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Qualitatives Wachstum
Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft Literatur
Inhalt4 Abschnitte
Grundidee und Abgrenzung
Qualitatives Wachstum bezeichnet in der Systemwissenschaft die innere Verbesserung eines Systems. Sie entsteht durch den Umbau und die „Verfeinerung“ von Strukturen sowie durch die Ausdifferenzierung neuer Funktionen und Möglichkeiten in Subsystemen. Im Mittelpunkt steht nicht eine mengenmäßige Vergrößerung, sondern eine größere Vielfalt. Diese Entwicklung tritt vor allem ein, wenn quantitatives Wachstum an seine Grenzen stößt.
Heute wird der Begriff fast ausschließlich auf das Wirtschaftswachstum bezogen. Gemeint ist eine Entwicklungsrichtung, die die Qualität erzeugter Waren und Dienstleistungen sowie die Lebensqualität verbessern soll. Der Gegenbegriff ist quantitatives Wirtschaftswachstum, also die Erhöhung der Menge erzeugter Waren und Dienstleistungen. Während sich Mengen vergleichsweise einfach bestimmen lassen, muss Qualität über nicht-monetäre Indikatoren erfasst werden. Welche Indikatoren geeignet sind, ist Gegenstand der Diskussion.
Wirtschaftliche Strategie und ökologische Ziele
Dem qualitativen Wirtschaftswachstum liegt die Annahme zugrunde, dass wachsendes Können und in Innovationen umgesetztes Wissen die Qualität von Produkten und Dienstleistungen erhöhen. Langlebige, gut gewartete und energiesparende Geräte und Anlagen sollen den Rohstoffverbrauch und die Emissionen verringern. Das Massengeschäft mit kurzlebigen Billigprodukten soll deshalb wieder stärker durch langlebige Qualitätsware mit garantiertem Service ersetzt werden.
Das produzierende Gewerbe kann nach diesem Ansatz durch Qualitätsverbesserungen seine Wertschöpfung steigern, obwohl der Stoffumsatz sinkt. Wenn der notwendige Strukturwandel Arbeitskräfte freisetzt, soll ein großer Bedarf an sozialen, pädagogischen und kulturellen Dienstleistungen entstehen, insbesondere für eine mehrheitlich arme und von Wissensquellen ausgeschlossene Weltbevölkerung.
Als ökonomische Strategie und politisches Programm reagiert qualitatives Wachstum auf die vor allem von Ökologen geäußerte Wachstumskritik. Es unterscheidet sich jedoch von radikaleren Forderungen nach einer Rücknahme des Wachstums. „Grünes Wachstum“ wird teilweise synonym verwendet, ist aber nicht gleichbedeutend: Es zielt lediglich auf eine ökologische Verbesserung der Produktion, um die quantitativen wirtschaftspolitischen Wachstumsziele nachhaltig zu sichern.
Messung der Lebensqualität
Der Zuwachs an Lebensqualität in einer Volkswirtschaft wird je nach Modell mit verschiedenen Indikatoren gemessen. Die OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development) hat acht Hauptziele als Ansatzpunkte für ein Indikatorensystem festgelegt:
- Gesundheit
- Lernen und Ausbildung
- Qualität des Arbeitslebens
- Freizeit und Zeiteinteilung
- wirtschaftliche Situation und Kaufkraft
- physische Umwelt
- persönliche Sicherheit
- soziale Beteiligungschancen
In diesem Modell werden Verhältniszahlen zur Berechnung verwendet.
Kritik und Anwendung in Unternehmen
Wachstumskritiker halten qualitatives Wachstum für paradox und utopisch. Sie fordern stattdessen, den Wachstumszwang zu überwinden. Niko Paech argumentiert beispielsweise, dass „eine Fülle von Rebound-Effekten alle Einsparungen zunichte“ mache. Eine reale Perspektive für Nachhaltigkeit sei seiner Auffassung nach nur in einer „Postwachstumsökonomie“ denkbar. Innerhalb der wachstumskritischen Bewegung besteht weitgehender Konsens gegen qualitatives Wachstum.
Der Begriff wird auch in der Unternehmensführung verwendet. Dort bezeichnet er einen Entwicklungsprozess, durch den ein Unternehmen ein höheres Niveau an Leistungsqualität und Nachhaltigkeit erreicht. Voraussetzungen sind die Weiterentwicklung der Führungsqualität, der Arbeitsqualität und der Prozessqualität sowie ein qualitätsorientiertes Partnermanagement entlang der Wertschöpfungskette.