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Prüfung
Eine Prüfung ist ein Verfahren, bei dem Kenntnisse oder Fertigkeiten, allgemein eine Leistung, durch bestimmte Aufgabenstellungen oder Fragen festgestellt …
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Was eine Prüfung ist
Eine Prüfung ist ein Verfahren, bei dem Kenntnisse, Fertigkeiten oder allgemein eine Leistung durch bestimmte Aufgabenstellungen oder Fragen festgestellt werden. Dazu werden arrangierte Situationen geschaffen, in denen bestimmte Leistungen gezeigt werden sollen. Auf dieser Grundlage werden die zugrunde liegenden Fähigkeiten, das Wissen, das Können und bestimmte Dispositionen möglichst objektiv durch Messung oder, wenn dies nicht möglich ist, durch Bewertung festgestellt. Das Ergebnis wird in einem Prüfungszeugnis bescheinigt.
Von der festgestellten Leistung wird häufig auf mögliche spätere Leistungen geschlossen. Prüfungen können außerdem Voraussetzung für Berechtigungen und Aufstiegsmöglichkeiten sein. Sie sollen nicht nur Lernende beurteilen, sondern auch auf Lehrende und Lernende zurückwirken, indem sie informieren und zur Aufklärung über den Lernstand beitragen.
Unterschieden werden Aufnahme-, Zugangs-, Eignungs- und Abschlussprüfungen. Abschlussprüfungen können auch als Zwischenprüfungen beim Erreichen von Zwischenzielen stattfinden. Beispiele sind Gehilfen-, Gesellen-, Meister-, Diplom- und Doktorprüfungen.
Examen und Prüfungsfunktionen
Ein Examen, Plural Examina, ist meist eine schriftliche und mündliche Prüfung zum Nachweis eines bestimmten Kenntnis- und Wissensstandes. Bei Hochschulexamina gehören in der Regel fachbezogene Klausuren und eine Examensarbeit dazu, etwa eine Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Masterarbeit. Voraussetzung ist die Absolvierung eines vorgeschriebenen Studienganges. Schriftliche Abschlussarbeiten eines ordentlichen Studiums werden regelmäßig von einem Hochschullehrer vergeben, betreut und bewertet.
Wird ein Examen in Deutschland von einer staatlichen Stelle vergeben und nicht durch eine Hochschule abgelegt, handelt es sich um ein Staatsexamen. Es kommt unter anderem in Rechtswissenschaft und Verwaltungswissenschaft, im Lehramt, in Medizin und Pharmazie zur Anwendung. Weitere Formen sind das theologische Examen als Abschlussprüfung des Theologiestudiums und das Konzertexamen als Abschlussprüfung eines Aufbaustudiengangs an einer Musikhochschule.
Nach Thomas Tinnefeld haben Prüfungen drei Funktionen:
- Diagnostische Prüfungen erfassen anhand einer Stichprobe aus dem Wissensinventar die aktuelle Kompetenz auf einem Sachgebiet und zertifizieren sie. Typische Beispiele sind Zwischen- und Abschlussprüfungen.
- Prognostische Prüfungen leiten aus der erhobenen Stichprobe eine Aussage über den künftig zu erwartenden Erfolg in der weiteren Ausbildung ab. Dazu müssen die Aufgaben auch Aussagen über eine Entwicklungsprognose ermöglichen. Typisch sind Aufnahme- und Übergangsbeurteilungen.
- Selektionsprüfungen suchen gezielt nach Kandidaten zur Auslese, besonders bei Ressourcenknappheit. Sie prüfen negativ fehlendes Wissen und können vorhandene spezifische Kompetenzen ignorieren. Nach der Darstellung im Artikel sind sie daher keine Prüfungen im eigentlichen Sinn, sondern Auswahlinstrumente; ein Bildungsquiz wird als Beispiel genannt.
Formen und nachweisbare Kompetenzen
Prüfungen können unabhängig von ihrer Funktion in verschiedenen Formen durchgeführt werden. Grundsätzlich werden praktische, mündliche und schriftliche Prüfungen, Wahlantwortverfahren sowie schriftlich strukturierte Prüfungen unterschieden.
Mündliche Prüfungen finden als Gespräch statt und können als Einzel- oder Gruppenprüfung durchgeführt werden. Sie machen Denkprozesse, Argumentationsweisen und Transferfähigkeiten sichtbar. Neben Fachwissen können sie kommunikative und soziale Kompetenzen erfassen. Typische Formate sind Kolloquien, Präsentationen und die Verteidigung wissenschaftlicher Arbeiten.
Schriftliche Prüfungen werden standardisiert durch die Bearbeitung von Aufgaben auf Papier oder durch digitale Eingabe durchgeführt. Sie können Wissen, Verständnis, Problemlösefähigkeit und schriftliche Ausdrucksfähigkeit erfassen. Da die Bewertungskriterien meist stärker vereinheitlicht sind, ermöglichen sie eine gute Vergleichbarkeit. Beispiele sind Klausuren, Essays und Multiple-Choice-Tests.
Probleme und digitale Methoden
Ein zentrales Problem von Prüfungen ist ihr punktueller Charakter: Sie erfassen häufig nur eine Augenblicksleistung. Außerdem ist ihr Vorhersagewert grundsätzlich fragwürdig. Weitere Schwierigkeiten entstehen durch subjektive oder nicht standardisierte Bewertungen sowie durch psychischen Stress in Prüfungssituationen. Für schriftliche Examensarbeiten werden deshalb motivierendes Betreuerverhalten und standardisierte analytische Bewertungsschemata vorgeschlagen. Gleitende Prüfungen sollen den Stress verringern und Leistungen stärker im Längsschnitt erfassen.
Neben papierbasierten Prüfungen werden im Schulunterricht, an Hochschulen und bei Zertifizierungsprüfungen der beruflichen Weiterbildung zunehmend elektronische, digitale oder computergestützte Prüfungen eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise E-Portfolios. Elektronische Prüfungstools können für Zugangs- und Einstufungstests, für das Self-Assessment der Lernenden und für reguläre Lernerfolgskontrollen genutzt werden. Als weniger verbreitete digitale mündliche Prüfungsform gibt es die Videoprüfung. An Hochschulen in modularisierten Studiengängen kommt außerdem das Referat vor.
Einsatzgebiete und digitale Zertifikate
Prüfungen dienen als Leistungsnachweis in unterschiedlichen Bereichen:
- An Hochschulen gibt es Klausuren, Zwischenprüfungen und Staatsexamina, die in der Regel rechtlich durch eine Prüfungsordnung geregelt sind.
- An Schulen gehören schriftliche Klassenarbeiten, mündliche Leistungen, Gruppenarbeiten sowie Abitur oder Matura dazu.
- Im Berufsleben sind Gesellen- und Meisterprüfungen wichtige Beispiele.
- Dinge werden auf normgerechte oder vorgegebene Eigenschaften geprüft, etwa durch Materialprüfungen oder einen Kalttest.
- Prozesse und Abläufe können hinsichtlich ihrer Effizienz und Effektivität oder ihrer Übereinstimmung mit einem Regelwerk geprüft werden, beispielsweise im Rahmen einer Zertifizierung oder eines Audits.
- In der Literaturwissenschaft bezeichnet Prüfung beziehungsweise Examination speziell die zeilenweise Prüfung und Auswahl verschiedener Lesarten.
- In der Organisationslehre ist Prüfung eine nicht laufende, situationsbedingte oder fallweise Überwachung.
- In der Finanzberichterstattung gibt es die Wirtschaftsprüfung.
Das Projekt Open Badges der Mozilla Foundation ermöglicht Zertifikatsgebern, digitale Zertifikate herauszugeben. Die Inhaber können diese Zertifikate über das Internet präsentieren.