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Purim

Das Purimfest (hebräisch purim, Plural von פור pur, deutsch ‚Los', ursprünglich vom akkadischen Wort pūru jiddisch Purim oder Pirem) ist ein jüdisches Fest, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Ursprung
  2. 2. Zeit der Feier
  3. 3. Pflichten am Fest
  4. 4. Bräuche und Stimmung
  5. 5. Sonderformen und Nachwirkung
  6. 6. Missbrauch im Nationalsozialismus

Kern und Ursprung

Purim ist ein jüdisches Fest, das an die Rettung der Juden vor drohender Vernichtung im persischen Achämenidenreich erinnert. Nach dem Buch Ester wollte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs Achaschwerosch, hebräisch für Xerxes I., alle Juden im Reich an einem einzigen Tag ermorden lassen. Sein Name wurde dadurch zum Symbol der Judenfeindschaft.

Der Konflikt beginnt damit, dass Mordechai, der oberste Rabbiner der Juden, sich weigert, vor Haman niederzuknien. Aus Rache plant Haman die Tötung aller Juden und überzeugt den König durch eine Intrige. Der Zeitpunkt, der 13. Adar, wird durch ein Los bestimmt. Daher kommt der Name Purim, denn „pur“ bedeutet „Los“.

In der Not bittet Mordechai seine Cousine und Stieftochter Esther, die in der Überlieferung als Königin vorgestellt wird, beim König für ihr Volk einzutreten. Da das bestehende Gesetz nicht widerrufen werden darf, erlaubt der König den Juden, sich zu verteidigen. Nach dem Bericht des Buches Ester töten die jüdischen Gemeinden ihre Feinde; genannt werden „fünfundsiebzigtausend“ oder je nach Lesart fünfundsiebzig Anführer. Mordechai und Esther schreiben die Ereignisse auf, und der König fordert die jüdischen Gemeinden in allen Provinzen auf, ihre Rettung und ihre Treue zu seiner Herrschaft künftig mit Purim zu feiern.

Der Artikel nennt mögliche historische oder religionsgeschichtliche Zusammenhänge mit der zoroastrischen Ahnengedenkzeit Frawardigan oder mit dem von Herodot beschriebenen Magophonia-Festtag. Diese Zusammenhänge werden nur als Möglichkeit dargestellt.

Zeit der Feier

Purim wird am 14. oder 15. Tag des Monats Adar im jüdischen Kalender gefeiert. In Israel ist es ein Feiertag. Jeder jüdische Festtag beginnt bereits am Vorabend, weil ein Tag im jüdischen Kalender vom Vorabend bis zum Abend des folgenden Tages dauert. Dieser Beginn am Abend heißt Erev.

In ganz Israel und in der Diaspora wird Purim normalerweise am 14. Adar gefeiert. In Jerusalem, Jericho, der früheren persischen Hauptstadt Susa und in allen Städten, die zur Zeit Josuas, des Sohnes Nuns, von einer Mauer umgeben waren, wird Purim am 15. Adar begangen. Dieses Purim heißt Schuschan Purim oder Purim der Städte. Es unterscheidet sich vom Purim der Provinzstädte, das in offenen Städten gefeiert wird. In Städten, bei denen unsicher ist, ob sie früher ummauert waren, zum Beispiel Akko, Tiberias und Jaffa, wird Purim sowohl am 14. als auch am 15. Adar gefeiert.

Die Begründung lautet: Am 13. Adar kämpften die Juden gegen ihre Feinde und ruhten am 14. Adar aus; deshalb wurde dieser Tag zum Tag der Freude und des Festmahls. In Susa durften die Juden am 13. und am 14. Adar kämpfen und ruhten erst am 15. Adar. Darum wurde dort der 15. Adar zum Freudentag. Um das Land Israel zu ehren, übertrugen jüdische Gelehrte diese besondere Regel auch auf die Städte im Land Israel, die zur Zeit Josuas ummauert waren.

In jüdischen Schaltjahren wird der Monat Adar verdoppelt. Purim findet dann im zweiten Adar statt; im ersten Adar wird Purim qatan, also „kleines Purim“, gefeiert. Die Karäer feiern Purim im Unterschied zum rabbinischen Judentum im ersten Adar.

Pflichten am Fest

Der Artikel nennt sieben Pflichten an Purim. Die erste ist die vollständige Lesung des Buches Ester, der Megillat Ester. Dabei darf kein Wort verpasst werden. Wenn beim Namen Haman mit Ratschen, Rasseln oder anderem Lärm das sogenannte Haman-Klopfen entsteht, muss der Vorlesende warten, bis es wieder ruhig ist.

Zweitens werden Geschenke an Nächste oder Freunde geschickt. Diese Gabe heißt Mischloach Manot oder Schlachmones. Mindestens eine Sendung ist vorgeschrieben, und sie muss aus mindestens zwei verschiedenen Speisen bestehen. Sie soll am Feiertag selbst geschickt werden, nicht am Vorabend.

Drittens gibt man Geschenke für die Armen, Matanot Laewjonim. Mindestens sind zwei Geschenke an zwei arme Menschen vorgesehen, also ein Geschenk pro Person. Geldspenden sind üblich und erwünscht.

Weitere Pflichten sind das Lesen der Tora, das Sprechen von „Über die Wunder“ beim Gebet und beim Tischgebet sowie Festmahlzeiten und Freude, die Seudat Purim. Purim wird mit Essen und Trinken gefeiert. Im Artikel wird dazu die Aussage jüdischer Gelehrter wiedergegeben, man solle so viel Wein trinken, bis man nicht mehr zwischen „Verflucht sei Haman“ und „Gelobt sei Mordechai“ unterscheiden könne. Außerdem werden l’Chaims, also Trinksprüche „Auf’s Leben!“, und Hamantaschen genannt. Schließlich sind Trauerreden und Fasten verboten.

Bräuche und Stimmung

Die Bräuche zu Purim werden im Artikel auf Ester 9:20-22 zurückgeführt. Dort heißt es, Mordechai habe den Juden vorgeschrieben, den vierzehnten und fünfzehnten Adar jährlich als Festtage zu begehen: als Tage, an denen sich Kummer in Freude und Trauer in Glück verwandelten. Dazu gehören Essen und Trinken, gegenseitige Geschenke und Geschenke an die Armen.

Beim gemeinsamen Gebet in der Synagoge ist die Atmosphäre fröhlich und ungezwungen. Die Festrolle des Buches Ester wird vorgelesen. Immer wenn der Name Haman fällt, machen besonders Kinder mit Tuten, Rasseln und Ratschen, jiddisch Grägger, Lärm. Der Artikel erklärt dies mit dem Befehl Gottes, den Namen Amaleks auszulöschen; Amalek gilt als Vorfahr Hamans und hatte Israel auf dem Weg zum Gelobten Land überfallen.

Außerhalb des Gottesdienstes gehören besondere Purimliteratur, Masken, Verkleidungen und Purimspiele zum Fest. Solche Aufführungen konnten Possen, Parodien biblischer Ereignisse und Figuren oder die Figur des „Rabbi von Purim“ enthalten. Einmal im Jahr durften dabei auch die Honoratioren der Gemeinde verspottet werden. Auf den Straßen sieht man bunte Kleidung und Kostüme ähnlich wie im Karneval. In Israel heißen die fröhlichen, bunten Umzüge Ad-lo-jada, „bis man nicht mehr weiß“.

Im Mittelpunkt stehen Verkleiden, Umzüge, Geschenke und reiches Festessen. Genannt werden Hamantaschen mit Mohn, Nüssen oder Schokolade, Nunt sowie gekochte Bohnen und Erbsen. Verschiedene ethnische Gruppen und Gemeinden haben eigene Speisen und Formen der Unterhaltung entwickelt.

Für die Masken und Kostüme gibt es mehrere Erklärungen. Der Artikel nennt mögliche Einflüsse des christlichen Karnevals, aber auch eine innerjüdische Deutung: Im Buch Ester wird Gott nicht direkt genannt, sondern nur in Wortzusammensetzungen. Die jüdische Tradition versteht dies so, dass sich selbst Gott zu Purim „verkleide“. Trotz seiner Unsichtbarkeit werde in der Erzählung die göttliche Vorsehung, also Gottes lenkende Gegenwart, erkennbar.

Sonderformen und Nachwirkung

Purim meschulasch bedeutet „dreimal Purim“. Es kann vorkommen, wenn der 15. Adar in einer von Mauern umgebenen Stadt auf einen Schabbat fällt. Dann verteilt sich das Fest auf drei Tage: Am 14. Adar werden die Megilla gelesen und Geschenke für die Armen gegeben. Am 15. Adar, dem Schabbat, folgen das Gebet Al ha-Nissim und die Toralesung. Am 16. Adar finden die Festmahlzeit und die Geschenksendungen an die Nächsten statt.

Auch örtliche Gedenktage mit ähnlichem Anlass können „Purim“ heißen. Ein Beispiel ist Purim Vintz oder Purim Vincenz in Frankfurt am Main. Die Jüdische Gemeinde Frankfurt feierte es seit 1616 bis zum Holocaust jährlich am 20. Adar. Es erinnerte an die Niederschlagung des judenfeindlichen Fettmilch-Aufstands von 1614 und an die feierliche Rückführung der zuvor vertriebenen Gemeinde in die Judengasse.

Der Stoff des Buches Ester wirkte auch literarisch nach. Der Artikel beschreibt ihn als Erzählung, die die Erhöhung der Demut und den Sturz des Hochmuts sichtbar macht. Seit dem 16. Jahrhundert wurde er wiederholt dramatisiert, unter anderem von Hans Sachs, Lope de Vega, Racine, Grillparzer und Max Brod.

Missbrauch im Nationalsozialismus

Im Nationalsozialismus wurde Purim häufig antisemitisch verzerrt. Nationalsozialisten warfen den Juden die im Buch Ester berichtete Gegengewalt gegen Haman und seine Gefolgsleute vor. Die antisemitische Wochenzeitung Der Stürmer behauptete 1934, Juden würden an Purim bei einem exzessiven Trinkgelage Hass und Mord gegen Nichtjuden predigen. Außerdem wurde behauptet, Juden durchbohrten eine Haman-Puppe, die sie auch mit Adolf Hitler identifizierten.

Julius Streicher erklärte am 10. November 1938, einen Tag nach der Reichspogromnacht, die Juden hätten damals 75.000 Perser ermordet. Er behauptete, sie hätten durch das Anzetteln eines Krieges gegen Deutschland dem deutschen Volk ein ähnliches Schicksal bereitet und ein neues deutsches Purimfest eingeführt, wenn man ihnen nicht durch die Pogrome zuvorgekommen wäre. Am 30. Januar 1944 zog Hitler selbst eine Verbindung zwischen sich und Haman sowie zwischen einer Niederlage Nazideutschlands und einem „zweiten Purim“. Bei seiner Hinrichtung am 16. Oktober 1946 sagte Streicher: „Heil Hitler! Das ist das Purimfest 1946. Ich gehe zu Gott. Die Bolschewisten werden eines Tages euch auch hängen.“

Während des Holocausts wählten Nationalsozialisten wiederholt Purim für Angriffe auf Juden. 1942 wurden im polnischen Zduńska Wola an Purim zehn Juden gehängt, angeblich „um Hamans Söhne zu rächen“. 1943 wurden mit ähnlicher Begründung zehn Juden aus dem Ghetto Piotrków Trybunalski erschossen. Am Purimfest desselben Jahres wurden bei Częstochowa und Szydłowiec über einhundert jüdische Ärzte und ihre Familien ermordet.

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