an. Heute gilt ein ursprüngliches Zwölfmonatsjahr als wahrscheinlich. Die Vorstellung von zehn Monaten dürfte entstanden sein, weil spätere Autoren den März richtig als ursprünglichen Jahresanfang erkannten, den Dezember aber fälschlich weiterhin für den letzten Monat hielten. Möglich ist auch, dass zehn Abschnitte eines Naturjahres später als zehn Monate verstanden wurden.
Das Jahr begann ursprünglich am 1. März und endete mit dem Februar. Im Jahr 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn wegen des Amtsantritts der Konsuln auf den 1. Januar verlegt. Der julianische Kalender löste den alten römischen Kalender 45 v. Chr. ab.
Monate und Jahreslängen
Der Kalender kannte dreizehn Monatsnamen, wobei Mercedonius nur als Schaltmonat vorkam: Ianuarius, Februarius, Mercedonius oder Intercalaris, Martius, Aprilis, Maius, Iunius, Quintilis, Sextilis, September, October, November und December.
Für das gewöhnliche Jahr wurden sechs ursprünglich 30-tägige Monate auf 29 Tage verkürzt. Hinzu kamen Ianuarius mit 29 Tagen und Februarius mit 28 Tagen. Dadurch ergab sich ein Jahr mit 355 Tagen. Die fehlende Anpassung an das Sonnenjahr sollte Mercedonius ausgleichen.
Durch die Verlegung des Jahresanfangs verloren mehrere Monatsnamen ihre ursprüngliche Stellung: Quintilis bedeutet „der fünfte“, Sextilis „der sechste“, September „der siebte“, October „der achte“, November „der neunte“ und December „der zehnte“. Diese Namen passen zur älteren Zählung ab März, nicht zur späteren Zählung ab Januar.
Ohne richtige Schaltungen konnten Kalender und Jahreszeiten stark auseinanderfallen. Titus Livius datierte eine Sonnenfinsternis auf den 11. Quintilis 190 v. Chr.; im späteren julianischen System fand sie am 14. März statt. Die Abweichung betrug damals etwa vier Monate. Eine für den 3. September 168 v. Chr. angekündigte Mondfinsternis entspricht dem 21. Juni des julianischen Systems; die Abweichung war auf etwa zweieinhalb Monate gesunken. Solche astronomischen Angaben helfen bei der Rekonstruktion römischer Daten.
Schaltregeln
Die erste überlieferte lunisolare Schaltregel war eine Tetraeteris, also ein vierjähriger Zyklus. Ihr Einführungszeitpunkt ist nicht zeitgenössisch belegt; Censorinus, Varro und Macrobius berichten jedoch, sie sei bei Einführung der Zwölftafelgesetze bereits fest verankert gewesen. Der Zyklus umfasste 1465 Tage. Die vier Jahre hatten 355, 377, 355 und 378 Tage. Im zweiten Jahr wurden 22, im vierten Jahr 23 Schalttage eingefügt.
Der Schaltmonat war mit dem Februarius verbunden. Nach den Terminalia am 23. Februar wurde der normale Februar unterbrochen; danach folgte Mercedonius mit 22 oder 23 zusätzlichen Tagen. Anschließend wurden das Regifugium und die restlichen Februartage nachgeholt. Dadurch hatte der eingeschobene Abschnitt tatsächlich 27 oder 28 Tage. Dieser Vierjahreszyklus war gegenüber vier Sonnenjahren ungefähr vier Tage zu lang und ließ den Kalender ohne weitere Korrektur langsam durch die Jahreszeiten wandern.
Nach 24 Jahren, also nach einem dreifachen Octennium, war deshalb eine weitere Korrektur möglich. In der sechsten Tetraeteris wurde der erste Schaltmonat von 22 auf 21 Tage verkürzt; der Schaltmonat von 23 Tagen im vierten Jahr entfiel vollständig. Die vier Jahre dieses besonderen Zyklus hatten damit 355, 376, 355 und 355 Tage, zusammen 1441 Tage. Über 24 Jahre ergaben sich 8766 Kalendertage. Das entspricht durchschnittlich 365,25 Tagen pro Jahr und damit der späteren julianischen Jahreslänge.
Jahres- und Tageszählung
In der frühen Republik wurden Jahre nicht fortlaufend nummeriert, sondern nach den amtierenden Konsuln bezeichnet. Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. zählte man auch von der Einweihung des Jupitertempels im Jahr 507 v. Chr. Später setzte sich die Zählung ab urbe condita, kurz a. u. c., „seit Gründung der Stadt“, mit dem Ausgangsjahr 753 v. Chr. durch. Im Kaiserreich kam Anno Diocletiani hinzu, gezählt ab Diokletians Regierungsübernahme 284. Dieses A. D. ist nicht mit dem seit 525 n. Chr. gebräuchlichen Anno Domini zu verwechseln.
Die Tage eines Monats wurden nicht wie heute vom 1. bis zum Monatsende fortlaufend bezeichnet. Bezugspunkte waren die Kalendae am ersten Tag, die Nonae am fünften oder siebten Tag und die Iden am 13. oder 15. Tag. In März, Mai, Juli und Oktober lagen die Nonen am 7. und die Iden am 15. Tag; in allen anderen Monaten am 5. und 13. Tag. Hinzu kam das Tubilustrium am achten Tag nach den Iden. Die ursprüngliche Verbindung dieser Daten mit Neumond, zunehmendem Halbmond, Vollmond und abnehmendem Halbmond ging früh verloren.
Andere Tage zählte man rückwärts vom nächsten Bezugstag, wobei sowohl der betreffende Tag als auch der Zieltag mitgerechnet wurden. Der 15. Mai waren die Iden des Mai, der 7. Mai die Nonen des Mai. Der 5. Mai hieß „drei Tage vor den Nonen des Mai“, der 10. Mai „sechs Tage vor den Iden des Mai“ und der 20. Mai „13 Tage vor den Kalenden des Juni“. Der unmittelbar vorausgehende Tag wurde Pridie genannt.
Faustregeln zur Umrechnung: Daten vor den Nonen werden in gewöhnlichen Monaten von 6, in März, Mai, Juli und Oktober von 8 abgezogen. Daten vor den Iden werden entsprechend von 14 oder 16 abgezogen. Daten vor den Kalenden des Folgemonats werden von der um 2 erhöhten Zahl der Monatstage abgezogen. Daher entspricht der 21. April: 30 + 2 − 21 = 11 Tage vor den Kalenden des Mai. Caesars Reform erschwerte diese Zählung, weil Nonen und Iden trotz verlängerter Monate an ihren alten Positionen blieben.
Marktwoche und Tagescharakter
Die Republik verwendete statt einer siebentägigen Woche eine achttägige Marktwoche, den Nundinalzyklus. Der Ausdruck Nundinae bedeutet zwar „neuntägig“, doch zählte die römische inklusive Zählweise beide Markttage mit; tatsächlich lagen nur sieben Tage zwischen ihnen. Die acht Tage wurden vom 1. Januar an fortlaufend mit den Nundinalbuchstaben A bis H bezeichnet. Weil 355 und andere Jahreslängen nicht durch acht teilbar waren, wechselte der Buchstabe des Markttags jährlich. War er in einem 355-tägigen Jahr A, war er im nächsten Jahr F, ohne dass der Achttagerhythmus unterbrochen wurde.
Der Markttag war für das tägliche Leben wichtig: Menschen vom Land kamen in die Stadt, während Stadtbewohner Vorräte für die nächsten acht Tage kauften. Die Lex Hortensia von 287 v. Chr. verbot Volksversammlungen an Markttagen, erlaubte aber Gerichtsversammlungen. In der späten Republik galt ein Markttag am 1. Januar als unheilvoll; die Pontifices versuchten diese Verbindung zu vermeiden. Da der Zyklus grundsätzlich feststand, sind bekannte Markttage ein wichtiges Hilfsmittel zur Umrechnung vorjulianischer Daten. Im frühen Kaiserreich wurde der Markttag gelegentlich verschoben; die Einzelheiten sind unklar. Wahrscheinlich geschah dies, wenn er in einem Schaltjahr mit dem Regifugium am 24. Februar zusammenfiel.
Nach Einführung des julianischen Kalenders setzte sich in der frühen Kaiserzeit allmählich die siebentägige Woche durch. Beide Systeme bestanden zunächst nebeneinander. Aus den angepassten Nundinalbuchstaben entstanden die Sonntagsbuchstaben. Im Jahr 321 führte Konstantin der Große die christliche Woche mit dem Sonntag als offiziellem Ruhetag ein; damit endete der Gebrauch des Nundinalzyklus.
Neben dem Nundinalbuchstaben besaß jeder Kalendertag einen Tagescharakter, der erlaubte amtliche Handlungen, besonders die Tätigkeiten der Magistraten, regelte. Eine vollständige Datumsbezeichnung verband daher mehrere Angaben; der 1. Januar konnte etwa als „A Kal.Ian.F“ erscheinen.