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Prädator

Prädator (lat. praedatio Beutemachen, Plündern, Rauben) bezeichnet in der Biologie, in allgemeiner Form, einen Organismus, der einen anderen zum Zweck der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Uneinheitliche Definitionen
  3. 3. Wechselwirkungen zwischen Arten
  4. 4. Mechanismen und Abgrenzungen
  5. 5. Hauptgruppen von Prädatoren
  6. 6. Besondere Bezeichnungen

Grundidee und Bedeutung

Ein Prädator ist in der Biologie allgemein ein Organismus, der einen anderen Organismus zur Nahrungsaufnahme nutzt und dabei meist tötet. Das betroffene Lebewesen heißt Beute. Synonyme sind Räuber, Beutegreifer, Fressfeind und seltener Episit. Steht ein Prädator in der Nahrungskette ganz oben, spricht man von einem Spitzenprädator.

Prädation ist wichtig, weil sie die Beziehungen zwischen Arten in einem Ökosystem beschreibt. Besonders bedeutsam ist die Frage, ob ein Prädator die Populationsgröße seiner Beute regeln oder begrenzen kann. Solche Beziehungen werden als Räuber-Beute-Beziehungen mathematisch modelliert, häufig mit Lotka-Volterra-Gleichungen. Bei spezialisierten Arten können Prädator und Beute sich gegenseitig beeinflussen und über längere Zeit aneinander anpassen; dies nennt man Koevolution.

Uneinheitliche Definitionen

Die Begriffe Prädator und Prädation werden in der Ökologie nicht einheitlich verwendet. Es gibt viele Definitionen, die sich im Kern auf zwei Grundtypen zurückführen lassen.

Eine Definitionsweise geht vom Verhalten aus: Ein Prädator ist dann eine Art, die bestimmte Handlungen zeigt, zum Beispiel Jagd- und Tötungsverhalten, und dazu passende körperliche Anpassungen besitzt. Eine andere Definitionsweise geht von der Wechselwirkung zwischen zwei Arten aus: Eine Art, der Prädator, profitiert, während die andere Art Nachteile erleidet. Manche Definitionen verbinden beide Ansätze.

Ein verbreitetes Lehrbuch definiert Prädatoren zunächst über die Interaktion und unterscheidet dann nach den Mechanismen vier Gruppen: echte Räuber, Weidegänger, Parasitoide und Parasiten. „Typische“ oder „eigentliche“ Räuber passen zu beiden Definitionsweisen. Andere Organismen werden je nach Definition einbezogen oder ausgeschlossen.

Wechselwirkungen zwischen Arten

Der Ökologe Eugene P. Odum machte ein Schema bekannt, in dem Wechselwirkungen zwischen Populationen zweier Arten nach ihren Auswirkungen dargestellt werden. Eine Wirkung kann positiv (+), negativ (−) oder neutral (0) sein. Daraus entsteht eine Matrix möglicher Interaktionen.

Für Prädation besonders wichtig sind Wechselwirkungen der Form +/−: Eine Art profitiert, die andere erleidet Nachteile. Nach Odum gehören dazu Raub und Parasitismus. Er unterscheidet sie unter anderem nach der Größe: Der Räuber ist im Allgemeinen größer als seine Beute, ein Parasit kleiner. Andere Ökologen fassen alle +/−-Interaktionen als Prädation auf.

Die positiven und negativen Wirkungen können unterschiedlich verstanden werden, etwa als Einfluss auf die Populationsgröße oder auf das Wachstum einer Population. Diese Effekte können kurzfristig und langfristig verschieden sein. Ein Prädator kann auf kurze Sicht negative, auf längere Sicht aber positive Auswirkungen auf die Beuteart haben, zum Beispiel wenn eine Beuteart ihren Lebensraum über die Tragfähigkeit hinaus ausnutzt. In der Praxis können Konkurrenz und Prädation gleichzeitig auftreten, etwa bei Allesfressern. Auch wechselseitige Räuber-Beute-Beziehungen kommen vor, besonders wenn erwachsene Tiere und Jungtiere verschieden betroffen sind.

Mechanismen und Abgrenzungen

Nach mechanistischen Definitionen gelten Organismen als Prädatoren, wenn sie sich von anderen Organismen ernähren und evolutive Anpassungen an diese Ernährungsweise besitzen. Häufig werden nur Organismen eingeschlossen, deren Beute zu Beginn des Fressvorgangs lebendig ist und am Ende getötet wird.

Dadurch werden Parasiten und Krankheitserreger oft ausgeschlossen. Parasitoide können je nach Definition dazugehören oder nicht: Sie leben parasitisch, töten ihren Wirt aber regelmäßig zum Abschluss ihrer Entwicklung. Auch Pflanzenfresser werden unterschiedlich behandelt. Manche Definitionen schließen sie ganz aus; andere rechnen diejenigen dazu, die ihre „Beute“ töten. Ein samenfressender Vogel wäre danach ein Prädator, ein Weidegänger meist nicht, weil abgeweidete Pflanzen den Fressvorgang in der Regel überleben.

Ob Parasitismus eine Form der Prädation ist, bleibt definitionsabhängig. Eine Analyse aktueller englischsprachiger Lehrbücher mit n=20 ergab, dass etwa ein Drittel Parasitismus als eine Form der Prädation behandelt. Nicht zur Prädation im engeren Sinn zählt bei der Modellierung meist die Nutzung von totem organischem Material, etwa durch Aasfresser (Nekrophagen) und Saprophagen, weil Aasfresser nicht auf die Populationsgröße ihrer Beute zurückwirken können.

Hauptgruppen von Prädatoren

Prädatoren kommen in allen Tierklassen vor. Ein Lehrbuch von Michael Begon und Kollegen unterscheidet mehrere Gruppen.

Echte Räuber erbeuten meist verschiedene Organismen und töten sie gleich nach dem Angriff. Die Beute wird ganz oder teilweise gefressen. Beispiele sind fleischfressende Pflanzen, Raubtiere, Greifvögel wie Falkenartige und fleischfressende Meeresbewohner wie der Pottwal.

Weidegänger sind Organismen, die im Laufe ihres Lebens viele lebende Organismen, meist Pflanzen, abweiden. Sie nehmen in der Regel nur Teile dieser Organismen auf. Der Angriff ist meist schädlich, aber selten tödlich. Beispiele sind nahezu alle Paarhufer, etwa Schafe und Kühe, außerdem Schnecken und pflanzenfressende Insekten.

Parasiten konsumieren ebenfalls nur einen Teil der Beute, die hier Wirt genannt wird. Parasiten können Tiere, Pflanzen, Pilze oder Bakterien befallen. Die meisten schädigen ihren Wirt, indem sie seine Energiequellen nutzen, Gifte abgeben oder Haut und Gewebe mechanisch verletzen. Der Befall wirkt meist negativ, führt aber nur manchmal zum Tod. Es werden einzelne oder wenige Individuen angegriffen; dabei besteht eine enge Parasit-Wirt-Beziehung. Beispiele sind Bandwürmer, Schlupfwespen, Läuse, Trypanosomen und Plasmodien.

Die Grenzen sind nicht immer scharf. Pflanzenfresser, die einzellige Algen oder Samen aufnehmen, können teilweise wie echte Räuber wirken. Ein alternatives Schema, besonders bei Pilzen, unterscheidet Biotrophie, also Ernährung von lebenden Organismen, Nekrotrophie, also Ernährung von abgetöteten Organismen, und Saprotrophie, also Ernährung von bereits toten Organismen. Bei Pilzen spricht man in ähnlichem Sinn eher von Biotrophen als von Prädatoren.

Besondere Bezeichnungen

Fleischfresser, Zoophage oder Raubtiere (Carnivoren) entsprechen dem zuvor beschriebenen „Räuber“, umfassen aber auch fleischfressende Pflanzen und fleischfressende Pilze. Daneben gibt es omnivore Räuber, also Allesfresser mit räuberischer Ernährung, zum Beispiel Dachs und Mensch. Begriffe wie Nesträuber zeigen an, dass ein Prädator bevorzugt Nestlinge und Eier raubt.

Im Englischen werden samenfressende Tiere auch seed predators genannt; im Deutschen wird dafür neben Körnerfresser auch die Bezeichnung Samenprädator verwendet. Ähnlich wird pulp predator gelegentlich als Fruchtfleischprädator übersetzt, statt Fruchtfleischfresser oder Weichfresser.

Alle Prädatoren sind Konsumenten, weil sie als heterotrophe Organismen andere Lebewesen als Nahrung nutzen. Der Begriff Konsument wird vor allem bei Untersuchungen des Stoffkreislaufs und des Energieflusses in Ökosystemen verwendet. Umgekehrt sind aber nicht alle Konsumenten Prädatoren: Aasfresser ernähren sich zum Beispiel von toten Organismen.

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