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Quintanstiegssequenz
Der Begriff Quintanstiegssequenz eignet sich generell für Sequenzen, deren Glieder jeweils eine Quinte auf- bzw. eine Quarte abwärts versetzt werden, …
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Grundprinzip
Die Quintanstiegssequenz ist ein musikalisches Sequenz- und Satzmodell. Allgemein kann der Begriff Sequenzen bezeichnen, deren Glieder jeweils um eine Quinte aufwärts beziehungsweise eine Quarte abwärts versetzt sind. Meist ist jedoch ein Modell gemeint, dessen Bassstimme abwechselnd in steigenden Quinten und fallenden Quarten fortschreitet.
Da jedes Sequenzglied gewöhnlich eine solche Fortschreitung enthält, liegt das jeweils folgende Glied insgesamt eine Sekunde höher. Eine beispielhafte Bassfolge lautet C–G–D–A–E–H. Fedele Fenaroli (1730–1818) ordnete diese Fortschreitung als „movimento principale“, auf Deutsch „Haupt-Fortschreitung“, ein.
Harmonisierung und Grenzen
Jeder Basston kann durch Terz und Quinte zu einem Dreiklang ergänzt werden. In C-Dur ergibt sich beispielsweise die Stufenfolge I–V–II–VI–III–VII.
Mit ausschließlich leitereigenen Tönen lässt sich das Modell in Dur allerdings nur von der I. bis zur III. Stufe verwenden. Über der anschließend erreichten VII. Stufe entsteht eine verminderte Quinte, die klanglich aus dem Rahmen des Modells fällt. Darin unterscheidet sich die Quintanstiegssequenz von der Quintfallsequenz. In Moll tritt der verminderte Dreiklang bei einer Quintanstiegsfolge ab der I. Stufe bereits im dritten Akkord auf; deshalb wird das Modell dort nicht verwendet.
Modulation
Durch leiterfremde Töne, also Töne, die nicht zur Ausgangstonleiter gehören, kann die Quintanstiegssequenz zur Modulation eingesetzt werden. Eine Modulation ist der Übergang in eine andere Tonart. Das Satzmodell ermöglicht dabei auch Wechsel in entferntere Tonarten.
Als Beispiel nennt der Artikel Robert Schumanns Arabeske op. 18: Zu Beginn des zweiten Teils des Minore-II-Abschnitts moduliert Schumann mithilfe dieses Verfahrens von F-Dur nach e-Moll.
Typische Ausgestaltung
Die vermutlich gebräuchlichste Ausführung in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts verbindet die stufenweise aufwärts sequenzierten Quintanstiege mit Quartvorhalten über jedem Basston. Ein Quartvorhalt ist ein zunächst festgehaltener Ton im Abstand einer Quarte zum Bass, der sich anschließend in die Terz auflöst; dadurch entsteht wiederholt die Folge 4–3.
Gleichzeitig bilden die beiden Oberstimmen einen Kanon: Eine Stimme ahmt die andere in festem Abstand nach, hier in der Unterquarte beziehungsweise Oberquinte. Beispiele dieser Gestaltung stehen in den Anfangstakten des Präludiums C-Dur (BWV 924) von Johann Sebastian Bach, im Chor „Surely, He hath borne our griefs“ (T. 19–21) aus Georg Friedrich Händels Oratorium „Messiah“ (HWV 56) und im zweiten Satz (T. 60–64) der Sinfonie Nr. 104 von Joseph Haydn.
Weitere Bezeichnungen
Robert Gjerdingen prägte in der angelsächsischen Musiktheorie die Bezeichnung „Monte Romanesca“. Das Modell beginnt wie die Romanesca mit dem Schritt I–V, steigt danach jedoch wie ein Monte weiter, statt zu fallen.
Im deutschsprachigen Raum wird außerdem der Ausdruck „Quint-Quart-Gegenschritt“ verwendet. Diese Bezeichnung ist nicht eindeutig, weil manche Autoren damit auch die Quintfallsequenz meinen.